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M 1«» Wiesbaden Dienstag, 13. Juli 1851.

DieFreie Zeitung" »richnnt, mit Ausnahme deS Montagâ, täglich in einem Bogen. Der AboancmeniâpretS beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden 1 ff. 45 ft., auSwârt« durch die Post bezogen mit ver)ältmßmäßigcm Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets een wirksamem ft* folge. Die Jnserattonâgrbühren betragen für die virrspaltige Petitzetle 3 ft.

Hüter, ist die Nacht nicht hin?"

X Es ist Nacht; die Stürme toben daher über die Marzsaateu und Drohen allem junge» Grün , allem Frühlingsleben Verderbe». Dort stehen sir, die Wetter­macher'gleich nordischen Herenmeistern und Zauberern und aus ihren unheilschwangern Augen blitzen Schaden­freude und alle Dämonen der Hölle; und dort fiepen die Hüter des neuen Lebens, das der wilden Jagd zu erliegen scheint, und die einen zittern und zagen, die andern falten wehklagend die Hände, die dritten ballen die Faust. Ist denn Alles verloren? " seufzen diese; und die Verderber flüstern: ^d; eine kurze Frist und wir haben unser Ziel erreicht!"" Habt ihr? Ist die Marzsaat bald gründlich vernichtet, sind die Keime einer besseren Zeit bald bis auf den letzten zer­treten? Ihr möchtet Recht haben, wenn die Wurzeln erst aus dem März stammten; doch sie sind vorwinter- lich, sie sind älter als ihr, älter als euer historisches Recht, sie sind meuschheitsalt. Als der erste Mensch zu fühlen begann, nahm er cs als sein unveräußerliches Erbe in Anspruch, menschlich fühlen zu dürfen; als der erste Volksstamm sich zum Gedanken an ein Hö­heres aufraffte, und die ersten Anläufe zur Gesittung wagte, sprach er das Recht der Gewissensfreiheit an; als der erste Buchstab ausgezeichnet, als die ersten Lettern gegossen waren, ward die Freiheit, seine Ge­danken durch Schrift und Druck zu verbreiten, in An­spruch genommen und als einzige natürliche Waffe Anders­denkender die eben so freie Gegenschrift erkannt. Daß der Mensch den Gesetzen allein gehorche, welche die Mehrheit seiner Mitbürger gab als der Ausdruck des Zeitbewußtseins und Zeitbedürsniffes, daß kein Gesetz blos der Ausdruck eines willkürlich so oder anders Beschließenden sei, das ist von jeher erkannt worden alödas Merkmal, das ein civilisirtcs Gemeinwesen, welches nur auf das Gemein- beste geht, unterscheidet von der Barbarei wilder Hor­den, bei denen die Gewalt über dem Rechte steht und das Wohl tines oder einiger Männer der Wohl­fahrt Aller vorangeht. Sind wir wieder Barbaren gewor­den? Wirdie Völker? Nein, zu keiner Zeit wallte und wogte der Weltgeist gewaltiger in allen Adern der euro­päischen Menschheit! Gedanken, kühne, zukunstreiche Gedanken sind ausgegangen am Horizonte der Gegen­wart als Sterne, vor denen die Hüter der alten Welt­ordnung erzittern. Wohl drängen sich schwarze Wolken vor sie 'hin, daß die Völür sie nicht sehen sollen vergebliches Beginnen! Es ist das Schicksal der Dunst­massen, daß sie kommen uno schwindend zuletzt die Saaten netzen, denen sie Verderben drohten; und es ist das Schicksal der Sterne, daß sie hoch ob den Wet­tern thronen und ewig ihre Bahnen gehen unverrück­bar, unabwendbar. Menschenleiber mag man fesseln und foltern, Menschheitsgedanken sind Welt­schicksale: vor ihnen ist kein Entrinnen, tyr Eintreffen hält keine Macht der Erde auf; sie kommen und sind da, wenn die Zeit erfüllet ist. , .

