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Freie Zeitung.

^- ...... ./'"" .......- .^âeiheit und Recht!"

,. _ , , Wiesbaden. Freitag , 23. Juli ~-^^

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Die Republik Frankreich.

X Die Pkvklamirung der französischen Republik in den Februartagen des Jahres 1848 war eine Im­provisationen, bas wird niemand leugnen, der die Zeitgeschichte kennt. Aber jene Staatsauguren, die »ns yunverttausendmal vorgepredigt haben, sie sei nur rin momentaner Einfall, ein frivoler Witz einiger Toll- köpse gewesen, schlagen ihre eigene Sache. Denn wenn ein Spaß unter den möglichst ungünstigsten Ver­hältnissen in so kurzer Zeit von einer großen Nation so ernst genommen wird, wie die Republik vonHr Franzosen, so beweist dies jedenfalls, daß er eine üöer- wältigende Wahrheit enthalten muß. Eine solche lag jener Proklamirung allerdings zu Grunde; doch will die Improvisation verstanden sein.

Die Juli-Dynastie war der erste und letzte freiwillige Versuch der Franzosen mit der Monarchie. Als Mole und Thiers, Guizot und Duchatel, die Kommis des unbeweglichen Gedankens", ihre weltgeschichtliche Mis­sion erfüllt, als sie der Nation'den Beweis geführt hatten, daß die Monarchie eine Staatsform sei, welche sich nur durch Gewalt und List, durch Unterdrückung und Korruption noch aufrecht zu halten vermöge, da herrschte unter allen Besonnenen und Ehrlichen theo­retisch kein Zweifel mehr, daß die Republik die ein­zig mögliche und deshalb die beste Form des modernen Staates sei, weil sie allein dauernde Ruhe und un- unterbrochenen intellektuellen und materiellen Aufschwung verheiße. Aber eine andere Frage war die, ob diese Wahrheit nicht noch zu früh, oder, was noch schlim­mer, ob sie nicht bereits zu spät komme.

ES gab dazumal viele entschiedene Republikaner, welche nicht ohne Besorgniß fragten, ob die Nation unter der Heillosen Wirthschaft der Bourbonen älterer und jüngerer Linie, ob sie namentlich nicht durch den Machiavellismus Louis Philippe's so in Fäul- gerathen se«, daß die Rettung der Patien­tin zu spät erscheinet Dazu kam, daß ein in religiöser Beziehung so heillos verwahrlostes, ein noch ewig zwischen Bigotterie und Jndifferentismus, zwischen Aberglauben und Unglauben hin und her schwankendes Volk schwer zu jener politischen Stätigkeit gelangt, welcher ein solcher Auferstehungsprozeß erfordert.

Nichts desto weniger ward die Republik proklamier zur Wonne und Besorgniß der Einen, zum Entsetzen der Andern und nun zeigte sich bald die alte Wahrheit, daß der Instinkt der Völker in der Regel in gehoben n Momenten der beste Kompaß ist. Die Republik hat Frankreich im Jwhre 1848 gerettet; ohne sie wäre die Revolution keine europäische, ohne sie die Intervention der bedrohten, doch nicht gelahm­ten absoluten Mächte eine schleunige, ohne sie ein Bür­gerkrieg in Frankreich unvermeidlich geworden. Es fragte sich aber bald, ob Frankreich nun auch im Stande sein werde, die Republik zu retten? |

Kurze Geschichte der Stadt und Festung Königstein.

^Vorbemerkung: Eine vollständige nud nach allen Seiten gründliche Geschichte der Stadt und Fe­stung Königstein kann in Folge mangelnder Urkunden nicht geliefert werden. Was sich an derartigen Schriften in Dem früheren Festungsarchiv vorsand, flog bei der im Jahre 1796 erfolgten Erplosion der Festung mit in die Lust. Nur ein kleiner Theil konnte gerettet werden, welchen man nach Aschaffenburg brachte; aber auch dieser wird schwerlich dort noch zu bekommen sein, da durch die vielfachen staatlichen Veränderungen jener Zeit gedachte Urkunden in die Archive anderer Staaten übergingen. Der nachfolgende Versuch einer kurzen Geschichte konnte daher nur durch hier und da gesammelte Notizen ermöglicht werden.

Aus den Urwäldern des Taunus 2 Stunden süd­lich vom großen Feldberg tagte ein mächtiger Felsen hervor. Römer oder Franken, welche auf ihren Eroberungszügen zu demselben gelangten, erkannten seine Wichtigkeit als Vertheivigungspunkt, erbauten eine Burg daraus, und umgaben dieselbe mit einer Ringmauer; daher der ursprüngliche Name Nu ring (Neuring) heißt. Später als die sogenannten Unter, fassen sich innerhalb der Ringmauer anbauten und so-

Himmelschreiende Fehler wurden zuerst von den Gründern der Republik begangen. Durch sie ward es möglich, daß die offenen und geheimen Gegner der neuen Weltordnung sich aufraffen, sich orgqnisiren und ein System der Intrigue, des Verraths, der Verfüh­rung und des Schreckens entwickeln konnten, das jede Sache, welche keine ewige Idee enthielt, unfehlbar zu Grunde gerichtet haben würde.

