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42 1^1» Wiesbade». Dienstag, 17. Juni 1S5I

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Gegensätze.

1.

' X Der Gegenstch zwischen Nord und Süd hat seit dem Eingreifen der Deutschen in die Geschicke Europas bestanden Die Völker des Nordens waren andere als die Völker des Südens: jene waren noch Wilde, als diese bereits die höchsten Stufen politischer und künst­lerischer Entwicklung erreicht harten, doch als diese aufgehört hatten, zu Erklimmung einer neuen Stufe der Civilisation fähig zu sein, ergriffen jene Besitz vom Süden. Das Christenthum hob den Gegensatz zum einen, die Völkervermischung in Südeuropa zum andern Theile auf, doch sofort entwickelte sich ein neuer Gegensatz; denn ein Theil der germanischen Völker war unver­mischt geblieben. Der Kampf zwischen Nomanenthum und Germanenthum führte gegen Ende des Mittelalters zum Siege des ersteren: die römische Kirche und das römische Recht schlugen die germanische Völker gleich den romanischen in Bande. Aber der Sieg war kein vollständiger. Der Germanismus ging in sich, vertiefte sich und erhob den Kampf von Neuem, zunächst auf religiösem Gebiete als deutsche Reformation. Die Reformation siegte im Norden, doch nur theilweise, weil sie es noch zu keiner vollständigen Emanzipation vom Romanismus brachte: dasrvmiswe Recht blieb nicht nur, eS wurde sogar straffer als je durchgeführt, sowohl in protestantischen wie katholischen Landen. Aber wo die Nationen sich physisch wieder zu erholen begannen, ward der Kampf sofort von Neuem ausgenommen. Die Niederlande rissen sich vom katholischen Spanien los, weil sie den katholischen Staat, wie er sich im Gegensatze zur protestantischen StiatSidee ausgeprägt hatte, nicht wollten. England und Schottland erhoben sich gleichfalls gegen den Papismus, als er politisch wer­den wollte, wie sie sich im RssormationSzeitalter vom kirchlichen RomapismuS loSgesagt hatten. In Nord- deutschland entwickelte sich langsam in Preußen ein d irchauS einseitiger protestantischer, doch ein Pro­test» n tisch er Staat, der sich unter Friedrich Hi bis zum Waffenkampse gegen die eb n so einseitig gewordenen katholischen Staaten Oesterreich und Frank- r. ich stellte. Der siebenjährige Krieg war der erste politische Triumpf des germanischen Prinzips gegen das romanische, doch ein noch verdeckter, zum Theil unbewußter. Oesterreich und Preußen kämpften nicht als deutsche, sondern als specifische Mächte; doch was Preußen den Sieg errang, war der germanische Instinkt, der in der Literatur gerade damals anfing, sich zum germanischen Bewußtsein wieder emporzurin. gen. Das politische Deutschland ging als Trümmer

Der Prozeß Boearm^.

(Fortsetzung.) .

Mons, 9. ^uni.

Um die große Bedeutung der heutigen Verhand­lungen zu würdigen, muß man sich!das Vertheidigungs- system des Angeklagten vergegenwärtigen. jpm zu Folge hat seine Frau eine Weinflasche voll Nicotin für eine Flasche mit Wein gehalten, zwei Gläser daraus ein­geschenkt, und Gustav Fougnies hat das eine dieser beiden Gläser hinuntergegogen.

Um das enorme Quantum (eme ganze WemflaschevoU Nicotin) wahrscheinlicher zu machen, sagt er, die Sub­stanz sei mit Aether vermischt gewesen. Die Fla,che, behauptet er, habe das Resultat von drei verschievenen Operationen enthalten; sie sei mit einem Korkstop,el verschlossen gewesen. (Man erinnert sich, daß un s a- letot, den der Graf am 20 Nov. trug ein stop,el von Schmergel gefunden worden ist, zu dem man Die Phiole vergeblich gesucht hat.)

