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Freie Zeitung.

Freiheit und Neeht!"

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M 1G1. Wiesbaden Donnerstag, IO Juli 1K51 <

DieFr»le Arttung" «ischetiit. mit Ausnahme veS Montags, täglich ti. einem Bogen. Der AdonnementSpreiS beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden t ff 45 fr., auswärts w* d Post bezogen mit Verhältniß mäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Berbrettung derFreien Zeitung" ßees von wirksamem 6*, fjge. Die JnserationSgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 ft.

Girardius Lösungsvorschlag.

X Emil von Girardin veröffentlicht in der neuesten Nummer seinerPresse" einen von ihm selbst unter-- zeichneten Artikel, welcher nicht geringes Aufsehn macht. Der Artikel, überschrieben:La porte ouverte (die offene Pforte), verspricht nichts Geringeres, als eine ganz einfache Befreiung der Nation aus der Revisions- sackgaffe. Bemerkenswerth bleibt die Girardin'sche Lö­sung des Gordischen Knotens jedenfalls, da sie höchst frappant und ganz geeignet ist, die Franzosen, welche die dramatischen Effekte so sehr lieben, anzuziehen.

Girardin schlagt vor, einen Antrag zu stellen, wo­durch abgeschafft würden: das Wahlgesetz vom 31. Mai, die Gesetze des 2. August 1848, 19. Juni 1849 und 6. Juni 1850 über das Versammlungs- und Ver­einsrecht, ferner die Gesetze vom 10. April 1832 und 26. Mai 1848 über die Ausweisungen und Verban­nungen, und endlich das Gesetz vom 27. Juni 1848 über die Deportationen.

Nach Annahme dieses Antrages würden sämmtliche Verurtheilungen wegen politischer und Preßvergehen annulirt, die dahin gehörigen anhängigen Prozesse niedergeschlagen und alle wegen solcher Vergehen in Haft Befindlichen sofort in Freiheit gesetzt.

Die Wähler Frankreichs und Algeriens würden am vierten Sonntage nach Erlaß dieses Dekrets zusammen- treten und mit J a ober Nein über die Revision der Verfassung abstimmen.

Antworte die Majorität mit Nein, so bliebe die Verfassung, wie sie ist.

Antworte hingegen die Majorität mit Ja, so hät­ten sich die Wähler am zweiten Sonntage nach Ver­öffentlichung des SkrntmiumS von Nemm zu versam­meln, um über die Ernennung einer allgemeinen Re­visionskommission abzustimmen.

Auf jeden Wahlzettel würde nur ein Name ge­schrieben.

Die allgemeine Revisionskommission bestände aus je so vielen Mitgliedern, als Kandidaten, ohne andere als die in Art. 79 des Gesetzes vom 15. Mär; 1849 vorgesehenen Ausnahmen, mindestens 100,000 Stimmen aus der Gesammtheit aller Wahlkollegien erhalten hätten.

Jedes Komnussionsmitglied hätte Recht auf so viele Stimmen, als eS 100,000 Wähler repräsentirte, in der Kommission.

Die Kommission hätte sich einzig und allein mit der Verfassungsrevision zu beschäftigen und diese Arbeit binnen 10 Tagen zu beendigen.

Die so entweder ersetzte oder vereinfachte Verfas­sung würde sofort der Billigung der Nation unterbrei­tet, welche nach oben bezeichneter Weise mit Ja oder Nein zu entscheiden hätte.

Hieran schließt Girardin folgende transitorische Be­stimmung:

AM. Sechszehn Lieder an Marie

XIII

Dein Aug' ist sanft und mild«, Und wie die Sterne klar;

Ein Blick voll süßer Liebe Durchbebt mich wunderbar.

O lohne Du mit seinem Strahl

Mich nur ein einzig, einzig Mal Dein Aug' ist sanft und milde, Und wie die Stern« klar.

Dein Mund ist sanft und mild«.

Und wie die Rose Hold;

Ich tauscht' kein Gold der Erde

Um Deiner Lippen Gold.

O gieb nur Einen, Einen Kuß,

Eh' ich auf lange fdielten muß Dein Mund ist sanft und milde.

Und wie die Rose hold.

Dein Herz ist sanft und milde,

Und wie der Tag so rein;

Wohl möcht' ich ewig wohnen

In seinem Sonnenschein.

Laß drucken Dich an meine Brust,

O Herz, in reiner sel'ger Lust -^

Dein Herz ist sanft und milde, Und wie der Tag so "in.

