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J£ 17S. Wiesbaden. Mittwoch, 30. Juli 18 M.
Die „Freie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme deS Montags, täglich in einem Logen. - Der AbomicmentSpreiS beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden 1 « 43 fr auâmärtd durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. — Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung der „Freien Zettuna" stets von wirksamem fft folge. — Die JnserationSgebühren betragen für die vierspaltige Petitzetle 3 fr. 1
Die Sonnenfinsterniß am 28. Juli, beobachtet zu Wiesbaden.
g Es ist mit den heißen Quellen in Wiesbaden ein eigen Ding. Tausende und aber Tausende von Gene- sung Suchenden kommen alljährlich zu uns her gepilgert und erfreuen sich der heilbringenden Kräfte, die Mutter Natur hier so segensreich wirken läßt, und dennoch gibt es gar manche nicht nur unter diesen Badegästen, sondern selbst unter den hiesigen Einwohnern, denen es nicht recht geheuer ist bei dem Gedanken daran, wo das wohlthätige Wasser nur seine schreckliche Hitze her haben möchte, und wie es doch so eigentlich nicht mit rechten Dingen zugehen könne und jedenfalls aus irgend einer unterirdischen vulkanischen Feucrungsan- stalt alle diese unerschöpfliche heiße Wassermasse ihren Ursprung nehmen müsse. Bei diesen Phantasien pflegen denn gleich die feuerspeienden Berge mit in Betracht zu kommen, die ja auch dann und wann so einen Ueberflnß innerer Glut von sich geben, und wobei es ohne heftige Stöße und Erschütterungen nicht abgeht, und so hat denn allerdings gar mancher schon mit einem geheimen Grauen in den sprudelnden, kochenden, wallenden Wasserschwall unsers Kochbrnnnens Hinabgeschaut und sich des Gedankens nicht erwehren können, hier müsse es nicht recht geheuer sein, ganz Wiesbaden siehe auf einem Vulkan und bei einem Erdbeben, was ja gar nicht ausbleiben könne, werde Stadt und Land zur Hölle fahren. Die guten Leute haben keine Ahnung davon, daß gerade die heißen Quellen die allersichersten und ständigen Ableiter solcher durch eine ungeheure Hitze zum Uebermaß gesteigerten Spannkraft der Dampfe im Erdinnern sind/ daß daher gerade in ihrer Nähe der aller gefahrloseste Aufenthalt sei u. d. gl., was eine vernünftige Naturbetrachtung längst hätte jedem klar machen können. Kommt nun bei der herrschenden Begriffs-Unklarheit über natürliche Vorgänge, zu solchen Hirngespinnsten über Vulkane, Erdbeben und heiße Quellen gar noch eine thatsächliche Wundererscheinung am Himmel, wie die neueste Son neu finstern iß, so ist begreiflich, daß manche ängstliche Seelen schon Tags zuvor es vor Bangigkeit und Herzklopfen nicht mehr aushalten können und auf und davon eilen zu den Ihrigen. Es ist nämlich Thatsache, daß manche Kur- sicmbe gestern bereits die Stadt verlassen haben, nach ihrem eigenen Geständniß aus einer gewissen Besorgniß, es möchte heute „die Welt untergehen", und wenn es denn einmal zu so etwas kommen müßte, so wäre man doch lieber daheim bei den Seinigen. — Selbst unsere sonst so aufgeklärten, hand- und mund- festen Gemüseweiber, die alltäglich von Gonsenheim herüber nach Biebrich fahren und den hiesigen Markt versorgen, waren heute ausgeblieben ; wahrscheinlich ha»
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Auf den» Siedelhorn im Berner Oberland.
Am Tage der Sonnensinsterniß 1842.
Ich stand auf hohem Felsensitze
Im Dunkel eh' der Tag erwacht'; Die Gletscher sah ich von der Spitze Des VergeS tief gehüllt in Nacht. Die Wasser rauschten unermüdlich, Wie wenn ein Mann im Traume spricht. Zur Rechten, Linken, nördlich, südlrch Kaum eine Ahnung nach von Licht.
Das Aarhorn dort, die sinst're Säule,
Wächst wie ein Niesenarm enipar, Daß sie den Strom der Nacht zertheilet Da reißt entzwei der schwarze Flor! Seh't ihr die mächt'ge Lanzenspitze, Die aus dem Dunstgewölk sich hebt, Und an dem Glanz der Souneublitze, Der ersten, rölhlich sich belebt?
