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dien, als ter bestehenden Ordnung der Dinge entgegen strenge verpönt oder doch unüberschreitbarem Perücken« zunftzwange unterworfen bleiben. Niemand wollte be­greifen, daß ein freies Volk Alles zu kennen berechtigt ist und Alles wissen muß, daß selbst mit der dem Buch­staben nach freisinnigsten Verfassung ein unwissendes oder nur theilweise belehrtes Volk dennoch Sklave blei­ben muß und daß nur in der Freiheit des Denkens, welche aber in der allgemeinen ausgedehntesten Beleh­rung ihre erste und festeste Grundlage hat, wir meinen die gesetzliche allgemeine Freiheit, die beste Schule der Geistesbildung sich findet, welche den Menschen zur Sittlichkeit und Ehrbarkeit, zur Hingebung für Gemein­nützigkeit und Hinopferung für das gemeinschaftliche allgemeine Wohl des Staates oder seiner Mitbürger führt.

Die Revolution vom 12. Januar 1848 hatte be­kanntlich den öffentlichen Unterricht dem Jesuitenorden entzogen, diesen selbst aufgelöst, sich seiner Güter be­mächtigt, die Sicilien nicht angehörigen Güter dessel­ben ausgewiesen; auch in Neapel hatte beinahe gleich­zeitig die verfassungsmäßige Regierung Aehnltches ge­than. Wir bedauern, mit einem die Verhältnizsc eines andern Volkes trefflich behandelnden deurschen Schrift- steller (Venedey) darin nicht überr»'nstümnea zu können, daßdie Jesuiten da, wo sie zur Herrschaft kommen, ihre Partei vernichten" undein Zeichen der Verwe­sung sind." Wir "finden im Gegentheil Klima und ursprüngliche, auch religiöse Anlagen mögen hierzu das Meiste beitragen, daß Per Orden sich vorzugsweise in den an Naturerzenguissen reichen Ländern sich ein» nistet, am Mark dieser Länder saugend, sich bereichert, durch geistigen Einfluß (die Beichte und die Belehrung der Jugend) an finanziellem Gewicht erstarkt, zur Macht, ja sozusagen zum Staate im Staate anwächst, dann aber, und hier sind wir mit dem geschätzten Verfasser des Werks über England und Irland einig, mit den Feinden der Freiheit, des Rechts und des Volks" im Verbände trefflicher Gehülfe wird zur Unterdrückung jedes Selbstgefühls im Menschen, jedes Gemeinsinns und zur Zerstörung sogar des allgemeinen Wohlstandes des Volks." Und hier eben, in Sicilien, liegt der treffendste Beleg dazu vor. Die vertriebenen Väter, die Hoff­nung nie aufgebend, blieben in der Nähe (Malta bot ihnen geeigneten Zufluchtsort an) zur Rückkehr bereit, und kaum hatten die neapolitanischen oder vielmehr die Schweizertruppen die Botmäßigkeit des Königs diesseits wieder hergestellt, so sahen wir den Orden auch wieder im Besitz seiner Güter und des Am­tes, den Unterricht der Jugend zu leiten. Aehn- liches geschah auch wieder beinahe gleichzeitig in Neapel: der König beeilte sich, die von ihm selbst gegebene und beschworene Verfassung, wenn nicht gänzlich abzuschaffen, doch in ihrer Wirksamkeit zu saunen. Was die konstitutionelle Negierung Gutes gethan oder doch zu thun gesucht hatte und worin sie nur durch die im Dunkeln wirkenden Umtriebe ge- hiRdert worden war» wurde als Uebel wiederrufen und abgeschafft; nicht selten ward Uebles durch noch Schlimmeres ersetzt. Da wir nun die einzelnen Glie­der der auf diese Weise behandelten Gesellschaft Jesu nicht eben als Heilige uns denken können, so müssen wir schließen, daß nicht sowohl der Eifer am Lehr­amte, der Drang zur Arbeit im Weinberge des Herrn oder aufrichtige Anhänglichkeit am Fürsten, der als Haupt der ausübenden Gewalt ihre Ausbreitung auch jenseits zugab, und noch viel weniger wahre Theil­nahme an der Wohlfahrt des Staates, am allerwenig­sten aber etwa Patriotismus, Gemeinnützigkeit, wie wir sie wünschen Da bekanntlich ihr Vaterland, ihre Heimach , nicht über die freilich etwas weit ausgedehnten Schranken des Ordens hinausreicht: wohl aber die Widereinsetzung in. die reichen Besitz­thümer und Einkünfte und die Begierde, solche mög­lichst zu vermehren und sich hierzu des unuMichränkten auf die angeführte vielfältige Weise ausgeübten Ein-

