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Schwachherzige als Individualitäten ohne Bedeutung, aber ihre unermeßliche Zahl gibt ihnen die Wucht. Vielleicht kämpfen sie dereinst nicht mit den Mäch­ten der Zerstörung, doch noch viel weniger gegen die­selben. Jene bündigen Elemente dagegen, welche in den verflossenen Jahren die Monarchie retteten, welche die Revolution in den legalen Weg der Reform nö­thigten, welche mit ihrem geistigen Uebergewicht jene moralischen Eigenschaften verbanden, durch deren Ge­walt sie den Aufruhr entkräfteten, ste werden heuch­lerische Rebellen, Wölfe in Schafskleidern, Wühler in Glanzhandschuhen von denen heute gewarnt, welche einst die Genossenschaft der radikalen Demokratie nicht verschmähten, und nunmehr als angebliche Wächter der Monarchie mit der ultramontanen, junkerhaften, ge­dankenlosesten Reaktion kokettiren. Renegirte Freiheits- männer, verkappte Fürstenknechte, käufliche Agenten des Despotismus! brüllt ihnen die demokratisch gegängelte Masse (?) von der andern Seite entgegen. In den Ekel­namen derProfessoren und Kaisermacher" u. dergl. ergeht sich gegen sie der Gassenwitz beider Extreme, und von beiden Seiten wälzt sich dereinst über sic hin die neue Fluth, endlos, uferlos, ziellos....Die Pro­paganda des Umsturzes und der Empörung wacht an den Thronen!" Der Leser möge selbst urtheilen, ob die Farben zu stark aufgetragen sind oder nicht; so weit unsere Wahrnehmungen reichen, gibt es kaum noch eine Mittelpartei, und wäre sie vorhanden, so bestände sie doch nur aus politisch bedeutungslosen Trümmern, und wäre nicht staick genug, die Extreme zu bändigen oder auseinander zu halten. Wir sind in Deutschland bei dem: Hie Wolf! hie Waiblingen! au­gelangt. Dahin hat die Reaktion es schon gebracht.

Bei solchen Zuständen sind wir russischen Einflüssen, russischen Planen bis auf Weiteres völlig Preis gege­ben, nicht erst seit den Visiten von Warschau rc. Preußens Angebot, 100,000 Mann gegen die Ungarn zu stellen, wurde in Wien abgelehnt; man warf sich lieber den Russen in die Arme. Dafür übernahm man die Verpflichtung, das Programm von Kremsier zu be­seitigen, d. h. Oesterreich wieder in einen absolutistischen Staat umzuwandeln; Preußen machte sich anheischig, wir wissen nicht für welche Dienste, mit der Revolu­tion zu brechen, und die Verfassung bis zur Null ab- zuschwächen, damit waren die beiden deutschen Groß­mächte in unversöhnlichen Zwiespalt mit den eigenen Staaten und Völkern gerathen, und um so mehr an Rußland hingedrängt, das als Alpha und Omega der neuen absvlutiftijchen Tripelallianz dieSolidarität der conservativen Interessen" hinstellte. Und damit nichts fehle, wurden auch die Mittelstaaten und, wie man höhnend in Dresden sich ausdrückte, die Heinzelmännchen" eingeschüchtert und wieder in die vormärzliche Bahn gedrängt, auf der nun manche ein absolutistisches Kirchthurmrennen ausführen. Aber auf wie abschüssiger Bahn! Sie verlieren dabei den Athem und ziehen sich selbst den Boden unter den Füßen weg.

Doch zu was sollten heute noch Warnungen und Mahnrufe frommen? Die Dinge gehen ihren unver­meidlichen Gang. Rußland erreicht vorerst den Haupt­zweck seiner Politik. Sein Streben ist die Ab­schwächung aller seiner Nachbarstaaten, da­mit diese wegen der sog.conservativen" Interessen von ihm abhängig bleiben. Der Bundestag hält wie­der Sitzungen in der Eschenheimer Gasse, Rußland befürwortet den Eintritt Gesammtö st erreich ö in den Bund. Es weiß, daß dadurch die abschwächenden Conflikte verewigt werden müßten. Dann würde Deutschland wieder, was es in den Zeiten des österreichisch-deutschen Kaiserthums gewesen: ein europäisches Bundesland, dessen nationale Fragen den Weg der schleswig-holsteinischen gehen müssen! Tritt Oesterreich mit seinem Gesammtstaaten-Compler in den deutschen Bund, dann sind die Streitfragen des adriatischen Meeres, die Angelegenheiten der Do­nau, Krakaus und der russischen Grenzländer nicht

