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Einladung zum Abonnement.

Mit dem L Juli beginnt ein neues Abonnement auf dieFr ie Zeitung". Tendenz und Haltung unserer Zeitung sind bekannt. Die stets zunehmende Erweiterung ihres Leserkreises ist ihr eine Anregung zu fortwährender Steigerung ihrer Kräfte. Wie bisher wird sie täg­lich in Leit- und Uebersichtsartikeln, in Berichten über die Ständesitznuzen, Assiseu und sonstigen in den freien Institutionen begründeten Ver­handlungen die politischen und sozialen Angelegenheiten des In- und ÄMandes erörtern. Daß sie darin von Mitarbeitern und Korrespondenten lebhaft unterstützt werde, ist Sorge getragen. Auch wird sie ein möglichst reichhaltiges und unterhaltendes Feuilleton bringen.

Bestellungen auf die mit Ausnahme des Sonntags täglich erscheinendeFreieZeitung" wolle man baldigst machen, in Wiesbaden bei der Expedition (H. W. Ritter'sche Buchhandlung), auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. Der Abonnementspreis ist vierteljährig hier in Wies­baden 1fl. 45 kr., durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Jnserationsgebühren: die vierspaltige Petitzeile 3 kr.

Hr. v. Usedom und dieAgSb. Allg. Ztg."

ft Dieelfte Stunde" muß doch wohl näher sein, als so mancher neunmal Weise sich einznreden sucht, jene Stunde, wo der ganze künstliche Kcu'tenHausbau der absolutistischen Reaktion den Einsturz droht. So­gar Diplomatenvon Ruf" aus der Metternich'schen Schule und das erste Organ der deutschen Diplomatie, die geriebene, nichts weniger als unloyaleAgsb. Allg. Zeitung" erheben ihren Warnruf in einer Weise, die immerhin ein bemerkenswerthes Zeichen der Zeit bleibt. Herr von Usedom hat ein Sendschreiben erlassen, das derAngsb. Allg. Ztg." zu folgenden BemeKlmgen Veranlassung giebt:Zu den bedeutendsten Stimmen, die in der letzten Zeit sich über die unaufhörlich schwan­kenden Verfaffnngsverhältnisse in Preußen vernehmen ließen, ist die des Hrn. v. Usedom zu rechnen. Man erinnert sich, wie er in einem frühern Sendschreiben an seine Wähler sich gegen die beabsichtigte Hegemonie Preußens auf Kosten Oesterreichs, gegen den Drei-- nigs-Pact und die darauf gebaute deutsche Verfassung ausgespwchen. Damals hatte der besonnene Staats» mann bittere Anfechtungen zu erleiden von den Blät­tern der Partei; jetzt wandelt sich der Tadel in Hul­digungen «m. Hr. v. Usedom steht über diesem Wech­sel des Tags. Gerade dadurch erhält sein Wort ge­doppelte Bedeutung. Cs würde von unseligen Folgen sein, wenn Warnungsrufe - solcher Art überhört wür­den. Wie ungeheuer ist - trotz der herrschenden Apathie der stille Fortschritt der Opposition! In Preußen stehen Männer wie Vincke, Arnim, Schwerin, Hansemann, Camphausen, in den Reihen, wo einst die Jacoby, d'Ester, Waldeck gestanden. An die Stelle des revolutionären Angriffs ist der loyale Widerstand getreten, aber die Reaktion wirft beide in einen Topf und bezeichnet in diesem Augenblick selbst die Hälfte blT preußischen Oberpräsideulen als meuterische Man­darinen. In Hannover scheidet Stüve in trostlosem Anmuth , und selbst hinter dem dortigen Ministerium steht, wie hinter dem württembergischen und sächsischen, eine Phalanx Unzufriedener der äußersten Rechten, die über Mangel an Muth, über zu weit getriebene Con­cessionen an den Umsturz klagen. In Baiern dasselbe Schauspiel. Da müssen die Grafen Giech und Ar- mansberg, die Präsidenten Arnold und Heintz die wi­derstrebenden Collegen bitten und beschwören, nicht zu versagen, was in feierlichen Stunden versprochen wor­den : die Ordnung der Rechtspflege- wie sie in Preußen und Oesterreich gewährt wurde, die Selbstständigkeit der Notare, die wie die der Rechtsanwalte zuletzt am Misten (m Interesse des gutöbesitzenten Adels selbst liegt. Jene Bitten und Beschwörungen werden mit ungläubigem Lächeln zur Seite geschoben, die Minister werden auf diesen Bänken vorerst nur alö ein unver­meidliches Uebel betrachtet, die Führer der gemäßigten Majorität der zweiten Kammer längst die Ziel, scheibe des Hohns der Demokraten, der Kleindeutschen und Großpreußen gelten den bayerischen Hochtorirs als Rothe, aus dem parlamentarischen Kampf blitzt ein Duell auf, und Freiherr v. Lerchenfeld liegt, von der Kugel des Fürsten Wrede getroffen, blutend am Boden. Eine Linie tiefer, und sie wäre durch die Lunge ge­drungen er wäre eine Leiche. Das Gericht der Nachwelt über diese beiden öffentlichen Charaktere hätte zur Stunde begonnen. Selbst in Oesterreich sammelt sich der dunkle Schatten mächtiger Namen und bedroht aus geheimnißvoUem Zwielicht die Existenz des Cabi- nets, aus welchem ehe die Katastrophe gekommen zwei der bedeutendsten Männer den Ausgang ge­sucht, als gewährte das was sie alle in den veryäng- niß vollsten Augenblicken der Monarchie, klaren Blicks und entschlossenen Herzens, geleistet, nicht mehr Schutz gegen die Anfechtungen aus jenen Reihen, aus denen in' jenen Augenblicken kein Retter erstanden war. Mit­ten in dieser traurigen Verwirrung aller Meinungen und Parteistellungen erscheint das Schriftchen des Staatsmanns und Diplomaten, der als die Revo-