Jetzt sind es über drei Jahre, seit die Ritter der alten Zeit zu Felde liegen wider die junge Heroin. Keine Waffe ist gescheut worden, um den Bau zu stürzen. Noch mehr, unter den Republikanern selbst herrschte ein Zwiespalt, der oft die belagerten Zinnen fast ganz ohne Vertheidiger ließ, während die äußerste Gefahr drohte. Auch zeigten sich die Befürchtungen von der Fäulniß der Korruption und der Bornirtheit des ungebildeten, bigotten Landvolkes bald nichts weni­ger als unbegründet: Millionen von Stimmen erhoben einen abenteuernden Prätendenten zum Präsidenten und nun begann eine neue Korruptionswirthschaft, ein per­manenter Verrath, eine Verwaltung, welche republi­kanisch hieß, doch in allen Scheußlichkeiten des absolu­tistischen Regimes voran ging. Frankreich war ver­fassungsmäßig eine Selbstregierung, doch faktisch ein Polizeistaat, wie zu Zeiten Fouche's. Die Republik, sollte an allem Schuld sein sie, die verrathene, verkaufte; sie, welche mit Tausenden von Judas Jscha- riots, mit Tausenden von verläugnenden Petrus zu schaffen hatte; sie, der jeder Tag eine neue Dornen­krone wand; sie, welche gegeißelt wurde von ihren eigenen Kriegsknechten im Namen der Republik; sie, der das Kreuzige erscholl zur größern Ehre Gottes!

So kam Der Tag, wo sie endlich auf Der Schädel» stätte so mancher hohen Idee, m dem großen Rathe der Nationalversammlung gerichtet und abgethan wer­den sollte. Die Gegner der Verfassung boten all' ih­ren Witz, all' ihre Sophistereien auf; doch wie kläg­lich, wie über alle Maßen jämmerlich sind sie bestan­den! Haben wir »op- Diesen redefertigen Fallour und Berryer auch nur ein Wort vernommen, das im Stande war, den Hörer Mark und Bein zu erschüt­tern in Furcht oder Hoffen? Worte, nichts als Worte! das war per langen Reden kurzer Sinn. Wie schla­gend dagegen war die schlichte, fast aphoristische Be­weisführung Michels von Bourges, wie eingreifend so mancher andere Gedankenstern, der dieses Diskussions­chaos des Revisionskampfes erhellte! Selbst Viktor Hugo, wie haben seine alten Freunde und jetzigen Todfeinde, die Legitimisten, die Organisten und Bo­napartisten, ihn gefürchtet; welchen Skandal haben diese Ordnungsmenschen erhoben, damit seine bittern ; Wahrheiten erstickt würden im unparlamentarischen Getobe und rohem Zorngeschrei.

Die Diskussion ist vorüber; der Wahrspruch er­folgt! Die Republik steht fester als je. Die Feuerprobe, die sie bestanden, trägt ihre Früchte.Noch nie waren die Uni flau de für die aufrichtig republika- 1

nach ein eigentlicher Ort^ um die Burg entstand, erhielt derselbe den Namen Großuürings zum Unter­schiede von Kleinnürings, dem jetzigen F Ukenstein. 3m 13ten Jahrhundert war Königstein Reichsburg und wird als solche 1225 zum erstenmal mit dem Namen Ku- ningestein (Cuuigstein, Ku necken stein, Cunegenstein) genannt. Als Reicholxhen kam die Burg nachdem an die Grafen von Münzenberg. Nach deren Abgang gelangte sie durch Heirath an die Grafen zu Falken­stein **) und von diesen auf gleiche Art an die Frei- Herrn zu Eppenstein, welche sich deßwegen Grafen zu Eppenstein-Köntgstein schrieben. Von Diesen hinterließ Philipp zwei Söhne, Eberhard und Georg, nebst einer Tochter, Anna, welche dem Grafen Bodonis oder Ot- tont'P zu Stolberg vermählt war. Da aber vorauszu- sehen, daß die beiden ebeugenannten Brüder kinderlos

*) Die gegenwärtige Altstadt scheint noch ans jener Zeit zn

bestehen, was die Banart derselben beweist. Die Schloßpförte (gegenwärtig RathhauS) war der Eingang zur Burg und den Wohnungen innerhalb der Ringmauer.

Im Jahre 1873 befehdeten die Grafen von Reiffenberg Philipp von Falkenstein und erstiegen und gewannen Königstein. Hierauf führten sie ihn sammt seinen 4 Kindern gefangen nach Reiffenberg. Daselbst endete Philipp bald sein Leben; denn es halte ihm sehr in Königstein gefallen und er wäre auch gern ent­flohen, da dasselbe erstiegen ward. Die Kinder Philipps erkauf­ten nachdem um zehntausend Gulden ihre Freiheit und Hans Kö­nigstein wieder. Eins derselbe» wurde Bischof jh Tiier unter dem Namen Werner.

