Gottes Gnaden Wr Friedrich Wlihrlul L, Kurfürst 2c. rc. erlassen schon jetzt, indem Wir eine weitere Vorlage zum Zweck der Revision des Gesetzes vom 29. Oktober 1848, die Polizeiverwaltung, die Polizei- und Zunstgerichtöbarkeit, sowie die Stellung unter polizeiliche Aufsicht betreffend, an die künftig einzuberufenden Stände vorbehalten, nach Anhörung Unseres Gesammtstaatsministeriums und mit Zustimmung der Heiden Commissare von Oesterreich und Preußen, als den durch Bundesbeschluß vom 11. v. M. dazu bevollmächtigten hohen Regierungen, nämlich des k. k. österreichischen F.-M.-L. Grafen von Lein in gen -Westerburg | und des königl. preußischen Staatsministers Uhden, unter dem Vorbehalte der demnächst einzuholenden land- ständsschen Zustimmung, das nachstehende provisorische Gesetz: Die 88 2 und 4 des Gesetzes vom 29. Oktober 1848 werden dahin abgeändert, daß die unmittelbare Veewaltung der Landespolizei durch Staatsbehörden an den Orten, an welchen wir es für nothwendig erachten, statthaft ist, und soll für die Gemeinden, für welche Wir diese Einrichtung treffen werden, die durch den § 4 auferlegte Verpflichtung sowohl als die Leistung von Beiträgen aus der Staatskasse an dieselben Wegfällen. Urkundlich Unserer Allerhöchsteigenhändigen Unterschrift und des beigedrückten Staatssiegels gegeben zu Wilhelmshöhe am 1. Juli 1851. Friedrich Wilhelm. (St.-S.) vdt. Haffenpflug. vdt. Dolmar. vdt. Haynau. vdt. Baumbach.
Fulda , 2. Juli. Dem Vernehmen nach werden die Grenzorte nach dem bayerischen Gebiete zu du'ch Herumstrercher unsicher gemacht. Reisende sollen am Tage ungehalten und ihnen Lebensmittel und Geld abverlangt worden sein; auch sollen einzeln liegende Höfe nächtliche Besuche von diesen Herumtreibern bekommen haben.
Berlin, 2. Juli. Was die „N. Pr. Ztg." gestern andeutete, wird deutlicher durch folgende Notiz der „D. Allg. Ztg.", der geschrieben wird: „Zwei Ober- präsidenten haben wegen ihres Verhaltens in der ständischen Frage ihre Entlassung erhalten, nämlich der Oberpräsident der Provinz Posen v. Bonin und der Oberpräsident der Rhemprovin; v. Anerswald."
Berlin, 3. Juli. Im Ministerium des Innern, berichtet die „Lith. C.", ist man gegenwärtig mit den Vorbereitungen zu den provinzialständischen Wahlen angelegentlichst beschäftigt. Bekanntlich ordnet das Wahlgesetz für die Provinzialstände eine sechsjährige Dauer des Mandats mit der Maßgabe an, daß nach drei Jahren die Hälfte der provinzialständischen Mitglieder ausscheidkt und für dieselben Ergänzungswahlen stattfinden. Da nun jetzt die Mandate eines großen Theiles der Provinzialstände bereits abgelaufen sind, andere in kurzem ablaufen werden, so ist das Ministerium eben beschäftigt, die Verfügungen für die vorzunehmen- dktt Neuwahlen zu treffen, damit die Provinzialstände noch im Laufe deS nächsten Monats zusammentreten können.
München, 1. Juli. (Schw. M.) Der Abmarsch des 1. Bataillons vom Infanterieregiment König aus Knrhessen (Hanau) ist verfügt. Das Bataillon, welches unter dem Kommando des Obersten Heß steht, hat die Bestimmung nach Aschaffenburg und wird einen Theil des aus Oesterreich, Preußen und Bayern zu bildenden 10,000 Mann starken Bundestruppenkorps bilden. Dieselbe Bestimmung hat auch ein zur Zeit in Kurhessen noch befindlicher Zug (4 Geschütze) bayrischer Artillerie. Ein Bataillon vom 11. Infanterieregiment verbleibt noch im Hessischen bis auf Weiteres.
