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Wiesbaden Sonntag, 20. Juli
1841
D»e »Frctr Zeitung" rrf^rint, mit Aulnahm» des Montags, täglich in einem Banen - Dcr Ahnn».
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Der Junker - Kommunismus und die Bourgeoisie.
X Die Stimme, welche „das Hereinbrechen des Jmckerthums in die Rheinprovinz" ein ungeheures Er« eigniß nannte, scheint die Sache bei ihrem wahren Namen genannt zu haben. Wir erwarten für die nächste Zeit zwar keine welterschütternoe Thaten zu vernehmen; doch wir sehen im deutschen Norden sich Dinge vorbereiten, auf die Schritt vor Schritt hinzudeuten, wir für eine dringende Pflicht des Zeithistorikers — denn so betrachten wir die Aufgabe des Journalisten — halten. Dies der Grund, weshalb wir so oft auf jene Vorgänge zurückkommen, obwohl es sich dabei zunächst mehr um die Noth und den Schmerz einer Partei handelt, welche sich so oft als feige, ja mehrfach sogar als treulose Rivalin der Demokratie und als unzuverlässige Vertreterin der Ge- sammtvolkSinteresskil erwiesen hat.
Die konservative Partei in Sachsen hat, wie wir gemeldet haben, beschlossen, gleich der Demokratie nicht wieder zu wählen und sich im schlimmsten Falle — orr nicht auSbleiben wird — der Demokratie anzuschließen , worauf diese nichts geantwortet hat, als: „Wir wollen sehen, ob ihr endlich den-MlUh jhabt, Muth zu haben." *
Dieselbe Entwicklung, nur ungleich energischer und großartiger, zeigt sich in Preußen, zunächst besonders, in Schlesien und der Rheinprovinz. Die durchaus konservative „Bresl. Ztg." hat in diesen Tagen „die Kardinalfrage" der konservativen Partei der Junker- revolution gegenüber mit ungewöhnlicher Energie und Klarheit erörtert. Sie schreibt in einem längeren Artikel: „Wir wissen nicht, ob wir überhaupt stark genug sind, die organische Entwicklung der drohenden Revolution gegenüber retten zu können. Aber das glauben wir zu wissen, daß wir in der solidarischen Berbinduug mit denen, welche den geraden Weg zur Revolution verblendet dahinjagen, »ö sicher nicht vermögen, und wir erklären, .— daß, wenn es Schutzmittel gegen Revolutionen gibt, die H.ilighaltung des Rechtes und die Pflege des Rechtssinneö das sicherste ist, um die Revolution zu bekämpfen, oder wo dies nicht mehr möglich ist, sich gegen siè zu rüsten." Und am Schlüsse: „Unter allen traurigen Erscheinungen der Gegenwart ist die traurigste auf der einen Seite jene gränzenlose Mißachtung und Zerdeutung der Gesetze, welche dem unbefangenen und geraden Sinne den Glauben an die wirkliche Existenz des Rechtes raubt und die Gemüther des Volkes zu einer fristen Feindseligkeit gegen die Gesetze anreizt, in denen sie nicht die heilsamen Schranken gegen die WiUkühr jeder Art, sondern nur Hülfsmittel der jeweiligen Gewalt zu ihrer Unterdrückung zu erblicken allmählich gewohnt werden; auf der anderen Seite jene stumpfe Gleichgültigkeit, mit welcher schon jetzt der größte Theil des Volkes rechtswidrige
Kulturgeschichtliches.
XIII.
(Fortsetzung. — Siehe No. 168 der „Fr. 3.")
