Freie Zeitung.
„âeitzert und Recht!"
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Eine absolutistische Musterwirthschaft.
* Polen, Galizien, Ungarn, Deutschland, Oesterreichs deutsche Lande und Italien — alle unter gleichem Drucke, alle in gleicher Lage, doch was dort geschieht, wo die Bewegung des Jahres 1848 anfing, wag zeigen, bis zu welcher schwindelnden Höhe die brutale Gewalt zu steigen im Stand ist, wenn die Furcht zur Grausamkeit, die Grausamkeit zu gesteigerter Furcht und diese wieder und wieder zu gesteigerter Grausamkeit treibt. Ueber die Wirthschaft, welche der fromme König beider Sicilien treibt, liegen uns wieder mehre Schilderungen.vor, aus denen wir einige Züge mitzutheilen nicht lassen können- Sie gehören recht eigentlich zur Charakteristik des Jahres der Blüthe des Absolutismus 1851.
Gladstone hat in einem Briefe an Lord Aberdeen eine Schilderung des neapolitanischen Ruhe- und Ord. nungsregimentes veröffentlicht. Er erzählt, daß etwa 40,000 Menschen wegen politischer Verbrechen eingekerkert sind und von ihren Kerkermeistern mit der raf- finirtesten Grausamkeit behandelt werden; daß, nachdem Seine Majestät für gut befunden, die beschworene Konstitution zu brechen, der Konstitutionalismus für ein Verbrechen erklärt tst; daß die Staatsanwalte Menschen ohne eine Spur von Rechts- und Ehrgefühl und die Richter gefällig sind; daß man die Wohnungen und Papiere von Männern überfällt, nicht weil irgend ein Verdacht gegen sie vorliegt, sondern weil man gern etwas Verdächtiges finden möchte; daß man grundsätzlich eine Partei zur Richterin über die andere macht u. s. w. Aus Gladstone spricht das empörte Gefühl; seine Schilderung, hat ein leises Schaudern in der ge- sammten englischen Presse hervorgerufen, weniger wegen der Gräuelthaten, die bereits nicht mehr , überraschen, als wegen des „Auge um Auge, Zahn um Zahn", das bei einem Umschwünge der Dinge von der Rachsucht der Südländer zu erwarten steht.
Wie in Sicilien von der „von Gott eingesetzten Obrigkeit" regiert wird, möge folgende Stelle aus der konservativen „Deutschen Allg. Ztg." lehren, in deren „sicilianischen Zuständen in der Gegenwart," wir lesen: „In Sicilien regiert ein königlich neapolitanischer Statthalter, eigenmächtig, unbedingt und nur durch den Willen des jenseits des Meeres thronenden Monorchen beschränkt, dessen Befehle selbst, Eingaben der eigenen Willkür und Laune, seine Minister, gleichsam ihre verfassungsmäßige Verantwortlichkeit dem Pöbel (jener furchtbarsten Waffe der Fürsten gegen wehrlose Bürger) als Zerrbild hinwerfend, willenlos unterzeichnen. Dieser Statthalter herrscht, von einer zahlreichen Landmacht umgeben, die dazu bestimmt ist, die wohlwollenden väterlichen Gesinnungen des Königs dem Gehorsam sich fügenden Volkes begreiflich zu machen. Für den Fall aber, wo dieses jenem allmächtigen Willen sich nicht fügen zu wollen oder gar
eine Auflehnung gegen denselben sich einfallen ließe, oder nur der Schein von etwas Aehnlichem durchschimmern sollte, bedarf es nur eines Wilckes des über den Wolken weithin stehenden Telegraphen, und eine im Hafen unmittelbar unter der königlichen Residenz zu jenem Zwecke stets feuernde Dampfflottille bringt in 12 Stunden die drüben immer bereit stehenden Truppen und selbst jene Eisenmänner, welche am 15. Mai 1848 in den barrikadirten Straße«? Neapels das Schicksal des monarchischen Europas gegen das anstrebende republikanische System blutig entschieden, zur Verdoppelung der diesseitigen Streitkräfir herüber, oder wirft diese im Nu auf jeden beliebigen, etwa bedrohten Punkt der Insel. Wer könnte öa den Versuch etwa wagen dürfen, den die Gewalt und die strengste Macht in so unbeschränktem Maße in sich vereinenden Monarchen an Einräumung derjenigen Rechte zu erinnern, welche jedes Volk von seinem Naturzustande aus, das sicilische aber, wir scheuen uns nicht, es laut zu sagen, vor allen andern vornehmlich besitzt und die durch seine (des jetzt so willkürlich herrschenden Monarchen) Vorgänger und seine eigenen Vor- ältern anerkannt, feierlich erneuert, beschworen, und die er selbst anzuerkennen Heisig versprochen hatte? Freilich geschahen den Siciliern wie anderen Völkern diese Verheißungen, und sogur noch mehr als bloße Verheißungen während dew Umsturz aller Throne drohender Stürme, als die Monarchen fürchten mußten, die Macht sich mit Gewalt entrissen zu sehen, und gezwungen waren, dieselbe zu theilen, andere Hülfe ans Staatsruder zu rufen. Als freiwillige, in einer Anwandlung von Großmuth gegebene Geschenke, darf man dergleichen Verheißungen woht ^uch wieder zurückneh- men, eine Belehnung darf auch dem Belehnten wieder entziehen!? Wer bürgt dafür, daß Worte Thaten, Wirken oder Eigenschaften, welche heute um Staat, Fürst und Vaterland verdiew machen, daß der reinste uneigenützigste, sich hinopfernde Diensteifer und Ge- meinstnn nicht morgen in den Angen des dieses Alles unumschränkt und unwiderruflich allein zu beurtheilen berechtigten Monarchen und seiner Ohrenträger und sonstigen Höflinge als Hochverrath, als höchst verwerflich und daß darum der gestern deßhalb gefeierte und und belohnte Unterthan heute des Geschenks oder der Auszeichnung unwürdig erklärt werde? Wer dürfte etwa es wagen, dem Willen des mächtigeu Schenkers sich zu widersetzen? Oder gar, wer in aller Welt dürfte je einen die Macht und Gewalt unbeschränkt besitzenden, seiner Willkür keine Grenzen kennenden Fürsten an ein gegebenes und vergessenes Versprechen, dessen Erfüllung jene Gewalt und Macht und die willkürliche Ausübung derselben beengen würde, erinnern?