Ist es Mittelalter oder Neuzeit? Ein Huß

ward verbrannt und doch kam der Luther und die Klöster brachen zusammen und selbst das Triventinum hielt den Einbruch der Reformen in die alte Kirche nicht auf. So wird auch.keine Augsburger Konfession den Geist des Protestantismus hindern, daß er fortprotestire gegen jedes Gelüste, das den lebendigen Geist gegen und nur den todten Buchstaben für sich hat.

Und ein Hutten konnte verkommen und ein Sickin- gen erliegen; doch selbst ein Karl V. rettete die alte Zeit nicht vor dem höheren Rechte der neuen: das heilige römische Reich ward mit Gewalt aufrecht er­halten, doch es erlag dennoch zuletzt der Gewalt der Umstände. Geschliffene Schwerter sind eine scharfe Waffe, doch schärfer ist der Zahn der Zeit, der rastlos nagt und langsam zwar, doch stets zuletzt alle Gewal­tigen.überwindet, deren Macht gegen die Zeitideen und Menschheitsziele gerichtet ist.

Was jubelt ihr denn, ihr Wettermacher, was faselt ihr Unglückspropheten? Und ihr Mühseligen und Bela­denen, was zaget und verzweifelt ihr? Keine Epoche der Geschichte, seit Jesus Christus ans Kreuz geschla­gen ward, war größer, schicksalövoller als diese! Wenn die Finsterniß am Stärksten, ist der Sonnenaufgang am Nächsten. Schwache verrathen den Herrn, obwohl sie erbeben beim Hahnenschrei; wer muthig ausharret, wird nicht zu Schanden werden. Nur Thoren fragen: Kehrt die Sonne wieder?" Die Frage heißt blos: Wann ist die Nacht hin?""

Deutschland.

# Wiesbaden, 14. Juli. Dr. Eduard Duller, der sich schon so viele Verdienste um unsere deutschkatho­lische Gemeinde erworben hat, wurde in gestriger Ge­meindeversammlung einstimmig zum Prediger erwählt. Eine glücklichere Wahl für die Führung und Fortbil­dung ihres religiösen Lebens und Gedeihens hätte die hiesige Gemeinde wohl nicht treffen können.

* Wiesbaden, 14. Juli. Der preußische Zollverein ist todt, es lebe der österreichische Zollverein ! Das be­deuten die Dinge, welche jetzt Vorgehen. Die Süddeutschen lösen sich ab, vorläufig, ohne sich an Oesterreich anzu. schließen; so wird Preußen gezwungen, nachzurücken oder den Bruch zwischen Nord und Süd zu besiegeln. Alle Plackereien der Zwanzigerjahre kehrenwiederund Nassau besonders, das glücklich an der Grenze liegt, kann lachen! Wir wollen heute vorläuftig die betreffenden An- deutuiigeu geben: Aus Wien meldet man der .Brest. Zrg.^ Folgendes: »Die Aufkündigung des Zoll Vereins Ver­trages von Seiten Bayerns und Württem­bergs ist bereits sicher gestellt und nur mit Baden dauern die Unterhandlungen in dieser Beziehung noch immer fort; doch zweifelt man nicht daran, auch diesen Staat für den neuen Zoll- und Hanoelsband mit Oesterreich zu gewinnen, wodurch nicht nur die Machtstellung Preußens in Deutichland gerade in ihrer empfindlich » Seite angegriffen würde, sondern auch die Tragweite der von England, Preußen und Sardinien geförderten Eisenbahn wesentlich verkürzt sein möchte." Gleichzeitig meldet die mialsteriett impirirte

