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Briefe aus dem Gebirge.

XVM.

5 Man muß znqcben, daß seit dem Sturze Napo­leons oder seit der Vernichtung des französischen Ein­flusses in den Angelegenheiten von Europa das An­sehen des Ultramontanismus, welches unmittelbar vor­her so tief erschüttert war, sich fortwährend gesteigert hat.

Man erinnere sich nur einen Augenblick: au die großen Concessionen, welche von den restaurirten Bour­bonen dem Jesuitismus in Frankreich gemacht wurden; an die zarte Rücksicht, mit der Louis Philipp den fran­zösischen Clerus an seine Dynastie zu fesseln bemüht war; an die Bereitwilligkeit Cavaignacs, dem flüchti­gen Papst eine Zufluchtsstätte zu bereiten; an die hündische Devotion, mit der sich Bonaparte, zugleich ein Flachkopf und ein Verrâther, beeilte, die römische Republik zum Ruhm des apostolischen Stuhls zusam­menzukartätschen; kurz, an den allgewaltigen, unleug­baren Einfluß, den die Ultramontanen in Frankreich unter der Leitung des gottesfürchtigen Posaunisten, des Grafen Montalembert, wieder erlangt haben;

man erinnere sich: mit welcher Unterwürfigkeit ge­rade in unsern Tagen die Majestäten von Portugal, Spanien und Neapel fich der römischen Curie genaht haben; mit welcher Hast und mit welcher Energie man sich anschickt, in Oesterreich gerade den direktesten Ge­gensatz der Joskphinischen Legislation Herzustellenr wie die meisten protestantischen Regierungen Deutschlands von Artigkeiten und Gefälligkeiten gegen die höchst be­scheidenen Forderungen der Ultramontanen wahrhaft überströmen; man erwäge, welche feste Jlluminations- sitze und Geisterbefreiungsburgen die von südländischer Politik inspirirten Herren in denbiedern",treuen" Urkantonen, in dem wackern Baiern, dem Lande der Kunstschwindelei, der Mystik und des Teutonismps, und in dembesten" Staate, in dem mit Mönchen, Donnen und Weltgeistlichen vollgestopften Belgien, dem sa ibcrn Lande der Tugendverfinsterung in dei ma- jorem gloriam aufgerichtet haben;

man bedenke; daß in England, wo 1780, weil Lorh Georg Saville 1775 ün Parlamente den Vorschlag gemacht hatte, die allerdings zu grausamen Bestimmun­gen eines im 10. Jahre Williams 111. gegen das Papst­thum erlassenen Gesetzes nicht aufzuheben, sondern bloß zu mildern, der wüthende Gortou'schc Aufstand aus­brach, der den Wohlstand und selbst die Eristenz der Stadt London tief bedrohte, und daß sogar die zahme Titel­bill Lord John Russels die Cristen; des Whigkabiiicts in Frage stellte; ja, daß in den Vereinigten Staa- ten Nordamerika's die ultramontane Partei sich mäch­tig zu regen und kecke Ansprüche zu erheben beginnt; man führe sich lebhaft vor die Seele die Händel mit dem Droste-Vischering und andern Prälaten, das viel­fache Gezänk und den erbitterten Streit über die ge­mischten Ehen, die rücksichtslose Verdammung des Her- mesianismus und des Weffenbergianismus, die mit zahlreichen Wallfahrern besäeten Landstraßen mancher Länder, dieWunder", die hier und da Vorkommen und geglaubt werden, die Knechtschaft, in der du schmach­test, Volksunterricht, heiliger Georg der Volksbefreiung!

Nur zu wahr ist die im Eingang dieses Briefs aufgestellte Behauptung.

Wie aber, fragen wir hier wohl erstaunt, war dies neue Wachsthum des Ultramontanismus möglich?

Die Ultramontanen freilich sind hier keinen Augen­blick um eine Antwort verlegen und sagen: das schreibt sich her von der---Göttlichkeit unseres Prinzips.

Nun wir verzichten darauf, diesen Herren durch Gründe eine andre Meinung in dieser Hinsicht beizu- briuge»; verzichten aber deshalb keineswegs darauf, diese unsere gegentheilige Behauptung hier zu ent­wickeln.

Uns scheint der Ultramontanismus wieder so üppig sich zu entfalten: nicht weil er an und für sich positiv an Boden gewonnen hätte, sondern nur, weil er augen­blicklich aus zwei alten Feinden zwei Freunde erhalten hat, und ein dritter neuer Feind noch nicht genug erstarkt ist. So hat der Ultramontanismus nur in negativer Hinsicht gewonnen.

Die beiden alten Feinde aber sind:

1) der alte absolute Staat, 2) derjenige Protestan­tismus, welcher nach dem Symbolzwang als dem letz­ten RettungSseile greift.

Der neue Feind ist die Revolution, oder rich­tiger die revolutionäre Demokratie.

