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Freie Zeitung.

Freiheit und Recht!"

^ 183. Wiesbaden. Dienstag, 1. JuU U8KK

Einladung zum Abonnement.

Mit dem 1. Juli beginnt ein neues Abonnement auf dieFreie Zeitung". Tendenz und Haltung unserer Zeitung find bekannt. Die stets zunehmende Erweiterung ihres Leserkreises ist ihr eine Anregung zu fortwährender Steigerung ihrer Kräfte. Wie bisher wird sie täg­lich in Leit- und Uebersichtsartikeln, in Berichten über die Standesitzungen, Assisen und sonstigen in den freien Institutionen begründeten Ver­handlungen die politischen und sozialen Angelegenheiten des In- und Auslandes erörtern. Daß sie darin von Mitarbeitern und Korrespondenten lebhaft unterstützt werde, ist Sorge getragen. Auch wird sie ein möglichst reichhaltiges und unterhaltendes Feuilleton bringen.

Bestellungen auf die mit Ausnahme des Sonntags täglich erscheinendeFreieZeitung" wolle man baldigst machen, in Wiesbaden bei der Expedition (H. W. Ritter'sche Buchhandlung), auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. Der Abonnementspreis ist vierteljährig hier in Wies­baden 1 fl. 45 kr., durch die Poft bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Znserationsgebühreü: die vierspaltige Petitzeile 3 kr.

Thiers als Schutzzöllner.

*Wenn es wahr ist, daß alle Revolutionen ein Unglück sind, so sind doch die schlimmsten diejenigen, welche keinerlei Resultat liefern!" So schloß Saiute- Benve am Freitag seine feurige Rede für das Freihan- delssystem. Die alte Zeit erhob sich in ihrem glän­zendsten Talente dagegen: Herr Thiers sprach vier Stunden lang anziehend, er flocht sogar eine kleine Lob­rede auf die Revolution ein, aber trotz allen Glanzes der Beredtsamkeit überzeugte er «ich:: die Zeit ist seit 1840, wo Thiers Frankreichs Mann war, fortgeschritten, während der Ministerpasipentdes 1. März noch immer auf zwei Stühlen sitzen geblieben ist. Was überführen sollte, klang wie eine unwittkührliche Selbstanklage, als er äußerte:Seit 30 Jahren, daß ich mich mit den öffentlichen Angelegenheiten meines Vaterlandes beschäf­tigt, hat sich meine Ueberzeugung nicht geändert; man hat in wenigen Stunden eine Regierung untergehen sehen, man würde eben so in wenigen Stunden den ganzen Wohlstand Frankreichs untergehen sehen, wenn eine einzige der vor Ihnen entwickelt, n Ideen angenommen würde." (!?) So stets das, was gut war, doch seine Zeit gehabt hat, als unverbesserlich im Prinzipe sisthältend, prüfte der Redner die Wirkungen des Schutzzoll-Systems und des Frei­handels-Systems in Bezug auf die Haupt-Produkte: Getreide, Eisen, Steinkohlen, Baumwolle, Seide u. s. w., besonders in Bezugnahme auf England, wobei er zu dem Schluffe gelangte, daß beide Länder unter dem Schutzzoll-Systeme groß geworden sind, und daß über die in England neuerdings unternommenen Versuche die Erfahrung noch Nicht das letzte Wort gesprochen habe.(?)Die Fortdauer einer gemäßigten Schutzzollsystems scheine ihm daher weise und wegen der Erhaltung der nationalen Unabhängigkeit (?) im Falle eines Krieges nothwendig. Für England, dessen liberalem National- Charakter Thiers im Vorbeigehen die wärmste Lob­rede hielt, was dem in der Diplomaten-Tribüne an­wesenden englischen Gesandten, Lord Normanby, öf- tere Zeichen des Beifalles und Der Erkenntlichkeit ab- Ivckte, ließ er für den Fall, daß! es plötzlich des ausländischen Getreides beraubt werden sollte, ernste Besorgnisse durchblicken. Daß England einen Versuch mit dem Freihandels - System eher, als Frankreich wagen könne, scheint dem Redner auf dem Unterschiede des industriellen Charakters beider Länder zu beruhen, wie es sich noch jüngst bei der Londoner Ausstellung gezeigt habe. England sei in Specialitäten ausgezeichnet, Frankreich sei uni- v.rselt; jenes könne daher den Kampf für gewisse

