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straften gegen die vielfach im Umlauf gewesenen Ge­rüchte, als beabsichtige er aus dem Ministerium zu treten, erblicken. Auch glaube ich, hat Dr. Bach im vorigen Jahre sich an der Prozession nicht persönlich betheiligt. Trotz alledem ist aber der Antheil des Vol­kes, die allgemeine Freude nicht mehr sie gleiche wie in früheren Jahren. Es ist kein Volksfest mehr wie ehedem, der Zudrang ist nicht mehr so lebhaft wie früher, wie vor dem Jahre 1848.

^? Die bessere Haltung unserer Valutaverhältnisse scheint seit ein paar Tagen wieder einer reaktionären Tendenz folgen zu wollen, denn die Preise haben wie­der etwas ungezogen.

Ungarn.

Pest, 21. Juni. (O.-P.-A.-Z.) Der Graf von Chambord ist gestern Abend sammt Gefolge hier ein- getroffkln Er gedenkt einige Tage hier zu verweilen.

R u H l a n d.

Bonder polnischen Grenze, 19. Juni. (D.A.Z.) Die Nachrichten aus dem Königreich Polen enthalten nichts als Berichte über unausgesetzte Truppenmärsche. Vor einigen Wochen war die Grenze fast ganz von Truppen entblößt, nun aber sind aus dem Löwitzer Lager und aus dem Süden von Rußland zahlreiche Regimenter wieder an derZGrenze eingetroffen, so daß eine wesentliche Aenderung in der Stellung der russi­schen Armee nicht cingetreten ist. Diese ist vielmehr in Polen noch bedeutend gewachsen, indem große Mi- litärmassen aus Rußland eingerückt sind, die im Kai­serreich lediglich durch die neue allgemeine Conscription ersetzt werden. Der Zar sieht einen Kampf im Westen als unvermeidlich an und möchte ihn gewiß gern bald ausbrechen sehen, da die andauernde Unterhaltung der großen in Polen auf Wache stcheudenArmee ungeheure Summen verschlingt.

(Agsb. A. Ztg.) Einer Mittheilung desGomec Polski" zufolge wird das Abschneiden der Bärte und des Haupthaares der Juden in Polen auf eine wahre barbarische Weise ausgeführt. In Dobrzynie sollen die Juden und Jüdinnen mit roher Gewalt auf die Straße geschleppt und den ersteren, vom Militär rings­um eingeschlossen, die Bärte und die Seitenlocken mit Gewalt abgeschnitten worden sein; den Frauen dagegen wurden die bekannten Perücken von den geschorenen Häuptern abgerissen und vor die Füße geworfen. Die dortigen Beamten sollen sich bei dieser mittelalterlichen Erekiltio sogar so weit vergessen haben, daß sie die Unglücklichen verspotteten.

DerLloyd" und das Bemerkenswerthc ist eben, daß derLloyd" es ist meldet:Von der russisch-bukowinaer Grenze, 13. Juni, schreibt man dem Const. Bl.":Die sich einander überstürzenden be- èänkenden Ukase werben wohl nicht alle Juden zum Eintritte in die Hallen der rechtgläubigen Kirche zwin­gen, sondern sie veranlassen, mit Hab und Gut über die Gränze zu flüchten. Das Ausland wird trotz Car- tellen und Verträgen schon Ausflüchte sinken, um die fleißigen Hände, die noch dazu einen vollen Säckel mit- bringen, bei sich zu behalten. Schon haben sich manche reiche Rabbiner geflüchtet, weil sie natürlich den von ihnen verlangten Revers nicht ausstcUen können, daß sie dafür Bürgschaft leisten, die von ihnen getrauten Frauen werden ihr Kopfhaar nicht abyhneiden. Den Rabbinern werden die reichen Kornjudeu folgen, weil ihnen der Branntweinhandel sowohl en gros wie en detail verboten wurde. Die verlangte soiwarfiche Ver­antwortlichkeit wird natürlich gleichfalls viele Israeliten zur Emigration zwingen, ebenso wie die künstliche Vcr- theuerung des Fleisches, da es nicht nur, wie es heißt, ver­boten sei, das Treffleisch an Christen zu verkaufen, sondern die Juden cs geradezu vergraben müssen, weil doch das Treffleisch, wenn die Juden es nicht genieß­bar finden, aus Sanitätsmaßregeln auch für Christen schädlich sein müsse. Solche, theils in das Familien-, theils ins Handels-, theils ins Religionsleben ein­greifende Ukase müssen die Emigration en mässe be­wirken."