Wien, 30. Juni. (N. Odr.-Ztg.) Seitdem Metternich auf dem Johannisberg residirt und uns also näher gerückt ist, beschäftigt man sich auch hier wieder mehr mit seiner Person und seiner bevorstehenden Rückkehr. Gleichviel, ob der Fürst gedenkt, thätigen Antheil an den politischen Ereignissen zu nehmen, in jedem Falle bereiten sich die Parteien auf einen solchen Ent
schluß vor. Als den Führer der einen Fraction, die dem Fürsten nicht günstig gestimmt ist, nennt man das Haus Schwarzenberg, als den Führer der andern Partei, welche in dem Fürsten den Helfer aus Lee constitutioneUen Wirthschaft steht, den Fürsten Lichtenberg. Auf der andern Seite aber erzählt man, Metternich werde überhaupt nicht nach Wien zurückkehren, weil sich der Kaiser auf Anstiften seiner Mutter weigere, ihn zu empfangen.
Wien, 30. Juni. (Augsb. Allg. Ztg.) Die Ermordung des Dr. Vvnroni in Mailand hat hier große Besorgnisse erregt, weil sie von der Unversöhnlichkeit der Lombarden zeugt. Daß das Verbrechen am lichten Tage Nachmittags 4 Uhr und auf der Straße verübt wurde, laßt fast schließen, daß man nicht bloß an einem Unglücklichen rächen, sondern durch Verwegenheit einschüchtern wollte, Trotz des Belagerungs- znstands!
Wien, 2. Juli. (O.-P.-A.-Z.) Die Reise Sr. Majestät, welche für den Monat August bestimmt ist, und hauptsächlich nach den westlichen Provinzen gerichtet sein wird, wird allem Anschein nach auch einen großen Theil von Deutschland umfassen, indem der Kaiser zuvörderst München zu besuchen gedenkt, sodann aber sich nach Stuttgart wenden wird, um mit dem König von Preußen in letzterer Stadt zusammenzutreffen. Die Rückreise wird sodann über Frankfurt angetreten werden.
Linz, 22. Juni. Was das Institut der Geschwornengerichte betrifft, — schreibt der „Wanderer" — so hat der praktische, gesunde Sinn unseres Volkes die vielen wirklichen und geheuchelten Besorgnisse glänzend widerlegt, welche von so verschiedenen Seiten über „die noch nicht hinreichende Reise", die „beschränkte Urtheilskraft" u. s. w. der zum Geschworenenamte zu Berufenden laut wurden. Die Spötter einer gewissen Partei, die nicht begreifen konnten, wie man „Bauern" das Richteramt anvertrauen könne, sind verstumt, mit Ausnahme Weniger, die überhaupt auch bei hellem Tage nicht sehen wollen.
R u st l a n d.
Archangel, 14. Juni. Ueber die hier stattgehabte Feuersbrunst werden in St. Petersburger Blättern folgende Details berichtet: Am 10. Juni, gegen 10 Uhr Morgens, brach in den Hofgebäuden der Kauf- manns-Wittwe Scherebzow, im dritten Quartire des ersten Stadttheils, Feuer aus, das sich, vom stark wehenden Südwinde angefacht, rasch über die Kirchen- straße und den mittlern Prospect ausbreitete und den ganzen Theil der Stadt in Asche legte, dec von dem furchtbaren Elemente im Jahr 1847 verschont geblieben war. Zwei Kirchen sind dießmal niedergebrannt: die Borowsk-Uspenskische mit ihrem Glocken-Thurme und die evangelische Katharinenkirche, außerdem die Krons- Apotheke mit den dazu gehörigen Gebäueen, das Apa- nagen-Comptoir, das Polizeigebäube des zweiten Stadt- theiles, die Zuckerfabrik des Kaufmanns Brandt, 5 steinerne Privathäuser, das hölzerne Gebäude der Schule für Kinder von Kanzleibeamten, das neue hölzerne Gebäude der Kinderbewahranstalt, -das Theater, ein Flügel des Landmilitckrhospitals, 133 hölzerne ganze Häuser und 25 hölzerne Flügel, das Gebäude der deutschen evangelischen Schule, eine Priva:- Apotheke, eine Druckerei, 5 Polizei-Budken und 3 Schenkhauser. Leider wurde auch ein verbrannter Leichnam gefunden.
Italien.