Hauptprodukte wagen, Frankreich müsse aber die Ge­sammtheit seiner Industrie gegen jede solche specielle Ueberlegenheit vertheidigen. Wir verweisen in Be­treff der Einseitigkeit dieser Argumentation auf die Berichte euglischer, französischer und deutscher Blätter über die Londoner Industrieausstellung, welche gerade wegen der französischen Industrie zu ganz anderen Resultaten gelangt sind. Thiers ist mit dreißig­jährigen Vorurtheilen nach London gegangen, hat dem Glaspalast nur zwei flüchtige Besuche und nebenbei in orleanistischer Politik gemacht kein Wunder, wenn er nichts gelernt und nichts vergessen hat. Uebrigens ist diese Rede deshalb ein Ereigniß, weil sie beweist, daß selbst die glänzende Sophistik eines so eminenten Kopfes nicht mehr ausreicht, die öffentliche Meinung zu bestechen. Daß der Antrag Sainte-Beuves indeß schwerlich schon jetzt durchgeht, ist eine andere Sache, die jedoch nicht Folge von Thiers Rede, sondern aus den noch obwaltenden übrigen französischen Verhältnissen sich genugsam erklärt.

Die Pläne der Heiliger» Allianz,

Der gewöhnlich gut unterrichtete hannoversche Kor­respondent derD. Allg. Ztg." glaubt darüber neue Aufschlüsse geben zu können. Da der Bericht das nächste Ergebniß der yeueren Allianzpolitik übersichtlich zusammenfaßt, so ist er nicht ohne Interesse.

Um über die gemeinsamen Auffassungen in der europäischen Politik und die sich daran knüpfenden diplomatischen Maßnahmen einig zu werken, sowie, sobald diese nicht ausreichten, zu den militärischen Ver­abredungen schreiten zu können, waren die Zusammen­künfte von Warschau und Olmütz festgesetzt. Auch hier wollte man die alte, einige Zeit unterbrochene, Ver­bindung wieder herstellen. Dies ist zunächst vollstän­dig gelungen. Alle Fragen aber, die keine direkte Ge­fahr für die Sicherheit der Monarchien haben, die Ge­staltung Deutschlands, die Stellung der dänischen Mo­narchie zu Deutschland mit besonderer Berücksichtigung der schleswig-holsteinischen Angelenheit, der Gesammt- eintritt der österreichischen Monarchie in den deutschen Bund und viele andere mehr untergeordnete Fragen sind zwar mehr oder weniger in Erwägung gekommen, jedoch ist nichts darüber verabredet, geschweige denn sestgestellt worden, und alle diese Angelegenheiten blei­ben einer weiteren Unterhaltung, je nach ken sich ge­staltenden Verhältnissen, Vorbehalten. Zwei Fragen sind es jedoch, die stets umfangreich behandelt wurden und um die sich die Achse der politischen Unterredun-