Rußland." Der Ausspruch ist im Allgemeinen rich- 1 tig, und Rußland ganz besonders erkennt dir Nevolu- tion als Großmacht an, weil es gerade im Kampfe gegen sie alle seine Macht und Mittel aufbietet, Lei- der ist die Revolution in Europa permanent, weil . mit Ausnahme weniger Punkte, nirgends ein Gleich­gewicht besteht zwischen dem Bedürfnisse der Völker und " der Befriedigung , welche dieselben verlangen. Das ist ja eben dâs Kreuz der Diplomaten und Höfe, daß alle europäischen Fragen, alle europäischen Zu­stände sich in einem ganz unhaltbaren Provisorium befinde«; dass Niemand an die sogenannte Kontinuität des Rechtes glaubt! Es waren russische Federn, welche keck und unverblümt aussprachen,daß auf dem europäischen Continent kaum ein einziger Staat vor­handen sei, welcher sich auch nur vier und zwanzig Stunden halten könne, sobald man ihm seine Bayon, nette nehme!!" Natürlich wurde Rußland als Aus­nahm e hinzestcllt. Angenommen mit jenem Ausspruche habe es seine Richtigkeit, so läge darin ein furchtbares Verdammungsurtherl für die Politik sämmtlicher Staa- teil; sie hatten alsdann ferner gar keine Berechtigung zu eristiren; denn ein Staat, der lediglich auf der physischen Gewalt, nicht auf moralischem Boden steht, kann unmöglich die Staatszwecke erfüllen. Er führt Krieg gegen sich selbst, und wird zu einer Zwangsan­stalt. Der Trieb der Völker aber reagirt gegen je- den unfreien Gehorsam-, gegen jeden unberechtigten Zwang, und diese Gegenwirkung der Nationen ge­gen Regiernngsmarimen und gouvernementale Systeme ist eben die Revolution, welche vom Czar als Großmacht anerkannt wird. Die Völker haben mit der abgelebten Vergangenheit, die man hier als Con- tinnität des Rechts hinstcllen möchte, gründlich ge­brochen; sie haben für dieselbe weder Sympathie noch Verständniß; das siebenzehnte und das achtzehnte Jahr­hundert sind in den Schooß der Zeiten versunken, und Leiche, wenn man sic auch galvanisirt. Darin liegt eben der Zwiespalt, daß der eine Theil Cadaver bele­ben zu können meint, der andere aber in ihnen ledig­lich Cadaver sehen will! Wer könnte denn auch ab­gewelkte Früchte wieder in frische umwandeln? Es ist noch in keinem Jahrhundert gelungen, den Fort­schritt der Ideen zu beseitigen. Man kann ihn hem­men, allerdings, aber mehr kann man eben nicht. Und wie lange denn?

Der Verfasser hebt hervor, daß die Wege der deut­schen Geschicke jetzt in der Hand der Ertreme gelegt seien.Rückwärts bis vor 1789 möchten die Einen den Zeiger stellen", unddie Propaganda des Um­sturzes und der Empörung wacht an den Thronen," (wie eine russische Denkschrift gesagt hat). Die Selbst- zerrüttung des monarchischen Prinzips in Kurheyen, die Selbftverläugnung des Conservativismus im Vor­gehen gegen Schleswig-Holstein , die Verwirrung aller Rechtsbegriffe durch Anarchie von oben in mehreren Mittelstaten, die Verläugnung beschworner Traktate, die Allherrschaft der Gewalt in anderen, das sind die guten Minirer, welche derPropaganda" des Um­sturzes die Wege bahnen, ohne daß sie selber auch nur die Hand zu regen, den Mund zu öffnen braucht. Vollkommen hoffnungslos, verhöhnt von den Anarchisten der Republik, hitziger verfolgt als diese von den ent­gegengesetzten Extremen, stehen Jene, denen der deutsche konstitutionelle Bundesstaat unter Preußens Vortritt und Oesterreichs ewiger Freundschaft das Ziel ihres Strebens. Es ist wie ein Vernichtungskrieg der rohen Gewalt gegen Ehrlichkeit und Wahrheit. Wohin hat es geführt? Dahin, daß auch die Muthigsten und Zähesten, die Loyalsten und Unbefangensten einer neuen furcht­baren Revolution entgegen bangen, daß auch die Kon­servativsten überall aufhören, dynastische Wünsche zu hegen! Dahin, daß eine große Masse, welche der Reform ihre Kräfte dargebracht hätte, sich heute um * den entsetzlichen Bannerspruch reihet: durch das Chaos ; der Radikalrevolution zum Ziele! Freilich sind solche

