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J£ 1G4L Wiesbaden Sonntaa, 13. Juli 1831

Diegre11 3»itunß" erschein», mit Ausnahme deS Montags, täglich in einem Bogen. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden 1 (L 45 fr., auswärts bllt* -je Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bet der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem $c folge. - Die JnsrratronSgebühren betragen für die vierspaltige Petitzctle 3 kr.

Der S u N d z o l l.

y Warum wird.. Dänemark so zärtlich behandelt von Rußland, da es doch ein demokratisches Kabinet hat und demokratische Negierungen sonst dem Czar so verhaßt sind wie die Pest? Warum wird Dänemark stets so offenkundig von der französischen Ordnungs- partel protegitt? Warum ist Oesterreich so schonend aeaen dasselbe Land, das dem deutschen Bunde Hohn zu sprechen sich's zur Pflicht machte? Und warum geht Palmerston, ben weder der russische, noch der öster­reichische Hof ausstehen kann und ebensowenig das Prätenkentenhöfchen im Elysee, in der Fürsorge für Dänemark Hand in Hand mit seinen sonstigen Gegnern?

Alle Feinde und Neider deutscher Einheit, Macht und Größe sind geschworne Freunde Dänemarks um jeden Preis!

Aber warum sind die heutigen Regierungen so schwach, wo es Dänemark gegenüber gilt, die Rechte und Interessen Deutschlands zu wahren? Weil diese Rechte zur Herzensangelegenheit vom deutschen Volke gemacht und weil diese Interessen als Lebensfragen erkannt wurden. In einer Zeit aber, wo es von den Organen der Negierungen auf den Dächern gepredigt wird, daß den dynastischen Jutereßen alle andern Hochgestellt werden müßten, in einer Zeit, wo die So­lidarität der Fürsten unter sich zum Schtboler gemacht und die Solidarität zwischen Fürsten und Völkern allen Winden übergeben wird, hat eine Sache, sobald sie Volks- zumal deutsche Volkssache ist, nicht mehr als alle Diejenigen gegen sich, welche das Volk nicht mehr aufkommen lassen wollen, weil sie fürchten, so­bald es wieder zu sich komme, komme es auch wieder oben auf. *

Eine solche deutsche Volksangelegenheit war und ist und bleibt trotz alledem die Sun dz oll frage.

Es gehörte die ganze Romantik der Gothaer dazu, eine Flotte bauen und den Sundzoll nicht zuvor ab- thun zu wollen. Der dänische Krieg war eine Sack­gasse in die der deutsche Patriotismus hinelngelockt wurde, um ihn nach und nach abzukühlen oder abzu' schlachten: das ist eine jetzt weltbekannte Sache.Wer den Schaden hat, darf für Spott nicht sorgen!" D»e Demokratie wenigstens hat sich keine Kanute darüber getäuscht »doch, als der Kampf einmal begonnen, drang sie 'aufEneraie - dieedlen" Konstitutionellen dagegen woll­ten klüger als oie Schlange Diplomatie seiw und ließen sich Überlisten. Doch wozu über diese Miseren noch ein Wort verlieren? Die Geschichte hat, bereits gerichtet.

Preußen hat sich wiederholt anheischig gemacht, für Abschaffung des Sundzolls wenigstens in die Schranken zu treten: sein Ostseehandel wird sich nie eher heben. Auch Oesterreich hat dergleichen hoffen laßen, um seine Uneigennützigkeit in diesen Angelegenheiten zu zeigen. Doch was ist bis jetzt geschehen.

In diesem Augenblicke, wo die deutsche Flotten- frage wieder aus der Vergessenheit aufgescharrt wird, wo Oesterreich und Preußen wieder den Mund voll von schönen Redensarten nehmen jetzt fragen wir von Neuem: Wie steht es mit dem Suudzoll? Diese Frage ist ein Ariom für die Flottenfrage.