lutfeit grollte für eine gerechte Würdigung des Fürsten Metternich und seiner europäischen Leistungen plaidirte und den vom Dolch getroffenen Grafen Rossi mit all der Achtung, den bedrängten Pius IX. mit all der Liebe und Verehrung umgab, die ihm, dem Gesandten des Königs von Preußen, Rom und die Umgebung des großen Kirchenfürsten eingeflößt. Das alles muß man sich vor die Seele halten, wenn man die kleine Schrift des Hrn. v. Uiedom zur Hand nimmt. Er richtet, als Manuscript gedruckt, einDrittes Send­schreiben an meine Wähler." Er rechtfertigt darin zuerst sein am 15. April d. A in der zweiten Kam­mer abgegebenes Votum für das Ministerverantwort­lichkeitsgesetz. Dann aber spricht er sich in sehr be­deutsamer Weise gegen die Ultrapartei aus, welche die kaum erungene und beschwort . Verfassung wieder Um­stürzen möchte.Aber (so sagt der Verfasser) lassen Sie mich jetzt auf ein allgemeines Gebiet übergehen. Man hat bei dieser Gelegenheit und auch sonst schon vielfach sagen hören: Wozu eine konstitutionelle Minister­verantwortlichkeit, denn wozu überhaupt eine Constition?" Hr. v. Usedom legt nun sein-politi­sches Glaubenöbekenntniß offen dahin ab: daß nach seiner Meinung der moderne Coustitutionalismus zwar viele Schwächen und viel nachtheiliges, im Vergleich zur alten ständischen Verfassung, darlege mb die jetzige Verfassung noch mancher Verbesserung bedürfe *).Allein es scheint mir èin Irrthum, wenn man der Belastung keine größere Berechtigung, als wie einem bloßen Pro- ducte des Mârzwahnsinns zugestehen will. Das Stre­ben unserer Zeit nach parlamentarischen Sraatsformen ist doch älter und tiefer als der Märzwahnsinn) es wird auch durch Abschaffung dieser oder jener Verfassung nicht vertilgt." Die Regie­rung könnte so meint der Verfasser wenn sie sonst wollte, jetzt die Landesverfassung beseitigen ohne einen revolutionären Ausbruch besorgen zu müssen. Dessenungeachtet wird sie es schwerlich wollen. Die Stürme, die hierdurch in Zukunft vorbereitet werden, scheinen bedrohlicher, als die Vortheile, die man in der Gegenwart damit erreicht. Ich jage nichts von der feierlichen Verpflichtung, die uns alle an die Landesverfassung bindet." Der Verfasser erwähnt der Anforderung: die Kammern soll­ten der scheuen Regierung gegen die Verfassung zu Hülfe kommen.Aber so weit hierin vorzugehen, um der Regierung eine Untergrabung der Verfassung aufzudrängeu, scheint mir nicht weise, selbst wenn es für den Augenblick auch gefahrlos wäre." Der Ver­fasser hält dafür, daß dann kein festes Staatsrecht mehr da sein würde, zum einzigen Schutz gegen die Stürme des politischen Wetterdräugeus unseres JaorhundtrtS. Eine solide Armee sei zwar unentbehrlich, amr eine angemessene sichere organische Gestaltung durch Gesetze nicht minder: es sei zu fürchten, daß allmählich jener tiefe und grimmige Haß gegen alles gouvernemental Bestehende aus's neue erwachsen möchte, so fürchterlich, wie es eoen nach der französischen Februarrevolution in Deutschland der Fall gewesen:er gab einem Stra- ßenaufruhr die Wirkungen einer Revolution." Hr. V. U eoom geht weiter und fragt: ob man jetzt noch zwi- zcheu parlamentarischer StaatSform und absoluter Mo­narchie abwagen könne? nicht vielmehr den Zustand mit der Verfassung gegen den, welchen die Abschaffung herbeifahren wurde? Er kommt zu rem Schlup: Man muß sich, zumal in unserer Zeit, wohl bedenken, bevor man das einmal Festgestellte wieder hinweg thut, weil das Denken und Wollen dann aus's neue ms Wilde und Schrankenlose geworfen wird. Ehe man also gegen die Verfassung eimchreuet, muß man sich fragenr Was hernach?---- Kanu man wirklich glauben, daß, wenn die Verfassung wegfallt, jedermann sich ohne weiteres für die absolute Alleinherrschaft er*