Von den 746 Nummern des österreichischen Kata« logs gehören ungefähr 400, schon der Lokalitat nach, der deutschen Industrie an, abgesehen davon, daß ja auch die Industrie in Böhmen wesentlich deutsch ist. Der Zollverein hat 1560 Nummern geliefert, Hannover 14, Oldenburg 2, Hamburg 98, Holstein 5, Lübeck 11, Mecklenburg-Schwerin 15, Mecklenburg« totreliy 4; ganz Deutschland zusammen also 2456 Num- mern. Dieselben »ertheilen sich folgendermaßen auf die augknommemn sechs Gruppen: erste Gruppe, Roh- matcnal : das deutsche Oesterreich 30, das übrige Deutschland 331; zweiteGruppe: Maschinen und Handwerkszeuge: 32 und 313; dritte Gruppe: gewebte Stoffe, Leder, Papier: 113 und 1081; vierte Gruppe: Metall, Glas, irdene Waare: 166 nnd469; fünfte Gruppe: Holz, lackirte Waare , Elfenbein, Kautschnck, O..»»»»« I Mille riet 47 und 387; sechsste Gruppe: bildende Künste: 6 und 157.
Die un Vortheil hafte Aufstellung hat den pusländi? scheu Blättern, die darauf ausgehen, die deutsche In. dustrie herabzusetzeu, leichieS Spiel gemacht. Namenl- Ich brachte der „Economist" letzten Sonnabend eine gütige Kritik: die Deutschen hätten nur Einen charak- ttrchlschen Zug, eine Menge schlechtes Spielzeug. Da
Anmuthungen roterem Faktum gelassen hinnimmt, ohne über das verletzte Recht auch nur eine ernstliche Kränkung zu empfinden. Greift >iefe Richtung immer weiter um sich, verbreitet die Gewohnheit, die Gesetze nicht in dem klaren Sinne ihrer Urheber auftu nehmen, sondern nach Auslegungen zu suchen, um dem Willen des Gesetzgebers entschlüpfen ■... können, sich epedemisch durch alle Schichten des Vo!" 3, dann haben wir ein Gift in unseren Volkskörper ausgenommen, vor dessen zerstörender Wirkung wir im Falle einer künftigen Erschütterung mit größerem Rechte erzittern mögen, als vor den Hirngespinnsten des Kommunismus."
Die „Köln. Ztg." schlieft sich dieser Ansicht nicht nur vollständig an, sondern sie erklärt im Namen ihrer Partei unumwunden, „jetzt sei zu einer Mittelste!« lung zwischen: „für die Verfassung" und: gegen die Verfassung" überall kein Raum mehr!"
Also: sie kommen, spät zwar, die konstitutionellen Bourgeois, doch sie kommen! Was der Demokratie nicht gelang, diesen furchtsamen Leuten die Furcht vor dem Gespenste des Kommunismus auszureten und sie über ihre jammervolle Lage zwischen zwei Stühlen aufzuklaren — es ist der Junkerpartei gelungen! Freilich, was diese Kavaliere, die royalistischer als der König und frömmer als der Papst thun, bringen, das sind keine Daffermann'schen Gestalten, keine Gespenster der Angst, keine Visionen des Philisters, der den Kopf verloren hat! Nein, die Bourgeoisie merkt endlich, wo der Kommunismus ihr gefährlich zu werden droht. Die Junker sind es, welch« gegen Kommunismus en detail predigen, während sie ihn en gros betreiben wollen; sie sind es, welche keine Grundsteuer bezahlen oder 6 Millionen Thaler Entschädigung haben wollen. Ist dies etwa nicht derselbe ritterakterliche Kommunismus, der in Frankreich sich die Milliarde zahlen ließ und der überall, wo er sich auf taD Recht des Stärkeren steifen zu können meint, den Z ehrst an v auf Unkosten des Nährstandes spielen will? Der Kommunismus in der Blouse ist ein Hirngtspinnst; doch er hört auf, ein