Dort übet’m weißen Glelscherthrane,
Der an den Galeastock sich lehnt, Beim todten Waffe,fall der Rhone, Die aus dem EiS in's Thai sich sehnt . Hoch über dieser Trünuuerwüste Erhebt sich W der Souneuball; Die Firnen, die er leuchtend grüßte, Sie grüßen nieder, leuchtend all'.
ben sie es in ihren frommen Gemüthern für sündhaft erachtet, an einem solchen hehren Tage, wo die Welt untergehen könne, auch noch Hand/lschast zu treiben. — Noch andere fromme Seelen in L>tadt und Land hatten sich in den Wahn verrannt, es würde, wenn auch nicht die ganze Welt untergehen, so doch jedenfalls über das zahllose Ketzergeschlecht ein vernichtendes Weltgericht ergehen und der Herr erscheinen in der Luft, um die dummgläubigen Schafe von den bitterbösen Böcken zu trennen.
Solche und ähnliche Phantastereien wurden gestern und heute hier in allerlei Variationen zu Tage gefördert und selbst von Einheimischen, selbst von solchen Personen halb und halb geglaubt, die, als Mütter und Erzieherinen auf die ihnen anvertrauten Kinder einen ganz anderen Einfluß auszuüben sich verpflichtet fühlen sollten. Auf dem Mühlweg, in der Nähe der Stadt, stand während der ganzen Dauer der Verfinsterung eine Frau mit betend zusammengefalteten Hänveu uno zum Himmel erhobenem Blick, wie festgebannt, und wagte sich erst wieder weiter, als Alles vorüber war. So mögen noch manche Seltsamkeiten bei dieser Gelegenheit hin und wieder zum Vorschein gekommen sein. Die kleinen Knaben, welche heute schaaren- weise von ihren Lehrern hinaus ins Freie geführt wurden, um mit geschwärzten Gläsern die Erscheinung beobachten und aus unwandelbar feststehenden Naturgesetzen begreifen zu lernen, werden in Kurzem diese Thoren beschämen und aus der Kenntniß der Natur und ihrer ewigen Gesetze eine Weltanschauung davon tragen, die den Vorurtheilen auf diesem wie auf anderen Gebieten den Garaus machen wird — trotz Pius, trotz Hassenpflug unv alle dein!
Ein paar kleine Beobachtungen über den thatsächlichen Verlauf der heutigen Sonnenfinflernip möchten übrigens hier am Platze sein. DsrEiiinirt veö MviweS wi die Sonnenscheibe fand dahier in Wiesbaven genau um 2 Uhr 46 Minuten (astrou.Zeit) statt und endete um 4 Uhr 54 Min. Eine seltene Klarheit des Horizontes, eine fast wolkenlose Atmosphäre und mehrere günstige Uinstände vereinigten sich, um die Beobachtung vollständig und glänzend vollbringen zu lassen. Der höchste Grad der Lichtabname, wobei zugleich die noch vorhandene Lichtmenge einen gelblichen, zweifelhaften Schein annahm, wie er zwielicht-artig vor und bei manchen Gewittern auf Augenblicke einzutreten pflegt — fand für uns um 3 Uhr 51 Minuten statt und war kurz vor und kurz nach 4 Uhr am stärksten wahrzunehmen. Um diese Zeit hatte das Thermometer, das bei Beginn der Erscheinung nach auf 22° R. stand, in ziemlich raschem Sinken eine Wärmeabnahme bis 17° gezeigt, welche sich nachher bis zur Temperatur von etwa 20° im Schatten wiederherstellte. Von Einwirkungen dieser Lichtabnahme, die mit ihrem schwefelgelben mat
Und Freiheit! Freiheit! mußt' ich rufen,
Und Sonn' und Freiheit war mir Eins.
Ich stand auf ihres Altars Stufen, Und jauchzte, froh des lichten Scheins.
O Frciheitssonne, steh' gekauert Dort unten die gefang'ne! Welt! Bist du's die ihren Schlaf durchschauert, Und ihr vor's Aug' die Fackel hält?
O, welch ein Leuchten, welch ein Funkeln, Selbst auf dem stillen Todtensee!
Die Welt, die eben lag im Dunkeln, Ist aufgewacht auS tiefem Weh.
Es weht so frisch durch diese Helle, ES wühlt im Schnee die Morgenluft:
Du gold'ne Licht und LebenSquelle, Durchströme jede Erdenkluft!
So standst du auch, vom Blut geröthet,
O deutsches Bolk, am großen Tag, Als du die Tyrannei getödtet, Die, eine Sturmnacht, auf dir lag. Doch weh! ich schweige, selbst die Sonne Verhüllt sich , wenn man Deutschland nennt; Die Nacht verschlingt des Tages Wonne, Und Grauen herrscht am Firmament!