minder deutsche Bundessachen , wie die Verhältnisse der deutschen Bundesstaaten zu einander. Abgesehen! davon, daß der deutsche Bund durch diese Weiten spannung seiner innern Angelegenheiten nothwendig an intersiver Staatskraft verliert, brauchen Rußland England, Frankreich fürderhin bei jedem solchen Streite nur einen europäischen Congreß zu berufen , um in demselben über Oesterreich und Preußen zu Gericht zu sitzen. Oesterreich wäre eben so thatsächlich als Groß- macht vernichtet, wie Preußen. Deutschland hörn auf zu sein.Die deutsche Gesammtvcrfas- sung, bemerkt der Verfasser, war bisher nur eine Form zum Rivalitätskampfe zwischen Oe- sterreich und Preußen, um den Einfluß über die kleinen Staaten; der Eintritt Gesamnitöster- reichs in dieselbe ist der Beginn des Rivalitätskampfes zwischen Rußland, Frankreich und England um die Theilungsbeute dessen, was dann deutscher Bund heiß, und wie ohne Möglichkeit politischer Homogenität s» ohne nationales Gemeininteresse existirt, so lauge es existirt".. Uebrigeus läßt der Gedanke der dcut- schen Einheit sich nicht wieder tödten. Jetzt zehren sich die Staaten Deutschlands durch Ueberanstrenguu- gen im unablässigen Kampfe des Partikularismus aus und die materielle Nothwendigkeit treibt sie endlich I unaufhaltsam zu einer Vereinigung mit einem großen j Kerustaate. Die Erhaltung deseuropäischen Gleich- i gewichts" durch eine Föderativverfassung Deutschlands | ist eine zerstörende Lüge, ist eine dauernde Zersetzung der nationalen und staatlichen Existenz des Vaterlan­des. Ein wahrhaft europäisches Gleichgewicht entsteht nur:wenn Deutschland kein Brei ist, son­dern ein Kern."

D e u t s eh l a n d.

* Wiesbaden, 31. Juli. Die Zahl der bis zum 29. Juli jincl. anwesenden Kurfremden betrug 7866, außer den Passanten.

O Limburg, 15 Juli. Die Sonnenfinsterniß ist glücklich vorüber und die Schulkinder freuen sich nun wie­der des Lebens, das sie bei dieser Affaire verlieren zu müssen glaubten. Nun, den Schulkindern nehme ich nicht übel, daß sie so was glauben, denn das kindliche Gemüth ist zu empfänglich, als daß es den Eindrücken beängstigender Reden, von wem sie auch kommen, wider­stehen könnte. Aber auch viele Erwachsene bereiteten sich vor auf ungewöhnliche Dinge, die Tagesgespräche vor dieser Finsterniß waren häufig sehr finster!!! S» ging das Gerede in vielen Zirkeln, daß sich ein be­deutendes Kurpublikum aus Wiesbaden entfernt habe, da man an den heißen Quellen am ersten den Aus­bruch einesBebens" verspüren sollte. Mehrere Tage vor, der Finsterniß wurde schon von AengstWen,Zc- müse rc. in die Proviantkammer gebracht, da nach der­selben alles vergiftet sei u. drgl. in. Der Tag der Heil. Anna war in diesem Jahre wieder ein sehr ge­feierter. Alle Annen und Aennchen von Limburg und der Umgegend wallten in die Hospitalkirche, wo zwar nicht der heilige Rock der h. Anna, sondern das Brust­bild derselben, sowie Reliquien (dem onckit zufolge) na^ Herzenslust geküßt wurden. Der Jünglings- unM Jungfernbund erfreuen sich noch immer der besten Wohl- s fahrt, doch sollen solche lange keine abweichenden Land-! parthien veranstaltet haben. Man sagt, aus Furcht, wieder einen Fahnenträger zu verlieren. Das Gie-s ßen-Coblenzer-Eisenbahn-Gespräch das Dafür und Dawider; eine neue großartige Brauerei-Anlage, der die Fama schon sehr schöne Gartenanlagen mit arthe-s fischen Brunnen aus Limburger Marmor beilegt, ohne geprüfte Meister, wie man dies bei Bäckereienj und derartigen Handwerken verlangt, bilden unsere Hanptunterhaltnng. Das Getreide steht schön und massenhaft; dennoch ist hier das Schwarzbrod theurer und Weißbrod kleiner, als in Wiesbaden, wo außerdem die enorme Accise bezahlt wird!