Die Mitglieder der Revisionskommission versam­meln sich in Paris unter dem Vorsitze desjenigen Mit­gliedes, welches in der Gesammtheit der Wahlkollegien die meisten Stimmen erhielt; sie treten zusammen am 10. Tage nach dem Tage, an welchem das Gesammt- ergebiiiß der Wahlen veröffentlicht wurde. Bis zu diesem Tage bewahren die am 13. Mai 1848 gewählte Nationalversammlung und der am 10. Dezember 1848 gewählte Präsident der Republik unverletzt den anver­trauten Schatz der Nationalsouveränität, der alsdann aus ihren Händen in die des Vorsitzenden der allge­meinen Revisionskommission übergeht. Dieser verbindet mit seiner Stellung die des provisorischen Chefs der Vollziehungsgewalt und versieht diese Funktionen bis das berathfragte Frankreich entweder seine Zustimmung zu der neuen Verfassung ertheilt oder im andern Falle eine neue Revisionskommission ernannt hat."

Auf diesem Wege, zeigt Girardin hierauf, würde die unumstößliche Wahrheit über die Parteien zum Vor­schein kommen und die so schwierige Frage sich in Form eines Addirungserempels einfach lösen. Zugleich würde jede Partei und jede Parteinüance genaue Einsicht in ihre Stärke oder Schwäche bekommen.

Was Andere im Siege der rohen Gewalt suchen", schließt Girardin seinen Vorschlag zur Güte, würde so im Siege der Wa hrhe it gefunden wer­den; die irre geführte Politik würde auf den gra- den Weg der strengsten Berechnung zurückgeführt: was gibt es Besseres, wenn es sich darum handelt, einander zu zählen, um zu verhüten, sich mit einander zu schla­gen? Das frage ich denConstitutione!", das die Ordre", das alle bonapartistischen, orleanistischen und andere Journale, welche unaufhörlich rufen: Frank­reich, daS Volk, der BolkSwille, die Na­tion, die Nationalsouveränität! Sie haben sich fortan nicht mehr zu beklagen, daß die Thür nicht geöffnet sei sie ist geöffnet!"

Deutschland.

* Wiesbaden, 9. Juli. O welch' ein Glück, kur­fürstlicher Offizier zu fein i Die Generäle Schirmer und v. Helmschwerdt haben bei der neuen EideSab- nahmk die Offiziere noch besonders auf ihre jetzt so günstige neue Stellung aufmerksam gemacht,indem sie fortan niemanden als ihrem Landesherrn Gehor­sam zu leisten das Glück hätten." DiesesGlück" hatten die Russen und Baschkiren und alle Wilden von jeher; sie brauchten nur ihrem obersten Militärchef zu gehorsamen; doch haben die Geschichtschreiber bisher stets das Hauptmerkmal zwischen gebildeten Völkern und Barbaren darin gefunden, daß diese blos einem Häuptlinge, doch jene den Gesetzen gehorchen. Schon Christus sagt:Ihr sollt Gott mehr gehorchen, als den Menschen!" Und was ist der christliche Gott,

XIV.

Wenn ich euch Berge der Hei.nUh seh', Stirb dann im Herzen, Du heißes Weh! Dümmer wähl denk' ich an Dich zurück, Weine nicht mehr um vetlot'ne» Glück, Und in der Traube dunkelem Blut, dunkelem Blut

Trink' ich mir reicheren LebenSinuth,

Wenn ich Dich, siebente Mutter, seh', Aufhört dann all da« blutende Weh. Wirfst Du Dein Auge mir tröstend zu, Findet die Seele ja immer Ruh'. Leb« noch lange, Du schüßender Hort, schürender Hort, Scheuche den Gram aus bei Brust mir fort!

Wenn ich euch, Freunde, beisammen seh, Flieht vor dem muntern Scherz mein Weh. Füllet die Becher bis hoch zum Rand, Drücken einander die treue Hand. Freundschaft, Du reiner. Du ewiger Bund, einiger Bund, Heilest daS kränkelnde Herz gesund.

Wenn ich Dich aber, o Marie, seh', Ausbricht da lodernd das alte Weh, Kann da nicht reden, nicht athmen mehr. Wird mit daS Herz, das Herz so schtver, Stockt in den Ader« mir all mein Blut, all mein Blut, Afi mir genommen der letzte Muth.

wenn er nicht als das ewige Sitte ngksetz verehrt wird?

* Wiesbaden, 9. Juli. Herr v. Auerswald ist wirklich seines Postens als Oberpräsident der Rhein' Provinz enthoben. Am 6. traf bereits die offizielle Benachrichtigung in Koblenz ein. DerO.P A.Z." wird geschrieben, man hoffe, der jetzige Chefpräsivent v. Maffeubach werde Auerswalds Nachfolger werden. DieKöln.Ztg." hielt die Nachricht derN.Pr.Ztg." von Auerswalds Absetzung noch am 5. Juli für einen schlechten Witz". Die Aufregung ist groß und wird durch die schamlosen Artikel der Kreuzzeitung noch mehr provocirt.

