ausgefallen und haben Anlaß gegeben, daß durch den landwirthsch. Verein in Rheinpreußen gleichfalls Versuche in großem Maßstabe eingeleitct worden."
□ Wiesbaden, 30. Juni. Herr v. Krüger wurde wegen Verwundung und Beleidigung des Hrn. Äbg. Friedr. Wimpf von dem hiesigen Hofgerichte zu zwei Jahren Correctionshaus verurteilt. Dem Vernehmen nach sind auch die Herren Oberlieutenant W. v. Hadeln und Lieutnant Emil Winter, welche wegen Ehrenkränkung des Herrn Wimpf mitangeklagt sind, mit nicht geringen Geldstrafen belegt worden. — y. Krüger wurde inhaftirt, jedoch gegen Caution der Haft entlassen.
* Wiesbaden, 1. Lnli. Aus guter Quelle erfahren wir, daß Graf Chambord in diesem Iahre nicht nach Wiesbaden k o in m e n wird. Gestern ist eine bestimmte Erklärung in dieser Beziehung eingetroffen, welche ganz mit der offiziellen Nachricht der'Pariser legitimistischen Journale stimmt.
*§* AuS dem Rheingau, 29. Juni. Bei der letzten Anwesenheit des Fürstes Metternich auf dem Johannisberg hatte derselbe oder vielmehr dessen Gemahlin die Ruinen des Klosters Marienthal nebst dessen Dependenzen acquirirt, um es wieder anfbauen und zum Wallfahrtsorte Herstellen zu lassen. Dieser fromme Wunsch und Wille hat sich jedoch bis jetzt nicht realisirt. Die Ruinen des Klosters haben ein sehr einstnrzbrohendes Aussehen. Sie liegen in einem sehr romantischen Thale, das von Naturfreunden viel zu wemg, desto zahlreicher aber an Muttergottestagen von frommen Weibern besucht wird, die ihre Andacht einem der Witterung sehr ausgesetzten, buntgekleideten Bilde widmen. In dem Innern des schlecht unterhaltenen Raumes sieht man auch ein hölzernes Kreuz, das vor Jahren ein Mann von Geisenheim zur Erfüllung eines Gelübdes nach und von Walldüren geschleppt hat. Derselbe soll gegenwärtig gar nicht gut auf diese seine Bußarbeit zu sprechen sein. Gestern Abend ist nun ebenfalls ein Bursche aus Geisenheim mit einem großen hölzernen Kreuze belastet von Wall- düren znrückgekchrt, das er dem Vernehmen nach auch nach Marienthal zur Erinnerung seines gnadenreichen Wallens pflanzen wird. Sie sehen, daß unser Rhein- gau in einzelnen Leuten noch immer etwas für den Ruf der alten Frömmigkeit thut, während der andere Theil der Bevölkerung nicht daran glaubt, daß mit Klosterbauten und Missionskreuzen zugleich auch die Welt ins Mittelalter zmückgeschraubt werden könnte. Der Weltgeist ist keine Kirchenuhr, die man vor- und zurück rücken kann.
'V: Vom Rhein, 29. Juni. Die großh. Hess. Regierung ist wirflid) für ihre Bürger so besorgt, daß sie auf alle Rassauer fahnden läßt, die jene um einen einzigen Kreuzer bringen wolle«. Sv sind schon mehrere Rüdesheimer Schiffer mit harten Geldbußen und Confiscationen der Nachen von der Biuger Behörde hcimgesucht worden, weil sie gelegentlich bei ihrer Ueberfahrt einen Fremden mit Herüber nahmen. Daß aber hessische Schiffer eigends im Nassauischen landen und Fremde sogar z. B. in Geisenheim für nach Bingen abholen, darüber scheint man im Geringsten nicht wunderlich zu werden, weil man im Voraus überzeugt zu sein glaubt, die nassauische Regierung werde diesem Ücbclstanve nicht energisch ent; gegentrete». — Die Nachenstation der Düsseldorfer Gesellschaft zu As man nsha u sc n war schon längst im Interesse der Reisenden khD des Rheingaues geboten. Sie ist nun auch wirklich da, und soll eine solche Empörung in Bingen erregt haben, daß bereits eine Petition an Das hcss. Ministerium mit 400 Unterschriften abgegangen ist. Es geht doch nichts über die freundnachbarliche und io ergötzlich schön verzweigte deutsche brüderliche Bun- Hestreue.