In Archangel hat eine furchtbare Feuers­brunst stattgefunden, ein großer Theil der Stadt ist zerstört. Es sind besonders ausländische Kaufleute durch das Unglück betroffen.

habe. Die Erdstöße dauerten übrigens vom 19. No­vember 1822 bis Ende Septembers des nächsten Jah­res fort; selten vergingen in dieser ganzen Zeit ein paar Tage ohne Stoß, und zuweilen wiederholten sich zwei bis "drei in 24 Stunden. Besonders wichtig ist die Beobachtung der Mistreß Graham, welche der ver­ewigte preußische naturforschcnde Reisende Meyen spä­ter mit umständlichem Detail bestätigt hat,^ daß, anßer jener Erhebung von 1822 an den Küste, sich noch ver­schiedene ältere Strandlinie», bestehend aus mächtigen Bänken von Muscheln, welche noch in derselben Art im Meere leben, vorfinden, und unverkennbar andcu- ten, daß vor langer, über alle Tradition hinausreichen, der Zeit ein großer Theil des chilensischen Staats auf einmal um 40 oder selbst um 50 Fuß emporgestiegen sei, und seitdem auch wohl mehrmals kleinere Erhe­bungen, um einige Fuß, vorgekommeu sein müssen. Am 20. Februar 1835 betraf dieselbe Gegend aber­mals ein heftiges Erdbeben, welches bis 20 deutsche Meilen von der Küste gespürt wurde. Das Land scheint dadurch wieder um 4 bis 5 Fuß emporgehoben worden, während der fortdauernden Erschütterungen im folgen­den April aber wieder 2 bis 3 Fuß gesunken zu sein.

It a l ie «

Turin, 17. Juni. (Agsb. Allg. Ztg.) Piemont ist zu einem großen Ercrcierplatz geworden. Seit Lamarmora das Kriegsministerium übernommen, gönnt er der Armee keinen Augenblick Ruhe. Frühzeitig wird zum Exercieren ausgerückt, dann geht es zu den gym­nastischen Uebungen, später auf den Fechtplatz, hierauf in die Schwimmschule, und seit den letzten Tagen zum Scheibenschießen mit Flinte und Büchse. Militärschulen zur Vorbildung für Officiere sind in Cuneo, in Cherasc und Jvrea errichtet worden. Ein neues Bataillon Scharfschützen (beiläufig die Lieblingswaffe Lamar- mora's) ist in Bildung begriffen.- Viele auf Warte- gelv gefetzte Officiere, Deren wir eine große Zahl be? sitzen, haben Befehl erhalten, sich zum Einrücken in den Dienst vorzubereiten, da bei der Aushebung von 10,000 Mann wieder viele Officiersstellen zu besetzen sind. Außer der Armee macht sich die Nationalgarde mit allerlei militärischen Spaziergängen zu schaffen. Endlich kommen noch dieitalienischen Schutzen" Kör­perschaften jüngsten Ursprungs, die noch täglich Zulauf erhalten. Dazu hat die Lust an militärischen Uebungen und namentlich am Scheibenschießen in Den öffentlichen gelehrten Schulen stark zugenommen. Gleichzeitig wird die Ausrüstung der Flotte rüstig betrieben.

Schweiz.

Bern, 23. Juni. Die schweizerische Bundesver- sammlung ist auf Montag den 7. Juli zur ordent­lichen Sitzung des Jahres 1851 in die Bundesstakt einbernsen.

Mepuvlrk Fesukeeèch

Paris, 22. Juni. DiePresse" fordert heute die Republi­kaner auf, eineAssociation der Männer der Freiheit" zu bilden, da die Regierung den Anti-Republikanern gestattet hatte, eineAssociation Cer Männer der Ordnung" zur Bekämpfung der Republik zu bitcen. Dasselbe Blatt beklagt, daß die von cinam kleinen pariser Kaufmann er­öffnete Subscription, um eine Anzahl französischer Ar­beiter nach London zur Ausstellung zu findens nur 1284 Frs. Angebracht hat, wovon sie 800 unterschrieben habe. Kein e nziger großer Fabrikant, kein einziges großes Banquier- oder Handelshaus habe unterschrieben. Man könne sich nicht dadurch entschuldigen, daß ein socialistisches Journal die erste Idee zu dieser Suchcription gegeben, da dieselbe von einem einfachen Kauftuanne auSgegangen sei. Zu gleicher zeigt diePresse" an, daß die Subscription am 30. Juni geschlossen und ein aus Don fünf bedeu­tendsten Subscripentcn bestehendes Comite gebildet werden wird, um über Die Verwendung der eingegangenen Gel­der zu verfügen. DiePresse" wird bei Dev Administration der Norkbahn um freie Fahrt einkommen, um auf diese Art einen indirectcn Zuschuß zu erhalten.