Als Frankreich, das, nachdem es durch die Revo­lution sich selbst neugeschaffen, durch den Krieg den feudalen Plunder in nichtfranzöschen Staaten wegzu­fegen berufen war, dârch die fluchwürdige Aristokratie Englands, die langhaarigen, in romantischen Freiheits­gesängen berauschten Teutonen, und die den Brannt­wein der Deutschen trinkenden und dafür Prügel ver­abreichenden Russen in brüderlicher Belle-Alliance niedergeworfen war; sahen die Weisen, die gerade weil sie dem Volke mit Recht verdächtig, an die Spitze der Geschäfte gestellt wurden, wol ein, daß die scharf- geschliffenen Säbel und die geladenen Büchsen allein und auf die Dauer das wenn auch nur leise in die Fluth der Revolution getauchte Volk Europas nicht würden im Zaume halten können.

Der Säbel, den ein Starker führt, ist ein sehr acht­bares Ding: aber leider, leider kein Vernunftgrund, wiewol der geistreiche Engländer Hobbes ihn auch als solchen wiewol vergeblich darzustellen sich ab­gemüht hat.

So wirkt denn auch der Säbel nur so lange auf mich, als ich mich vor ihm fürchte, d. h. als ich den Tod überhaupt schaue oder mich noch für bedeu­tend schwächer halte, als den Säbelträger. Die Weisen sahen ein, es bedürfe außer dem Säbel noch eines Bin­demittels für die große Menge, falls sie nämlich ein- sähe, daß sie viel stärker sei, als die Säbelschlepper, und diese mithin nicht zu fürchten brauche. Sie sahen ein, daß sie, um sicher und ganz geschützt zu sein, der Furcht vor der Hölle nicht entbehren könnten; sie be­griffen, daß diese Furcht vor der Hölle nachhaltig nur vom Ultramontanismus garantirt werden könne; sie begriffen, daß die Zeiten vorüber seien, in denen der alte Staat, ohne Gefahr für seine eigene Existenz die übermäßige Herrschaft eines übermüthigen CleruS bekämpft habe: sie reichten dem Ultra­montanismus die Hand zum Bunde dar.

Der UlKämontanismüS hingegen verhehlte sich nicht, daß er vorläufig auf die Gregorianischen Remi­niscenzen Verzicht leisten müsse; daß die Zeiten für Interdikte und Bannstrahlen noch lange nicht zurecht- gelegt seien; daß gegen die rauhe Gewalt Bonapartes so- wol Gebete als Verwünschungen auch nicht das ge­ringste gefruchtet; er begriff hinwiederum, daß er des Säbels des alten absoluten Staats durchaus nicht entbehren könne: er schlug daher die darge­botene Hand nicht aus.

Der Säbel im Diesseits, die Hölle im Jenseits: das ist die ganze Staatsweisheit der jammervollen Diplomaten der alten Schule, das ist der Grund des Bündnisses zwischen zwei früheren har­ten Feinden, das ist der Schlüssel zu unzähligen Er­eignissen dieser Tage.

Das ist die Ursache, warum frivole Juristen, irre- religiöse Büreaukrateu, Voltaire anbetenve Bourgeois zu den Tempeln eilen und laut Gebete Hermgen, warum gewisse Prinzen, die im klebrigen sehr lüverlich sind, eine scheinheilige Miene annehmen, warum man die Allianz des frommen Alexanders eine Heilige genannt hat; das ist der armselige Nothbehelf gegen die De­mokratie ; das ist die Summe, das Alpha und das Omega der ganzen Reaktion.

Deshalb haben auch, dies sei hier nebenbei bemerkt, die Lieutenants, Hauptleute und Generale des absoluten Regiments durchaus nicht Ursache, auf die Kutten mit solcher Geringschätzung, ja Verachtung, herabzu- zusehnl denn die einfachen Kutten stehen über den feinen und glänzenden Uniformen, und um so viel mehr gelten erstere denn letztere, als das Prinzip mehr gilt als das Werkzeug, als der Baumeister mehr gilt als der Handlanger, was ja auch der Erstürmer Roms, General Ondinot, sepr wohl er* sannt und ausgesprochen hat.

Der offizielle Protestantismus, der nicht mehr das Evangelium nach bestemWissen und Ge­wissen" lehren will, sondern mit Zatgrundlegung der Autorität der neuen Kirchenväter des töten Jahrhun­derts, der sogar das Selfgovernement, als ein Teu­felswerk haßt, und den alten absoluten Staat in allen Stücken um Beistand und Hülfe anfleht: hat ebenfalls schon seit geraumer Zeit aufgehört, den Ultramontanis- mus als einen eigentlichen Gegner zu behandeln.