bloßes Hrrngespinnst zu sein, wenn jede soziale Forderung des modernen Staatslebens und Zeitbedürfnisses als Utopie verlacht und als Verbrechen mit Standrecht und Ausnahmezuständen verfolgt wird; er hört sicherlich auf, ein Hirngespinnst zu fein, wenn das Junkerthum die Gesellschaft in die „ständische Gliederung" des 16. Jahrhunderts zurückschlcudert! Die Bauern unter dein Bundschuh waren Kommunisten, aber sie waren es nur geworden, weil sie wie das Vieh vom Adel behandelt worden waren. Weil wir keine christlich-germanischen Bauernkriege wollen, weil wir eine deutsche Jacqnerie des 19. Jahrhunderts, wie si in Rußland und Galizien allerdings keine Seltenheit, für eine Schmach und ein unsägliches Unglück halten würden, deshalb wollen wir den vernünftigen sozialen Fortschritt und deshalb werden Alle, die mit uns hierin Übereilistimmen, in Deutschland der Junkerwirthschaft ein Halt zurufen, komme sie im pietistischen Schafs-
von gebe ich soviel zu, daß der mit fratzenhaften Musikanten besetzte Kronleuchter besser weggebüeben wäre. Die vielen tausend Pfund, die England jährlich für Nürnberger Spielzeug bezahlt, sind aber ebenso gutes Gold, als wenn sie für andere Dinge bezahlt würden, und andere, auf eine Vergleichung der einzelnen Fatzri- kationszweige eingehende englische Blatter fällen ganz andere Urtheile.
Es ist sicher, daß wir in einzelnen Zweigen den Engländern sehr gut Konkurrenz machen. Es ist aber freilich ebenso sicher, daß unsere Industrie, als ein Ganzes genommen, gegen die englische und französische entschieden zurücksteht.
Die Kanone aus Gußstahl von F. Krupp aus Essen hat anerkanntermaßen an Vortrefflichkeit des Stoffes wie der Arbeit nicht ihres Gleichen, und die Herstellung so kolossaler stählerner Walzen, wie derselbe Fabrikant sie geliefert hat, ist hier, bis man durch, den Augenschein überführt wurde, für unmöglich gehalten worden. Der Vorwurf des „Economist" gegen die schneidenden Eisenwaaren, gegen die er sonst Nichts zu sagen weiß, als daß sie den englischen nachgeahmt waren, ist lache» lich. Der Werth dieser Gegenstände wird allein durch die Zweckmäßigkeit bestimmt; dadurch sind ihnen sehr enge Grenzen gesteckt, und daraus folgt wieder, daß die Werkzeuge der Völker, welche dieselben Arbeiten zu verrichten haben, einander sehr apnüch sein werden. Ueherdies sind die Solinger Seilen den eng-
oder im poinmrrschen Wolfspelze. Es »nacht der kon, servativen Partei, die sich sonst so vortrefflich auf Zahlen versteht, zwar wenig Ehre, daß sie dies so spät erst episieht; doch es ist wenigstens anzuerkennen, daß sie ihren Rechenfehler einsieht, ehe es zu spät ist. Sie wird einen harten Stand bekommen, denn nachdnn sie ihre starke Bund,-sgenossin, die Demokratie, mistrauisch gemacht, wird sie die ersten Kämpfe mit dem Junkerthum jetzt allein ausfechten müssen; und sie wird tapfer aufzutreten haben, weil sie sowohl ihren Feinden, w»e dein Volke erst zu zeigen hat, daß es ihr Ernst om ihrer Fahne ist. Aber da sie jetzt im eigentlichen Sinne des Wortes für Haus und Heerd kämpft und einzusehen anfängt, daß sie die Zeche zu bezahlen hat, wen» sie sich duckt oder niedertreten läßt, so wollen wir diesmal bis auf den Gegenbeweis an ihre Entschloffenhlic glauben.
