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Dik »Freie Jeltuug" enchruu, mit Ausnahme ves jguntagv, iat|Ug> »i einem Bogen Der ÄdoniiemeuioprciS betragt vierteljährlich hier in Wiesbaden I fl. 45 ft auSwarls Wnt> die Post bezogen mit verhältmßmâvigem Aufschläge. Inserate werben bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Verbreitung der »Freien Zeitung" stets von wirksamem Er- solge Die JuserationSgebühren betragen für die vierPalttge Petitzeile 3 fr.

Der Bundestag.

0 Jeneeunmalweisen Staatsmänner, welche sich cinbildeu, durch Standrechtung demokratischer Zei- tmigcii die Nevolution zu erschlagen, sind in einem un­seligen Irrthume. Das einzelne demokratische Blatt er­liegt zwar, doch die Demokratie feiert grade in dem­selben Momente unerwartete Triumpfe. Dies haben wir schon oft beobachtet und beobachten es täglich aufs Neue. Ein recht schlagender Fall dieser Art zeigt sich in Preußen. DieTriersche Zeitung" wird erlegt, doch ihr Geist findet glanzende Siege. Mit seltener Einstimmigkeit erhebt sich die gesummte deutsche Treffe und selbst die Kreuzzeitung wird einen Augenblick stu­tzig, gl ich dem Trunkenen, dem plötzlich durch einen besondern Vorfall auf Momente die Besinnung kehrt. Wir wissen, daß dieTrierer Ztg." schwerlich Gerech­tigkeit finden wird, wir wollen aber nicht ermangeln, den Fortschritt der Rheinländer zu registriren, der sich so mächtig verkündigt, sowohl in den Familien, wie in Organen der jüngst noch so unsicher lavirenden Bour» geoisblätter. DieElberfelder Zeitung" hat es erlebt, sich mit Beschlag belegt zu sehen und dieKöln. Ztg." nennt heute den Märtyrer der Brigittenau: unsern unvergeßlichen Robert Blum"! Wer dieses Blatt seit den letzten fünfzehn Jahren täglich zu beob­achten Gelegenheit hatte, wie wir, und dazu die Her­ren Joseph DumM und Brüggemann kennt, der wird wissen, welcher Umschwung sich in solcher Fraternisirung mit Robert Blums Manen bekundet. Dieser Leitartikel ist überhaupt so frisch und resolut, daß wir Anfang und Schluß daraus mitzuthcileu uns nicht versagen können. Wie lange ist es her", fragt das genannte Matt, daß alle deutschen Staatsmänner, die Herren Hassen» pflüg und von der Pfordten nicht ausgenommen, jede Einbeulung auf eine mögliche Ab.sicht der Regierungen zur Wiederherstellung ter Bundes-Verfassung geradezu als eineVerleumdung" bezeichneten; als der Commiyäc des Ministeriums Brandenburg-Manteuffel vor feierlichst versammelter zweiter Kammer, in Anwesenheit des ge- sammten Staats-Ministeriums, dem flüchtigen Bundes­tag: eine jener'sonoren Catenzeu nachrief, womit un­ser unvergeßlicher Robert Blum sein Publikum zu er­quicken pflegte:Meine Herren! Das Schauspiel, wel­ches dieses letzte, ganz Deutschland umfassende Organ darbot, war ein trauriges! Niemand, der mit der nutz- und würdelosen Beschäftigung des Bundestages, zumal in seinen letzten Jahren, näher bekannt ist. wird sich eines Gefühls erwehren können, an dem Kummer und Unmuth gleichen Theil haben!" Und doch ist heute eben dieseswürdelose" Organ in aller L title wieder erstanden; hat seinenutzlose" Beschäftigung wieder ausgenommen, es beansprucht seine alten Rechte, und macht Miene, sie noch erheblich über das ehemalige Maß auszudehnen. Wir unsrerseits vermögen diesem anspruchsvollen Gespenste nur eine sehr geringe ^.Heil­

