Wiesbaden. Drenstag, 29. Juli
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Freiheit und Uecht!"
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Die (tzrä » el in Neapel.
o Ein Schrei des Entsetzens tönt durch die Blätter Europas, so wen sie noch ihre Stimme erheben diesen, um Wahrheiten, freilich herzzermalmende Wahrheiten'zu verbreiten über die Gräuel im Königreiche iriver Sicilien. Die „Kölnische Zeitung" bringt ausführlichere Auszüge aus dem von uns bereits unlängst erwähnten Sendschreiben Gladstones, des berühmten, hochgebildeten Freundes und Amtsgenossen des unsterblichen Sir Robert Peel. Gladstone ist Un- terhausmitglied für Orford; seine Rcchtglaubigkeit in Staat und Kirche ist bekannt und um seinem Berichte vollends das Siegel ter Beglaubigung aufzndrncken, bot er ihn dem Hochtory Aberdeen gewidmet. Gladstone ist kein Mazzinist, kein Demokrat; aber er ist Mensch und Engländer. „Wegen politischer Vergehen", schreibt der englische Staatsmann an Lord Aberdeen, „sind im Königreiche beider Sicilien ungefähr fünfzehn- bis zwanzig-, wenn nicht gar dreißigtausend Menschen verhaftet. In Neapel allein schwebt das Todesurtheil über den Häuptern von Hunderten. Die Zahl der todeswürdiger Verbrechen Angeklagten belief sich auf 400—500. Darunter befanden sich Personen hohen Ranges, deren Meinungen in England für conservativer gelten würden, als die Ihrigen. Die neapolitanischen Gefängnisse sind nur ein anderer Name für das Amßerste les Schmukcs und der Scheußlichkeit. Der Schmutz ist wahrhaft ekelerregend. Dieser ganze Schwarm menschlicher Wesen schläft in einem langen, niedrigen Zimmer, in welches das Tageslicht nur durch das an dem einen Ende befindliche Gitter hineindringt." Und solches, Gräueln gegenüber macht man noch viel Wesens von den Sclaven -Baracken an der afrikanischen Küste oder der schwarzen Höhle von Calcutta, von den Schrecknissen des Zwischendeckes und dem das Sclavenschiff veriolgenden Hai! Alle berühmten Scheußlichkeiten finden ihr Abbild in der neapolttanischen Wirthschaft. „Erbittert durch die Behandlung, welche sie erfuhren, cmpörtcen sich die Bewohner des Staatsgefäug, nisses von Procida. Die Art, wie die Sache unterdrückt wurde, war folgende: Die das Gefängniß bewachenden Soldaten warfen Handgranaten unter die Gefangenen und tödten deren 175, darunter 17 im Lazarethe befindliche Kranke. Als Lohn für diese Metzelei erhielt der die Ti uppen befehligende Sergeant einen militärischen Orden mit dem man ihn jetzt herumgehen sehen kann." .
Gladstone hat den politischen Prozessen in Neapel persönlich beigewohnt und liefert eine Kritik derselben, welche, wie die „Daily News" sich ausdrücken, „die Rc- gierung von „Ferdinand the Falke" an einen unsterblichen Pranger stellt." Gewiß ist, daß feine Schilde- rung neapolitanischer Kerker, die er besichtigt hat, seine Darstellung Poerio's und seine Enthüllungen über das Meineid- und falsche Zeugen-System, dessen sich die Polizei
Neapel mit konsequenter Schamlosigkeit bedient, einen bleibenderen Eindruck zurücklassen werden, als die Philippiken Mazziin's und anderer revolutionärer Schriftsteller. Ans der Schilkerung des konservativen englischen Staatsmannes geht hervor, daß die Berichte des „Risorgimento" über die Schrecken der neapolitanischen Tribunale und der neapolitanischen Kerker nicht übertrieben waren. Dem „Risorgimento" hat vielleicht Mancher mißtraut. Gladstone wird Niemand zu mißtrauen wagen ! Er schreibt zum Theil als Augenzeuge, und seine Wahrheitsliebe ist über allen Zweifel erhaben. Ueber die Schicksale Poerio's, des ehemaligen Ministers, schreibt er: Poerio ist ein Neapolitaner von fleckenlosem Charakter, beredt und gebildet, und in ganz Italien bekannt als eifriger Anhänger konstitutioneller Grundsätze in der gemäßigtsten Bedeutung des Wortes. Nachdem die Verfassung proklamier worden war, wurde er Minister und spielte eine hervorragende Rolle im neapolitanischen Parlamente. Als er später seine Entlassung einreichte, ward dieselbe verweigert, und auch dennoch, nach Bewilligung derselben, sein Nath noch in Anspruch genommen. Im Iahpe 1849 erhielt er einen anonymen Brief, in welchem ihm zur Flucht gerathen wurde, da die Regierung im Besitze seiner Korrespondenz mit dem Marchese Dragonetti sei. Er floh nicht und ward am folgenden Tage verhaftet. Die angebliche verrätherische Korrespondenz bestand in einem gefälschten Briefe, in welchem von einer Invasion Garibaldi's, einer Konferenz mit Mazzini und