Melkeimer umgeworfen, daß die frische Milch dem durstigen Franzmann über die engen Reithosen hinaus­fließt, der sich jedoch durch das Strampfen des Thieres nicht irre machen und Den Euter nicht fahren läßt. Eine komische Figur ist endlich noch der letzte der Hel­den, der, auf den Zehen gereckt und an der Fensterbank sich haltend, vom Hofe aus noch einen Blick in das Innere der Stube wirft, ob nicht seinen kunstfertigen Kameraden etwas entgangen sein möchte. Der trockene, halbbetrübte Ausdruck seiner Mienen verrath, daß für ihn leider auch nicht die geringste Nachlese mehr übrig geblieben ist. Der Gesammteiuvruck dieser Spißbuben- wirthschaft, die hier in einem deutschen Bauernhöfe vor unsern Augen sich entfaltet, erinnert lebhaft an die Vir- tuosität in solchen Dingen, wodurch einzelne Walleu- steinische Regimenter glorreichen Andenkens sich hervor- chaten; man könnte fast glauben, das Bild zu sehen, wozu jener Kapuziner den erbaulichen Tert geliefert hat, wenn er predigt:

Wieder ein Gebot ist: Du sollst nicht stehlen!

Ja, das befolgt ihr nach dem Wort:

Denn ihr tragt Alles offen fort.

Dor euren Klauen und Geiersgriffen.

Dor euren Praktiken und bösen Kniffen Ist das Geld nicht geborgen in der Truh', Das Kalb nicht sicher in der Kuh, Ihr nehmt das Ei und das Huhn dazu.

(Fortsetzung folgt.)

fluffes zu bedienen, sich nach Sicilien zurück trieb. Hierauf kann man schließen, was für Sicilien und die Sicilier von einer durch die Gewalt der Waffen wie­der hergestellten und durch kein Grundgesetz ermäßigten Macht, in Verband mit solchen Lehrern, denen der öffent- Ilche Unterricht unbeschränkt überantwortet ist und die all den daher rührenden und weiteres noch im Beichtstuhl und am Krankenlager zu erschleichenden und geschickt zu benutzen­den Einfluß besitzen, zu erwarten iflg insbesondere wenn man bedenkt, wie überall und allgemein der Despo­tismus mit dem bekannten Grundsätze der Gesellschaft Jesu: blinder Gehorsam, das heißt Verleugnung des eignen Wissens und Willens, ja des ganzen eigenen Ich, vollkommen übereinftimint. Und wenn man ferner erwägt, wie Unwiycuhcit unausbleiblich die unmittel­bare Quelle der Verderbniß der Sitten und der Man­gel an alle Klassen durchdringender Belehrung stets die Ursache weitverbreiteter und krebsschadenähnlich Miner weiter um sich greifender Dürftigkeit ist, so darf man auch zum voraus berechnen, wie im gleichen Maße mit dieser Belehrung, der Wohlstand, dessen bei dem unermeßlichen Reictsthum an Naturprodukten dieser In­sel ohne Ausnahme jeder Einwohner theilhaftig zu werden das Recht hat, nur auf einen beschränkten, be­vorrechteten Theil kommen, die weit beträchtlichere Zahl aber inmitten der Fülle der Gaben einer üppigen Na­tur, zu Dürftigkeit verurtheilt, M Schmutze der Ar­muth die peinigende Tantalusstrafe ununterbrochen er­leiden, im Verbrechen untergehen muß."

Wer hat angesichts solcher Zustände noch den Muth, das 19. Jahrhundert das Jahrhundert der Intelligenz und Humanität zu nennen?An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!"

Deutschland.

Gießen, 23. Juli. (Hess. Zusch.) In Berlin hat eine Pastoralkonferènz stattgefunden, in welcher im Hinblick auf das Auftreten der Jesuiten und Consor­ten einmütig beschlossen wurde, das Christenthum wiö bisher bei den Juden und Heiden, nun auch unter den Römisch-Katholischen zU predigen, d. h. also , um die Römisch-Katholischen erst zu Christen zu machen. Zwei Lager: das eine voll Jesuiten und Ultramonta- nen, Muckern, Pfaffen aller Sorten, besoldeten Knech­ten in Unzahl, Aristokraten mit herrsâchtigen Regie­rungen und Königen. Welcher Contrast in dem an­dern Lager; da findet man keine Lanzknöchte, die die Völker ausplüudern, man begegnet keinem hochmüthi- gen Aristokraten mit dickem Kopf und leerem Schädel, keinen Geldsäcken, welche das Volk auspressen. Jeder will da nur Mensch stzu, jeder arbeitet da nach sei­nen Kräften und unterstützt von seinem Ueberfluß arme notleidende Mitmenschen.; räustge Schafe, die sich ein­geschlichen , werden bald erkannt und in das andere Lager getrieben. Hier fiudet man die Apostel dèr rei­nen Gotteslehre, Mariy:er für Glauben und Vater­land, Verfolgte, Beraubte, Vermißte, Proletarier, kurz die ganze mißhandelte Menschheit, sie alle erken­nen sich als Brüder in allen Zonen.