nähme zu schenken; wir erwarten nichts von ihm, weder im Guten noch im Bösen; wir schöpfen aus der Ver­gangenheit die Ueberzeugung, daß im Gegensatze zu den gegenwärtig kund werdenden Hoffnungen der Rückschritts-Partei der neue Bundestag den alten an Nichtigkeit noch übertreffen wird. Nicht einmal zu einergemeinsamen Lösch-Ord­nung" trauen wir dem Bundestage die schöpferische Kraft zu. Denn was helfen alle Mahnungen zur Ei­nigkeit in einem Lande, wo es einige dreißig souverame Staaten und eben so viele Negierungen gibt, die einan­der nicht das Leben gönnen? Nach wie vor wird jeder über des Nachbars Nöthe sich innerlichst erfreuen und dessen Agonie mit den Empfindungen eines lachenden Erben betrachten. Die kräftigeren Regierungen werden es verschmähen, den lahmen Bundesgenossen zu Liebe auf Krücken einherzustelzen. Wie Baiern ehemals in bundesgesetzwidriger Weise die Censur aufhob, so sträubt sich jetzt Hannover gegen Unterdrückungs-Maßregeln, deren es nicht zu bedürfen glaubt. Eine wunderliche Forderung auch, es solle der Gesunde sich die Brust zu schnüren, um mit dem Engbrüstige n in Einem Tempo zu athmen! Am wenigsten wird eine Ausdehnung der Bundes-Competenz in Be­treff der inneren LaudeS-Augelegenheiten durchführbar sein; sie müßte überdies demmonarchischen Princip" entschieden nachtheilig sich erweisen. Es ist eine selt­same Begriffs-Verwirrung, die sich bald genug auf- klären wird, wenn man zur Rettung des monarchischen Princips die Monarchie unterdie Autorität des Bun­destages beugen, wenn man aus der frankfur­ter Verfassung die Reichsgewalt mit Ausschluß der monarchischen Spitze sich aneignen möchte. Hat die Diplomatie seiner Zeit über die Machtlosig­keit der National-Versammlung schadenfroh gelächelt, so verarge man es uns nun auch nicht, wenn die mchtsthueilde Gefälligkeit des Bundestages, sein Com­missionen - Dutzend und das ganze müßige Personal uns in keine ernste Stimmung versetzt. Großer Gott! wie viele Special - Commissionen mit den weitgreifend- sten Reform-Planen haben wir lange vor 1643 am Werke gesehen , und das Ergebniß ist Null und aber­mals Null gewesen, undden Bundestags-Gesandten hat", um nochmals den vortrefflichen Hrn. von Blit- tersdorff nach selbst, rlebten Erfahrungen sprechen zu lassen,nichts erübrigt, als den bitteren Kelch der Mißachtung bis auf die Hefe zu leeren." Nun, wir denken, die Erinnerung an das, was seitdem sich zu­getragen, ist nicht geeignet, diesen Kelch zu versüßen, die Zukunft des Bundestages wird seiner Vergangenheit auf ein Haar gleichen."

Rußland und die Gegenwart.

Rußland regiert in Dentschland und läßt gou- verniren. Kraft welcher Macht? Die russischen Heere hat Deutschland nicht zu fürchten, wenn es zum Sch lä­

gekommt; denn die Völker des Kaukasus habendes Kolosses Schwäche bewiesen, sobald er mit freiheitsglü­henden Völkern zu schaffen hat. Aber schwer ruht auf uns die Furcht der Furchtsamen, welche genährt wird von der gewandten russische» Diplomatie. Wer diese Furcht der Furchtsamen zu bannen vermag, erwirbt sich ein Verdienst um das Vaterland. DieWeser-Ztg." macht auf eine Schrift aufmerksam, die uns noch nicht zur Hand kam; und wir geben das Urtheil dieses Blattes, weil sein Redakteur grade durch eigene Reese» in dieser Frage besonders kompetent ist auch theils, weil die­ser Artikel von einem Gothaer stammt, der das Ende der Mittelpartei als fait accompli wehklagend eingefleht, also für die Furchtsamen besonders überzeugend wir­ken muß. Der Artikel lautet:

So viel Werke auch in den letzten Jahrzehnten über das östliche Steppenreich erschienen sind, fein anderes geht mit solcher Schärfe, mit solcher Eindringlichkeit auf den Gegenstand ein, alsRußland und die Gegenwart" (Leipzig, bei Weidmann, 1851.) So eben ist der zweite Theil erschienen. Der uiigenuiinte Verfasser beherrscht seinen Stoff vollkommen, er kennt das Moskowilerreich aus eigener Anschauung, ist mit der auf dasselbe bezüglichen Literatur durchaus vertraut, zeigt sich als scharfen kritischen Kopf, als klaren Den­ker, und befindet sich auf staatsmännischem Stand­punkte. Man kann sagen, daß jetzt erst durch ihn die berühmteEuropäische P e n t a r ch i e", welche 1839 erschien, ihr rechtes Gegengewicht gefunden hat. Nur hätten wir gewünscht, die Darstellung wäre leichter und fließender; das Buch würde dann in den weite­sten Kreisen tiefen Eindruck machen. Die deutschen Fürsten und ihre Beamten müssen diesen moskowi- tischen Spiegel betrachten, aus dem ihnen ein Nester entgegenlritt, der ganz geeignet ist, die wunderbare Sicherheit, in welcher man sich jetzt wieder wiegt, zu beseitigen, und zur Umkehr und zum Nachdenken an- zuregen. Ein Mann der auf deutsch-nationalem Bo­den steht, auf dessen Zeilen überall die wärmste Va­terlandsliebe spricht, der sich aber in seiner Betrach­tungsweise über den Parteien hält, hat Geschichte, hat Thatsachen gegeben. Er giebt sie in ruhigster Darstellung; er deklamirt nicht, er führt Beweise. Jo­hannes Müller fügt einer Beschreibung Polens die Worte hizu:Gott wollte damals die Moralität der Großen zeigen." Dieser Wahlspruch könnte füglich auch vor tiefem Werke stehen.