*) Herr v.» Usedom erklärt in einer Note, duß er sich dem Itzeiipliy-Lenpin'Icheii Antrag ans Modificatioii der Geni>ini>eord- mnig mit deionderer Rücklicht ans die engere H>l,».uh (in^idjlvffen habe, weil eben hier die Verhältnisse vibänbi't lui^en nothwendig machten.

klären würde?Bei uns würde, meint Hr. v. Use­dom, nicht Absolutismus ober Eäsarismus, sondern die Republik, die Erbschaft des ConstitutionalismuS antreten wollen, und es würden Zeilen denkbar werden wo man sich nach der jetzt manchmal unbequemen Con­stitution gerade eben so zurücksehen dürfte wie man nn Soinmer 1848 nach dem Vereinigten Landtag zurück­verlangte." Herr v. Usedom kann das wissen, unv hat jetzt mit ernstester Besorgniß gefunden, daß die republikanische Tendenz in die mittleren und gebildeten Schichten der Gesellschaft «mporsteigt; daß nicht die rothe, aber die weiße oder blaue Republik Fortschritte macht eine Präsi- dial-Republik!Was aber Monarchie und Dynastie zerstört, vernichtet zugleich den preußischen Staat: Preußen ist dann nicht mehr." Deshalb warnt Hr. v. Uiedom die Kammern:recht sorgsam darauf zu achten, wie sie mit der Verfassung umgehen--; bricht dann auch wirklich jener sociale Revolutionsstnrm ein von dem der Abgeordnete Stahl beredt gesprochen hat, sollten wir ihm dann nicht mit einem Berant- wortlichkeitsgesetz und mit einer ungelähmten Ver­fassung eben so. unbesorgt entgegentreten föuren, als mit einer nur nominellen Verfassung ober einem unum­schränkten Thron, umgeben von Republikanern?"-- Dass dies nur fromme Wünsche bleiben werden, ja bleiben müssen, daß die Contrerevolntion längst veu Rubicon überschritten hat, wo zwischen demKosakisch oder republikanisch!" nur noch die Wahl bleibt, das ist ihre Nemesis. Hätte bte Demokratie die Losung dieser Frage so kathegorisch und so dringend gestellt, die Nation würde ihr Ueberstürtznng vorgeworfen haben; dochdem Wollenden geschieht kein Unrecht/" Die Contrerevolution ist ihres Schicksals eigener Schmied. Die Märzrevolution blieb vor Den Thronen stehen; wäre die Contrerevolution vor den Rechten des Vol­kes gleichfalls stehen geblieben, so hätte Europa eine Zeit wirklichen Friedens gehabt; doch sie war es, welche die Throne in den Strudel, aus dem sie noch einmal gerettet, zurückschleuoerten, und die Dynastien haben ihre Verderbermit Orden und Ehren belohnt. Die kommenden Jahrhunderte werden es säum glauben, daß solche Verblendung möglich war. Doch ja, die Erscheinung hat sich schon so unendlich oft wiederholt, daß die Bibel bereits eine Formel dafür fand, worin sie sagt:Wen der Herr verderben will, den schlagt er mit Blindheit?"

D e u t f ch l a n d.

Wiesbaden, 24. Juni. Unter dem 15. Juni wurde von dem Vorort der freien Gemeinden des Herzogthuuls eine Denunziationsschrift gegen

1) H. Klein, Pfarrer zu Oberneisen,

2) C. D. Vogel, Decan und Pfarrer zu Kirberg,

3j I. G. Wilhelmi, Pfarrer zu Diez,

4) G. L. Schnabelius, Pfarrer zu Flacht,

5) Th. Burchardi, Caplan zu Nassau,

6) W. Cunz, Bicar zu Diez,

7) F. Oppermann, Vicar zu Wied-Selters,

8) L. W. Eibach, Pfarrer zu Wiesbaden,

9) Dr. A. Köster, Kaplan zu Runkel,

10) Petsch, Pfarrer zu Schweighausen,

1 i) W. Stöckcht, Pfarrverwalter zu Freiendiez,

12) Cäsar, Pfarrer zu Staffel,

13) A. Ohly, Pfarrverwalter zu Laugenschiralbach.

14) C. Ohly, Pfarrvikar zu Hirschdklg, wegen Mißbrauch und Herabwürdigung der Religion tzTitel XX. des Gesetzes vom 14^ April 1849) bei Herzoglichem Amte Wiesbaden eingereicht.

Die Denunziationsschrift lautet: Herzogliches Amt!

Die in rubro genannten Denunziaten haben einen Aufsatz, den in einer kleinen öffentlich verbreiteten Druckschrift, betitelt:Der Verein für die evange­lische Kirche im Herzogthum Nassau. Ein Wort bin* berliner Mittheilung und Einladung an alle Evan­gelischen im Lande. Wiesbaden, J. A. Stein'sche Buch-