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ȉeiheit imb Recht

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J£ 140. Wiesbaden Sonntag, 15. Juni 1841-

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Die englische Parlameutsreform.

* Wie weit liegt die Zeit hinter' uns, wo Eng­landsErbweisheit" in Königsburgen gepriesen ward! Rußlandsweise Fürsorge für Deutschland" heißt jetzt die Parole. Und doch schreitet der Brite mit siegen­der Weisheit voran in der Befreiung von den ererbten Gebrechen seines Gemeinwesens. Immer rascher rollt das Blut der Selbstregierung wieder durch Englands Adern, immer weiter schreitet es voran im demokrati­schen Verjüngungsprozeß. Die letzre Monatsversamm­lung des Nationalreformvereins (National-reform- association) war ein wichtiger Voranschritt auf dieser Bahn. Cobden erschien und redete in der Versammlung. Es war längst vermuthet, daß Walmsley, der Präsident jenes Vereins, das Verbin­dungsglied desselben mit den Finanzreformern des Un­terhauses, der sogenannten Manchesterschule, bilde lind daß die letzteren'eines TageS hervortreten würden. Sie hatten bisher ihre Kraft an bestimmte einzelne Refor­men gesetzt: Ersparungen in den Ausgaben, gerech­tere Vertheilung der Steuern, Volksunterricht und waren offenbar von der Voraussetzung geleitet, daß diese Punkte sich, ähnlich wie die Aufhebung der Korn- zölle, durch eine out-door Agitation würden durchsetzen lassen. Sie haben sich in dieser Erwartung getäuscht; die durch jene Reformen bedrohten Interessen sind im Parlament ju mächtig vertreten und der Druck von Außen war zu schwach. Bei dem gegenwärtigen Wahlgesetz wird das Unterhaus stets ein unüber- steiglicheS Hinderniß sein. Mit dieser Ueberzeugung waren die Manchestermänner zur Wahlreform hinge- führt, ohne welche jeder andere ihrer Rkformpläne schwer, wo nicht unmöglich bleibt.Eine Wahl­reform", äußerte Cobden in seiner trefflichen Rede, sei unerläßlich geworden, denn die parlamentarische Maschine wolle nicht mehr arbeiten. Die Regierung sei gezwungen, sich an das Volk zu wenden, damit das Volk das entscheidende Gewicht in Eiiw Schale werfe. Alle bestehenden Parteien seien m Lrumu.ee gefallen und nichts mehr als ein Geröll, das den Weg des Fortschritts versperre. Eine Parlaments- reform sei nöthig, um wenigstens eine regierungsfähige Partei zu schaffen. Wie werde sie ausfallen? Hume, der greise Freund des Vereins, habe auch diese Frage, wie seit 35 Jahren fast alle politischen Fragen, am rechten Zipfel gefaßt! Und wenn er, der Held von 100 Schlachten oder vielmehr von 100 Niederlagen, der sich rühmen könne, öfter in der Minorität gewe­sen zu sein als irgend Jemand, vor sie hin trete mit gllem Feuer, aller Zuversicht, aller Begeisterung ter Jugend, und ihnen sage, daß er mit der Lage der Dinge und mit den Aussichten vollkommen zufrieden sei, so werde im ganzen Lande^ nicht ein Jüngling stin, der nicht, von gleicher Hoffnung getragen, mit ihm jum Sturm auf die Bresche eile. Was sei nun

