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âeiheit und Recht!"

Wiesbaden Samstag, 26. Juli

1851

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Republikanisch.

«° Die Organe der Ordnungspartei' inner- und außer. jalf> Frankreichs haben dem Tocqueville'schen Revi- sionsberichte wiederholt den Vorwurf gemacht, er sei -u republikanisch. Kann man dann in einer Re- vublik zu republikanisch sein? Aber was ist dann zu republikanisch darin? Die Stelle, auf welche dieser Borwurf besonders gerichtet zu sein scheint, ist fol- aende:Wenn nach allen redlichen Bemühungen, durch gegenseitige Opfer, die mit der Aufrichtigkeit und Wurde der Meinungen verträglich sind, eine Verstän­digung zu erzielen, die verschiedenen gesetzlichen Ver- suche zur Herbeiführung der Verfassungs-Revision schei­tern; wenn sich in der National-Versammlung die er­forderliche Stimmenzahl zur gesetzlichen Versafflmgs- Revision nicht findet; wenn mit Einem Wort die Verfassung bleibt, so muß sie unwandelbar und allgemein geachtet wer- Jedermann muß wissen, daß em gesetzlicher Versuch zur Abänderung einer Verfassung, wenn er scheitert, dieser eine neue Heiligung giebt. So lange man ge­setzlich hat daran denken können, daß die Verfassung revidirt werden würde, hat man ihre Veränderung anbahnen und sich sogar anschicken können, zu thun, waS sie noch nicht gestattete. Von dem Tage an, wo diese Hoffnung nicht mehr erlaubt ist, bleibt Nichts übrig, als sich den Vorschriften der Verfassung zu unterwerfen und ihr zu gehorchen. Denn die Verfassung ist daS einzig Gesetzliche, das einzige öffentliche Recht, waS wir heute in Frankreich kennen; außerhalb ihrer giebt es nur Revolutionen oder Abenteuer. Es muß der feste Wille der Nationalversammlung sein, nicht nur selbst die Verfassung zu respektiren, sondern auch darüber zu wachen, daß Alle sie respektiren."

Daß das Gesetz, das nicht gesetzmäßig geändert rrreven konnte, soll Gesetz bleiben und als Ge­setz geachtet werden! Dieser Satz, sollte man meinen, sei so ganz in der Ordnung, daß die Ordnungspartei am Allerwenigsten darüber sich beklagen dürfte. Demungeachtet thut sie es aus Leibes­kräften ; Tocquevilles Bericht erscheint ihr gar zu repu­blikanisch.

Seltsame Umkehr der Verhältnisse! VerfassungS- bruch wie in Kurhessen wird als Loyalität und Fröm­migkeit gepriesen; Achtung vor dem beschworenen Ge­setze wird alS zu republikanisch begeifert!

Deutschland.

£7 Herborn, 22. Juli. In unserer Gegend wird dermalen, während der politischen Windstille, die Frage über den Bau der Dill-Ruhr-Sieg-Eisenbahn, welche eine Verbindung zwischen dem südwestlichen Eisenbahn- system Deutschlands und den Häfen Hollands und der deutschen Nordbahn bezweckt, eifrig ventilirt. Der Ge- meinderath unserer Stadt, der sich durch thätige Lei­tung der Gemeindeangelegenheiteu und durch eifrige

Beobachtung der sonstigen öffentlichen Interessen Vor­theilhaft auszeichnet, hat über diesen Gegenstand dieser Tage eine Denkschrift an das H. Staatsministeriuin eingereicht. Bei der hohen Wichtigkeit der Sache, so­wohl für Nassau, als auch für den Handel und die Industrie überhaupt, theile ich Ihnen nachstehend diese Eingabe wörtlich mit, damit dadurch eine weitere Be­sprechung dieser Angelegenheit und eine Verständigung über dieselbe, soweit solche bei einem so weit greifenden Gegenstand innerhalb der engen Grenzen unseres Länd­chens möglich und nöthig ist, anzuregen und herbeizu­führen sey.

Es ist H. Staatsministeriuin bekannt, wie schon seit längerer Zeit sehr schätzbare Kräfte, darunter nament­lich auch der Verein zuin Schutze der vaterländi­schen Arbeit, unter dein Vorsitze des Fürsten von Hohenlohe-Oehringen, sowie verschiedene, aus bedeuten­den Geschäftsleuten bestehende Vereine und Comite's längs der projectirten Linie, welchen, auf ihre an Sr. Erzellenz den Königl. Preuß. Handelsminister von der Heydt gerichteten Eingaben, die aufmunterndsten Zu­sicherungen zu Theil geworden sind, das Project för­dern, zwischen Frankfurt als Ausganspunkt der Eisen­bahnen des südwestlichen Deutschlands und der See­häfen Hollands und Ostfrieslands (namentlich Emden) eine Eisenbahn-Verbindung hcrzusteUen, deren dringen­des Bedürfniß für die zwischen den Endpunkten liegen­den Gegenden nicht zu bezweifeln sein dürfte.

