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„Freiherr und Recht!"
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J^ JU2. Wiesbaden. Miltwvâ, 18. Juni 8NGK
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Die „Freie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich tu einem Bogen. — D-r Monnenumoprew betragt vierteljährlich hier in Wiesbaden I fl. 45 fr., auSwârlS durch die Post bezogen mit verhällnißmäßigem Aufschläge. — Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung der „Freien Zeitung" stets von wirksamem Er» folge. — Die Jnserationögcbühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 kr.
D i e D i p l o m a t i e.
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„An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen."
<1= Zur Charakteristik der Diplomatie durch Thatsachen beizutragen, heißt sich ein Verdienst um die Menschheit erwerben. Varn Hagen von Ense hat schon manchen Beitrag zur Kenntniß dieser Volksbeglücker veröffentlicht, doch zeitgemäßer kam wohl keiner seiner Rückblicke als der, welchen er im neuesten Hefte des „Deutschen Museums" dem deutschen Volke vor- legt. Es handelt sich um Kotzebues Ermordung durch Sand und die damalige Demagogenriecherei. Der vielkundige Verfasser konnte manches bisher Unbekannte darüber mittheilen , da er als damaliger preußischer Geschäftsträger in Karlsruhe amtlich mit der Sache zu thun hatte. Namentlich aber erhalten wir näheren authentischen Aufschluß darüber, wie der ganze Z u s a m m e n Hang der Saudischen That v o n Seite der Regierenden gefälscht wurde, um dieselbe für die politische Reaktion ausbeuten zu können. Den Eindruck, den die erste Nachricht von der That in Karlsruhe machte, beschreibt Varnhagen folgendermaßen: „Zu den höheren Kreisen herrschte dumpfe Betroffenheit und angstvolle L-pan- nung; die Großen, die Hofleute, die Diplomaten sahen sich aus ihrem weltlichen Behagen gräßlich aufgeschreckt, eine heilige Vehme schien neu erstanden, jeder Student konnte der Vollstrecker ihrer Urtheile sein, sie glaubten sich ihres Lebens nicht mehr sicher; einige jammerten und seufzten, andere schalten und tobten und begeyrten heftig Schutz und Abwehr gegen solche Gefahr. Unter den Letzteren war Hr. v. Berstett (Minister der auswärtigen Angelegenheiten), der vom ersten Augenblick PP Ereignis? als ein solches auffaßte, das politisch auszu beuten und an welchem Ruhm und Ehre zu verdienen sei. Dies war sein Ausdruck, und diesen Verdienst war er entschlossen, möglichst sich selber zuzueignen. Die großen Herrscher sollten erkennen, so sagte er selbst, was sie an ihm für einen Mann halten, welchen Eifer er einer Sache widme, die vor Allem als die ihrige gelten müsse. Bei ihm hatte sich daher auch sogleich die Meinung festgestellt, der Mörder habe nicht aus eigenem Antrieb allein, sondern auf Anstifter! einer weit verzweigten Partei gehandelt, müsse durchaus Mitschuldige haben, und diese zu entdecken und sich ihrer zu versichern, sei die dringendste Aufgabe. Herr von Bei stell schrieb nun an die fremden Munster, erklärte seine tapfere Gesinnung, er wolle die Rotte der Meuchelmörder aufspüren und ver- uichten, müßte er auch selbst darüber das Opfer ihrer Dolche werden. Dieses Vorhandensein von Mitschuldigen machte Berstett auf das heftigste geltend und versicherte, das Gegentheil sei ganz u. denkbar, ja in Erm a n g e l un g anderer M i t sch u l d i g e n d ürfte man Diejenigen dafür halten, die sie läng- .........ii......■■■...................."ii ■■ gsgg*
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Der Prozeß Bocarm^.
(Fortsetzung.)