Unter allgemeiner Bewegung wird der Ehemttel, Herr Stas (der 90. Zeuge), Professor an der Kriegs­schule zu Brüssel, hereingeführt. Er hat im Auftrag des Untersuchungsrichters die Zunge, den Magen, Die Leber, die Lungen u. s. w. des Verstorbenen, die Plan­ken deö Speisesaales, die Kleidungsstücke Gustavs und des Grafen einer chemischen Untersuchung unterworfen. Er erklärt, in den Organen deö Verstorbenen zwe, giftige Substanzen gefunden zu haben: -Nicotin und Essig,äure. Er begann seine chemische Operation 6 teil Tage nach Gustavs Tode. Die an ihn geriet t te Aufgabe war, zu untersuchen, ob sich in den Or­ganen Schwefelsäure vorfinde. Der erste Augenschein überzeugte mich, sagte er, daß dies Nicht der Fall sei, aber die Organe verriethen augenblicklich -durch knien sehr starken Geruch die Anwesenheit von Essigsaure.

aus dem Hubertsburger Frieden hervor, das geistige, als neuer welthistorischer Gedanke, aus den Schriften und Liedern der Denker und Dichter in den protestan­tischen Landen. Jetzt galt es, dem Ideale den harten Boden der Wirklichkeit zu erringen. Das war schwer für den Germanismus, der sich so leicht im Schatten schöner Phrasen auf die faule £)aut legt. Der Roma- nismus kam ihm zu Hülfe. Die Orgien des jesuitisch- absolutistischen Systems in Frankreich führten zur fran­zösischen Revolution; die katholisch-protestantische Koa­lition, um den absoluten Staat in Frankreich zu retten, führte zur französischen Invasion und zum Sturze Oesterreichs und Preußens als absoluter Mächte.

Der Bruch war geschehen: nur durch eine Revo­lution konnte der undankbare Sohn der Revolution gestürzt werden. Diese erfolgte, sie hieß: Aufruf ans Volk, Verheißung des Volksstaates! Die Oester- reicher und Preußen gingen nach Paris; aber mit den Russen und um die Bourbons wieder einzusetzen. Völ­kerheere setzten eine Restauration gegen den Willen eines Volkes durch. Bald "erfolgte ihrer Verblendung Lohn: nach der Restauration in Frankreich erfolgte na­turgemäß die Restauration auch in Deutschland: der deutsche Bundestag ward als Sicherheitsanstalt der Fürsten gegen vie Völker gegründet. Fortan lernte Alles, nach Frankreich zu sehen. Der Schwerpunkt der Bewegung war zwiefach nach dem Süden verlegt: in Südvst Wien, in Südwest Paris.

Frankreichs Völker antworteten auf die heilige Allianz mit der Julirevolution. Der deutsche Bund bebte, doch er wankte nicht, denn sein Schwerpunkt in Wien war nicht verrückt. LouiS Philipp verrieth Po­len und legte dadurch den Keim M Februarrevolution. Durch sie ward der Schwerpunkt des römisch-absoluti­stischen Prinzips allerdings verrückt: die deutschen Re­gierungen waren zu schwach, veil Bundestag zu halten'; als er gestürzt war, stürzten sie ihm nach. Aber der Germanismus war noch immer nicht bis zur Voll­kraft einer Gesammtthat -gelaugt ; die Bewegung blieb vor den Thronen stehen, sie stockte und es erfolgte naturgemäß der Rückschlag. Um die Throne reihte sich die Gegenbewegung; mit ihrer Erstarkung mußte die Restauration des Bundestags erfolge». Aber der Schwerpunkt blieb dennoch verrückt, eine Revolution also war dennoch erfolgt: nicht mehr in Wien, in St. Petersburg liegt der Schweepunkc der deutschen Restauration jetzt, wie früher der der franz, unter den Bourbonen in den Drei Höfen der heiligen A iiauz lag. Frankreich wurde Republik, zuerst nur Zcheim publik, wie die deutschen Staaten scheinkonsti ununeü wurden.

