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Freit Zeitung.

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J£ 167* Wiesbaden. Donnerstag, 17. Juli L8SL

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Das Innkerthnm und die NheinprovLnz.

# Auerswalds gezwungener Rücktritt vom Ober- präsidium der Rheinprovinz ist jetzt offiziell; desglei­chen die Ernennung Kleist-Retzows zu dessen Nachfol­ger. Was bedeutet diese Wendung und was sagt die konservative Bourgeoisie in Düsseldorf, Elberfeld, Köln und Koblenz dazu? Die Handelskammer in Koblenz hat am 12. bereits eine Beileidsadresse überdie trau­rige Gewißheit" an Auerswald gerichtet; in Düsseldorf und Duesburg wurde derselbe an demselben Tage mit allen gegen eine Stimme in die Kammer gewählt. DieElberfelder Ztg.", das Organ des Wupperthales, bringtaus dem Bergischen" einen Artikel, worin die Thatsacheein Ereigniß von ungeheurer Wichtigkeit" genannt und dann folgende Fragen erörtert werden: Wer ist dieser Auerswald, und wer ist der Einfluß, der ihn verdrängt? Der Vater v. Auerswald war Ober-Präsident der Provinz Preußen zu jener unglück­lichen Zeit, als die bodenlose Untreue und die maßlose Selbstüberschätzung der preußischen Junker den Staat Friedrichs des Großen an den Abgrund gebracht hatten, als nach der Schlacht bei Jena die königliche Familie genöthigt war, in den äußersten Marken Preußens eine Zuflucht zu suchen. Die Söhne des erwähnten Ober­präsidenten wurden damals in der Zeit der tiefen Er­niedrigung die Spiel- und Unterrichtsgenossen des je­tzigen Königs, wie des Prinzen von Preußen, und wer es weiß, wie das Unglück zu allen Zeiten, ganz beson­ders in der empfänglichen Jugend, die Herzen zu ver­knüpfen pflegt, der wird es begreiflich finden, daß die königliche Familie, so viel bekannt, bis zu dieser Stunde, der Auerswald'schen Familie freundlich zugethan, und daß diese Auerswald ihre aufrichtige Liebe und ihr Leben dem preußischen Königshause widmeten. Der. bisherige Oberpräsident war mit Hansemann gleichzei- tigim Ministerium; sein Bruder Alfred mit Camphausen und ein dritter Bruder war jenes Opfer des politischen Fanatismus, welches nebst Lichnowsky bekanntlich bei Frankfurt fiel. Eine ältere Schwester, Lydia, wurde die Gemahlin des ausgezeichneten Ober-Präsidenten a. D., v. Schön, der zur Zeit der Regeneration Preu­ßens die kräftige Stütze, der intime Freund von Stein und Hardenberg war, und der, als die Russen nach ihrem Einrücken, als angebliche Freunde in Preußen, auf der Domkirche zu Königsberg den russischen Adler anfpflanzten, diesen Adler wegnehmen ließ, und der, als ihm darauf der Commandant der russischen Trup­pen die Bemerkung machte, daß es im Interesse seines Kaisers liegen würde, die Provinz Preußen dauernd zu besitzen, offen erklärte:So lasse ich Sturm läuten gegen die Russen!" Diese Auerwalds und ihre Familie ehören alle dem alten Adel in Preußen an, aber je­