Mons, 10. Juni. Heute endlich, in der dreizehnten Sitzung ist man mit dem Verhöre der Zeugen fertig geworden. Aber es steht eine neue eigenthümliche' Verhandlung bevor. Gestern Nachmittag nämlich hat der Lehrer der Chemie an Der Bergwerkschule, Hr. Vandenbrook, vor einem zahlreichen Publikum und in Gegenwart der Vertheidiger Erperimeine mit Nicotin gemacht, welche mit den Erklärungen des Hrn. StaS nicht vollständig übereinstimmen sollen. Die Vertheidiger haben nun den Antrag gestellt, Herrn Vonver- brook über gewisse Fragen vernehmen zu lassen, und der Gerichtshof wird morgen darüber entscheiden, ob Diese ungewöhnliche Zumuthung bewilligt werden soll. Herr Stas hat nämlich nicht als Organ des Anklägers, sondern im Auftrage des unparteiischen Gerichtshofes, seine Mittheilungen gemacht, und Die Vertheidigung hat nicht das Recht, ihm irgend einen beliebigen Experten entgegenzustellen.
Die heutigen Verhandlungen drehten sich um die Aussagen Der drei beeidigten Gerichtsärzte, welche die Leiche des Ermordeten secirt haben. Alle drei stimmen i, ihren Erklärungen vollständig überein, und es genügt daher die Auslage eines Einzigen mitzntheilen. Die Aerzte beschreiben die inneren Organe gerade wie Herr Stas eS gethan hat; an äußeren Verletzungen
rieten." Als Varnhagen diese' Voraussetzung widersprach, wurde ihm dirs sehr übel genommen. „Aber wie sehr man auch nach Mitschuldigen forschte, es wollte nicht gelingen, deren aufzufiuden. Niemand war ungehaltener darüber als Herr v. Berstett. Es sollten und mußten Mitschuldige gefunden, wenigstens vorausgesetzt werden, sonst war die Sache nur eine gewöhnliche Gerichts- und keine Staats-Angelegenheit, daher unergiebig." Zur Unterstützung seiner Voraussetzung ^atte Berstett sogar die Abschrift eines angeblich bei Sand gefundenen Papiers vorgezeigt, auf wel- chem die Worte standen: „Todesurtheil an dem Ver- räther A. v. Kotzebue vollzogen nach dem Beschlusse der Universität^^"; d i e U r sch r i ft selbst h a t a b e r nie Jemand gesehen, auch die Abschrift w a r später nicht mehr bei den Akten zu finden und Berstett wollte sich überhaupt der Sache nicht mehr genau erinnern können, obgleich sie ausschließlich auf seiner Mittheilung beruhte; so daß Niemand daran zweifelte, daß er diese Schrift zur Förderung seiner eigenen Denunziationsbcstrebungen fabrizirt habe."
Wie vorherrschend überhaupt bei den Diplomaten der Gesichtspunkt des „Ausbeutens" war, erhellt aus einer Geschichte, die Varnhagen von einem seiner Kollegen, dem preußischen Gesandten bei einem Nachbarstaate Badens erzählt. Als dieser zuerst das Geschehene vernommen, rief er aus: „In Mannheim? Was der Varnhagen für ein Glück hat, daß dies in seinem Bereich geschehen! Was wird er für Berichte machen! Dl.se Geschichte wird ihn ungeheuer auf seiner Bahn vor>chiebeu. Nun, ich gönn' es ihm." —
So frivol, so gewissenlos ward von denen geredet und spekulirt, welche die Wohlfahrt der Völker auf den Lippen führten und sich die Stützen der Throne wie die Säulen der Gerechtigkeit und Loyalität nannten.
D e u t f eh l a rr d.
* Wiesbaden, 17. Juni. Der Kabinets- und Systemwechsel in Oesterreich wird immer wahrscheinlicher. Man ist bereits zu dem Stadium gelangt, wo man es für nöthig erachtet, in den untergebenen Blättern, wie in der „O.PA.Z." zu betheuern, ein solcher Fall sei ein reines Ding der Unmöglichkeit.