Württembergische Correspondcnz derO.-P -A.-Z *: »Ma­die Berathungen in Zollangelegenheitcn betrifft, so ver­lautet hierüber noch nichts Näheres, da diese Frage die reiflichste Erwägung nach allen Seiten hin erfordert. So viel dürfte indeß sicher sein, daß Württemberg in dieser wichtigen Sache, nicht ohne Uebereinstimmung mit Bayern und Baden handeln, und daß es wahrscheinlich auch Hessen, besonders Kurhessen und Nassau auf seiner Seite haben wird. Ein besonderer süddeutscher Zollverein, vielleicht im Anfänge ohne Oesterreich, könnte leicht daraus entstehen, w nn Preußen und die ihm gleich­gesinnten Staaten des Zollvereins bei den bisherigen Ver­hältnissen desselben sollten durchaus verl-arren wolle». Doch, wie gesagt, über die eigentlichen und letzten Ab­sichten unserer Negierung in dieser Hinsicht verlautet vor. e.rst noch nichts, und dürfte die Sache auch noch nicht ganz reif zur Entscheidung sein. D.e große. Thätigkeit in den höchsten Staatsstellen dürste noch besonders auch dadurch bedingt sein, daß, wie m in hört, 6er König bei besserer Witterung eine Reise nach Meran zu machen gedenkt/

* Wiesbaden, 14. Juli. Aus Frankfurt, 9. Juli, meldet nun auch dieAugsb. Allg. Ztg.", daß Oester­reich und Preußen gemeinsam den Antrag auf Grün­dung einer permanenten schwarzen Kommission, oder, wie ihr amtlicher Titel ist, einerBundescentral­co mMission" gestellt haben. Früher hieß es be- kanntlich, Preußen habe diesen Antrag allein gestellt, doch wieder zurückgezogen. DerN.Od.Ztg." wirv aus Berlin geschrieben, daß dort in diesem Augenblicke viele höhere Polizeibeamte auS Deutschland und Preu­ßen versammelt seien, die unter dem Präsidium des Ministers Westphalen selbst Konferenzen^ halten, um Grundzüge zu einem gemeinsamen Handeln sämmtli­cher Sicherheitsbehörden in Deutschland zu entwerfen. Daß es hierbei hauptsächlich auf die sog. höhere oder politische Polizei abgesehen ist, versteht sich von selbst.

N. S. Die neueste Nummer derAugsb. Allg. Z." bringt eine neue Korrespondenz aus Frankfurt, 9. Juli, über Oesterreichs und Preußens Bundescentralpolizei­antrag, worin es heißt:Dieser Antrag ward durch ein ausführliches Promemoria zu begründen gesucht, in welchem auf das, was den beiden Regierungen in der Zeit gefährlich scheint, hingewiesen ist Wir warnen davor, daß einem solchen Anträge Folge geleistet werdet Damit dasjenige, was in unserer Zeit Gefahr droht, abnehme und besserem Platz mache, mögen die Regie­rungen, welche in den Jahren 1^48 so manches p-ntev peccavi gestottert, bei sich zu bessern anfaugen, womit wir freilich nicht sagen wollen, daß das Volk nicht die Pflicht habe, ihnen das Beispiel zu geben."

Mainz, 11. Jnli. (Mzr. Abdp.) Heute früh wurde der epemalige Redakteur derMa nzer Zeitung" Herr Johann Kilian Suver, auf Aufsehen des Ge­neralprokurators verhaftet und in das Justizhaus da­hier abgeliefert, weil in der Mainzer Zeitung zwei Leitartikel:-Die nächste Revolution" undMonar­chie und Repudltk^^ das Verbrechen der Vorbereitung zum Hochverrath und das Verbrechen der Majestats- beleivigung enthalten.

D e r R h e i n.

(311 das gUbitm einer Freundin.)

Wie kann Wasser so große Dinge th»»?'e

Du vielbesungener! wenn Du jetzt die Feder

Mich Mi«! siehest, so erschrick nur nicht';

TS fli ßt kein Vers aus ihr, um zu den Millionen Prosodischer Fußtritte neue Dir zu geben.