nem Adel dieser Provinz, welcher dem Junkerthume entschieden feindlich gesinnt, der in ähnlicher Weise, wie Vincke es s. Z. erklärte, nicht jene bekannte Mauer um den Thron bilden mag zum bloßen Schutze dieses Thrones gegen das Andrängen von außen, sondern zu­gleich zum Schutze der Volksfreiheit gegen denkbare Nebergriffe der Krone. Begreiflich, wenn auf dem ver­einigten Landtage Alfred v. Auerswald, der Bruder unsers Oberpräsidenten, einer der Führer der Opposi­tion war, eben so begreiflich, daß er beim Eintritte jener Krisis von 1848 schleunigst nach Berlin berufen wurde, um in der Stunde der Noth seine Treue gegen den Thron zu bewähren. Und er und seine Familie und alle aufrichtig Konstitutionellen haben diese Treue bewährt bis zur Stunde. Sie bildeten mit jene Mauer um den Thron, die mehr als Bajonette ihn gesichert haben in jenen Tagen, als eine Maßlosigkeit demokra­tischer Ueberstürzung ihm Gefahr zu drohen schien. Die Mitglieder jener Deputation aus Berg und Mark, vom Juni 1848, werden noch jetzt in ihrem Gedächtnisse bewahren, in welcher monarchisch und konstitutionellen Weise zugleich der damalige Minister-Präsident, der bisherige Ober-Präsident nämlich, sich ausdrückte; die Mitglieder derselben Deputation werden sich auch erinnern, wie gerade-in jenen Tagen so eine junker­liche Deputation sie zu einer brandenburgischen Ver­sammlung einlud, welche eben nichts anders gewesen ist, als der erste Beginn dieser tollen Reaktion des Junkerthums, welche ohne alle Frage das Königthum zuerst in den Gemüthern vernichtet. Hier treten wir auf den Boden, den unsere zweite Frage andentet, wer nämlich der Einfluß sei, welcher in diesem Augenblicke den Oberpräsiventen Rudolph v. Auerswald verdränge? Derselbe Einfluß, welcher auf dem Vereinigten Land­tage Alles aufbot, um die Krone zu verhindern, eine Constitution zu geben, derselbe Einfluß, der unter einem Bismark-Schönhausen, einem von Thadden und Con­sorten die Juden alsGäste" behandelt, neben der Preß­freiheit einen Galgen errichtet wissen wollte, derselbe Einfluß, welcher allein es verschuldet, daß Preußen eine Revolution gehabt, eben dieser selbe Einfluß und er allein ist es, welcher gegenwärtig die konstitutionel­len Männer verdrängt, die nicht im Stande sind, eine Maßregel durchführen zu helfen, die nach ihrer gewis­senhaftesten Auffassung mit der beschworenen Verfas­sung in Widerspruch steht. Das Junkerthum bricht herein über die Rheinprovinz! Das ist der kurze Ausdruck für die Bedeutung dieser Maßregel. So kurzsichtig wird nicht leicht ein Rheinländer sein, daß er die Bedeutung dieser Thatsache nicht auf tiefste er­faßte; so kurzsichtig aber auch wird kein Rheinländer sein, daß er nicht wissen sollte, die Reaktion müsse erst gipfeln zu ihrem höchsten Punkte, um schmachvoll

