Freie Zeitung
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Zur österreichischen Frage.
# Das Ministerium Schwarzenberg scheint in äußerster Noth zu sein. Wir schließen dies aus einem Artikel der „Augsburger Allgemeinen Zeitung', worin es heißt: „Woran liegt es, daß die Organisation des Gcsammistaates nicht rascher vor rückt, und die Zweisel eher zuuehm n, als sich zerstreuen und lösen? Sagen wir es offen: die größte und gefährlichste Intrigue gegen das Zustandekommen der österreichischen Staatscinycit geht noch immer von Seite der ungarischen Parteimänner aus. Die ungarische Revolution ist nur in ein neues Stadium getreten. Die Rebellion hat aufgehört, gänzlich, lind dürfte aus guten Gründen auch wohl nicht so leicht wiedcrkehrcn, die Wühlerei aber besteht fort; hat sogar zugenommen, nur hat sie ihr Lager geändert und sammelt ihre zerstreuten Kräfte hinter der Allkonservativen. Oder wie soll man sonst diesen gänzlich rücksichtslosen magyarischen Trotz gegen den G.unèsay benennen, der für die österreichische Monarchie nicht mehr und nicht weniger bedeutet als Sein oder Nichtsein? Oesterreich kann Hinfür nur als Einheitstaat bestehen oder gar nicht!" Und weiter: „Soll die Gesammlmonarchie ein Theil des un- garischen" Reichs , aber dieses keiner von jenem werden? Und zur Geltendmachung solcher wahnwitzigen Ansprüche, findet der ungarische Cvnscrvatismus den Augenblick geeignet, wo Ungarn eben gezwungen worden ist, aus dem RevolutionSzustand auf Gnade und Ungnade herauSzu- trcten , und wählt ihn, um diese bescheidenen Wünsche im Rathe deS Kaisers durchzuseyen? — In der That, ein österreichischer Minister, dem die Hand nicht versagte, bei Unterzeichnung eines solchen Abkommens, müßte nicht einen Tropfen österreichisches Blut in seinen Adern haben, und wäre nicht werth, die Schicksale dieses edlen großen R icheS auch nur eine Stunde geleitet zu haben! Alles was der 4 März gegeben hat, kann uns abhanden kommen, aber dieses Eine und Höchste nimmermehr!" Sv der Nothschrei der Wiener Ministeriellen über die ungarischen Altkonservativen! Wie die Sache in Böhmen steht, lehrt folgende Schilderung der „N. Oder-Ztg.", der aus Prag geschrieben wird: „Du? Czechen, die bis zur Sprengung des Reichstages die allezeit getreue Majorität des Ministeriums Schwarzenberg bildeten, stehen jetzt in erbitterter Opposition gegen dasselbe. Es ist keinem Zweifel unterworfen, daß die Czecheu im Anfänge der Revolutwnsbewcgung ziemlich nach demselben Ziele strebten, wie die Ungarn, nämlich nach möglichster Selbst-
ftâudigkeit des Königreichs Böhmen uud Vergrößerung desselben durch Wiedervereinigung der altböhmischen Krou- länder Mähren und Schlesien , wozu nach dem Plane der czechischen Ultras noch die obcrnng.nusche Slowakei kommen sollte. Anfangs suchten die Czechen ihren Zweck auch ziemlich auf dieselbe Weise zu erreichen, wie die Ungarn den ihrigen. Sie tcrrorgirten die Deutschen in ihrem Lande und nannten deren Nalivnalstreben Hochver- kath an Böhmen; sie wollten von Wien nichts wissn und setzten dem dortigen Ministerium offenen Ungehorsam entgegen; sie erzwangen sich durch eine drängende Reputation die Zusage eines eigenen tonftituirenOcn Landtags für Böhmen; sie setzten sogar eine provisorische Regierung ein und schlugen endlich in der Pfingstwoche 1848 mit den Waffen los. Wäre dieser Schlag nicht mißlungen, so wären die Czecheu gewiß eben so wie Vie Magyaren zum offenen Kriege fortgerissen worden. Das Mißlingen des Pfingstaufstandes änderte den Plan derselben; sie beschlossen nun, ihr Ziel durch treue Anhänglichkeit an die Regierung zu erreichen, sich dadurch dem Ministerien unentbehrlich zu machen und den Beweis zu vollei.deii daß die Slawen, mit alleiniger Ausnahme der Polen, die einzigen treuen Anhänger Oesterreichs wären. Von der Dankbarkeit der Regierung hofften sie, wenn auch nicht alle, so doch einige wesentliche ihrer Wünsche