Rottenburg, 10. Juli. Heute Mittag ereignete sich auf dem Dachgiebel des Zuchtpolizeihaus-Neuvaus eine schauderhafte Scene, die man ferne auch beobach­ten konnte. Um diese Zeit kam ein Gefangener, ein Zimmermann, wie man hört von Oberndorf, auf den Einfall, sich an dem Blitzableiter des Hauses zu er­hangen, ging daher von einem Dachladen aus den First des Neubaues und befestigte sich mittelst aus Kleidungs­stücken zusammengeknüpfler Schlingen an den Blitzarbeiter. Er war außer den Hosen, die sich ihm abgestreift hat­ten, völlig nackt. So hing er am Blitzableiter, als er von ferne gesehen und die Offizianten darauf aufmerk­sam gemacht wurden. Diese wollten ihn nun losma­chen, allein er wehrte sich dessen so sehr, daß es ein Glück ist, daß Niemand von ihm hinabgestürzt wurde, da man ihm geschickt auswich. Endlich ergriff man ein anderes Mittel: man hieb ihm tüchtig von hinten aus, worauf er sich fügte und los machte, so daß er von den Zuhülfeellenden in das Dach gezogen inerten konnte. Wie man hört, soll nur deswegen der Ver­such mißlungen sein, weil Die HalSschlinge zu dick war.

Aus der Pfalz, 21. Juli. (Pf. Z.) Die Ver­messung der projektirten Bahnlinie von Neustadt nach Weißenburg, welche bisher ohne Beschädigung ter Fruchtfelder nicht vorgenommen werden konnte, wird nunmehr unter der Oberleitung des Herrn Baurachs Denis beginnen.

Trier, 18. Juli. DieTrier'sche Ztg." enthält Folgendes:So eben, Mittags halb 12 Uhr, erhal­ten wir die Mmntlicheu, vorgestern consiscirten Schrift­stücke von der Polizei zurück, von vier Briefen rein geschäftlichen Jahalts. Gleichzeitig wird aber dem Herausgeber dieses Blattes und Besitzer der Buchdru­ckerei ein Rescript der hiesigen königl. Regierung vom 16. Juli insinuirt, wornach auf Grund der Tendenz derTrier'schen Ztg." beschlossen worden,den Antrag auf Entziehung der dem rc. Walthr am 16. Aug. 1850 ertheilten Concession zum Bötriebe der Buchdru­ckerei dem Plenum Der königl. Regierung zur Entschei­dung vorzulegen, dem rc. Walthr anheim gestellt bleibt, innerhalb vier Wochen seine Vertheidigung gegen diesen Antrag schriftlich einzureichen, worauf alsdann weiter erfolgen werde, was Rechtens." Bis dahin soll auf Grund des Gewerbegesetzes von 1845, §. 74, die so­fortige Suspension des Gewerbebetriebes derBuchdru-

ckerel emtreten. Nach §. 54 des jetzt allein gültiaen Gesetzes über die Presse vom 12. Mai kann nur von dem zuständigen Richter auf den Verlust derBefugnißzum Gewerbebetriebe erkannt werden. Wir werden sofort die nöthigen Schritte gegen diese schreiende Verletzung der bestehenden Gesetze thun und erwarten von der Ge­sinnung Derart nute unseres Blattes, daß sie den durch die Verhinderung des Gewerbebetriebes möglicher Weise entstehenden Ausfall einiger Nummern der Zeitung gern sich gefallen lassen werden weitere Mittheilungen unS vorbehaltend."

Trier, 20. Juli. DieO.-P.-A.-Z." meldet:Es scheint nicht, daß die kürzlich hier an mehreren Orten und mit großer Strenge stattgehabten Haussuchungen zu einem Resultate geführt haben. Wenigstens sind den Bethciligten alle mitgenommenen Papiere wieder znrückgesteUt worden. Dagegen hat, wie Sie bereits aus DerTrier. Ztg." selbst ersehen haben werden, das Schicksal dieselbe in der vorläufigen Coucesfions- entfirhnng ihres Druckers erreicht. Wir haben schon gestern Abend keine Nummer mehr erhalten. Die Maßregel selbst, so wenig sie eigentlich unerwartet kam das Gerücht hatte sie schon seit einigen Tagen angekündigt hat doch große Sensation hier hervor­gerufen, da dieTrier. Ztg." bereits über ein halbes Jahrhundert hier erscheint. Wie man hört steht eine Vermehrung unseres Polizeipersonals in Aussicht. Ein Bericht deS zeitigen Polizeiinspectors, welcher die Unzulänglichkeit der gegenwärtigen polizeilichen Kräfte nachweist, schlägt Die Errichtung zweier Polizeicom- miffariate und die Verdoppelung des subalternen Per­sonals vor. Die Regierung soll diesen Vorschlägen ihre Zustimmung gegeben haben."