über ihrer eigenen Bodenlosigkeit zusammenzubrechen. Ein politisch gebildetes Volk kann vorübergehend auch Männer wie jene Junker in ihrer Mitte, und kann sie gar als hochgestellte Personen ertragen. Wohl wissen wir, was das Endziel der Junker ist, da ihr Organ, dieKreuzzeitung", deutlich genug es ausgesprochen hat, und wenn wir es nicht wüßten aus diesem', so könnten wir es wissen aus dem bekannten österreichischen Lloyd", der aus der Schule schwatzt, wenn er uns in Nr. 158 die Aeußerung eines Russen zur Zeit der warschauer Konferenzen mittheilt:Man kann an­nehmen, daß in Preußen 3 400,000 Individuen leben, die je nach Umständen immer wieder eine Re­volution machen werden; wir werden also einschreiten müssen. Und glauben Sie mir, unser großes Sibi­rien, das der inneren Colonisation dringend bedarf, ist deutlich auf den Westen angewiesen: diese Auers- wald's und Simsons und wie diese Volksführer heißen, sie werden alle noch einmal Sibirien kolonisiren hel­fen I" Sind das Ansichten von Menschen, welche un­sere Junker nicht scheuen, als die treuesten Verbünde­ten von Preußen anzuerkennen, so sehen wir darin freilich nur fromme Wünsche sklavisch gesinnter Per­sönlichkeiten; aber wir denken doch bas Unsrige dabei. Mag demnach Herr v. Kleist-Retzow, bisheriger Laud- rath in Hinterpommern, den salto mortale zum Ober­präsidenten der Rheinprovinz unbesorgt machen; die Bewohner derselben werden sicher selbst dadurch nicht einen Augenblick die Achtung vor dem Gesetze verlie­ren. Was aber die Rheinländer zugleich thun sollten, sie sollten ihren Oberpräsidenten Rudolph v. Auers­wald nicht aus ihrer Mitte hinweggehen lassen, ohne ihm durch zahlreiche Adressen ihre Sympathieen, ihre wohlverdiente Hochachtung und die klare Erkenntniß dessen anszusprechèn, welche Bedeutung seinem Ab­gänge beigelegt werden muß. Wir erfüllen nur eine Pflicht, wenn wir ihm gegenüber offen spre­chen; wir erfüllen nicht minder eine Pflicht, wenn wir bei der Ankunft seines Nachfolgers schweigen." DieKöln. Ztg." bringt einen Artikel, worin der an-, gebliche Zwiespalt im Ministerium eine bloße Spiegel­fechterei genannt und dann so fortgefahren wird:Die Zahl derer, welche noch an die Möglichkeit eines wirk­samen Widerstandes der jetzigen Regierung gegen die Kreuzzeitungspartei glauben, ist im unaufhaltsamen Da­hinschwinden begriffen. Die alte Kraft der Bu­reaukratie ist gebrochen, und die junge Kraft der Demokratie oder auch der constitutionellen Partei in- teressirt sich nicht mehr für den längst unfaßbaren Un­terschied von Manteuffel hüben und" Graf Arnim oder Baron Bismark drüben. Vollends die constitutionelle Partei ist für den Augenblick Dank der Treulosig­keit der 1849 so hingebungsvoll unterstützten Männer

Die totale Sonnenfinsterniß am 28. Juli.

(Schluß.)

Außer der Aureole, welche zu allen Zeiten, wie es scheint, bemerkt und in den ältesten Beobachtungen er­wähnt worden ist, sah man zum ersten Male auf die beglaubigtste Weise im Jahre 1842 röthliche Auswüchse, welche auf den Rand des Mondes gepfropft schienen, und welche in der gelehrten Welt ein gerechtes Erstaunen erregten. Alle Beobachter haben die lebhafteste Erinnerung davon behalten und werden daher nach einer neunjährigen Zwischenzeillehrreiche Vergleiche anstelle» können. Diese selben Protuberanzen von Flammen, welche de» Mondrand er­heblich überragten, wurden bei der totalen Verfinsterung zu Honolulu beobachtet. Auf dem perlweißen Grunde der Aureole, sagt Kulczycki, hob sich an der Ost spitze der Mondscheibe eine wunderbar deutliche und farbige Protube­ranz ab. ES zeigte sich noch eine andere, größere, neben welcher sich ein sehr zarter und bedeutend längerer rosen­farbener Strich befand. Eine dritte, minder vorspringende, aber dickere, befand sich am westlichen Theile der Scheibe, ein wenig nordwärts gerichtet. Der südliche Theil war ganz frei von jedem Anhängsel, obwohl gerade da die Scheibe des Mondes die der Sonne am wenigsten über­ragte. Die östliche Protuberanz, die merkwürdigste von allen, hatte die Form einer halben Ellipse, mit ihrer kleine» Axe an den Saum des Mondes geheftet. Die große Axe, normal von diesem Rande auslaufend, hatte die doppelte Länge der kleinen. Die roscnrothe, mit einem sehr leichten Violett überhauchte Farbe dieser Protuberanz, war am dunkelsten an den Rändern und blaßte gegen die Mitte ab. Die Mitte, bläulich auf der Axe, ver­schmolz sodann in Weiß mit der rosenroten Umgebung.