Wie es mit der Sundzollfrage steht, hat Palmerston am verwichenen Montag im Unterhause erklärt. Laines Elay fragte, ob die Regierung ihren Vertrag mit der dänischen Regierung wegen des Sunozolls kraft der Klausel von 1841 kündigen werde und ob Unterhand­lungen mit Rußland, Preußen oder einem andern Lande angeknüpft seien, um die Abgaben, denen die den Sund passivem en Schiffe unterworfen, in eine feste Entschä­digungssumme für Dänemark zu verwandeln? Was antwortete Palmerston? Der Allgenblick zur Kündigung des zwischen England und Dänemark bestehenden Ver­trages sei noch nicht gekommen und es bestehe daher durchaus keine Verhandlung solcher Art zwischen den beiden Negierungen.Was hierüber auch die Ansicht des Hauses", setzte der englische Minister hinzu,so ist doch die Gegenwart durchaus nicht geeig­net, sich streng gegen ein Land zu zeigen, das, wie Dänemark, so harte Prüfungen zu bestehen gehabt hat!" ,

Also weil Deutschland dänisches Unrecht nicht lei­den wollte, wird das dänische Unrecht heilig und un­verletzlich gesprochen! Glückliches, Dänemark! - so lange Deutschland nurein geographischer Name" ist, so lange es noch keine deutsche Nation giebt, so lange deutsche Worte und deutscher Wind gleich bedeutend fint!

Das gelobte Land des Junkerthums.