Turin, 28. Juni. (Agsb. Allg. Ztg.) Die Ermordung des Dr. Vandom zu Mailand (des Angebers Ciceris) macht hier außerordentliches Aufsehen, ja man hört hier und dort den Meuchelmord unter obwaltenden Umständen laut billigen. Dahin ist es in Italien gekommen! In der „Italia del Popolo" (Genua) liest man unter Andern,: „Zu Rom erhielt der berüchtigte
M. Evangelisti einen Dolchstich in den Unterleib und gab unter fürchterlichen Kämpfen den' andern Morgen seinen Geist auf. Der Oberst der Earabiniers erhielt einen tödtlichen Steinwurf am Kopf. Mehrere Raucher wurden durch erplodirende Cigarren schwer im Gesicht verwundet. Diesen Morgen (Rom, 18. Juni) ward der Kammerdiener des Cardinals Lambruschini erdolcht. Wenn es kein Gesetz mehr gibt und das Volk auf tausendfache Weise zur Verzeiflunz gebracht ist, so bleibt nichts übrig, als der - Meuchelmord." Schauderhaft! --In ganz Sicilien, so sagt ein Schreiben der „Augsb. Allg. Ztg." von der neapolitanischen Gränze, herrscht furchtbare Erbitterung.
Turra, 29. Juni. eSchH. M.) Graf Cavour überreichte dem Grafen T. Mamiani (nach einem Diner im Hause Cavours) das sardinische Bürgerrecht, welches demselben früher abgeschlagen worden war.
U-rsnflrrieb
# Paris, 3. Juli. Der zweite Reisetag des Präsidenten bot in Chatellerault eine unangenehme Episode: der Empfang war nicht mir nicht „enthusiastisch", sondern so drohend, daß Verhchtungen vorgenommen wurden. Bei dem Frühstück, das dem Präsidenten geboten wurde, hielt derselbe jedoch eine kurze Rede, welche eine angenehmere Stimmung herbeiführte, indem er äußerten „Meine Politik ist einfach; sie vertritt entschlossen die Orduungsmänner aller Parteien. Wenn Zerwürfnisse Statt gefunden, so ist mir noch stets uneigennützige Hülfegeworden, ohne zuwissen, answeichem Grunde, ij?) Ich werde vorwärts gehen, ohne zurück zu blicken. Das Motiv meines HandMS ist einzig die Liebe zum Vaterlande, und mein Zweck, daß Religion und Vernunft siegen mögen über die Utopien, in welchem die extremen Parteien das Heil Frankleichs sehen." Im Ganzen zeigte sich überall Etc Bevölkerung republikanisch, d. I). ernst und zurückhaltend, was dem Eiysee gar nicht behagen will! Einen Einfluß auf sie Situation wird die Reise fdtiwf^b haben. Die „Patric" meldet mit sichtbarer Verstimmung, „die Pariser Demagogie sei schuld an jenen Insulten und Gewalthätigkelten gegen die Person des Präsidenten der Rcpulffck und eS seien Befehle zur Vornahme einer Untersuchung abgegangen." Die Börse , die gestern die matte Rede des Präsidenten mit einer Hausse begrüßte, hat die gegen seine Person gerichteten „insultes“ und „violences“ mit einer neuen Hausse ausgenommen. 3pCt. 56, 90 (H. 15 C.); 5pCt. 94, 60 (H. 40 C.).
Am künftigen Mittwoch wird Hr. v. Tocqueville seinen Bericht über die Verfassuugs - Revision auf dem Bureau der Natioiml-Versammlung niederlegen.
Handels- und Börsenuachrichten.
Mainz, 4. Juni. Wenig Geschäfte. In Ansicht der jetzt rascher nahenden Erndte sind die Eigenthümer willig, die Käufer sowohl für eff. als Lieferungs- Waare spärlich. Man notirt eff. Walzen 9 % fl., pro Okt. 9 fl. Roggen eff. 7% ü % fl. pro Okt. 7 % fl. Gerste 63 + fl. Hafer 4% fl. Bohnen 8 fl. ä % fl. Erbsen 7 1 2 fl. Linsen 5 % fl.
Mit Rüböl besser. Die Rebserndte hat bereits begonnen und laufen über den Ausfall mancherlei Klage ein, doch läßt sich erst in 8 bis 14 Tagen Bestimmtes sagen. Vorderhand sind Verkäufer an Oel und Reps nicht am Markte. Rüböl eff. per 290 Pf. I. G. ohne Faß 35% Rthlr. per 280 Pf. l. G. mit Faß 34-4 Rthlr. 34 % 5 * 4. Reps 13% fl. ä. 14. pro Otbr. 13 fl. Mohnöl 22 -^ fl. Mohnsamen fl. 14 %
Rhcimvasser - Wärme.