Palmerston'scher Hülfeleistung die Rede war. Die Handschrift hatte keine Aehnlichkeit mit der Dragonet- ti's. Der Betrug ward bewiesen, und man ließ die Anklage fallen. Ein untergeordneter Polizei - Agent, Namens Jervolino, denunewte hierauf Poerio als eines der Häupter der „Unita Italiana" und gab ihm die Absicht schuld, einen Mordplan gegen den König und verschiedene andere Personen gehegt zu haben. Der Prozeß gegen Poerio und seine Mitangeklagten fand bekanntlich im vorigen Winter Statt. Die vorgebrachten Beweise waren, wie Gladstone meldet, höchst unzureichend, was nur auf die Fälle keine Anwendung findet, wo offenbarer Meineid im Spiele war. Der Präsident des Gerichtshofes, ein gewisser Navarro, war einer derjenigen, auf dessen Tod es die angebliche Verschwörung abgesehen halte. Nichts desto weniger leitete er die Verhandlungen, verurtheilte einen Advokaten, welcher dagegen protestirte, zu einer Geldbuße von 100 Dukaten, und stimmte schließlich für den Tod des Angeklagten! Poerio ward zu vierundzwanzig Jahren in Eisen verurtheilt. Gladstone sah ihn im Bagno von Nistda. Doch lassen wir ihn selbst beschreiben, was er dort sah und hörte: „Im vorigen Februar ward Poerio nebst sechszehn seiner Mitangeklagten in den Bagno von Nifira, in der Nähe der Lazarets gebracht. Eine halbe Stunde wöchentlich — die Milde des Gefängniß-Aufsehers verlängerte diesen Zeitraum ein wenig — durften sie ihre Freunde außer
halb des Gefängnisses sehen. Dies war der einzige Anblick der sie umgebenden Naturschönheiten, welcher ihnen gestattet wurde. Mit Ausnahme dieser halben Stunde befanden sie sich stets innerhalb der Gefäng- nißmauern. Diese Gefangenen waren sämmtlich, wie ich glaube, mit Ausnahme eines Einzigen, der sich im Krankenhause befand, Tag und Nacht in einem etwa 16 Fuß langen, 10 — 12 Fuß breiten und 10 Fuß hohen Zimmer eingesperrt. Im Original ist von palms die^Rede; um das wahre Maß in Fußen zu erhalten , müssen die angegebenen Zahlen noch um ungefähr ein Fünftel reducirt werden.) Außerdem hatten sie, wenn ich nicht irre, einen kleinen Hof zur Bewegung. Wenn die Betten Nachts niedergelassen waren, so befand sich durchaus kein Raum zwischen denselben, und wenn die Gefangenen aufstehen wollten, so konnten sie nur am Fußende aus dem Bette steigen, und auch das nur paarweise, da sie zu zwei an einander gefesselt waren. In diesem Zimmer mußten sie die Speisen, welche Die Güte ihrer Freunde ihnen zu- sandte, kochen und zurichten. An einer Seite war die Erdoberfläche höher, als die Decke des Zimmers. Dasselbe war daher äußerst feucht, und die Gefangenen litten sehr von der Feuchtigkeit. Die Ketten sind folgender Maßen beschaffen: Jeder Sträfling trägt einen starken ledernen Gurt überhalb der Hüften, an welchem das obere Ende zweier Ketten befestigt ist. Die eine, aus vier langen und schweren Gliedern bestehende Kette läuft in eine Art Doppelring aus, welcher die Knöcheln umschließt. Die zweite Kette be* fiept aus acht Gliedern, Die an Länge und Schwere den Gliedern der ersten Kette gleich sind. Diese Kette schließt die beiden Gefangenen an einander, und zwar so, daß sie etwa sechs Fuß von einander entfernt stehen können. Keine dieser Ketten wird je abgenommen, weder bei Tage noch bei Nacht. Die gemeine Verbrecher-Kleidung, welche der ehemalige Minister des Königs Ferdinand von Neapel eben so wohl wie die Verbrecher-Kappe trug, besteht aus einer groben rothen Jacke und aus Hosen von demselben Stoffe (das Zeug ist ungefähr dasselbe, welches man bei uns zu Lande Teufelsstaub nennt.) Die Farbe der Hosen ist dunkel, fast schwarz. Sie sind von unten bis oben mit Knöpfen versehen, damit sie Nachts ausgezogen werden können, ohne mit den Ketten in Collision zu gerathen. Ein Käppchen von gleichem Stoffe vollendet den Anzug. Die kürzere Kette wiegt, wie ich höre, etwa 8 Notoli, oder 16 bis 17 englische Pfund. Auß rdem hat jeder Gefangene noch die eben so schwere Hälfte der längeren Kette zu tragen. Der Gang dieser Unglücklichen bestand in einer hinkenden Bewegung, gleichsam wie wenn das eine Bein kürzer als das andere gewesen tpäre. Das Ausgesuchte der Marter aber liegt darin, daß wir hier feingebildete und feinfühlende Menschen vor uns haben, die beständig an einander gekettet sind. Bei keiner Gelegenheit werden diese Ketten gelös't, nnd man möge wohl bedenken, was
haben Sie, als Arzt, vor Augen: die beste, glücklichste, schnellste Heilung Ihrer Kranken, wie es der Homöopathie Hauptziel ist, oder mehr als Diesen ?