Das Ganze ähnelte vollkommen der Flamme einer Kerze, schien aber sehr fest und unbeweglich. Keine Rauheit existirte am Saume des Mondes, au der Stelle, wo dieses seltsame Anhängsel sich von ihm ablöste. Seine Winkel­höhe über dem ringförmigen Rande des Mondes, war eine, bis anderthalb Minuten. Die beiden anderen Protuberanzen hatten denselben Charakter; nur waren sie minder hervorstechend und minder entfaltet; auch endeten sie nicht stumpf, sondern in zwei Spitzen, was ihnen das Aussehen von Flammen gab. Bei der zweiten Prüfung schien die größere Protuberanz sichtlich kleiner geworden zu sein, während die beiden anderen sich erweitert hatte». Diese, mit der größten Sorgfalt verfolgten Verwandlungen, beseitigten den Gedanken, als könnten diese Emanationen aus dem Monde selbst kommen. Später, als der Aus­tritt des Mondes herannahtc, wuchsen die nördliche und die westliche Protuberanz bedeutend und die eine er­schien vom Mondrande völlig abgelöst, und zuletzt, beim Aufhören der totalen Verfinsterung, umgab sich der Moud- taub an der Seite, wo sein Heraustritt aus der Sonne bevörstand, mit einer Menge sehr naher kleiner Protube­ranzen von der nämlichen Farbe und Gestalt. Das Ganze sah aus, wie ein dünner Flammenziriel, der etwa 60 Grad vom Umfange des Mondes einnahm.

Diese neue Beobachtung des Flammengürtels, in Ueber« einsteimmung mit denen, welche Herr Arago in dem Jahrbuche von 1846 besprochen hat,- schließt aber die Annahme aus, daß die Auswüchse Berge auf der Sonne oder, was noch mehr Grund hätte, auf dem Monde seien. Berge müßten nothwendig eine Basis haben; allein diese zweifelhaften Leuchtgcgenstänve trennen sich so sehr von ihrem Körper, daß sic bisweilen in einer Ent­fernung von z»vei Sternen daneben erscheinen. Es bleibt

also, wenn man sie durchaus für wirkliche Gegenstände ansehen will, nichts Anderes übrig, als sie mit Herrn Arago zu ungeheuren Wolken zu machen, welche in diesen lichten Atmosphäre» herumschwimmen, oder auch mit Herrn Babinet zu Haufen kosmischer Stoffe, welche im Umlauf begriffen, nach den Klepper'schen Gesetzen in sehr geringer Entfernung von der Sonne gravitiren. Aber viellichl wird man diese Schwierigkeit leichter überwinden, wenn man noch einmal mit Herrn Faye zu dem uner­schöpflichen Capitel der optischen Täuschungen seine Zu­flucht nimmt. Wenn man wiklich dahin gelang-» sollte, durch Vergleichung der Beobachtungen zu beweisen, daß man diese Auswüchse in demselben Augenblicke in ver­schiedenen Gestalten gesehen habe, wie könnte man dann noch daraus beharren, sie für eine Wirklichkeit anzusehe» ? Der Beobachter in Honululu war allein: er konnte mit­hin nur seine aufeinander folgenden Eindrücke mit ein­ander vergleichen ; aber am 28. Juli wird das Phänomen auf einem großen Theile der bewohnten Erde gesehen und beobachtet werden. So wird st h ein* gute Gelegen­heit bieten, von vornherein zu entscheiden, ob man es mit bloßen Augentäuschungen oder mit Körpern zu ihn» habe, die in Wahrheit zu unserem Sonnensysteme gehören, aber nur unter den ganz besonderen Umständen sichtbar werden, unter denen man sie das erste Mal wahrge. nominell tat. Wenn, nach aller Wahrscheinlichkeit, die Auswüchse wieder erscheinen, uüd im Falle die vi r« schiedenen Beobachter über ihren Umfang, ihre Gestalt und ihre Lage abweichende Erfahrungen gewinnen, so wird der Vortheil auf Seiten des geistreichen Astronomen sein, welcher zuerst versucht hat, die Strahlenbrechungen in Rechnung zu bringe», welche durch die im Jm er» des SchaltcnkegelS enthaltene Lastmasse Hervorgebrachk