Mit Ztilung.
I - „Freiherr unb liecht!"
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I^^. Wiesb rden Di nstag, 2/1. Juni 18^1.
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Briefe aus der Schweiz.
I.
Mn. ^aum wi>d es zwei Völker geben, die sich gegenseitig so gründlich verkennen, wie die Schweizer und die Deutschen. Hört man einen Deutschen über die Schweiz oder einen Schweizer über Deutschland urtheilen, so blickt man unwillkürlich nach der Landkarte, indem man es nicht mehr für möglich hält, daß beide Länder an einander gränzen. Der deutsche Jüngling wähnt, das holde Engelsbild, die Freiheit throne so, wie sie sein Herz erfüllt, auf den majestätischen Alpen und ein frommes Hirtenvolk liege, in friedlicher Anbetung und Huldigung zu ihren Füßen, verklärt von ihrem himmlischen Glanze. Der rothe Republikaner dagegen schildert die Schweiz wegen ihrer Nichtbetheiligung an den jüngsten Völker kämpfen als ein feiges Philisterlaud, das,"nach erfochtenem Siege, zuerst ab; gestraft werden müsse. Er hält sich für einen Simson, weil er die „Philister" mit Esclskinnbacken bekämpft. Der Reaktionär nennt das gleiche Land ein „Mord-" und Bandilennest", wahrscheinlich im Grimme darüber, daß es sich während der Stürme der letzten Jahre der tiefsten Ruhe erfreute und den Trümmern der deutschen Revolutionsmacht ein Asyl gewährte. Blicken wir in auswärtige Zeitungen , so tritt uns ein ganz sonderbares, möglichst ungetreues Bild der Schweiz entgegen. Man fommt fast zu dem Glauben, zwischen den Alpen werde nur gewählt, getagt und geputscht. Die einzelnen politischen Thatsachen können eben nicht verstanden und gcn ü- digt werden, wenn man sie nicht als Ausflüsse des gksammten nationalen Lebens und Strebens raßt. wenn man nicht an ihrer Duelle sitzt, — Die Verkennung, welche der Schweizer von deutscher Seite zu ei dulden hat, findet nur ihres Gleichen in Der Art und Weise, wie der Schweizer den Deutschen und das Deutsche verkennt. Da hört man die seltsamsten Mähr- chen vom deutschen Michel und von deutschen Micheleien, da findet man keine Spur eines Verständnisses der Entwicklung. Daß, als beim Verfalle des Viittelalteis der Strom unserer äußeren Geichichie sich im ^aade verlies, naturnothwendig unsere innere Geschichte begann; daß dieser ganze Vorgang nichts Anderes war, als ein Vertiefen; daß die Eigenthümlichkeit des deutschen Wesens darin besteht, die neue Welt im G eiste zu schaffen und dann erst in tue Wirklichkeit hinüberzuleiten und daß es unser weltgeschichtlicher Beruf ist, das Römerthum, wie einst als weltliche Macht, so nun auch als geistliche Macht zu vernichten, — Alles das sind dem Schweizer böhmische Dörfer.
Woher nun diese gegenseitige Verkennung, trotz des lebhaften Verkehrs, der von jeher zwischen der Schweiz und Deutschland stattgefunden?
Zunächst ist Der Grund dieser auffallenden Erscheinung ul den Eigenthümlichkeiten zu suchen, welche Schweizer und Deutsche im geselligen Leben von tut»
AM. Sechszehn Lieder an Marie.
111.
O wärst Du mein, Du liebe Here
Mit dem kastanienbraunen Haar, Mit Deinen Augen, Deinen Lippen, Und o, mit Deinem Herzen gar!
Ach wüßtest Du, wie ich Dich liebe Vor allen Heren im ganzen Hans, Gewiß, und auch die Deine bliebe, Deine Lieb', o Here, dann liiert aus.
Thu' mir den einzigen Gefallen, O Here, doch, und liebe mich!
Ich sag' es Dir, ja Dir vor Allen, Und Heren sönnen’« sicherlich.