In möglichst gedrängter Skizze will ich Ihnen, an- geben, was, theils auf vielseitig gegebenen Rath anderer, theils nach selbstgemachter Beobachtung, von einem jungen Arzte verlangt werden kann, wenn,' er, Ihrer ersten Frage gemäß, als Allöopath aufzutreten und in eine glänzende Praxis zu kommen gedenkt. Sie dürfen mich aber niemals mißverstehen, wenn das Bild etwas grell und sogar ironisch ansfallen sollte, weil, wie bemerkt, nicht alles hier Aufgeführte meine eigene Erfahrungen sind. Ausnahmen finden sich indeß überall, und so anch hier.
Die allöopathische Methode — zu Ihrem Troste sei es gesagt — ist nun einmal die leichteste von der Welt, wenn man dabei ein gewisses Savoir-faire beobachtet, worüber sogar Bücher geschrieben sind. Im Anfänge Ihrer Praxis werden Sie blos in verba Magrstri schwören, Die im Colleg vordiktirten Recepte abeopiren, uiin für Ihre Kranken in die Apotheke schicken. Den Warnen der Krankheit machen Sie sich, natürlich, selbst, und darnach ordnen Sie die Recepte. Späterhin, um mehr Ninibus zu verbreiten, schaffen Sie sich ein gutes Necepttaichenbuch an, und Sie sind wirklich geborgen, . wenn Sie folgenden Anweisungen, mehr oder weniger, j geneigtes Gehör geben. Zwar können Sie immer noch, eine Zeit lang, ein sogenannter Slolpertus am Kran
Schreiben eines Onkels an seinen Vetter, in Angelegenheiten der zu wählenden ärztlichen Standes-Art.
Aus dessen nachgelassenen Papieren mitgetbeilt von Dr. Johann Heinrich W e ber in Brilon.
Mein lieber, junger Herr Vetter!
Kaum haben Sie den medizinischen Doktorgrad mit vielem Gelde mühsam sich erkauft, resp. erworben ; haben darnach das große aüöop. Staatsexamen glücklich überstanden, und sind nunmehr im Begriffe, Ihre praktische Laufbahn zu beginnen: — da stellen Sie gleich in Ihrem ersten Schreiben an mich die Fragen auf: „ob Sie die a l l ö o p. oder h o m ö o p. Methode wählen, oder beide m i1 ein an der verbinden sollen?" In der That drei ernstliche Fragen, Die einer eben so ernsten Antwort bedürfen. Die zweite Frage kommt mir bei alledem etwas frapant vor, indem ich wohl weiß, daß Sie allöopäthhche Medizin studirt, und ein derartiges Examen gemacht haben; nicht aber wissig bin: ob Sie auch die Homöopathie gehörig kennen zu lernen schon Gelegenheit hatten. Ich erwarte daher von Ihnen nicht die irrige Meinung: ; das bloße Abgeben kleiuer Pulver an Kranke ‘ mache das Wesen der Homöopathie aus. ; Davon abgesehen, frage ich Sie zuerst: welchen Zweck '
kenbette bleiben ; aber nur Muth gehörig gefaßt: Uebung macht den Meister.
1) Fürs Erste können Sie froh sein, einen gesunden, gut ausgewachsenen, und — bald hätte ich gesagt schönen Körper zu haben. Unter diesen Umstanden kommt es nur auf Sie an: denselben gehörig zu hegen und zu pflegen. Seien Sie daher, vor Allem, recht galant, insbesondere insinuiren Sie sich bei der älteren und jüngeren Damenwelt gehörig; vergessen Sie die Studenten-Flegeljahre, welche der Würde eines Doktors so ganz zuwider |tiiD. Albertis Kunst: „sich gefällig zu machen" müssen Sie sich aneignen. Auf die Ein- zelnheiten kann ich mich nicht gut einlassen; sie möchten auch hier nicht an ihrem Orte sein; doch wollte ich, im Allgemeinen, nach dem Rathe Ihrer Tante, auf folgende, mir weniger Werth habende Noyancen aufmerksam machen: Das Tragen eines großartigen Bartes, wie er bei unsern demagogischen Philosophen jetzt Mode ist; derselbe muß aber recht schwarz sein, da die Bärte der Proletarier-Demokraten gewöhnlich blasser oder fuchsiger Natur sind. Ferner das Tragen einer Brille, die aber, vor Allem, Die Augen nicht verderben muß; eines schönen Sackrocks, spanischen Krum nstabes, großartigen, goldenen Siegelringes auf rechtem Zeigefinger u. dergl. mehr. Die Ambrosia-Pomade, womit Sie neulich, bei ihrer Doktorvisite, mein Cabinet par- fümirten, so daß drei Tage und drei Rächte erforderlich waren, um bei steten Thür- und Fensteröffueu deS