Nein, nein! es ist kein Dichter, dec Dir naht;

Sein zweiter Niklas, wild, franzosenhungrig; . . -

Sein Arjacent auch bin ich, den Du füttern müßtest, Und der zum Tort der andern Adjacenten Des Neides Stein in Deine Finthen wälzt.

Auch bin ich nicht ein Zècher, der Dein Wasser preist, Indem er schmunzelnd Deine Weine schlürft;

Auch soll mein Lied Dir keine Dividende

Non höherem Procent abschmeicheln. Doch ich seh'

Dein grüneS Auge merkst Du nun, Daß ich kein Dichter di»? Denn grüne Augen, Wie unpoetisch wären sie! Dein grüneS Auge Seh' ich die Frage leuchten, wer ich sey?

Ein Ungerathuer bin ich, der ein Unterthan Hat werden sollen und trotz guter kehren Nichts weiter als ein Mensch geworden ist.

Nichts weiter? Ja, genug des Spottes! Kehr' dich hervor, du stolzer Menschenernst!

Ja, Vater Rhein, ein Mensch bin ich, nichts w.iter, '

Doch ivahrlich wen'ger auch nicht, als ein Mensch, Und daß ich's sey, Du hast es mit bekräftigt In deinem sprechenden Aquamarin.

Verstände nur ein Jeder Deine Sprache,

Da meeresfarbner! Mir verkündet laut Dein stiller Farbenton, Du seyst leibeigen

Dem grünen Weltmeer. Du, so stolz, so groß, Trägst doch bescheiden als ein Theil des Ganzen DeS Ganzen Farbe. Sieh, ich will Dir gleisen; Der Menschheit will ich sein leibeigen, treu ergeben! Nicht Menschen lieb' ich, sey'« eS meine Kinder Und deren Mutter, sey'n eS hebe Freunde. Dort schleicht ein Flußzwerg, feine trübe Farbe Gab ihm der Schlamm, durch den sein Weg ihn führt. DaS sind di, Menschen, unwerth dieses Namens, Die ihre. Stellung bei dem Hobel finde», Für deren Streben ihrer Kinder Wiege Die allzeit nahe Grenzmark ist.

O wenn sie Menschen würden! Gatten, Väter, Bürger Zu seyn, wär' deshalb doch ihr Theit, Nur schöner wirr' eS, edler, zukunftreicher.

Ein solches Menschenabdild, trüber Bodenfarde,

Gikßt dort, wo Unnatur und Unvernunft

Aus Feucrschkünden droht, d«c Main, Sein Wasser in Dein mächtig Strömen. |, So fühlt fich oft, zuletzt der kleine Geist Von wahrer Größe mächtig angezogen.

Doch ach, der Arme, der sich Dir verbunden, Er bleibt Dir lange unsern,ählk, versteht Dich m.yt;. .

Er geht nicht auf in dir; in Einem Wege Läuft er nur neben Dir, obschon vielleicht er glaubt, Nun sey er Eins mit Dir. Nur an der Grenze Mischt sich sein.Wasser mit dem Deinen: Wie oft der Mensch.des OruverS Weishcitsl«hr«u Zuerst nur einzeln, zögernd, in sich nimmt, Bis ein Ereigniß, groß und allgewaltig, Ihn für die Wahrheit ganz und voll gewinnt, So gebt's dem Maine erst bei Bingen Gelingt's im Strudel Dir, ihn zu bezwingen.

Jetzt, Freundin! wend' ich »>ich an Dich, Denn Du versteift mich, und den Rhein, wie ich.

Du fühlst,-wie ich, in Dir ein mächtig Strömen: Die Menschheit ist sein Quell und ist fein Ziel.

Nimm auf darein die kleine» Meuschenbäche, Dit ihre Bahn an Deine Seite leitet, Und führe sie dein Meer dtr Menschheit zu.'

Emil Roßmäßler.