K Das Junkerthum in Mecklenburg ist das Ideal der jetzigen Zurückschraubungsbestrekhngen. Wie es damit zur Zeit steht, wird aus folgender Skizze er­sichtlich, die derNational - Zeitung' von Schwe­rin aus zugegangen ist:In Preußen macht man energische Anstalten, dem ständischen Prinzipe wie­derum mehr Geltung zu verschaffen, und wenn man bisher auch über die Grenzen noch nicht recht einig zu sein scheint, so ist es doch klar, daß diese neuesterettende That" nicht ohne Einfluß auf die Einführung unsererRepräsentativverfassung" bleiben könne, zu der seit bem 23. März 1848 die nöthigen Schritte auf das Schleunigste geschehen soll­ten. Freilich haben wir bisher schoi eine Verfassung vereinbart; es ist aber bekannt, wie es hundert und so und sovielRittern" inöglich gemocht wurde, durch einen Schiedsspruch das Staatsgruudgesetz wieder zu vernichten. Diehochansehnliche Ritter- und Land­schaft" mußte aber Anstandshalber so thun, als ob sie der schleunigsten Einführung einer Repräsentativ - Ver­fassung nicht hinderlich sein wolle; sie fügte aber gleich die Bedingung hinzu, daß alles Rütteln an ihren Privilegien dasständische Prinzip" nicht beeinträch­tigen dürfe. Die darauf gewählte Kommission ist von der Regierung noch nicht zusammenberufen und man ist auch allgemein der Ansicht, daß dies fürs Erste nicht geschehen werde. Denn seit es tu den bestim­menden Kreisen Mode geworden ist, die ständischen Verfassungen als mit besonderen Gnaden- und Heils­mitteln versehen zu betrachten, scheint es im Grunde überflüssig zu sein, an dieserallbeglückenden" Institu- tion, die bei uns in wahrhaft mittelalterlichen Blüthe steht, das Mindeste zu ändern! Um einen kleinen Be­griff von der großen Glückseligkeit desreichen" Meck­lenburg beizubringe«, erlauben Sic Tir, einen Blick auf unsere Heimathsverhältui,, e zu ivre^* Das Land denn von einemStaate" weiß man hier noch nichts zerfällt inRitterschaft",Doma- mum" undStädte". In den 863 ritterschaftlichen Hauptgütern wohnen neben ungefähr 600 Gutsbe- sitzern nur wenige kleinere Afterpächter von Mühlen, Ziegeleien, HoUändereien, die Ueberbleibsel dergeleg­ten" Bauern und etwa 15,000 Taglöhner-Familien. Jedes Hauptgut bildet für sich einen besonderen Hei- mathsbezirk, in dem sich Niemand ohne besondere Er­laubniß des Gutsherrn niederlaffen darf. Die tu die­sen Gütern wohnenden Taglöhner stehen in einem reinen Dienstverhältnisse zum Gutsherr»: mit einer halbjährlich statthaften Kündigung. Ist der Tagelöhner gekündigt, baun findet er nirgends ein anderes Unter­kommen, kein Heimathsbezirk nimmt wegen der möglichen Armenversvrgung eine solche Familie auf und diese ist ganz der Willkür des Gutsherrn anheimgegeben! Der Gutsherr ist allerdings verpflichtet, der Familie, groß oder klein, gegen Miethe eine Stube mit Ofen und einen Hecrd zu verabreichen, dagegen müssen die erwachsenen Mitglieder der Familie gegen einen Tagelohn von acht Schillingen für die Männer und von vier Schillingen für die Frauen alle Arbeiten leisten, die ihnen aufgetragen werden. Wollen sie diese nicht leisten und wie leicht ist es nicht, dies zu erreichen, da bei der Theuerung aller Lebensbedürfnisse der Tagelohn nicht ausreicht, so hat der Gutsherr daS Recht, die Renitenten ins LandarbeitS- hauS, eine KvrrcktionSanstalt, bringen zu lassen! Im Dvmanium" gibt es 32großhcrzvgliche Aemter", die eine Masse von Hauptgülcrii und Dörfern umfassen; hier bildet jedesAmt" einen besonderen Heimathsbezirk. Innerhalb eines solchen herrscht zwar Freizügigkeit, die­selbe wird aber faktisch dadurch beschränkt, daß ohne Ge­nehmigung desAmtes" keine neuen Wohnungen ange­legt werden dürfen. Jene ist aber nur mit der größten Schwierigkeit zu erhalten, weil über Grund und Boden Rechtsverhältnisse bestehen, die einer Genehmigung be­stimmte Grenzen ziehen. Um diesem Mangel abzuhelfen, ist man zum Theil zu einer Verkleinerung der Bauer- hufen geschritten und hat sogenannte Häuslereien ange­legt, wodurch man erreicht hat, daß in den ödesten Gegenden, wo sie gestaltet wurden, keine Gelegenheit zur Arbeit geschaffen werden konnte und 32 Q Ruthen Land eine Familie, die meilenweit von jedem Markte entfernt wohnt, nicht ernähren kann. Ihre Leser werden ciu- wendeii: Diese Leute müssen sich auf die Industrie werfen! DaS thäten sie and) gewiß recht gerne; aber Gewerbe und Industrie dürfen nur in den Städten betrieben werden, so will es die -ständische" Ordnung. Die