Zur Realisirung dieses Projects ist als der günstigste und ausführbarste Vorschlag anerkannt worden, von Frankfurt bis Gießen die frankfurt-caffeler (Main-Weser­bahn) zu bringen, von da ab soll die neue Bahn durch das Lahn-undDillthal über Wetzlar, Herborn und Dillenburg nach Siegen in das Siegihal uno sodann ins Lennethal ge­führt werden, und sich an er Mündung der Lenne in die Ruhr, an die Bergisch-Märkische und damit zugleich an die Köln-Mindener Bahn anzuschließen. Die Verbindung mit Arnheim, zum Anschluß an das Holländische Eisenbahnnetz würde alsdanit von der Station der Köln-Mindener Bahn Oberhausen (oder Duisburg) längs des rechten Rheinufers über Wesel und Emmerich bewerkstelligt werden. Nach Emden aber würde die Köln-Mindener bis Hamm, und von da die Hamm-Münster'sche Bahn bis Münster benutzt werden, von wo die neu zu erbauende Bahn über Rheine und Lingen längs der Ems nach Emden zu führen wäre.

Die Entfernungen auf diesen Strecken, soweit sie neu zu erbauen sind, betragen von Gießen in das Ruhrthal 25, von Oberhausen bis Arnheim 14, und von Münster bis Emden 25 Meilen. Die erstgenannte Strecke (von Gießen durch das Dill- und Siegthal) dient für die beiden letzteren als geineinschaftliche Ver­bindung mit Frankfurt.

Es ist klar, daß diese Bahn durch Personen und namentlich durch Gütersrequenz zu den rentabelsten Deutschlands zählen würde. Besonders^ gründet sich

letztere auf den Elsensteinreichthum des Lahn- und Dillthals und der Kreise Siegen, Alpe und Altenkir» chen, sowie auf den Steinkohlen-Reichthum der Ruhr. In dieser Beziehung würde die Bahn folgende Haupt­zwecke erfüllen: 1) den Transport des Roh« unv Stabeisens aus den Siegener, Alper, Altenkirchen und nassauischen Revieren nach den Puddlings- und fou* fügen Eisenwerken, im Kohlenrevier der Ruhr, sowie im Bergischen und Märkischen; 2) den Transport deS Guß- und Stabeisens, der Bleche, Eisenwaaren rc., welche von der Ruhr, Lenneper Straße, Iserlohn, Altena rc., sowie aus dem Siegen'fchen und Nassau'- schen nach Süddeutschland gehen; 3- den Transport von Brennmaterialien, Steinkohlen der Ruhr und Holzkohlen der Lenne nach den Eisenrevieren von Siegen und Nassau, mm Betrieb der Hohöfen Pudd« lingwerke, der Dampfmaschienen für Bergbau rc.; 4) den Transport von Eisenstein der Lahn , des Dillen- burgischen und Herbornischen, Siegen'schen nach der Ruhr, um dort bei Coaks verhüttet zu werden.

Es dürfte genügen, auf diese eminente Wichtigkeit für den Lokal «Verkehr, namentlich für die dabei be- theiligten Gegenden des Herzogthums Nassau, hinzu« weisen, wobei denn noch die Bedeutung für den großen Verkehr als Verbindungslinie zwischen der Nordsee und dem Eisenbahnsystem des südwestlichen Deutschlands hinzukommt.

Das Herzogthum Nassaus nun im höchsten Grave interessirt, sich bei der Realisirung einer Verbindungs­linie zwischen den angegebenen Zielpunkten in der Art zu beteiligen, daß die Linie durch sein Gebiet führt. Ohne eine solche Betheiligung werden andere reg- saniere Gegenden den Vorsprung gewinnen, Nassau wird bei Seite liegen bleiben, und dadurch gänzlich außer Stande gesetzt werden, seinen großen Produkten- reichthum zu verwerten. Man hat zwar eine andere Verbindungslinie, von Wiesbade»! quer durch das Her- zogthum, über die Lahn , ben Westerwald durchschnei­dend, nach Deuz projektirt, und hohes Staatsministe- rium hat diesem Projekt Aufmerksamkeit genug erwiesen, um eine Aufnahme dieser Linie anzuordnen. Allein die Stimmen der Techniker und die öffentliche Meinung der Geld- und Geschäftsleute haben diesen Plan so allgemein verworfen, daß es ungerechtfertigt sein dürfte, durch längeres Festhalten an demselben die Möglichkeit zu verlieren, auf einem anderen praktischen und aus­führbaren Wege unserem Lande die Vortheile zuzuwen- den, deren es zur Hebung seiner Industrie so noch- wendig bedarf. Dein Projekte der Lahnbahn ist das der Dill-Sieg-Ruhrbahn aber in keiner Weise hinder- lich. Beide gehen Hand in Hand, und das Ausfuhren der letzteren hat die Ausführung der ersteren entweder zur Voraussetzung oder zur nothwendigen Folge.

Die Ausführung der Dill -Sieg-Ruhr-Bahn in der oben näher beschriebenen Richtung ist demnach nicht nur für das westliche Deutschland bezüglich seiner Ver­bindung mit der Nordsee eine bringende Nothwendig-

Kurze Geschichte der Stadt und Festung Königstein.