Bei der zweiten Beobachtungsart kommt es hinge­gen gar nicht auf die Anzahl der beobachteten Sternschnuppen, vielmehr hauptsächlich nur 1) auf die sorgfältige Verzeichnung des scheinbaren Laufes jeder einzelnen Sternschnuppe auf eine richtige Sternkarte, 2) auf eine bestimmte Angabe der Zeit, zu welcher die Erscheinung der Sternschnuppen erfolgte wenigstens bis auf die Minute genau; 3) auf die Dauer der­selben in Sekunden oder deren Bruchtheilen (worauf besonders zu achten ist), auf die scheinbare Heilig­keit und andere besondere Merkmale, z. B. Schweif, Farbe u. s. w.

Man sieht, daß diese Beobachtungsart viel schwie­riger ist, als das bloße Zählen der Sternschnuppen, und von einer geringen Anzahl dieselben Daten liefern kann, welche aber, wenn sie mit Genauigkeit gemacht sind, und dieselbe Sternschnuppe auch an einem andern Orte beobachtet worden ist, uns die wichtigsten Auf­schlüsse über Höhe, Entfernung, Geschwindig­keit und Größe der Sternschnuppe zu geben im Stande ist, und somit die wahre Bahn derselben be­stimmen kann. Nimmt man sich endlich die Mühe, und verlängert die auf einem Himmelsglobus aufge­tragenen scheinbaren Bahnen der Sternschnuppen, so sieht man, daß bei den periodischen Sternschnuppen­fällen die Meteore sich in gewisse Gruppen einthei­len lassen, von denen jede einen bestimmten Ra-

diations- (d. h. Ausgangs-) Punkt hat. So sind bis jetzt für die Juli- und Augustperiode drei solche Radiationspunkte festgestellt worden, einer im Perseus, in der Nahe des veränderlichen Sternes Algol, ein zweiter im Drachen, und ein dritter in der Nähe des Nordpols der Himmelskuppel, im Cepheus. Dies scheint auf gewiße Haufen oder Schwärme von Sternschnuppen hinzuleiten, welche zu einer bestimmten Zeit in ihrer Bahn um die Sonne unserer Erde be­gegnen, und zum Theil durch die Gewalt ihrer Attrak­tion an sie gesegelt werden. Die Bahnen der Stern­schnuppen der Novemberperiode scheinen zerstreuter zu liegen, indem man bei ihnen schon mehr Ausgangs­punkte gefunden hat, als bei der Augustperiode.

Wollten nun auswärtige Freunde der Sternkunde sich zu gleichem Zweck mit uns verbinden, und auf die Sternschnuppen der bevorstehenden Perioden Acht ha­ben und die beobachteten registriren und anzeichnen, so dürften vielleicht wieder Daten eahallen werden, aus deren Entfernung, Größe und Bahn immer be­stimmter beobachtet werden können. Zu dem Ende müssen bei jeder Sternschnuppenbeobachtung nachste­hende Notizen ausgenommen werden: 1) Die Uhrzeit bis auf die Minute, wo möglich mit Angabe, wie viel die Uhr ungefähr damals von der mittleren Zeit ab­wich; 2) welchen Sterngrößen die Sternschnuppe an Helligkeit gleichkam; 3) Dauer in Zeitsekunden und

deren Bruchtheile; 4) Bemerkungen über Farbe, Schweis u. dgl.; 5), Einzeichnung ihres Laufes durch die Stern­bilder in einer Sternkarte, indem man den Anfangs­und Endepunkt der Sternschnuppe zu einer Bahnlinie verbindet, man bezeichnet sie hierauf mit einer laufen­den Nummer, damit man sie in dem Register wieder- finden könne, am Vortheilhaftesten ist es, wenn man den Endpunkt mit einer Pfeilspitze versieht, wodurch zugleich die Richtung der Sternschnuppe angegeben iss Wird nun hieraus die gerade Aufsteigung und Abwei­chung vom Anfangs- und Endpunkte mindestens bist auf ganze Grade ermittelt, und werden diese angege­benen Notizen der H i e sk g e n U n i v e r s i t a t s - S t e r ii- wa r te zugesendet, so können solche Beobachtungen viel- leicht für die Wissenschaft und namentlich für die Er­forschung der räthselhaften Natur dieser Meteore sehr reiche Früchte tragen.

Damit nun an allen Orten gleichzeitig beobachtet werde, so find für die Periode von Juli 29. bis 31. die Stunden von 10 bis 12 Uhr festgesteUt worden, und für die Periode von August 7. bis 11. nach Um­ständen die ganze Nacht."