Absolutismus unvKonstitutionaliömu - hießen futher die G gensâtzc auf politischem Gebiete, Katholizismus und

Sofort untersuchte ich, ob es dieser Stoff sein könne, welcher die an der Zunge bemerkbaren auffallenden Verletzungen veranlaßt haben könne. Die Zunge war fast bis aufs doppelte Volumen angeschwol- len, aber sie war nur auf der rechten Hälfte auffallend schwarz, auf der linken nur bläulich angelanfe», der Unterschied war höchst frappirend. Unten war die Zunge ganz roth. Der Farbe entsprach der Zustand des Organs. Auf der rechten Hälfte waren die Zellengewede voll­ständig zerstört, und bei der leisesten Berührung fielen Stücke ab; die linke Hälfte war auch angegriffen, aber mit der rechten nicht zu vergleichen (Eine Zeichnung der Zunge wird den Geschwornen vorgelegt.) Die Un- prsuchimg ergab, daß Die Zunge ein Quantum E,sig­säure enthielt, aber dies Quantum reichte bei weitem nicht aus, um die furchtbare Verwüstung des Organs zu erklären. Ich unterwarf nun den Magen (eine Hältte desselben) einer Reihe von Erperimenteii Die mich aber sämmtlich im Stiche liefen. Ich sank weder kaustische Mineral stosse noch die beiVergislungei, gewöhnlich vor- fommenDer Alkaloiden. Am Ende wußte ich nicht mehr, an welchen Heiligen ich mich wenden sollte und ich schüttelte, providentieUer Weife, kann ich wohl sagen, auf Die Materien, an denen ich mich fruchtlos versucht und . aus Dennen ich vie Essigsäure gezogen hatte, Pottasche. Kaum berührte vie Pottasche die Materien, als sie einen ausnehmend starken wurmigen Geruch verbreiten. Von Dem Augenblick an, war das Gift für mich entdeckt; ich war überzeugt, daß ich ein organisches volatiles Aklaloiv vor mir habe. Ich er- trahirte augeiiblicklich daS Alkaloid; cs roch wie Maus- urin und erstickte mich, wenn ich nahe darauf roch. Zuerst hielt ich es für Die Essenz des Schirl, ngs, aber schon am folgenden Tage gewann ich die festeUeberzenaunä . Das es Nicotin sei. Eine Reihe von Erperimenteii die ich j 2 Monate lang fortsetzte, setzte diesen Umstand anßer al-

ProtrstantismuS auf religiösem. Seit der Reformation durchkreuzten sich räumlich gar oft diese Gegensätze, bis im Allgemeinen wieder die alten Pole Nord und Sus galten, ein Beweis der ermatteten religiösen Bewegung. Dieselben Schwankungen wiederholten sich seit der ersten französischen Revolution: Frankreich und Spanien waren konstäutioliAl, Preußen daS Gegentheil.