Frankfurt, 30. Juni. Aus dem von dem Direktor Der Frankfurter Aktiengesellschaft für Rheur- und Mainschifffahrt, in der am 26. dieses Monats hier gehaltenen sechsten Generalversammlung dieser Gesellschaft, abgekarteten Bericht, ergibt sich das Folgende: I» 30 Schleppkähnen sind 1850 zu Berg geschleppt worden 265,558 Ctr., zu Thal 366,724 Ctr. und in fremden Schiffen 318,304 Ctr., in Summa also 950,586 Ctr. Der natürlichste Theil der Thätigkeit einer Dampfsch!eppschifffahrt, das Schleppen zu Berg, hat gegen das ebenfalls schlechte vorhergehende Jahr eine Verminderung um 24,394 geschleppte Centner er» Wben, in Summa aber eine bedeutende Zunahme deS Verkehrs, nämlich um nicht weniger als 375,299 Ctr. Dennoch betrug die Bruttoeinnahme nur 32,345 fl. wehr, als im vorhergehenden Jahre, nämlich 239,780. Die Ausgaben betrugen 14,330 mehr als 1849, näm- lich 178,211. Der Nettogewinn von 61,749 fl. ward nach Vorschlag des Verwaltungsraths also vertheilt:
pCt. des Stockcapitals von 1,000,000 fl. = 25,000 wurden zum Ersatz der Abnutzung, und 5 pCt. des Reinertrags (3800 fl.) dem Reservefonds gntgeschrie- ben. 30,000 fl. wurden zur Bertheilung als Dividende an die Aktionäre bestimmt. Die Dividende hatte sich im Jahr 1846 auf 12 pCt., 1847 auf 20 pCt. 1848 auf 1.pCt., ,849 auf 3*/2 pCt. und 1850 also auf 3 pCt. gestellt.
Hanau, 29. Junk. (O.-P.-A.-Z.) Gestern langte der kurfürstl. Hess. General v. Helmschwerdt, als Bevollmächtigter, in Begleitung eines Adjutanten von Kassel hier an, um in Gemäßheit der ergangenen Verordnung vom 26. d. M. die Offiziere des hiesigen
dritten kurfürstlichen Infanterieregiment auf den $ 107 der Verfastungsurkunde zu beeidigen. Diese Beeidigung geschah heute Vormittag im hiesigen kurfürstl. Schlosse. General v. Helmschwerdt reist zu dem gleichen Zweck von hier nach Fnlba.
Marburg, 22. Juni, (Hess. Zusch.) Man erzählt sich dahier in den höheren Regionen, daß der Kurfürst sich mit einer bayrischen Prinzessin verheiraten und zur katholischen Religion übergehen will, und daß ihm seine getreuen Unterthanen, z. B. Haffenpflug, Vilmar, Ranch, Binder, Scheid zc. in diesem Religionswechsel bald folgen werden. (???)
Dessau, 27. Ap il. (M. Z.) Gestern wurde der Dessauer iLonderlandtag wieder einmal eröffnet; heute ist er bereits wieder auf 30 Tage vertagt. Da mit dem 1. Juli verfassungsmäßig die vorjährige Bewilligung abläust und innerhalb der noch übrigen 3 Tage dieses Monats die Prüfung und Erledigung des neuen Finanz-Etats unmöglich war, so war das Ministerium gezwungen, nunmehr noch mit dem Anträge auf einstweilige Fortbewillignng der Stenern, also resp, auf ein Vertrauensvotum hervorzurücken, und zwar verlangte dasselbe die Ermächtigung zur Fortführung der Einnahmen und Ausgaben nach Maßgabe des von ihm übergebenen neuen Finanzetats und auf unbestimmte Zeit. Das hieß nun srellich etwas Viel verlangt, und es wurde daher auch sofort vom Abg. Köppe 1. der Gegenantrag einge, eicht, diese Ermächtigung nur nach Maßgabe des vorjährigen Etats und für den Monat Juli zu ertheilen. Der Antrag ward angenommen.
Der Herr Minister zog ein schon bereit gehaltenes Papier aus seiner Mappe und verkündete, daß er in Folge der gefaßten B schlüss- sich genöthigt sehe, kraft der ihm von dem Herzoge während dessen Abwesenheit übertragenen Vollmacht, den Landtag auf 30 Tage zu vertagen, und daß er wegui der weitern Schritte Instruktionen cinholcn werde. Ueber die Bedeutung dieser Vertagung täuscht sich Niemand und Jeder fühlt, daß mit dem heutigen Finale der Vorhang unseres constitutionellen Schattenspieles gefallen ist.