Schwedens'

Stockholm, 1'. Juni. (Köln. Ztg.) Eine Be­gebenheit ganz eigner Art hat in diesen Tagen ein un­gewöhnliches Aufsehen erregt. Der als Schriftsteller auch in Deutschland durch Uebersetzungen seiner vielen Romane allgemein bekannte C. G. L. AI m q u i st ist plötzlich verschwunden. Er soll sich überOerebro, Hult und Gotheuburg nach dem Auslande begeben haben. Seitdem haben sich die schrecklichsten Gerüchte über ihn verbreitet. Er wird des Diebstayls, der NameuSver- fälschuug, eines dreimaligen Versuches, den Bestohlenen, einen Jaiten verrufenen, reichen Wucherer, vessens ver­trauter und als Sohn geliebter Freund er gewesen sein soll, mit Arsenik zu vergiften, und um die scheußlichsten Verbrechen auf ein Mal zu häufen,. die Schuld auf eine arme achtzehnjährige Waise im Hause jenes Wu­cherers durch fällte Briefe wälzen gewollt zu haben, beschuldigt. Leider gewinnen diese Beschuldigungen durch die von der Polizei gehaltenen Untersuchungen, welche noch fortfahrcu, die größte Wahrscheinlichkeit, so daß Aftonbladet" selbst, bei dem er einer der wichtigsten Redakteure war und an dessen Spitze er während der Abwesenheit des Hauptredakteurs oft gestanden hat, ungeachtet aller Theilnahme, die es ihm als alter Freund und unersetzlicher Mitarbeiter schenkt, ihn nicht hat sreisprechen können. Daß ein Mann, wie Alm- quist, mit so umfassenden und gründlichen Kenntnissen

Die Insel St. Maria wurde am südlichen Ende 8, in der Mitte 9, am nördlichen Ende 10 Fuß gehoben. Der Hafen Der Insel wurde dadurch unbrauchbar. Ein ferneres ähnliches Naturereigniß fand am 7. Nov. 1837 in Chile Statt. In der Nähe der Insel Lemus, in dem Chonos-Archipel, wurde zwei Jahre später die Erhebung des Meeresbodens auf 8 Fuß ermittelt. So können also vielfach wiederholte Erdbeben in sol­chen davon oft heimgesuchtkn Gegenden nach und nach im Laufe von Jahrtausenden Ebenen zu Hügel- und Bergketten umgestalten. Welche wichtige Veränderun­gen der Erdoberfläche in jener Weise! Bei den ge­schilderten Vorgängen in Chile ist es gewiß interessant, zu erfahren, welche Einflüsse auch diesmal das Erd­beben auf die Erhebung des Landes ansgeübt haben mag. Wohl sind dabei Wiederholungen der merkwür­digen Erscheinungen von den Jahren 1822, 1835 und 1837 zu erwarten. Die Nachrichten darüber werden höchst wahrscheinlich folgen, wenn anders Naturforscher in dem so oft vulkanisch agitirten Lande vorhanden sind, welche ihre Untersuchungen auf bas höchst merk­würdige Phänomen der Bodenerhebung richtem"

in den verschiedensten Fächern und so ausgezeichneten Geistesgaben, der in Kirche und Staat tm Namen der leidenden und unterdrückten Menschheit als Reformator auftrat und nicht nur als Schriftsteller, sondern auch als solcher eine Zeit lang eine äußerst glänzende Rolle gespielt hat, mit Einem Male als der schwärzeste Bö­sewicht dasteht, ist etwas, worüber auch die Herzen sei­ner ärgsten Gegner ein unheimlicher Schauder durch­fahren und wünschen lassen muß, das Ganze für ein dämonisches Blendwerk halten zu könnenAftonbla­det" bemerkt aher auch treffend genug, daß Almquist unwillkürlich an Faust und Eugen Aram erinnere.

Kulturgeschichtliches.

VII.

-Fortsetzung.)