erfüllt zu sehen. Die Regierung machte sich diese Gesinnung der Czechen ewtreff'ich z» Po Sie schmeichelte ihnen bis zum Tage der Sprengung des Reichstags, und Die Czechen stimmten dafür oft offenbar gegen ihre kemo- kratische Gesinnung in allen wichtigen Fragen für Die Regierung. Die Minister, namentlich Bach und Stadion, conferirten häufig mit den czechischen Wortführern, und da Die Pläne derselben kein Geheimniß waren, so bekam eS wirklich den Anschein, als ob die Regierung die Treue der Slawen wenigstens durch einige Zugeständnisse zu belohnen Willens wäre. Da wurde plötzlich Die Verfassung vom 4. März 1849 proclamirt, Die zwischen den treuen Slawen und den abgesattenen Ungarn durchaus seinen Unterschied macht. Böhmen verlor gerade, so wie Ungarn, Die althistorische Würde eines selbstständig organisieten Königreichs, es verlor den allerletzten Rest feiner alten Herrlichkeit, nämlich die Krönungsfeierlichkeit; es wurde ein Kronland, wie jede der anderen Provinzen, Die alte Selbstständigkeit des Czechenreichs sollte bis auf Den Namen verschwinden. Diese bittere Täuschung ihrer nationalen Hoffnung erbitterte die Czechen aufs Aeußerste; aber noch härter traf sie daS Projekt der Aufnahme der ganzen Monarchie in Den Deutschen Bund. Gänzliche
Trennung Oesterreichs von Deutschland mar gleich beim Beginne der Revolution Der Gedanke der Czechen. Ihr erster Wortführer, Franz Palacky, sprach ihn schon in Dem bekannten Schreiben, durch welches er seine Wahl in den Fünfziger-Ausschuß ablehnte , mit schärfste, Entschiedenheit aus. Die Czechen verweigerten und verhiu- Lertcn kann Die Wahlen für Frankfurt im Offerten Ungehorsam gegen Die wiederholten Befehle des Ministeriums. Der Vertretung Oesterreichs in der Nationalversammlung entgingen kakurch an 80 Köpfe. Auf dem Österreich-sehen Reichstage wurde Die j Dee-malige Nennung Frankfurt« von ken Czechen mit Zischen und Hohngelächter aufge nominell. Kuranda wurde in Böhmen von einem Volks- Haufen gemißhandelt, weil er Die Wahl für Frankfurt angenommen; Graf Friedrich Deym aus demselben Grunde in Der czechischen Pr. ssc ein Landesverräther gescholten und von den Einwohnern seines czechischen Gutes bedroht. Zuletzt noch, kurz vor Der Sprengung des Reichstags zu Kremsier, erhob sich Palacky zu einer energischen Inte,« pellativ», durch Die er im Namen Der Slawen eine offene Erklärung des Ministeriums über Das künftige Verhältniß O sterreichs zu Deutschland forderte. Die Antwort aus diese damals unbeantwortet gebliebene Interpellation gibt jetzt die Erklärung Oesterreichs, mit allen seinen Ländern in Den Deutschen Bund treten zu wollen. So ist Den Czechen im innern und äußern Staatsverhältniß das äußerste Gegentheil Dessen geboten, was sie gewünscht und durch ihre Treue zu erstreben gehofft. Zu beiden Beziehungen stehen sie nach der Revolution, deren Besiegung sie durch ihre Treue ermöglicht, schlechter als vor derselben. Damals war Bö: men wenigstens dem Namen und der Form nach ein selbstständiges Königreich, jetzt ist es nichts als ein Regierungsbezirk der cenhaltprtcn Monarchie ; damals gehörte zwar Böhmen zum Deutschen Bunde, aber eben weil nicht ganz Oesterreich cazu gehörte, war das Band ein sehr lockeres, wenig fühlbares, nüv die Opposition {Der Czechen dagegen fand darin eine Stütze, daß Die Mehrzahl Der österreichischen Slawen nicht zu Deutschland gezählt wurde. Die Czechen sehen sich Daher in allen ihren Erwartungen bitter getäuscht. Sie sehen ein, daß es ihnen nicht schlimmer hätte ergehen können,'wenn sie das Beispiel der Ungarn vollständig nach- geahint. Sie sind daher minder Politik des Ministeriums Schwarzenberg im höchsten Grade unzufrieden und sehnen sich ungeduldigst nach kein Augenblick, wo sie sich zu einer energischen einstimmigen Opposition dagegen werden erheben können. Das Ministerium weiß dies und nur deshalb hält es auch Prag durch Den Belagerungzustand nieder.".