Von der Niederelbe, 26. Juni. (Wes. Ztg.) Die Ministerkrisis in Kopenhagen, deren baldiger Eintritt von den deutschen Blättern seit Kurzem wiederholt verkündet, von den dänischen aber den falschen Prophezeiungen beigezählt wurde, ist nach dem Eingeständnisse der Organe der beiden Hauptparteien — der eiderdänischen und der gesammtstaatlichen — wirklich in unmittelbare Nähe gerückt. „Fädrelandet" und „Kjöbenhavnsposten", obwohl in ihrer politischen Richtung einander mehr denn je feindlich gegenüber stehend, stimmen doch darin überein, daß ein Bruch zwilchen den im Cabinet bestehenden Gegensätzen nahe bevorstehe. Natürlich schiebt „Fädrelandet" eie ganze Schuld auf die seiner Ansicht nach mit den reaclionarcn Großmächten verschwornen Mitglieder des Cabinets, den Minister des Auswärtigen v. Reedtz und den Kriegsminister Hansen, denen es den landesherrlichen Commissär in Holstein, Grafen Reventlow-Crimuül als den Dritten im Bunde beigesellt, während Kjöben- havnsposten die einzige Möglichkeit Der Losung der zwischen Dänemark und den 3 nordischen Großmächten bestehenden Differenzen in dem freiwilligen oder unfreiwilligen Rücktritte der Minister Madvig und Clan, scn und in der Rückkehr zum vormärzlichen Gcsammt- staate bis zur Elbe erblickt. Weichen Ausgang die Krisis nehmen werde, wer wollte das bestimmen? Abe- die Chancen sind unleugbar für die Gesammtstaats- partei günstig und es ist nicht unmöglich, raß vielleicht erst nach einem mehr oder minder heftigen Wir derstande von Seiten der Eiderdänen das vormärzliche Regime wieder Triumphe feiert. Es wäre dies eine im Interesse der Freiheit beklagenswerte Wendung der Dinge; aber nicht Deutschland, am wenigsten Schleswig-Holstein, würden daran Schuld sein, wenn Alles — so weit dies überhaupt möglich — wieder zum Status quo ante bellum zurückkehrte; die meiste Schuld würden vielmehr die Elderdänen selbst daran tragen. Denn sie haben den ihnen in die Hände gespielten Sieg über Schleswig-Holstein theils nicht zu yenutzen verstanden, theils auf unverantwortliche Wei,e gemißbraucht , indem sie, statt sich mit der Parität des dänischen Elements in Schleswig zu begnügen , die Berechtigung des Deutschen gänzlich mißachtend, Recht und Sprache und eitte der deutschen Bewohner des Herzogthums verhöhnten und mit Füßen traten. Sie haben gezeigt, daß sie nur für sich Freiheit, in Schleswig aber russischen Despotismus und orientalische Tyrannei üben wollten. Mußte sich das nicht endlich selbst an ihnen rächen?
Bremen, 28. Juni. Die Ergänzungswahlen zur Bürgerschaft sind beendet und mit wenigen Ausnahmen sämmtlich zu Gunsten der Linken anögefaUeu.
DreSdeu, 28. Juni. Das Hentige „Dresdener Journal" setzt seine Enthüllungen fort. Es ist in der Lage „als einen weiteren Beitrag zu den Mittheilungen über die Verhaftung des Dr. Bürgers und Genossen" eine aus London im März 1850 datirende Ansprache „Die Centralbehörde an den Bund" zu veröffentlichen. Das „Dresdener Journal" findet in demselben bewiesen, „daß die Stiftung des 'sozial-demokratisch -kommunistischen Bundes bis in das Jahr 1847 zurückreicht, also nicht erst ein Ergebniß der französischen Revolution ist."
Berlin, 28. Juni. Die Mittheilungen von einer demnächst bevorsteheudkil regerm Thätigkeit der Bundesper
sammlung zu Frankfnrt kann auch die „N. Pr. Ztg." bestätigen. Das „schätzbare" Material der Dresdener Konferenzarbeiten sei jetzt in Frankfurt eingetroffen und es dürfte sich der Bundestag vorerst mit ten An- gelegenheiten der deutschen Presse beschäftigen.
Breslau, 27. Juni. (N. Oder-Ztg.) sNeue Sorte von ReisendenZ Mit dem gestrigen Frühzuge der niederschlesisch-märkischen Eisenbahn ist, wie die ^Schles. Ztg." in ihrem ersten Localartikel berichtet, der „Salonwagen" des Königs „angekommen." In welchem Hotel derselbe abgestiegen ist, theilt die „Schlcs. Ztg." nicht mit, doch fügt sie hinzu, daß dieser „Salonwagen" mit dem MittagSzuge ter oberschlesischen Bahn nach MySlomiy weiter befördert worden sei. Wie wir vernehmen, erwartet die „Schles. Ztg." von Myslowitz eine telegraphische Depesche über die glückliche Ankunft deS „Salon w a g e n o ".
Stuttgart, 28. Juni. Heute wurde von der zweiten Kammer die Gültigkeit der Grundrechte ausgesprochen mit 64 gegen 24 Stimmen.
Kisfingen, 24. Juni. Unsere Kurliste weist bis gestern Abend eine Anzahl von 730 angekommeneil Kurgästen, theils mit, theils ohne Begleitung, aus. Die Zahl der Passanten betrug bis 20. Abends 235.