Der Bundestag ist restaurirt, doch die alten Pole: Noro und Süd sind für immer überwund ii. O st und W e st heißt jetzt Der Gegensatz,kosackisch oder republikanisch." Der Czar setzte mit de» Oesterreichern und Preußen die Bourbons wieder hin und dennoch erfolgte» die Juli- und Februarrevölntion. Jetzt setzt der Czac trotz der Völker Oesterreichs und Preußens den Bun­destag wieder ein und bedroht Frankreich: wird er glücklicher sein als früher? Es ist eine Thatsache: Der alte Gegensatz zwischen Nord und Süd eristirt nicht mehr; der Norden haßt in den Jesuiten nicht mehr Italiener, Aichl mehrWelsche", sondern eben die Bothen deS politischreligiösen Absolutismus, und Der Süden haßt sie gleichfalls als solche; Italien ist revo- lutionirter selbst als Frankreich und jesuitenfeindlich sind die Völker Europas sammt und sonders. Der neue Gegensatz zwischen Ost und West, wird er so lange Dauer haben, wie jener? Es ist ein öffentliches Geheimniß, daß er nur auf zwei Augen steht! Der Oste» heißt: Kaiser Nikolaus I., der Westen: alle Völker Europas bis miiivcsteils an die Weichsel. Daß Der jetzige Czar solche Energie in sich hat, einem ganzen Erdtheile und dazu dem civilisirtesten, dem ioeenreichsten, dem eigentlichen Reprä­sentanten der geschichtlichen Gegenwart sich als Gegenge­wicht, als Pot st») hinzustelleii, und als solcher von allen Regierungen direkt oder inverekt, mit Ausnahme Eng­lands, anerkannt zu werden: das ist die eminente Größe dieses welcher, wel er als die höchste Spitze des Absolutismus in den Jahrbüchern der Geschichte ragen wird. Doch daß der Gegensatz Der Ausgleichung be-- reits so nahe, daß der Ostpol nur noch auf zwei Au­gen steht, das ist der schlageurgie Beweis von der ra­schen Entwicklung der modernen Weltanschauung, deren Mission es ist, die alten Gegensätze zwischen Nord und Süd, Ost und West, zwischen Katholizismus und Protestantismus, zwischen Kasten und Massen zu zer­reibe», die äußeren Schranken zwischen Den Nationen zu heben, und jedes Vorrecht, jede Autorität, Die ge­gen die Vernunft ist, zu vernichten.

Deutschland.

Wiesbaden, 11. Juni. (Der Seidenbau in Rußland.) Nach einer BroschüreUeber Die Leistun­gen Der Kaiserlichen Landwirthschafts - Gesellschaft in

lem Zweifel. (Der Zeuge beschreibt diese Erperimente näher ) Ich ertrahirte aus dem halben Magen vier kleine Fläschchen voll Nicotins, das folgende Eigen­schaften hat. Im ganz reinen Zustande ist es farblos und klar wie Wasser; es hat anfangs einen sehr schwa­chen Geruch, der allmählich sehr stark wird und der auf mich immer erstickend wirkt. Der Geschmack ist verschieven, je nach dem Quantum, das man ;n sich nimmt; ist das Quantum schwach, so ist er blos pikant; ist es etwas bedeutend, d. h. so viel, wie die spitze einer sehr feinen Nadel tragen kann, so empfindet man augenblicklich ein Brennen im ganzen Munde. Ich be­kam einmal zufällig ein wenig auf die Zunge un» verlor gleich so sehr alle Empfindung, daß ich ein heißes Eisen an der Zungenspitze nicht gespült haben würde. Es ist daher unmöglich, zu ermitteln, wie Ni- rotin schmeckt.

Nachdem das Nicotin im Magen constatirt war, unterwarf ich die Zunge neuen Untersuchungen.und ich fand in derselben ein enormes Quantum dieser Sub­stanz. In Der Leber, in den Lungen fand ich dieselbe Substanz, tuw Die Organe waren dermaßen davon ge­sättigt, daß ich aus der Magenhant, nachdem ich sie zweimal mit Wasser gewaschen hatte, noch ein hm- reichendes Quantuin ertrahirte, um es in flüssigem Zn« stand Herstellen zu können. Wer das geringe Gewicht dieses Organs kennt, wird daraus abnehmen, daß sich eine enorme Masse Nicotin im Körper befand.

(Die Gräfin wird unwohl und die Sitzung wird auf zehn Minuten unterbrochen. Dann fährt der Zeuge in seinen mit gespannter Aufmerksamkeit angeboren Mittheilungen fort. Er zngt zwei kleine Flaschen denen das von ihm ertrahirte 9iicotin enthalte- jede Derselben enthält eine halbe Gramme etwa er jedoch bemerft, daß eine groß e Masse Der s während der Opera tion verloren gegangen f