„Man hat oft das Verhältniß der Völker in ähnlichen Fällen und Lagen mit demjenigen des Individuums im kranken Zustande verglichen; meines Erachtens ist es aber^doch die höchste Frage, ob, was auf die Leibesbeschaffenheit des Einzelnen Bezug hat, auch
auf die Menge, auf eine ganze Nation anwendbar sei? Denn hat außer den alltäglichen leiblichen Bedürfnissen der Mensch auch noch die höhern geistigen Erfordernisse seines Seelenlebens^ zu bedenken, so ist der gesellschaftliche Verband, den man die Nation zu nennen pflegt, nicht auf die bei dem einzelnen Gliede dieses Verbandes Besitz und Eigenthum betreffenden und in Anspruch nehmenden materiellen Anforderungen seines Haushalts, seiner Sicherheit und seines Fortbestandes, d. h. seiner Unabhängigkeit von fremdem Einfluß beschränkt, sondern weit Höheres liegt ihm noch zu bedenken ob. Diese Gesellschaft hat ih heiligen Rechte; dieselben unversehrt, wie sie sie von den Vor- ältern erhalten, und wo möglich vermehrt auf die nachfolgenden Geschlechter zu bringen, soll der Gegenwart erste Sorge sein. Dann aber hat diese Gesellschaft, die Nation, nicht weniger als der Einzelne, ihr geistiges Leben, es ist die Ausbildung der Geisteskräfte durch die öffentliche Erziehung, eine Obliegenheit, die noch immer nicht in ihrer ganzen so höchst wichtigen und einflußreichen Ausdehnung begriffen worden ist. Denn leider sieht man noch allzu oft, wie der Aberglaube, diese Folge der vielleicht zweckgemäß beschränkten Jugendbelehrung, den Menschen zum Tpiere macht, die Schwärmerei, vorzüglich aber die Glaubenswuth, eine andere Frucht der kunstgerechten Belehrung, ihn zur Grausamkeit treibt, und der Despotismus endlich, diese Anlagen der vielversprechenden Saat geschickt benutzend, ihn zum gefühllosen Lastthier entwürdigt. Ein in Unwissenheit versunkenes Volk we ß ich nur mit jenen vou giftigen Gewürmen erfüllten Sümpfen zu vergleichen; daß aber der Pesthauch derselben den Beförderern dieses Zustandes selbst schädlich sein muß, haben diese begriffen. Die unumschränkten Herrscher suchen bei ihreu Unterthanen den Folgen der Unwissenheit in dem Sinne zu steuern, daß ihnen die Leitung des Unterrichts allein verbleibe, alle Belehrung mono- polisirt und dayin gelenkt werden könne, durch bleibende Eindrücke auf die empfängliche Jugend diese zu gelehrigen und lenksamen Werkzeugen aus- zubilden. Denn daß Alles auf die erste Belehrung ankomme, ob der Mensch etwas werden solle oder nichts, unb daß die öffentliche Belehrung, zu allen Zwecken, al^ am leichtesten zu beaufsichtigen und zu lenken, die beste sei, haben die nach unbeschränkter Herrschaft strebenden Fürsten zu aller Zeit weit besser erkannt unb zum eigenen Vortheile zu benutzen gewußt, als die Vorsteher freier Gemeinwesen diese Grundlage einer gesund.» Beurtheilungskraft und gesetzlichen Aufklärung zum Wohle des Vaterlandes zu leiten und zu verwenden verstanden. Nach den Grundsätzen der absoluten Regierungen aller Zeiten sollte ja alle Bildung von der zartesten Jugend an nur blinden Gehorsam zum Zwecke haben! Das Untersuchungsvermögen und das schöne Vorrecht aber, von jener vorzüglichen Gabe des Schöpfers, Gutes vom Bösen zu erkennen und Recht vom Unrecht zu unterscheiden, Gebrauch zu ma-
Bilder aus der Wiesbader Kunst. auSstellung.