Hannover, 13. Juni. Sitzung der zweiten Kammer. Lang 11. stellt zu der Budget-Commission für die Deutsche1 Flotte den Antrag: die geforderte Summe zu bewillige» unter der Voraussetzung, Das) die Negierung mit allen ihr zu Gebote stehenden Müttlu darauf hinwirte, daß die verheißene Vertretung des Deutschen Vol ke 6 bei Der Eentralgewält Deutschlands eff et i er werde. Der Antragsteller glaubt, Der Antrag werde der Regie- rung selbst als ein Impuls ipreS Handelns wülkonrncn fein und hofft, daß derselbe in D r Skâncev rsammlüüg
konstatt ren sie namentlich 1) eine Zergnetschnng der Nase; 2) eine Spur von Nägeln einer Menschenhand unter dem linken Auge, die so beschaffen ist, daß die Hand Der diese Nagel angehörten, auf Dem Munde geruht haben muß; 3) eine Corroston am linken Halse Die sich bis znm Scheitel hinauf erstreckt Der Mund unterhalb der Zunge war höchst auffallend der Weise nicht schwarz und zerfressen, sondern nur roth und angelaufen, völlig verschieden von dem oberen Theile Der Zunge. Die Lungen zeigten Symptome von Eistlcknng; Herz und Gehirn waren in nor mal ein Zustande. Die Aerzte schließen ans den Symptomen, daß man eine starke korrodirende Substanz in den Mund gewaltsam hineingegossen und durch Zudrücken des Mundes das Opfer am Schreien hindern gewollt hat, wodurch sich Der abnorme Zustand der Lungen erklären würoe. Einen Aethergernch haben die Aerzte bei der Oeffnung der Leiche durchaus nicht wahkize- nommku, obwohl dies der Fall hätte sein müssen, wenn der Verstorbene kurz vor seinem Tode eine atheraxtige Flüssigkrit verschluckt hätte. — Was den Grafen an- langt, so hatte er auf Der Stirn eine Wunde von einigen Ccntimetres Länge, welche von einem scharfen schneidenden Instrumente herrührte, am Ringfinger Der linsen Hand Die unzweifelhafte Spur eines menschlichen Bisses, und eine sehr bedeutende Anschwellung und Entzündung am linken Knie, offenbar Die Folge einer erst kürzlich stattgefunbenen Reibung.
Die einstimmige Zustimmung alter Mitglieder finden werde. Er halte es für eine heilige Pflicht deut eher Sründever- sammlungen, an eine bündige Verbeitzung stets wieder und wieder zu erinnern. Minister Meyer: So sehr man auch im Allgemeinen Den im Anträge enthaltenen Wunsch theilen könne, so Dürfe man ihn doch in der Form, in welcher er ausgesprochen werde, nicht billigen. Ihn als Bedingung an eine Bew ll gunz zu knüpfen, möchte mit unserer Landes-Verfassung nicht in Ein lang zu bringen sein. Lang 1L verändert nach den erhobenen Bedenken den Aickrag dahin: die B wittigung auszu- sprcchèn und daneben „Die Erwartung aus zu sprechen" rc. El l i sse n: Die Ständcversammlnng müsse die Indignation des deutschan Volkes wach erhalten über die Art, wie die Verheißungen des Jahres 1818 erfüllt sind. Er wolle einmal, wie es hier behauptet sei, annehmen, daß Der reactivirte Bundestag unter Den jetzigen Umständen ein Glück für uns sei. Aber um so schwerere V.ranl- wvrtung treffe Die, welche es dahin haben kommen lassen, daß Der Bund, welcher ein Menschenalter hindurch der Fluch Deutschlands gewesen ist, jetzt wieder als ein Anker des Heiles aüge- sehen werden müssen. Der Redner erinnert