Wir finden aus Indien keine Alterthümer. China, das wenigstens sein eines Kulturelement, das buddhi­stische, aus Indien empfangen hat, führt Annalen bis zur Sündfliit hinauf, zeigt uns ein 4000 Jahr altes Kunstwerk. In Indien ist Alles neu, wie von gestern. Greller noch ist der Kontrast mit den alten Aegnptern, zu denen wir uns freilich in das Museum bemühen müssen. Sie suchten ihre Dynastien und Institutionen ehrwürdig zu machen durch ungeheures Alter. Sie führten daher nicht blos eine sorgfältige Genealogie, um das Alter beweisen zu können, sondern man hat sie sogar im Verdacht, hier und da ein paar Jahr­hunderte zugesetzt zu haben. Die Brahmanen wählten zu dem Zweck das umgekehrte Mittel. Sie wußten, daß der rebellische Verstand, sobald ihm eine Zahl ge­nannt wird und wären es Millionen Jahre, jedesmal fragt: was war denn vorher? Sie wußten, daß man auf dem Wege gewiß nie zum Begriff der Ewigkeit gelangt. Der Unterthan sollte gar nicht auf den Ge­danken kommen, daß ihre Religion und ihr Reich einen Anfang gehabt! Darum zerstörten sie alle Chronolo­gie, darum finden wir aus Dem Lande der ältesten Kultur nicht einen einzigen Gegenstand, der auf Alter­thum Anspruch macht. Unzweifelhaft ist dies das wahre System der historischen Schule. Was ist mit dem Nachweis gewonnen, daß eine Dynastie 400 Jahre alt ist, wenn eine andere hundert Jahr, ober sechs Mo­nate, oder drei Tage älter ist? Sind doch auf diesem Wege die gelehrten Neupreußen schon zu der Behaup­tung getrieben worden, daß bas wahre germanische Adelsregiment durch die Demokratie entstellt worden sei zur Zeit der Völkerwanderung! Lernt von Den Indiern, Ihr Herren, und steckt Euch hinter die Prie­ster. Laßt sie der Jugend beibringen/ daß der Adel auS Brahma's Kopfe, die Fürsten aus seinen Schul­tern, die Bourgeois aus seinen Schenkeln und die Ar­beiter aus seinen Füßen hervorgegangen sind. Damit ist dann auch die zarte Frage erledigt, deren Behand­lung den puseyistischen Rechtsgelehrten in Deutschland soviel Mühe macht ob der Adel oder die Fürsten älter sinb^

Die Betrachtung des Mittelgliedes zwischen Roh­produkt und Jnvuftrieerzeugniß, der Arbeit," wie sie uns in der indischen AuSsteUnnng an chanlich gemacht wird, lehrt überhaupt, daß die modernen Privilegien­ritter, die ihre Geburtsvorrechte bei den Priestern asse- kurireu wollen, große Stümper sind gegen die indische Aristokratie. Sie hat sich gründlich vorgesehen, daß die ständische Gliederung nicht in Verwirrung gerathen kann! Zunächst ist die ^anze ständische Gesetzgebung im Himmel kontrasignirt, von einer Prüfung ihrer Gültigkeit also Ein für Allemal keine Rede. Der vierte Staub weiß es gar nicht anders, als daß er dazu da ist, den drei oberen zu dienen, und drohte mit Empörung, als die Engländer Versuche machten, ihn aus der Unterordnung zu befreien. Der Ueber* gang aus einer niedern Kaste in die höhere ist dem Individuum ganz unmöglich; nur nach sieben Genera­tionen, nach sieben Ehen mit Brahmanen gelangt der Abkömmling einer Frau des vierten Standes in den ersten Staub.

Auch das in dem ständisch gegliederten Staate so wesentliche Element der Gewcrbetheilung, des Zunft­wesens, ql meisterhaft behandelt. Nicht nur, daß die Gewerbe unter den Nachkommen aus glcichbürtiger Ehe erblich sind, es ist auch Fürsorge getroffen, was mit den Abkömmlingen und Mischehen wird. Heirathet eine Frau aus einer bestimmten Mischlingskaste einen Mann aus einer bestimmten andern Mischlingskaste,' so ist schon vorher bestimmt, daß vaS aus dieser Ehe ge- borne Individuum ;. B. Schlächter werden muß und zwar Schlächter für bestimmte Thiere z. B. Hunde. Alle die sp tzfiiibigcn Fragen, die den Gewerberäthen so viel Kopfschmerzen machen, sind in dem Katechis­mus zum Voraus ent^uDen. Wir haben dies ganze Wesen und Treiben leibhaftig vor uns. Die osti, wische Kompagnie hat eine Sammlung von einigen hundert fingerlangen Figürchen ausgestellt, in denenindische Handwerke und Beschäftigungen" getreu nachgcbiltec sind. Sie sind offenbar das Werk eines Hindu. Da­für spricht nicht nur die Correktheit in der Darstellung alles Hessen, was sich auf die indische Theologie bezieht, sondern auch Die ganze hübsche Malice, eine einzige europäische Beschäftigung darzustcUen, einen englischen Offizier, der, in einen Lehnstuhl gestrecktWein trinkt". Man hat dies verständliche Pasquill in aller Unschuld mit aufgestellt. Wir sehen heute noch den vierten Stand, die Abkömmlinge der unterworfenen Ureinwoh-