41 Städte und der Flecken Ludwigslust bilden jede für sich einen eigenen Heimathsbezirk, in dem, da der Gewerbebann über das platre Land jeden Aufschwung der Industrie lâhmt, die größte Armuth herrscht. Die überschüssige Bevölkerung aus demDomanium" und derRitterschaft" drängt in die Städte, da hier allein die Freiheit herrscht, Wohnungen anzulegen; weil aber die Niederlassung nur mit Genehmigung der Magistrate erfolgen kann, und diese versagt werden muß, wenn das Gewerbeübersetzt" ist, so können Sie denken, daß die Magistrate nur abwehren. Von den 936 Hei- mathsbezirken des Landes nimmt keiner Jemanden auf, der schon in einem andern sich^hâuslich niedergelassen hat, und man sann leicht ermessen, zu welcher Verar­mung eine solche Stagnation der Bevölkerung fuhren muß. Aber auch in anderer Beziehung wirkt dieser Zustand auf die Lage der Bevölkerung auf eine ent­setzliche Weise: auf 4 ©eburten kömmt trotz allein christ­lichen Germanenthum eine uneheliche, die Zuchthäuser, die Correktionsanstalten, die Gefängnisse sind über­völkert, die Selbstmorde nehmen in schreckenerregender Weise zu und die Kosten der Armenversorgung sind in arithmetischer Progression begriffen. Das Alles hat selbst diehochansehnliche Ritter- und Landschaft" ein- gesehen; sie hat eine Deputation ernannt, um mit De- putirten der Regierung über eine Aenderung der Hei- mathsgesetze zu berathen, nach welcher Richtung und wie weit aber zu ändern ist, das weiß noch Nie­mand, und nur darin steint man einig zu sein, daß ein außerehelich geborenes Kind keine Ansprüche auf Alimente an den Vater urehr haben soll! Auch hier trotz aller Neue und Buße nicht als Rathlosigkeit, und trotz aller Einsicht von der Scheußlichkeit der Zustände die Unmöglichkeit, zu helfen. Denn die kleinste prin­zipielle Aenderung unserer Heimathsgesetze muß binnen Kurzem diehochansehnliche Ritter- und Landschaft" ohne irgend welchen fremden Einfluß in die Luft spren­gen, und eher mag die Welt zu Grunde gehen, als vue ständische Prinzip!

Deuts «bland

* Wiesbaden, 12. Juli. DieFreie Zeitung" wurde vor einiger Zeit von den drei Ligorianer Joh. Baptist Eichelsberger, Joseph Roß in aber und Laienbruder Georg Briudl in Born- Ho fei: verklagt wegen einer vom Rhein datirten und in Nro. 227 derFreien Ztg." vom 25. Sept. v. J. enthaltenen Correspondenz:Die wahre Länge unsers Herrn Jesu Christi." Die Patres Ligo- rianer behaupteten,der Herausgeber derFr. Ztg." habe sie fälschlicher Weise des Verkaufes eines abergläubischen Flugblattes:die heilige Länge" be­schuldigt und sie durch die Vor würfe der Herrsch­sucht und der Absicht, das Volk verdummen zu wollen, verleumdet." Das hiesige Justizamt, bei welchem die Anklage anhängig gemacht worden, erkannte auf 3 Wochen Gesangnißstrafe und Tragung der Unter» suchnngskoßen. Auf die hiergegen eingelegte Appella­tion an das Herzogliche Hof- und Appellationsgericht erfolgte jedoch gestern die Freisprechung und Nie­derschlagung der Untersuchungskosten bei­der Instanzen.

Eich, 8. Juli. (Worms. Z.) An 300 Seelen werden in Kurzein die hiesige Gemeinde verlassen, um in Amerika eine neue Heimath zu suchen, eine neue Enstenz sich zu gründen. Sie gehören fast alle zur ärmeren Klasse uuü die Gemeinde Eich verwendet ein Kapital von 15 bis 20,000 ft für Reisekosten und für Hülfsmittel jenseits des Oceans.

Gießen, 9. .Juli. (Hess. Zusch.) Heitte Nacht wurde hier die Linde, welche dem And nken des Märtyrer Robert Blum von dem Herze», der Gießener Bürgerschaft errichtet worden war, von verruchter Hand abgehauen. Glaubt Der Thater oder die Veranlasser der That, daß das Andenken an Robert Blum aus . bem Herzen des Volkes durch solche Ruchlosigkeiten verbannt würde? Vlum lebt mit oder ohne Symbol in den Herzen seines Volkes fort und fort.

Mannheim, 9. Juli. (Schw. M.) Diesen Mor­gen gegen 6 Uhr wurde Schloffermeister Sönker unter militärischer Bedeckung nach Rastatt abgesâhrt, um, wie verlautet, dort vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden. Ueber die Ursache seiner Verhaftung ist im­mer noch sein Licht verbreitet, jedoch heißt es neuer­dings, er habe sich bei dem Mazzinischen Anleihen be»