Deutschland.
m. Weilburg, 17. Juli, Abends 10 Uhr. Seit 3 Stunden strömt Alles nach der eine ', Stunde vo» hier gelegenen W i m p sieben Fabrik hinaus, wo zwischen 6—7 Uhr ein bedeutender Brand ausgebrochen war. Die großartigen Gebäude liegen am Eingänge des Weilkhals und zwar so, daß sich dec vordere Flü- gel, ein drei Stuf hoher Pise-Bau, die Porcellai»- Fabrik enthaltend, der Thallänge nach erstreckt und sich rücklings an einen das Gebäude um die Hälfte a« Hohe übertreffenden steilen Berg anlehnt; dann folgen aks Fortsetzung die Wohngebäude in derselben Richtung; daranstovenv im rechte« Winkel, aber durch einen Durchgang getrennt, schließt ein Qurrgang, dre Papier-Fabrik, thellweise die Thalenge. Auf bem vor« deren Flügel nun, beiläufig einige 30 Schritte lang, brennt der ganze Dachraum, wo ein g oßeS Heuschober dein Feuer mächtige Nahrung vor; es ;chir» ptqei ganze Theil der Zerstörung verfallen. Der angestreug- testen Thätigkeit gelang es gegen 10 Upr das Wohnhaus zu schützen und Den Brand auf die Dach räume der Porzellaiu - Fabrik zu befransen,- nur an der vordersten Stelle war baö Glement in Den oberste« Stock herabgedilingen. Bewundernswerth war die Geistesgegenwart der Gebrüder Wimpf, an Denen besonders der f.ühere Abgeordnete, Herr Fr, dicht unter Dem brennenden Raume stehend, mit Umsicht die Lerwen- dung der Spritze leitete. Von letzteren waren bereits von 7—10 Uhr 9 Seück ans der Stadt und pèc nächsten Umgebung qugelangt; nur hinderte der hinter Dem brennenden Gebäude aufsteigeude Berg bedeutend ihre Benutzung; die Turner-Handspritze von hier war von besonderer Wirkung. Zwei demselben, wie sie Metz in Heidelberg liefert, bätten hier dem Brande weit eher Einhalt gethan! -^ Vieh und Menschenleben sind nicht zu Grunde ge«, gangen, ein Mau» wurde am Fuße verletzt,' durch einen herabfallenden Balken. — Anstrengung und Eifer
lischcn zwar ähnlich, aber nicht gleich; sie sind nänckich besser. Tuche werden, trotz des Zolles von 10 pCr., in Menge von Deutschland nach England cingesührt, und Den deutschen Kattunen wird, abgesehen von dem geringeren Preise, Die größte Anerkennung gezollt. Daß in bunten Wollen und Tapisserie Berlin noch imm.r den Ton aiigiebt, obgleich England jetzt mehr als früher selbst fabrizirt, und daß Engkano Die deutsche Porzcllaumanufaktur nicht erreicht, »st besannt. Man braucht nicht Die Ausstellung besucht, sondern sich nun in englischen Privathäusern umaefehen zu haben, um zu wissen, daß die Möbeltischlerei in Deutschland viel weiter ist. Daß man in England Die BettpfpAen auS massivein Mahagoni inacht und alle Gerathe so arbeitet, als ob sie für tausendjährige Dauer und zum Gebrauch für Elephanten bestimmt wären, ist doch wahrlich keine Entschädigung dafür, daß man eine Menge nützlicher und bequemer Möbel, die in Deutsch- mv selbst dem Unbegüterten nicht fehlen, wie Schreib« x Wäre, Wâsch- Ms Kleioerspinoen, Servanten hier X reich eingerichttten Wohnungen vermißt. Die eng» liXhe Abtheilung hat zwar einen riesigen, vortreffli.p gep-ttitzten Schenktisch, der einer Speifehalle zuin großen Schmuck gereiche,» wird, aber die Kommoden der eleganten Hotels sehen auS, als ob sie ein deutsche Dorftischlcr gemacht hätte. Endlich maß gegen Die Demuth proitstirt werden, mit der viele Ausländer, naincutiich Deutsche, sich vor Der tuglilchen Masch»«