Biebrich, den 5. Juli, Morgens 5 Uhr: IT1/* Grad.
Bade- und Schwimmanstalt von C. ^cAnw«.
B e k a n ii t in a ch u n g c ii.
<735) Bekanntmachung.
Mittwoch den 9. d. Mr, und nöthigenfalls an den darauf folgenden Tagen, Vormittags 9 Uhr anfangend, lassen die Erben des dahier verstorbenen W.igner- meisters Johann Heinrich Friedrich Brenner, in dessen in der Ellenbogengaffe dahier gelegenem Wohnhause die Hinterlassenschaft desselben, bestehend in Gold- und Silbergeräthe, Kupfer, Zinn, Messing, Porzellan- und Glasgegenstanden, Tischen, Stühlen, Schränken, Kominodxu, Kanapees, Kleider, Leinen- nnd Wefßgcräthe, in verschiedenem Wagnerwerkzeuge, einer großen Parlhie alten Eisens, in t Hobelbank, 1 Krankenwagen, dem vorhandenen Karioffelvvrrathe und 1 Paar Wagenleitern; so wie in dem zum Betriebe eines größeren Wagnexgewerbes erforderlichen Holz- vorralhe, nämlich unter Anderem: 2000 Stück Speichen, 1000 Stück Felaen, 2000 Fuß eichene unb buchene Rüstern, so wie lindene, eschene und naßbanmene Dieble, 2 .0 Stück eichene, buchene, birkene und tannene Stangen, 50 rüsterne Ehalsen-Naben, 30 Stück Holzschlägel und 2 eichenen Stämmen rc., meistbietend gegen gleich baare Zahlung öffentlich versteigern. Her Anfang wird mit dem Werkholze gemacht.
Wiesbaden, den 4. Juli 1851. Der Bürgermeister.
Fischer.
(735) Wiesbadener Theater.
Sonntag irrn 6. Iuti 1851:
Der Prophet, große Oper in 5 Acten von Scribe, übersetzt von Melk stab. Musik von Heyerbeer.
Mit neuen Dekorationen und Costüms.
Der in der Kircheiisceiie des vierten Aktes vorkoiiimende Chorgesang wird zum erstenmal von zwölf Chorknaben ausgeführt.
Fides ........ Frau Pirfcher,
Großh. Hessische Hofsangerin, als Gast.
(21) Brustreiz- Krankheiten.
öQSQQCiDÖ Um die Brusttrankheiten, als Schnupfen, Husten, Katarrh, WALWO2OH 2 Goldene X Engbrüstigkeit, Kenchhnsten, Heiserkeit gänzlich zu heilen, gibt eü 8 Silberne 8 Medaille nichts wirksameres und besseres als die Pâte pectoralc von F Medaille Ä « 1845. X Gcorgv, Apotheker zu Epinal (Bvgcsen). -^Diesc Husten-Tablet- « 1848. X ffiaafißfflafl ten werden verkauft in Schachteln — per ^chachttl i fl., halbe öOSXXKKxS 5 30 Kreuzer — in allen Städten Deutschlands, in Frankfurt a. M. bei Herrn Convitor Schott, große Sandgaffe; in Mannheim bei Herrn Carl Thran er, Conditor; in Mainz bei Herrn Eouditor Schlemmer; in Cöln bei Herrn Conditor MoSler; in Wiesbaden bei Herrn Conditor I Fen«.
(731) Eine schöne Bilder-Lithogravhie- Einrichtung mit Zugehör, sowie eine Cbocolade- g-abrifation, verschiedene Spezerei und Material- Geschäfte, nebst einigen schönen Landgüter» sind zu verkaufen durch F'. «/. Kattes», D 100 in Mainz.
Offene Lehrlingsstelle
in dem Material-, ^arb« & (kolonial* waareu-Geschaft von J. 4« Mühler in Wiesbaden. (710)
Offene Stelle.
(727) In ein Spezereigcschâft wird ein Ladenmädchen gesucht, das schon früher in einem solchen Geschäft conbitionirt bat. ES wird aber nur auf Solche Rücksicht cnoiii« men, die über ihre Kenntnisse und Aufführung gute Zeugnisse brsitzen. Näheres auf dem Stellengesuch-Bureau von
C. heyeetrtecker, Marktplatz Nr. 36.