Ich rath' eS Dir jetzt noch in Gutem, Und folg' nur meinem Rathe gleich, Denn wiff': ich bin ein Herenmeister, Und spiel' Dir einen Heren streich'.
ander unterscheiden. Der Deutsche ist entgegenkommend, er hat das Bedürfniß, sich geinüthl ich auf- zuschließen; am Schweizer hingegen bemerkt man eine selbstgen ü g sa m c Versch lassen he it. Wer außerhalb des schweizerischen Lebens steht und behufs Der Erf 'i schung schweizerischer Eiaeuthümüchlüueu auf ein Entgegenkommen wartet, der wartet vergebens. Man muß mit dem Schweizer leb-en, wenn man einen klaren Blick in sein Wesen und seine Einrichtungen bekommen will 6tne große Zahl deutscher Flüchtlinge begeht den Fehler, sich abzusondern und nur unter sich zu verkehren. Auf diese Weise bleibt chnen die Schweiz ; so fremd', als wenn Sie nie den Schweizerbooen betreten hätten. Sie lernen nichts und vergessen nichts; sie bilden das in Spiritus aufbewahrte Jahr 1848.
Häufig entsteht ein ungetreues Bild vom Schwei- zervolke dadurch, daß man es nach seinen Philistern beurtheilt. Als bei Erschaffung der Welt allen Vor- i raty an Geist, Witz, Phantasie und Gesinnung bereits verbraucht war, und Der liebe Gott koch kein Gethier ; mehr erschaffen konnte, weil, schon Der sechste Schop- ; fnngstag war, da schlug er einen Mittelweg ein und erschuf Wesen, welche von den Menschen für Zetere ] und von den Thieren für Menschen angesehen werden. So sind, neuesten Forschungen zufolge, Die Philister entstanden. Unmittelbar nach ihrer Erschaffung „r u« hete" Gott, weshalb bis auf den heutigen Tag die „Ruhe" ihr Ideal und ihre Gotihelt ist. Diese Geschöpfe sind über Die ganze Erde verbreitet und in allen Ländern Der Hauptsache nach völlig die 9käm- llchen. Es kann daher fein thörichteres Beginnen geben - als Die Eigenthümlichkeiten eines Volkes nach den Eigenschaften seiner Philister bemessen zu wollen. — Mitunter werden auch Züge des Schmcizercharak« ters Wlisteriös ausgegeben j Die in Wahrheit hohe löbliche Eigenschasten sind. Ich meine nämlich den Fleiß und Die Solidität, welche in allen Bereichen des schweizerilcheu Ledens heimisch sind. Fü den deutschen Jüngling mit allzu kühnem idealen Schwünge kann Dir Aufenthalt in der Schweiz unter Umständen zur trefflichsten Schule werden. Das Einledru in Die y testen Verhältnisse befreit Den jungen Menschen von Jlliissionen und verleiht ihm einen praktisch nüchternen Blick ins Leben. Tragt er dabei die Liebe zur Hei- math, dem Vaterlande der Ideale und der Gemücp- lichkeit recht warm in Herzen, so kann er dien' Früchte rinärndten, ohne Beeuilrachtigiing |eüw$ idealen Gp. Haltes, so kann er praktischer werden, ozme zu vertrocknen oder im K lernen unterzugehen.
Als Kehrseite jener praktischen Nüchceruheit, wei che aus allen schweizerischen Einrichtungen Hervol leuchtet, begegnen wir einem eigenthümlichen Zuge von Romantik im Wesen des Schweizers, wenn wir Die uralte Erscheinung des Reisla u fens ins Auge fassen. Jahraus, jahrein verlassen kräftige Jânglmge
Ja wâr' ich nur ein Hrrrnm-üter, Verenden sollte schnell mein Schmerz; Ich sänkt ein Duhenv Liebesz;>iüer Als Cinauartierung Dir iu'S Herz.
Die soll'n Dich quälen, beißen, stechen, Du hâlt'st, o Here, keine Ruh', Bis Du mir endlich, endlich sagtest: Du lieber Herenmeister, Du!
IV.
O gieb ein Liebeszeichen, Ein Zeichen Deiner Hulk!
An Deinen fugen Augen,
Da möcht' ich ewig sangen;
Laß Dich, o Herz, erweichen, Richt ford're mehr Geduld — Gieb mir ein Liebeszeichen, Ein Zeichen Deiner Huld'
Ein Zeigen sanfter Hiebe Gieb mir. Du einzig Herz!