AM. Sechszehn Lieder an Marie. VIII.
Des Abends, wenn der Schlaf mir drückt Die beiten Augen zu, Du bist es da, die mir erscheint, lind wiegst mich ein zur Ruh',
Und wenn deS Traumes süßer Galt
Sacht auf mich niederschwebt,
Dein Bild ist'S wieder, das, 0 Kind, Durch meine Träume bebt.
Ich seh' eS wohl in mancher Nacht — O sähest Du auch niich ! — Dach wenn ich Margens dann erwacht, Da seh' ich selber Dich.
Du schürst die Kahlen mit Bedacht,
Die Flamme bald sich windet, Du hast in meinem Herzen auch Ein Feuer aiigezündet.
Und wenn Tich'S friert, dann kamm zu mir, Und sei nur immer frah;
In meinem Herzen daS Feuer, ES brennt so lichterloh'!
Gewiß, eS wird Dich erwärmen,
Ich sag' eS keck heraus:
DaS Feuer in diesem Ofen, ES geht ja nimmer aus.
(Fortsetzung folgt.)
Erdbeben in Chile.
* Chile hat wiekerum die Schrecken eines Erdbebens erlebt. Äußer Valparaiso, vas bedeutend litt, sind die Ortschaften Casa Bianca und Quillat theilweise zerstört worveu. 'Nach dem Erdbeben regnete es 24 Stunden lang heftig, wodurch viele ihres Daches beraubten Hauser und Waaren vollends verdorben wurden. Nöggerrath schreibt darüber in der „Köln. Ztg." Folgendes: „Die neuesten Zeitungen ans den Vereinigten Staaten von Norddeutschlaud bringen uns die Nachricht, daß die Stadt Valparaiso, welche im Jahre 1822 durch ein Erdbeben fast gänzlich zerstört worden ist, am 2. April dieses Zahres abermals ein ähnliches Unglück erlitten hat. Die Folgen DieftéJ Ereignisses würden eben so schrecklich gewesen sein, wie vor lieunuud- zwanzig Jahren, wenn das diesmalige Erdbeben einige Sekunden länger gedauert hatte, und wenn man nicht bei dem Neubau der Häuser, vorzüglich im Hafen, die gehörige Rücksicht auf ein solches Natur-Ereigniß genommen hätte. Gerade dieses Quartier ist auch am wenigsten beschädigt worden. Die cheftigen Bewegungen des Bodens haben 15 bis 20 Secunden gedauert; dann sind noch in mehr oder minder langen Intervallen während beinahe vier Stunden minder starke Stöße gefolgt. Diese, für ein solches unerwartetes Ereigniß allerdings sehr lange Zeit hat der bestürzten und erschreckten Bevölkerung ein Jahrhuntert lang ge
schienen. Viele öffentliche und Privat-Häuser der Stadt und Gegend sind zerstört, und eine noch größere Anzahl ist unbewohnbar geworden. Viele Einwohner retteten sich auf die Schiffe, welche im Hafen vor Anker lagen. Der durch Die Zerstörung angerichtete Schaden belauft sich unudestenö auf den Werth einer Million Piaster. Die vorzüglichsten Gebäude, welche gelitten haben, sind die Münze, das große Gebäude, worin der Präsident wohnt, die Douane, die Kathedrale, die Kirche San Francisco, Diejenige der Compagnie, der alte Palast, das Regleruiigsgebäude, die Caserne der Nationalgarde und das Hospital. Bei der energischen Bevölkerung werden die Bauschäden dato wieder her- gestrUt sein; eine Stunde nach dem Ereignisse wurden chon die Straßen wieder von den Trümmern gereinigt, und man fing an, die Ruinen aufzuräumen. Eine Eom- Mission ist ernannt worden, um die Gebäude zu bestimmen, welche so sehr gelitten haben, daß sie zur Vermeidung ker Gefahr ihres Einsturzes abgerissen werden müssen. Die kleine Stadt Easa-Bianca, auf der Straße von St. Jago und ungefähr dreißig englische Meilen von Valparaiso entfernt, Hal bedrutend gelitten; viele Häuser sind von der Heftigkeit der Erschütterung ganz zu- sammengestÜrztZ; St. Jago hat mit Valparaiso ein gleiches Schicksal gehabt; aber der pekuniäre Verlujt wird doch in der Hauptstadt größer sei», da diese eine bedeutendere Anzahl größerer Gebäude enthält. Die kleine Stadt Rruia bei St. Jago ist gänzlich zerstört.