E Seit dem 15. Juli ist die von dem Nassauischen Kunstverein veranstaltete größere Kunstausstellung, gegenwärtig aus 164 Nummern bestehend, in den Concertsälen des Theatergebäudes zu Wiesbaden eröffnet und findet lebhaften Zuspruch, besonders von Fremden. Da es nur wenigen unserer auswärtigen Mitbürger durch ihre Verhältnisse gestattet sein möchte, Wiesbaden im Laufe der für die Ausstellung bestimmten sechs Wochen zu besuchen, so dürfen wir erwarten, daß dieselben eine kleine Beschreibung bar vorzüglichsten von den eingegangenen Gemälden mit einigem Interesse aufnehmen werden. Wir wollen in zwangloser Reihenfolge nach und nach einige der erheblichsten Bilder herausheben und eine kurze Schilderung derselben versuchen.
1) Plünderungssceue zu Regensburg 1809, von A Adam in München.
Es ist zwar, wenn das Bild nicht die genaue Copie eines bestimmten Vorfalls sein soll, nicht wohl abzusehe», warum die Scene gerade in Regensburg und zwar in dem eben bezeichneten Jahre spielen soll uud warum - die Plündernden gerade französische Dragoner nnd
। Kürassiere sein" müssen. Bekanntlich haben das
Plündern die Dänen in Schleswig, die Kroaten in
Wien, die unübertrefflichen Schweden ans der dreißigjährigen Kriegszeit, sowie andere Kriegsvölker zu allen Zeiten ebenso meisterhaft verstanden. Sollt etwa gar noch eine dunkle Reminescenz an einen ehemaligen angeblichen Nationalhaß zwischen Deutschen und Franzosen dabei mit im Spiele sein — und das Bild trägt als Zeitangabe der Anfertigung die Jahreszahl 1840, wo bekanntlich in der Rheingränzefrage von deutscher Seite so manche alte Antipathie wieder aufgefrischt wurde — so müßte auch dies als ein Zündstoff bezeichnet werden, der heut zu Tage nicht leicht mehr verfangen wird. Wir sehen daher von der rein historischen Beziehung des Bildes am besten ganz ab und nehmen es einfach als ein historisches Genrebild, dessen künstlerische Vortrefflichkeit, zumal in den Pferdegruppen, auch dem weniger kunstgeübten Auge auf den ersten Blick bemerkbar ist. Wir wollen von dem empörenden Eindruck, den die Beraubung friedlicher Bürger durch privilegirte Räuberbanden auf jedes menschliche Gemüth machen maß, dabei ganz absehen; wir versetzen uns in die Unvermeidlichkeit solcher Vorgänge auf allen Kriegszügen, und betrachten das Bild einfach wie es ist.
In einen Bauernhof sind eine gute Anzahl französischer Soldaten verschiedener Waffengattungen eingebrochen und räumen aus. Ihre Pferde, 5 an der Zahl, zum Theil abgesattelt, stehen oder liegen zusammengekoppelt im Vordergründe, zur Rechten die Pappenheimischen aber sind abgeseffen und haben sich in HanS und Hof, in
Stall und Scheune vertheilt, um reine Arbeit zu machen. Das Hühnervieh, ein halbwüchsiges Schweinchen und anderes dergleichen zappeln bereits mit zusammengebundenen Beinen am Boden, daneben fitzt ein Dragoner und rupft mit geschickter Hand den geschlachteten Welschhahn, während ein anderer, in der Nähe knieend, Gott weiß was für Lictualien, vielleicht auch ein Stück Geld, in seinen bereits übervoll gepfropften Mantelsack hinein, zupressen sich bemüht., In behaglicher Gemüthsruhe sitzt oder liegt vielmehr ein Dritter in der Ecke links, die halbgeleerte Flasche in der Rechten, und stürzt ein Gläschen nach dem andern die lechzende Kehle hinunter. Auf dem Altan des Hauses sind eben zwei Infanteristen damit beschäftigt, das Bettzeug und andere Siebensachen in den Hof" hinabzulaffen, während die arme Bauersfrau daneben ob all dem Gräuel die Hande über dem Kopf zusammenschlägt. Ihre einzige Kuh ist an einen Pfosten gebunden; ein alter Haudegen hat sich mit einem Eimer daran gemacht, sie zu "melken; aber während dem kommen zwei seiner liebenswürdigen Kameraden in der possirlichsten Stellung ans dem Stall heraus. Der eine schwere Kürassier reitet nämlich auf einem Kälbchen, das er an einem kurzen Strick vorwärts jerrt , während der andere das unbehülflichc Thier am Hintergestell nachschiebt. Aber auf daS Schreien des Kalbes hat die im Hofe angebundene Kuh, welche gemolken werden sollte, sich lebhaft umgewendet und mit einem kräftigen Tritt den