Dort steh', wie aus des Mantels Hülle, Langt eine schwarze Hand heraus, Greift Nach der Sonne, drückt die Fülle Des Licht's zusammen — Nacht und Graus! Der schwarze Tod erwürgt das Leben,
ten Schein einige Minuten lang bis zum Dämme- rungsartigen herabsank, auf Pflanzen und Thiere haben wir nur folgendes wahrgenommen. Die gefiederten Blätter der Kugel-Akazie legten sich stellenweise paarig zusammen; die Blüthen der Ackerwinde und einige ähnlichen Pflanzen waren, wie am Abend, fest geschloffen, und öffneten sich erst später wieder dem stärkeren Lichtreiz. Bei Pferden, Hunden und anderen Vierfüßern war eine besondere Veränderung nicht wahr- zunehmen. Die Vögel aber flogen unruhig hin und her, manche Hähne erhoben lautes Krähen, die S ch w a l- ben fanden sich schaarenweise zusammen unv durchschwärmten längere Zeit eine gewisse Lnftrcgion von mittlerer Höhe im raschem Kreisflug. Ein zahmer Kolkrabe verließ seinen Sitz auf hoher Stange und ging im Boden seines Behälters unruhig auf und nieder unv erstieg seinen Sitz erst wieder, nachdem Alles vorüber war. — In einem Hühnerhof stiegen mehrere Hühner, den Hahn an der Spitze, ihre Leiterchen hinauf in das Ställchen; andere, auf einem Holzstoß sitzende, steckten eine Zeit lang den Kopf unter die Flügel. Letzteres wurde auch an einer anderen Stelle bei einigen auf dem Dache sitzenden Tauben bemerkt. — Der Laubfrosch ließ Anfangs gar keine Bewegung wahrnehmen; erst als die Verfinsterung aufs höchste stieg, verließ er seinen Sitz in der Milte des Leiterchens über dem Waffer, um sich, als ob er mehr Licht suche, nach der allerobersten Sprosse zu begeben. — Am auffallendsten wirkte die Erscheinung auf die Bienen. Das regelmäßige Ab- unv; Zufliegen bei den Stöcken dauerte auch während der fortschreitenden Verfinsterung regelmäßig fort; als es aber eben 4 Uhr schlug, da war es, als wenn ein Wetterschlag auS heiterer Luft zwischen fie^qefahren wäre und alle in eilige Flucht nach ihren Stöcken getrieben hätte. In dichten Staaten stürzten sie aus der Luft hernieder; ohne vuo grMWe Düu. »°» tv^.. fu Ä«ofii.^ „„k hastig eine über die andere ihren Fluglöchern hinein und in wenigen Minuten war keine Biene mehr in der Luft zu hören oder zu sehen und auch vor das Flugloch wollte sich anfangs keine mehr herauswagen. Erst nach längerer Zeit kamen einige Vorposten, um sich umzuschauen, auf das Flugbrettchen heraus; aber keine Biene hat nachher an demselben Tage wieder einen Ausflug unternommen.
Ueber die Wirkungen der Erscheinung an anderen Orten sehen wir den Berichten unsrer auswärtigen Correspondenten mit Erwartung entgegen.
Deutschland und Italien.
* Aus Mailand, 18. Juli, bringt die „Nat. Ztg." eine große Korrespondenz, aus der wir folgende Stelle als jetzt gerade besonders bemerkens verth der
Die lichte Sonne, kaum erwacht.
So roth, so farbenhell noch eben,
Sie ist bedeckt mit GrabeSnacht.
O Gott, du hast ihr Macht gegeben, Der schwarzen Schaar der Finsterniß! So plötzlich durch daS frische Leben, Volt Licht und Freiheit, diesen Riß! Der Todtensee erglänzt von düstern Irrlichtern, der so hell gelacht: — Mir ist, als hör' ich Mörder flüstern, Die eben einen kalt gemacht.--
Sieh' da, die Sonne, schwarz uinnachtek, Blitzt auf, ein Punkt, ein Flaimnenei! DaS Leben ist nicht ganz geschlachtet, Es regt sich, schimmert, ringt sich frei! Uud wieder leuchten alle Firnen, Der wahre Morgen bricht herein, Und hell auf allen Mânnerstirneu Erglänzt der Freiheit rother Schein.
Und lauter rauscht die Aar im Grunde, Und brausst hinab zum deutschen Rhein; Die Rhone rauscht, mit ihr im Bunde, Und strömt in's Frankenland hinein.
Dort drüben johlt eia Gemsenschütze, Lawinen stürzen, wie er ruft: Das Aarhorn wirft die Wolkenmutze 3m Freiheiisjubel in die Luft,
Ludwig Seeger.