Mittag s. Auch die ministerielle BerlinerLith. Corr." vom 7. Juli meldet jetzt die Ernennung Putt« kammerS zum Oberpräsiventen Posens und Kleist. Re­tzows zu dem der Rheinproviuz. Noch mehr: auch die Versetzung mehrerer Regierungspräsidenten wird angekündigt.

Frankfurt, 8. Juli. (O.-P.-A.-Z.) Der hohe Dun. deStag hielt gestern eine Ausiwunsitzung und heute um 1 Uhr Nachmittags eine Plenarsitzung.

DerNeuen Ztg." wird über die Gerüchte von der Aufstellung eines Bundes-Armeekorps in der Nähe von Frankfurt und die dadurch nöthig gewordene stärkere Besetzung von Mainz geschrieben, die Sache scheine sich, wenigstens bei letzterem Punkte, nach Allem, waS aus dem Munke vertrauter Personen komme, schon in nächster Zeit bestätigen zu wollen. Sonach wurde« vorderhand wenigstens 4000 Mann in Mainz einrücken. Wozu diese Maßregel biruen soll, vermögen wir aller­dings nicht zu begreifen; indessen rechnet man zu dieser noch die weiteren in Aussicht stehenden, die Verpro- viantirung und Verpallisaoirung der einzelnen Forts, von welchen in neuester Zeit ebenfalls viel gesprochen wird, und die im Hinblick auf mehrfach gemachte, nicht unbedeutende Frucht-, sowie Holzankäufe ebenfalls an Wahrscheinlichkeit gewinnen, so wird es nur za klar, daß damit der Anfang zu den Rüstungen gemacht wird, die man der Lage Frankreichs gegenüber für dringend nöthig erachtet.

Darmstadt, 7. Jnlt. Nach einer Mittheilung des Mzr. Journals", wurden Cem Großberzog sofort nach dessen Rückkehr (Mittwoch oder Donnerstag) unter anderen folgende Gesetzentwürfe zur Geiichinigiiug vorgefegt wer­den :Eine neue Gemeinvewahlordnung, wonach der Bürgermeiuer künftig aus sämmtlichen Mitgliedern des GemcinvcralhS ernannt werden soll; ein Gesetzentwurf über die Beschränkung der Compeienz der Schwur­gerichte unb die Art und Weise der Bildung bet Jury, endlich der Entwurf einer neue Organisation der Verwaltungsbehörden. (Schöne Aussichten!)

Niederohmdach, 30. Juni. Am letztvergangenen Sonntag Nachmittag wurde auf der hiesigen Gemar­kung schon reife Wintergerste geschnitten.

Kassel, 5. Juli. (Hess. Zusch.) Die Vertheidiger des landftäiidischeii Ausschusses vor dem Kriegsgericht, hatten sich zum Zweck einer Begutachtung der streitige» Rechtsfragen an die Juristenfacultät zu Heidelberg und Göttingen gewendet. Diese Gutachten sind mit einer specielleren staatsrechtlichen Ausführung im Druck er­schienen. Es haben sich beide Fakultäten dahin aus­gesprochen, die Mitglieder des ständischen Ausschusses wegen der Handlungen, die sie zur Wahrung des laud- ständlscheii Interesses für nöthig erachtet haben, nichr zur Rechenschaft gezogen werden können. Ferner: daß durch das Vervalten des Ausschusses dessen Mitglleeer sich einer in den Gesetzen oder etwa gültigen Ausnahme- Verordnungen verbotenen Handlung nicht schuldig ge­macht haben, daß ne in der Verfassung rribth^e Gründe für ihre gegen die Verordnungen der Regier­ung gerichleten Beschlüsse finden innßteu, daß sie also keines Vergehens schuldig seieu unb keinerlei Srafen durch ihr Verhalten erwirkt hätten. Diese Aussprüche sind gewiß von großer Wichtigfelt, zumal, da bei Em- scheidung fast aller Fragen fast SlimureneiuHelligkeit sich ergeben und beide Gurachten, obgleich von ver­schiedenen Gesichtspunkten ausgehend, zu einem über, tinstimmendkn Resultate kominen Das Heidelberger Gutachten ist entschiedener gehalten, doch nimmt auch das der Göttinger Fakultät mit gleicher Gründlichkeit unb Ausführlichke t den Ausschuß sowohl als die Stände- Versammlung in Schutz, während eine Mißbilligung des Verhaltens der Regierung »n um wunden ausge­sprochen wird. Das k. k. Kriegsgericht wird indessen bedenken, daß eine Freisprechung Deß Ausschusses eine Vri urthkilnng Hassenpflugs nur der Regierung ist, und sonach- seine Pflicht thun.