Graf le Maistre, der lehrt, das Supremat des Papstes sei das Hauptdogma, ohne das die Christen, heit nicht bestehen könne, den in's Deutsche übertragen zu haben esu nqssauischer, in Rom sehr wohl ange-- schriebener, Jurist das unsterbliche Verdienst hat, Graf Io Maistre sagt:

In einem Anfalle von Wahnsinn (wovon daS menschliche Geschlecht noch kein Beispiel gesehen hatte und dessen unmittelbare Folge eine Metzelei von 30 Jahren war) haben Luther und Calvin, diese zwei nichtigen Menschen (hommes de néant', der Stolz der Sektiker, die Säure des Volks, und der Fanatis­mus der Kneipen, eine Reform der Kirche verlangt und ausgeführt, aber ohne zu wissen, was sie sagten, oder was sie thaten;" und ferner:

Die Protestanten gehen von der VolkSsouveränität aus: daher ist Aufstand bei ihnen ganz in der Ord­nung."

Und Donald sagt:

Durch den Westphälischen Frieden ward zum ersten Male festgesetzt und auf gewisse Weise geheiligt, die atheistische Lehre von der religiösen und politischen Souverânetät des Menschen, dies Prinzip aller Re­volutionen, diese Wurzel aller Uebel, welche die Ge­sellschaft betrüben, Verunreinigung des Heiligen, und der Gottesherrschaft unterworfenen Gesellschaft."

Donald und le Maistre galten aber im Dunde mit dein Restaurateur von Haller, tu den hohen und feinen Kreisen für die wahren Glanzpunkte des modernen Geistes, und ihre Denunziationen gegen den Protestantisnius, als den Urheber der Volks­souveränität, als die Wurzel aller Uebel , welche die Gesellschaft betrüben, sind ihnen daselbst aufs Wort geglaubt worden!

Hierin ist der Grund zu suchen, warum jede freie Regung innerhalb des Protestantismus mit dem größ­ten Mißfallen von oben herab bemerft wird.

So verhält sich der offizielle Protestantismus, wel­cher nach unserem Dafürhalten seine Regeneration we­niger in einer neuen Dogmatisirung oder einer radi­kalen Abstreifung der alten Dogma's, als in einer dw Selbstständigkeit der Einzel gemeinden ga­ran tirenden Verfassung zu suchen hätte, theils aus inneren Gründen, weil er dem Symbolzwang zu- strebt, theils aus Gründen die auß.r ihm liegen, weil er von Oben herab mit großem Mißtrauen, als die Mutter der Volkssouveränetät bewacht wird, seit lange passiv, und hat schon vor vielen Jahren sich ganz und gar nicht mehr ans Kosten des Katholizismus weiter ausgedehnt.

Der Katholizismus selbst rechnet mit Ruhe und Sicherheit auf die Stunde in welcher der offizielle Protestantismus, unter Anführung Hengstenberg'« u >d verschiedener protestantischer Fürsten, in den Schoost der alleinseligmachenden Kirche zurückkehwn werde.

So bleibt dem llltramoiitaniSmus kein gefährlicher Gegner mehr übrig als die europäische Demokratie: denn das Freichristenthum und der ihm vertvandte Deutschkatholizismus haben, was man auch sagen in w, dem Ultramontanismus noch wenig Schaden zugefmp, und sie werden auch, weil die alten, gegen das freie Christenthum eine geschlossene Phalanr bildenden Au­toritäten, die Macht, die Gewalt haben, ohne den Sieg der Revolution demselben niemals tiesgehende Wunden beibringen. Die Zeiten kehren nicht mehr zurück, in welcher sich offizielle Gewalten, wie viele Fürsten im Reformationszeitaiter, an die Spitze einer religiösen Reform zu stellen bereit fanden. Mit Predigten und Gründen allein lockt man aber nod> keinen Ziegel vom Dache. Die Demokratie nun, welche allerdings an nationale Schranken sich nicht bindet, und nicht ihre einzige Hoffnung auf bestimmte ^n^^^ viduen, und selhst nicht auf bestimmte Völker setzt, wird Heuer freilich sehr verachtet, von Alten, die gern Alles erleben möchten, von Jungen, die vor Un­geduld platzen , nicht in kühnem raschen Fluge die Palme des Ruhms erobern zu können, und nun in aller Hast die Weltgeschichte von Osten nach Weste« gehen lassen, von Diplomaten, die eben nichts an­ders gelernt haben, als das Volk zu verachten, von überklugen Demofratc» die verlangen, daß die Gott­heit die Welt nach ihren Launen und Grillen regieren solle; aber doch ist wahr was Börne sagt:

Mögt Ihr auch die Freiheit klaftertief begraben, sie wird eines Tages, den Grabesdeckel sprengend, die Hände aus dem Grabe recken und gegen Euch zeugen."

D - u t f eb t a a d 5

^Wiesbaden, 1. Juli. Der Jahresbericht für die Wie allgemeine Versammlung des Vereins nMsnischrp Land- und Förstwüsthe, von Professor Dr Mekichs. ist so reich an Deuterkenswerthem, daß wir bedauerst, denselben aus Mangel an Raum nicht vollständig mit-