Nische Partei günstiger!" ruft sogar der Korrespondent eines dick konservativen deutschen Blattes aus.

Der Revisionsdebatte ist eine Brandmarkung gegen das Kabinet Baroche-Fancher gefolgt, eine Minister- krisis unvermeidlich geworden. Die Gesetzlichkeit ist die Arche Noahs, in welche sich alle Parteien vor ter imperialistischen Sündfluth flüchten. Wer die Ver­fassung bricht, ist ein verlorener Mann! hallt es von allen Seiten wieder.Die verworfene Revi­sion ", ruft Emil von Girardin demConstitutionnel" heute zu,istdas wiederhergestellte allgemeine Stimm recht! Was ich gesagt habe, datire uno un­terzeichne ich!" Komme ein Kabinet Odilon Barrot oder ein noch kryptomonarchischeres, es wird das Ge­setz vom 31. Mai revidiren, und jeden offenen Angriff gegen den Artikel 111 aufgeben müssen oder mit Schimpf und Schanden den Weg seiner Vorgänger gehen. Das sind keine Ansichten eines Einzelnen; es sind die Ein­sichten aller Weiterblickenven.

Noch wird Frankreich manche harte Probe zu be­stehen haben, denn noch hat es viele Gebrechen, viele ihm aus der Monarchie anstammende Untugenden ab- zulegeN. Die Revisionskrisis wird sich wiederholen, der Gefangene von Ham noch manchen Anlauf neh­men, um den Plan von Boulogne auszuführen. Die europäischen Dynastien werden gegen die Verfassung Alles unterstützen und Der jungen Feindin Republik die erdenklichsten Schwierigkeiten bereiten. Ja, es wäre selbst nichts Unmögliches, daß noch einmal die Mo­narchie siegte. Doch die Republik ist in Frankreich nicht mehr zu verwüsten, seit sie in die Sitten und Gewohnheiten des Volkes einzutreten angefangen und seit selbst der Einfältigste zu begreifen beginnt, daß eine Republik kein Schlaraffenland, doch die beste, weil die einzige haltbare Staatsform für ein Volk ist, daS lieber in Sorgen und Mühen Selbstherr, als mir vol­lem Magen und leerem Kopfe Sklave eines Selbstherr­schers sein will. War die unter der Monarchie erwach­sene Generation noch nicht entnervt genug, um vor der Improvisation der Republik zu erbeben; um wie viel mehr wird das in der rauhen Luft des Kampfes zwi­schen alter und neuer Zeit gereifte jüngerer Geschlecht im Stande sein, Die selbstregierung aus allen Nieder­lagen und Gefahren hindurchzutragen zum Definitivum. Das ist so einfach, daß jedes Kind es zu begreifen vermag; wenn es dennoch Menschen giebt, die den Wald vor Bäumen nicht sehen, so mögen sie eS Zum Ma-nzeichk i nehmen, daßwen Gott verderben will, den schlägt er mit Blindheit"!

Deutschland.

Worms, den 22. Juli. Die hier erschei­nendeNeue Zeitung" ist im Königreich Baiern ver­boten worden. Die pfälzischen Posten sind angewiesen, keine Bestellungen mehr darauf anzunehmen.

blieben, so erwirkten sie anno 1521 von Kaiser Karl V. auf dem Reichstage zu Worms ein indult *), daß alle ihre Rekchslehen nach ihrem Tode auf einen männli­chen Nachkommen aus der Ehe ihrer Schwester Anna übergehen sollten. Da Graf Georg auch wirklich km- derlos starb und Graf Eberhard keine Hoffnung Hane, Kinder zu bekommen, so machte letzterer ein Te­stament, worin er seiner Schwester Sohn, Graf Lud­wig zu Stolberg und dessen männliche Nachkommen, zu Erben einsetzte. Weiter wurde in diesem Testamente hie Bestimmung getroffen, daß, falls Ludwig kinderlos blieb, dessen Bruder Graf Christoph zu Stolberg, so­wie seine männlichen Nachkommen Die Erben oben ge­dachter Reichslehen sein sollten. Nach dem im Jahre 1544 erfolgten Tode des Graten Eberhard von Eppen- stein-Königstein nahm kraft vorbemerkten Testamentes Graf Ludwig zu Stolberg die Grafschaft Königstein nebst Eberhards anderen Graf- und Herrschaften in Besitz, worüber von Kaiser Karl V. anno 1548 den 17. Mai für sich, seine Nachkominen und alle Grafen zu Stolberg ein Wappen- und Namenbrief erhielt. Da Graf Ludwig ohne männliche Erben blieb, so bratete das Erzstift Mainz bei demselben eine expectanz **) auf die Grafschaft Königstein ans und nahm nach sei­nem Tode vermöge einer vom kaiserlichen Hofe erhal­tenen Commission ***) anno 1581 dieselbe in Besitz. Ob-

*) ZMaffmigtschrkibtn. **) Anwartschaft. ***; Vollmacht.