Berlitz , 19. Juli. (Köln. Ztg.) In derPreu^ ßischen" (Adler-)Ztg." vom heutigen Morgen lesest wir aus Frankfurt a. M., daßdas Ganze" der Zei- tüngsnachrichten von der Centralbundespolizei leeres Geschwätz sei, das sich auf nichts gründe." Diese Versicherung sendet ein halb amtliches Blatt in die Welt, während man in wohl unterrichteten Kreisen bereits den Wortlaut der Eröffnung kennen will, mit welcher am 8. Juli von Oesterreich und von Preußen ist Frankfurt die betreffenden Anträge angekündigt und eiNgebracht worden sind! Vorgestern haben wir nach derZ. f. Nordv." den eigentlichenAntrag" der be­sagten gemeinsamen Eröffnußg der beiden Großmächte hier mitgetheilt. (Freie Ztg." Nr. 171.) Heute ha­ben wir den bedenklichen Eingang der Eröffnung nach hier umlaufenden Abschriften zu ergänzen. Nach diesen lautet derselbe:Oesterreich und Preußen werden, so weit militärische Anordnungen des Bundes durch die momentane Lage des Bundes geboten erscheinen, dem­nächst besondere Anträge, stellen. Siö beabsichtigen fer­ner, wegen Bildung einer 'Centralbundespolizei bald­möglichst einen Antrag in die Bundesversammlung ein- zübtingen. Auf militärische und polizeiliche Vorkehrun­gen wird sich aber die Thätigkeit des Bundes nicht beschränken dürfen. Die revolutionäre Presse ist im Dienste der Männer des Umsturzes ein Mittel von so wcitgreifcnder Art und Wirkung, daß die Möglichkeit verschwunden ist, die Ruhe der Staaten uud der Ge­sellschaft gegen diesen Feind durch die gewöhnlichen strafrechtlichen Kategorieen ausreichend zu schützen. Gleich­förmige Verfügungen gegen den Mißbrauch der Preß­freiheit liegen ohnehin in der Competenz des Bundes. Es begründen darauf Oesterreich und Preußen den Antrag:Die hohe Bundesversammlung wolle durch einen ausdrücklichen Beschluß rc." (hier folgt der bereits in Nr. 171 D. Bl. mitgetheilte Wortlaut des Antrags.) Sollten die betreffenden Abschriften, was wir kaum Noch^zu hoffen wagen, nicht apokryph sein, so würde Die Stelle, welche von der revolutionären Presse han­delt, fast geeignet sein, ein Bundespreßgesetz ähnlich Dem neuen österreichischen erwarten zu lassen.

Berlin, 21. Juli. Die Nachricht, daß Hr. v. d. Heydt Den König begleitet, bestätigt sich vollkommen. Herr v. d. Heydt wird, wie DieLithogr. Corresp." meldet, dem König die Nogatüberbrückungeii, die Ver­bindungsarbeiten zwischen dem oberländischen See und dem frischen Haff zeigen. Die letzteren Arbeiten sind überaus wichtige, sie bilden eine Straße für den Holz­handel. Wie dieN. Z." meldet, sind die Ver­handlungen wegen der Neubesetzung des Finanzministe­riums mit dem Regierungspräsidenten v. Bodelschwingh zum Abschluß gediehen. Die BeröffentlllHng dieser Ernennung hängt nur noch von der heute erfolgenden Rückkehr des Ministerpräsidenten ab, der das desfäll- sige Patent zu contrasigniren haben wird. Der Mi­nister des Innern, Hr. v. Westphalen, wird, laut der N. Pr. Ztg.", nach erfolgter Ernennung des Unter­staatssekretär nur noch einige Tage hier verweilen, dann aber unverzüglich sich nach Bad Schwalbach begeben. Dem Vernehmen nach sind bereits Einleitungen ge­troffen , in mehreren der größeren Städte die Regie­rungspolizei einzuführen.

Hamburg, 20. Juli. Der Herzog von Nemours hat sich kürzlich im tiefsten Jncognito unter dem Na­men eines Herrn'von Lamplove 1V2 Tag in unserer Stadt aufgehalten, und zwar auf der Reise nach Schott­land. Der Herzog, welchen der Vetter seiner Gemah­lin, Graf v. Mensdörsf-Pouilly, in Streits Hotel auf­suchte, jedoch nicht mehr antraf, erwartete eigentlich seinen jüngeren Bruder Aumale, der indessen eine an­dere Reiseroute wählte.