(Schluß.)

£2 Die Festung war Wohnung des adligen Oberamt- manns und Aufenthaltsort der Staatsgefangenen. - Eine der ältesten Straßen, die sogenannte hohe- oder kölnische, führte durch Königstein und war früher sehr stark freguentirt, was der Stadt nahmhafte Summen einbrachte. Auch selbst das Kloster wirkte sehr vortheilhaft auf Die materiellen Verhältnisse derselben, indem an gewissen Tagen die ganze Nachbarschaft in Königstein zusammen strömte, um dem Gottesdienste im Kloster beizuwohnen. Außerdem hatte Königstein sonst noch allerlei Freiheiten und Rechte, Die alle aufzuzählen zu weit führen wurde; jedoch zum Wohl­stände der Stadt ein Wesentliches beitrugen.

Mit Dem Monate Oktober des Jahres 1792, als Mainz an Custine überging unD Königstein sonach auch in Feindeshand fiel, neigte sich sein glücklicher Stern zum Untergange; denn schon im Dezember desselben Jahres fingen die Preußen an die Festung zu belagern und zu beschießen, wodurch der größere Stavtthcil in eine» Aschen- Haufen verwandelt wurde. Die Bewohner konnten von ihrer Habe fast gar nichts retten und so mußten sie hiks- unD obdachlos auf den Nachbarorte» umhei irren, bis es ihnen möglich warb, die abgebrannten Häuser wieder auf- zubauen. Eine gewisse Entschädigungssumme gelangte

nach der Sage nur zum kleinsten Theile an die Abge­brannten, wohin der übrige Theil fam, wuß man nicht. Aber auch von dieser unbedeutenden Entschädigung mußtin viele Einwohner aus mir unbekannten Gründen, größte oder kleinere Beträge zurückerstatten.

Bei der vorhin erwähnten Belagerung siegten zwar die Preußen, nicht aber durch Gewalt, sondern durch List. Eibemeier, Commandant der Festung, bediente sich nämlich eines Hirten, um seine Berichte nach Mainz zu bringen. Der Hirte, anstatt seinen Auftrag zu voll­ziehen, brachte die Berichte dem preußischen Befehlshaber und dieser beantwortete sie so, daß jener dadurch getäuscht wurde und endlich im März 1793 kapituliere.

Im Jahr 1796 belagerten und eroberten Sönigstein wieder Die Franzosen. Als aber bald darauf Der Erherzog Karl den französischen General Jourdan bei Ambèrg schlug, entschlossen sich die Franzosen, Königstein aufzugeben, doch nicht bevor sie die Werke zerstört hätten. Sie halten alles Geschütz unD viel Munition in einen Brunnen, der so tief, als Der Berg hoch, geworfen, als plötzlich in Der Nacbl eine furchtbare Explosion erfolgte), wodurch nicht nur alle Franzosen, welche sich noch auf Königstein be­fanden , getöbtet, sondern auch Die Festung in een zer­störten Zustand versetzt wurde, worin man sie gegen»

*) Die Absicht der Franzosen war, das Feuer anzulegen, daß erst nach ihrem Abzüge die ÜtvMlon erfolgen sollte. Durch Be­trunkenheit einiger Soldaten nahm die Sache aber oben beschrie­bene Wendung.

wärtig erblickt. Daß bei der Explosion die Stadt eben, falls Schaben litt, läßt sich leicht denken. Damit war aber für dieselbe das Maß des Elends noch nicht gefüllt. In den Jahren 1812 und 13 wurde Kömgstxin bald von srauzösischcn, bald von russischen Truppen heimgesucht. Diese nahmen oft längere Zeit daselbst Quartier, zehnen alle Lorräthe auf und was man ihnen nicht gutwill g gab, plünderten und stahlen sie. Manchmal häuften sich in der Stadt die Truppenmassen der Art an, daß sich der Vorstand genöthigt sah, Dieselben theilweisse auf Du Nachbarorte zu schicken. Was thaten aber nachdem vte Nachbarorte ? Sie machten Königstein eine saubere Rech­nung, woran es noch lange zu zahlen hat. Auch andere Schrecken des Krieges sollten über die schier geprüfte Stabt summen. Nebst Mangel und Kummer, stellten sich nun noch ansteckende Krankheiten cm, Die vielen Einwohnern das Leben kosteten. Es war daher nichts natürlicher, als daß in Folge dieser unbarmherzigen Schick­salsschläge, die Stadt verarmen mußte. Aber auch fegt noch würde sie sich vielleicht wieder zum alten Glanze erhoben haben, wären unterdessen nicht alle frühere» N.ihrnngsgnellen versiegt. Die einzelnen Freiheiten wäre» verschwunden. Der lebhafte Verkehr, ven Die Landstraße zur Folge hatte, wurde durch andere neuere Straßen abgeschnitten.

Die zertrümmerte Festung konnte keine Garnison mehr aufnehtnen, welche noch einiges Geld unter Die Bewohner hätte bringen können. Das Kloster wurde 1813 ausge-