»Das Ende der europäischen Revolution ist das Ende der europäischen Oberherr­schaft des Czarenk" Mit diesen Worten schließt das Buch. Eine Denkschrift, welche im rassischen Mi­nisterium des Aeußern verfaßt wurde, hatte gesagt: Die Frage um welche es sich in der großen europäi­schen Krisis eigentlich handelt, bleibt ewig unverstan­den, wenn man sich nicht norder eingesteht, daß es in Europa seit langer Zeit nur zwei wahr­hafte Machte giebt, die Revolution und

Aufforderung

zu korrespondirenden Sternschnuppen-Beobachtun- gen während der Perioden vom 29. 31. ^uli und vom 711. August.

* Georg von Boguslawsky in Breslau hat fol- g?nde Aufforderung erlassen, der wir auch in unserem Blatte eine Stelle geben, um die Freunee der Natur­kunde in unserer Gegend zu gleichen Beobachtungen aufzufordern:

Bei dem Herannahen des 10. Anguss sei es mir erlaubt, abermals auf den merkwürdigen Sternschnup- Peufall aufmerksam machen zu dürfen, von welchem immer mehr mit Entschiedenheit sich herauszufteUcn scheint, daß er regelmäßig alle Jahre in der Nacht vom 10. zum 11. August wiederkehrt, aber auch in den Nächten vorher sich bemerklich macht. Leider wird dieses Jahr der Helle Mondschein den Beobachtungen am 10. August hinderlich sein, so daß wir unsere Aufmerksamkeit besonders auf die Tage vorher zu len­ken haben werden, zunächst auf die Periode vom 29. bis 31. Juli (incl.) Herr Prof. Eduard Heis ü A chen, der unermüdliche Beobachter aller mit unb>- waffnetem Auge sichtbaren Phänomen des Himmels, hat sie zuerst in seiner Schrift:die periodischen Sternschuppen" Köln, 1849, ausgestellt, und sie hat sich auch in dem vergangnen Jahre als bewährt

erwiesen. Aber nur wiederholte Mooachtungen können diese Periodizität unzweifelhaft machen, und darum er­suche ich hiermit alle die Herren Beobachter in unserer Provinz, welche schoil in früheren Jahren thätigen An­theil an der Erforschung und Beobachtung dieser in­teressanten Phänomenen genommen haben, auch in die­sem Jahre mir ihre Mitwirkung nicht versagen zu wollen. Denn nur durch kräftige Kooperation kann etwas Zuverlässiges und Bestimmtes in die Kenntniß der wahren Natur dieser räthselhaften HimmAskörp.r gebracht werden.

Wie in den kleinsten Organismen, in den Jufu- forien eine bisher noch ungekaiuite und doch der Zahl und Ordnung nach großartige Schöpfung auf der Erde unseren erstaunten Blicken jetzt erst sich öffnet: so ist fast in ähnlicher Weise mit den Sternschnuppen der Fall, welche für die Räume des Himmels vielleicht eine analoge Bestimmung zu haben scheinen, als jene für den BildungSfortganz der Erde. Grund genug zur Aufmunterung, die mit ihnen zusammenhängenden Probleme durch die Beobachtung lösen zu können! Schlesien ist ja überdies durch die Forschungen von C hl ad in, welcher zuerst den kosmischen Ursprung der Sternschnuppe» und Meteore wissenschaftlich nach- tvieö, und durch die korrespo»direuden Beobachtnuge» welche Brandes 1823 von Breslau aus an regte, indem daran damals mehrere noch jetzt lebende^G.- lehrte Theil genommen haben (z. B. Prof. Feld"aus

Braunsberg, Direktor Gebauer in Breslau. a. m.) in der Geschichte der Sternschnuppen unvergänglich gemacht.

IP der Hoffnung nun, daß sich in mehren Orten in Schlesien abermals, wie in früheren Jahren, einige thätige und geübte Mitbeobachter finden werden, er­laube ich mir, auf einige Punkte hinzuweifen, welche sich auf die Art und Methode der Beobachtung be­ziehen.

Zweierlei Gesichtspunkte muß man bei den Beob­achtungen der periodischen Sternschnuppe» fest- halte»: ein Mal kommt es nur darauf an, den Unter­schied in Hinsicht der Anzahl derselbe» jur Seit ihres häufigen Falles an verschiedenen Orten zu wissen, an­dererseits ist es aber auch sehr wünschenswerth ja noth­wendig, so viele.correspondirenbe, mit aller Sorgfalt gemachte Beobachtungen an von einander entfernten Stationen zu gewinnen, daß die Verhältnisse ihrer Bahnen zur Erde und Sonne immer genauer noch er­forscht werden können.

Zu der Beobachtung der Anzahl ist weder eine Kenntniß der Gestirne, noch eine genaue Zeitbestim­mung erforderlich; wohl aber, daß nach allen vier Weltgegenden zugleich gezählt wird. An diese Art der Beobachtung sonnen sich also auch alle diejenigen be­theiligen, welche ohne den Besitz von Sternkarten, und ohne die Mittel, die Zeit genau zu bestimmen, an die- sca Beobachtllikgcn Jüleresse ftiicen.