an neuere Maßregeln des Bundes, namentlich in Hessen, Die man zum Theil lächerlich nennen mußte, wenn sie webt empörend waren. Lindemann: Sich über den Bund in Der Weise des Vorredners âußèm, heiße Die Redefreiheit mißbrauchen. Er glaube, so che Aeußerungen dürften nicht unbeachtet vorübergehen; er müsse es jedoch dem Ermesseii des Präsidiums überlassen, das erfordern lich Scheinende zu verfügen. Ellissen: Er w-ederhole entschieden, was er qe-agt habe, und nehme kaum Dr t Paragraphen unserer Verfi.ssang für sich in Anspruch, welcher Die mildeste Auslegung der Worte eines Staude- Mitgliedes anheimgebe, während man das , was er gesagt habe, auf das Ungünstigste auszulegen sich bemühe. Lindemann: Er habe einen ganz zweifellosen, der Dew hing nicht unterworfenen Ausdruck vor Augen gehabt, den: der Bundestag sei dreißig Jahre lang der Fluch Der deutschen Nat on gewesen! Ellissen: Er glaube, der Ausdruck sei Dem alten Bundestage gegenüber durch die Erfahrung gerechtfertigt. W i n d th o r,i nimmt darauf daS Wort, um Den gebrauchten Ausdruck zu „bedauern".
Er bittet im Interesse des Landes, in Aeußerungen über den Bund Mäßigung zu bewahren. Freudentheill Das wurde so viel heißen, als über den Bund gar nicht zu sprechen. Man könne sich nicht aü« ders, als mit Entrüstung über denselben ä ii ß e r n n a ch so vielen Dur eh i h n begr a b enen Do ff» u n gen ..... Die Abstimmung geschieht auf einen Eintrag Ellissen's namentlich. Der Antrag wird mit 70 gegen 5 Stimmen angenommen. Gegen ihn stimmten nur Die Mitglieder des Ministeriums. "
Berlin, 14. Zuni. Die „N. Pr. Z." legt heute einen General-Protest gegen Die Auffassung ein, als seien die Kreis-Korporationen nur interimistisch berufen. Das Ministerium, welches jetzt allein in die»
Die Folgerungen aus diesen verschiedenen Einzel- । Helten setzte der erste Arzt folgendermaßen aus einander. Das Opfer muß am Boden gelegen haben, als ihm das Gift eingeflößt ward; alle anatomischen Einzelhei- ten dringen mir diese Ueberzeugung auf. Zunächst die Eorrosion an der äußeren Seite pes Halses und sogar bis znm Scheitel hinauf. Mag das Gift ausgespien oder verschüttet worden sein, es hätte nie auf een Hin- terkopf fallen können, wenn Der Verstorbene eS aufrecht stehend verschluckt hätte. Sodann Der Zustand Der unteren Mundhälfte, die durchaus nicht cauteristrt war. Hätte Gustav Fougnies aufrecht gestanden, so würde die Flüssigkeit durch ihre bloße Schwerkraft nn-- verineindlich Die Basis des Mundes erreicht haben, wie jedermann sich überzeugen kann, er mag trinken waS er will oder wie fchncll er will. Das Gift erreichte Den Hintergrund des Mundes, ohne seine Basis zu benetzen, was sich nur durch Die horizontale Lage des Körpers erklären läßt. Es ist möglich, daß eine einzige Person die Eingießung des Giftes bewerkstellcht hat. Was man auch sagen mag, Gustav Fougnies war sehr schwach;^) ein Bein war ihm amputirl worden, wegen eines scropyulosen Beinfraßes der zehn Jahre lang gedauert und ihn sehr angegriffen hatte. Schon weil er nur ein Bein hatte, war cs leichter
*) Seltsamer Weise lautet der Wa.N'ens^ruch der «1 ^n FamüD Bacarmè: »Je prutège le faibte.«