gen drehte. In erster Linie die Frage über die zukünf­tige Gestaltuug Frankreichs und die Maßnahmen von Seiten der Drei nordischen Großmächte bei einem Um­schwünge der Verhältnisse daselbst, namentlich wenn die Revolution zum offenen Ausbruch gerathen sollte und ihre Fortpflanzungskraft auch diesseits des Rheins bewahren würde. Hier ist man denn nun übereingekommen, Frankreich gegenüber nur in ein Defensivoerhältniß zu treten, die Zustände und Pulsirung dec Landes, die Bewegungen der einzelnen Parteien und Coterien aufs Genaueste zu überwachen und zu prüfen, in welchem Grade dec Gahrungsstoff daselbst vorhanden sei. Man war nach den bestehenden Verhältnissen des Landes der allseiti­gen Ansicht, daß bis zum Jahre 1852 gar keine Ge­fahr vorhanden, und daß demnach alle schon jetzt oder ui nächster Zukunft zu treffenden/Maß regeln, an Den Gränzen oeö Landes oder doch in einiger Entfernung, nur geeignet waren, Mißtrauen bei den dortigen Ge­walten zu erregen, und sowohl die Bevölkerung diesseits wie jeu ccts des RpeinS zu nutzloser Aufregung und Besorgulß hxrauSfordern würden. Alle militärischen Maßregeln, die das Gepräge einer solchen Sicherhcits- maßregel trügen, wurden demnach vorerst gänzlich unter­bleiben. Dagegen würden die Garnisonen und beson­ders die Festungen im Laufe der Zeit angemessen zu verstärken sein, ohne gerade dies als eine allgemeine und principielle Maßregel erscheinen zu lassen. Die jetzige Regierung Frankreichs, obgleich der Legitimi« tat und Dem absoluten Prinzip gar nicht sehr will­kommen, würde doch von ken Mächten, momentan selbst bei einer vorläufigen Verlängerung der Ge­walt des Präsidenten, auf des Entschiedenste unter­stützt werden, weil man lieber hier langsam mit der retreograden Bewegung vorzugehen für gut hält, als durch schnelle Schritte , die nur durch einen sehr zweifelhaft in seinem Ausfall verbürgten Erfolg, durch offenen Umsturz hervorgebracht werden können. Sollte jedoch ein solcher gänzlich unvorher­gesehen von den RiKheu erfolgen, und diese während deS Verlaufs der Bewegung nur die geringsten Chan­cen für ein Gelingen ihrer Pläne haben, so wird die bis dahin eingenommene DefensivsteUung sofort in eine offensive verwandelt werden, an der die drei nordischen Mächte gemeinschaftlich participiren. Die preußische Armee wurde zuvörderst zusammen gezogen werden nach dem Westen und ihr ivürDe die erste Ehre des Angriffs zu Theil werden werden, die Oesterreicher würden ihre Macht gegen Italien und von dort aus gegen Frank« reich in Bewegung setzen und Rußland zunächst mit seinen Truppen die preußische Gränze pafsiren, um Ost- und Westpreußen und Schlesien, und die öster-

AM Sechszeh»» Lieder an Marie

Mädchenlikder.

Wie lieb ich Dich hatte, Ich hab' Dir's nie gesagt, Dem eignen Herzen nur Hab' ich mein Leid geklagt.

Da« Mädchen muß ja schweigen,

Ob auch da« Herz ihm bricht; Denn ob auch Du mich liebtest, Du sagtest mir e« nicht.

Und doch sah'n wir unS immer ®ü seelenfreundlich an, Und nie hat Eins dem Andern Ein arges Leid gethan.

Und wenn wir und begegneten, Da haben wir uns gegrüßt, Und unâ vielleicht auch heimlich Einander einmal geküßt.

Nur einmal mußte» wir schweigen,

Ob wir und manchmal sah'»: Wie hat da« meinem Herzen

So weh', so weh' gethan!

Da bist Du fortgewandert,

Und ließest mich zurück; Da hab' ich oft geweinel Um das verlor'»« Glück.

Und soll ich Dich denn nimmer, Ach nimmer wiederseh'n, Soll doch mein Lieben, Wünschen Dir treu zur Seite steh'n.

Will doch mein Herz Dir senden

Noch tausend Grüße zu, Will über« Meer Dir rufen: Du lieber Knabe, Du!

Im fernen, fernen Lande Ich nimmer Dich sinden soll Im fernen fernen Lande Leb' wohl, leb' ewig wohl!

XL (3.)

Und wenn Dein theures Herze einst Nach einem Mädchen geht, Da falt' ich meine Hände lei«, Und sprech« die« Gebet.

Lenke Du, Gott, ach seinen Sinn, Beherrsche seine Wahl.

Laß meiner ihn noch denken Zum lebten, letzten Mal!

Und die er sich erwählt, die Brant, Wohl fei sie fromm und gut, Und auch, wie ich, so liebetraut Durchwärmt von gleicher Gluth.

Wohl fei sie treu und ewig treu, Wie ich, ihr Sinn so rein; Wohl möge ihrer Augen Strahl So sanft und mild auch jein.

Hilf mir auch überwinden

Der Seele bangen Schmerz !" Ade, jum letzten Mal Ad«, Du oielgetiedte« Herz!