Wie», 26. Juni. (Augsb. Alla. Ztg.) Daß mehrere ungarische Magnaten und darunter Baron Josika den Fürsten Metternich auf Johannlsüerg begrüßen wollen, erregt hier wie Alles, was sich auf den Fürsten bezieht, großes Aufsehen.
Wien, 27. Juni. Die D eu tsch ka tholike n in Gratz haben der kaiserlichen Regierung eine Vorftel- lung gegen die denselben versagte Anerkennung als eine RcligionsgeseUschaft überreicht. Die Regierung fand sich aber nicht veranlaßt, derselben Folge zu geben, und hat auch die gleichzeitig gestellte Bitte der- selbèn, sich bis zu ihrer Anerkennung als Religions- gesellschaft in einem Privathause zum gemeinschaftlichen Gebete versammeln zu dürfen, abschlägig beschieden!!
Dem „Ezas" wird von einem Wiener Correspon- te» unterm 23. Juni Folgendes geschrieben: „Zwei Hauptpunkte der gegenwärtigen österreichischen Politik, die Centralisation und der Eintritt Gesammtösterreichs in deutschen Bund, haben sich, wie glaubwürdige Personen versichern, der vollen Beistimmung des Kaisers Nicolaus in Olmütz zu erfreuen gehabt. Die Nothwendigkeit, der Revolution nach Innen und Außen kräftigen Widerstand zu leisten, scheint auf die Zustimmung des Kaisers bedeutenden Einfluß ausgcübt zu haben.
Wien, 27. Juni. Jöie „Ägramer Zeitung", auf welche man einen gewissen höhern Einfluß geltend machen will, erklärt sich in ihrein neuesten Leitartikel gegen eilte Revision der Verfayung, die nicht auf einem verfassungsmäßigen Weg vor sich gehen sollte. — Wie man dem „Gioruale del Trentino" von hier schreibt, sei zur Aushebung der Charte vom 4. März 1849 die vom KaiM Ferdinand eingeholce Zustimmung nicht zu erwirken gewesen. Auch hätten sowohl der Feldmarschall Radetzky als der Banns Jellachich von einem solchen Schritt eindringlich abgerathen. Obgleich diese Correspondenz bereits auch in andere Blätter überging, so ist sie doch mit mehr als gewöhnlicher Vorsicht aufzunehmen. — Wie der „M. H." wissen will, gedenkt der Graf v. Chambord die Herrschaft Gödöllö käuflich an sich zu bringen und steht mit dem jetzigen Besitzer auch schon in Unterhandlung.
Der Graf v. Chambord weilt gegenwärtig in Begleitung eines Herzogs de Lorges und und eines Vicomte v'Escars in Pesth. Sonderbar ist es, daß in der Fremdenliste der französische Prätendent als von Paris angekommen angegeben ist. Er scheint sein nunmehr zwanzigjähriges Eril nur als eine temporäre Abwesenheit von seiner Heimath zu betrachten!
Als Nachtrag zur Biographie Bem's lesen wir, daß der alte Pole, der bekanntlich seine Soldaten verschwenderisch zu bezahlen pflegte, Ungarn so arm verließ, daß er bei seiner Ankunft in der Türkenfestuug Widdin nicht mehr als zwei Dncatcn im Vermögen besaß. Die be- miltcltere» Emigranten wollten nun eine Collceke ver« anstalten, Graf Zamvjßky gab es aber nicht zu, und half seinem greifen Landsmann durch rin Darlehn von hundert Diicaccii aus der Klemme. Räthselhaft bleibt eS immer, daß man auch jetzt noch, wo fast die ganze Emigration nach Europa zurückkehrte, noch immer auch nicht die leiseste .Spur von der verschwundenen Krone Sauer Stephans und den übrigen ungarischen Reichsinsignien anfgefnnden. Dies bestätigt die Wahrscheinlichkeit unserer bereits früher ausgesprochenen Vermuthung, daß außer Kossuch höchstens noch eine Person von ihrem Verstecke weiß.
Italien.
Turm, 19. Juni. Unter dem falschen Namen Robert Kiß hat man den famosen Grafen Bertola, Emissär des berüchtigten Nardoni, Direktors Der päpstlichen Geheimen Polizei, verhaftet. Man hat bei demselben sehr comprvmittireuDe Briefe gesunden!
Neapel. Laut dem „Risorgimento" hatte das gegen drei Mitglieder des italienischen Bundes ausgefällte TodeSuitheil eine Lazzaroni-Bewegnng znr Folge, die sich .selbst auf die Verheißung einer königlichen Begnadigung ntcht beschwichtigen lassen wollte, indem das Volk nicht traute und die Verhafteten in Person sehen wollte. Der Ruf: Nuje H bolimmo veré (Wir wollen sie