Au manchen schweren Tagen,
ihr Vaterland und treten jenseits der Alpen in Kriegsdienste. In der jüngsten Zeit ist Der Abzug an kriegsfähiger Jugendkraft so merklich geworden, daß man in vielen Gegenden ernstl ib auf das eidgenössische Kontingent besorgt ward. Sogar die Söhne reicher Landleute verlassen heimlich ihre Familie und wandern nach Neapel. Dieser Zug in Die Ferne, dieser Drang na h kriegerischen Abenteuern im fremden Land ist ein Grund- zng im schweizerischen Nationalcharakter und ist daher, wenn er irgendwo anstatt, starker als der Wille Dev Einzelnen. Diese eigenthümliche Romantik, die mit der Anhänglichkeit des Schweizers an seine Alpenwelt so seltsam kontrastirt, ist nichts Anderes, als Der nothwendig abgedrnngene Gegensatz jener praktischen Nüchternheit, von Der mir bereits gesprochen.
Die Schweiz ist von Deutschland aus zu wissen- sch.iftlichem, Deutschland dagegen von dei Schweiz aus zu politischem Leben angeregt uns befruchtet worden. Beide Nationen wurzeln in einander. Der Deutsche und Der deutsche Schweizer sind als Brüder in einem gemeinsamen Vaterhause, im alten deutschen Reiche, ausgewachsen. Später haben sich beide getrennt; ersterer führte nun ein einseitig wissenschaftlKyes, letzterer- ein einseitig politisches Leben. So ist tynen das gegenseitige Verständniß abhanden gekommen, so sind sie sich fremd geworden. Je größere Fortschritte nun aber der Deutsche im Polin chen und Der Schweizer im Wissenschaftlichen machen wird, um so inniger wird das brüderliche Verhältniß wieder hergestellt werden, und zcvar zwischen Deutschland und der ganzen Schweiz, Denn das Germanische ist es, was innerhalb des Schivei- zerbuiives einen beherrschenden Einfluß übt.
Blicken wir nach solchen Gegenden in Der Schweiz, in welchen das Volk durch Die Herrschaft des Vorrechtes und der Geistlichkeit in einem Zustande geistiger und religiöser Unfreiheit erhalten worden ist, ,o predigt uns deren ganze neuere Geschichte in der eindringlichsten und augeniäüiastea Weise Den Satz: mit innerer Unfreiheit ist äussere Freiheit un- verträglichg aus geistiger und religiöser B e v o r in um d. u n g kann unter keinerlei U m* stäuben d's; schot irische Freiheit erwachsen. — In S o l o t ku r n sind Die enggeschlossenen Reihen Der liberalen Käurpser g g-n die alte Aristokratie unmerk- lich zu einer Bureaukratie geworden, die nun eben so empfindlich auf Dem Volke lastet, wie früher Die Aristokraten.
Im Aargau hat män den Teufel der Priesterherrschaft durch den Teufel Der Beamten herrsch a ft vertrieben.
Der Kanton Freiburg konnte dem Ultramontanis- mus nur durch radikale Diktatur entwunden werden. Wenn Diese Diktatur heute ihren Fuß vom Nacken des Freiburgischen Volkes abließe, so würde es morgen Den Ultramontanen wieder anheimfallen. Man steht: bei einem geistig und religiös nnfreien
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Da sing' ich meine Klagen: — © daß sie mein doch bliebe! Da wein' ich meinen Schmerz. Ein Zeichen sanfter Liebe Gi b mir, Du einzig Herz!
Ein Zeichen süßer Liebe, O gieb, ach gieb eS mir; Richt kann ich Dir'S gestehen, Wie all nikin Wollen, gleheu, Wie meine schönsten Triebe Zn Die nur geh'», zu 'Dir — Ein Zeichen süßer Liebe, O gieb, ach gieb eS mir!
O gieb ein Liebeszeichen, Ein Zeichen Deiner Hulk: Am Herzen will ich's tragen. Ich will eS Keinem sagen; Daß ganz Du bist mein eige«. Stimm mich in Deine Schuld — O gieb ein einzig Zeichen, Ein Zeichen Deiner Huld!
sFortsetznug folgt.-