Hume's Plan, den man, um ihn zu verunglimpfen, diekleine Charte" genannt habe? Sie bestehe ans vier Punkten, von denen drei schon eristiren. Haus» sta nds stimm recht sei das alte sächsische Wahlrecht dieses Landes und so alt wie Alfred der Große. Er habe die Verwaltung der Gemeinde-Angelegenheiten in die Hände der Haushalter gelegt. Die sirchsischen Vor­fahren hätten angenommen, daß der Hausvater der rechte Mann sei, um politische Pflichten zu erfüllen und politische Rechte zu üben. Aber es eristire noch ein anderes vortreffliches Beispiel. Die Gemeinde­verwaltung der Flecken beruhe heute noch auf Haus« standsstimmrecht, und wenn irgend etwas das Erstau­nen und den Neid des Festländers errege, der nach England komme, so seien es die Lokalinstitutionen, die Flecken und Kirchspiele, in denen die ganze Be­steuerung, VerwalttMg und Handhabung der Polizei von dem Volke selbst besorgt werde, ohne die geringste Einmischung der Central-Regierung. Auf dein Fest­lande hätten die Munizipalbehörden periodische Be­richte zu erstatten und Alles werde von dein Mi« nister des Innern superrevidirt und überwacht wer­den müssen. Hier aber habe nie ein Mensch davon gehört, daß Manchester oder Liverpool oder auch nur der kleinste Flecken des Königreichs Berichte an das Parlament erstattet oder die Regierung angegangen sei, ihm an Verwaltung seiner Angelegenheiten zu hel­fen.^ Dieselben würden ganz vortrefflich von dem Volke selbst besorgt, und zwar von den Haushaltern, deren Recht allerdings an manchen Orten observanzmäßig durch einen zu langen Wohnsitz qualisicirt sei; aber das Prinzip sei anerkannt und in Wirksamkeit. Zweitens verlange Hu ine eine richtigere Eintheilung der Wahlbezirke. Man (Lord John Russell) habe ihi« höhnisch gefragt, ob er eine tnathematoche Repräsen­tation verlange und das Land in GirM und Quadrate theilen wolle. Nein! dazu sei er ein viel zu prakti­scher Mann. Allerdings, wenn England ein neu ge­schaffenes Land wäre, das zum erstenmale in Wahlbe­zirke eingethellt werde/ .wilte, so würde es am besten je re«, vu < .Jo.. )v y.m^ uw mv^Oiy J.; machen; denn je um thematisch genauer die Vertheilung des Wahl­rechts, desto richtiger die Vertretung. Hume's Mei­nung sei die: der Stadt Manchester mit 1'-^ Millionen Miethserträgen zwei Mitglieder zu geben, und einem andern Orte, dessen gesammte Miethen 20.000 Pfo. Sterl. betrügen, auch zwei Mitglieder, das sei eine Absurdität, die sich kein Mensch von gesunden Sinnen langer gefallen lassen, als er gerade müsse, Gs sei ein ganz gutes Präcedenz vorhanden, wie eine gerech­tere Entheclung zu erreichen, die Anlage der Bezirke in den neuerdings zu Städten erhobenen Orten, so in Manchester. In dünner bevölkerten Stabttheilcn habe man die Bezirke für die Wahl der Konuttnnalbehörden größer gemacht, in stärker bevölkerten flemcf. So werde die Vertretung in das richtige Verhältniß ge­setzt nicht nur zur Seelenzahl, sondern auch zum Be­

sitz. Denn ein Flecken von 10,000 Einwohnern wer-d in der Regel nur den fünften Theil so viel Besitz haben als eine Stadt von 50,000. Gegen eine solch»' Abmessung der Repräsentation werde also auch der Allerkonservativste nichts einwenden können. Die dreijährige Erneuerung des Parlaments habe gleich, falls ein Präcedenz in der Municipalverfassung, Die jährlich m Drittel der Gemeindevertreter ausscheioeu und erneuern lasse. Es sei ein vortrefflicher Gedanke diese Einrichtung auch aupe Parlament anzu wendem S«è würde die Regierung jedes Jahr von Neuem wissen lassen, wie das Volk denkt, und dadurch alle plötzlichen Wechsel und heftigen Erschütterungen abwenden. Aber dreijährtge Parlamente seien auch das alte Recht des Landes und nur durch eine Gelegenheitsusurpation ver* drängt. Das augenblickliche Bedürfniß sei langst nicht mehr vorhanden; weshalb also nicht wieder auf das alte Recht des Landes zilrückgehen? Gewiß nicht! Bei Banken, Eisenbahngesellschaften und andern Kompag­nien denke kein Mensch daran. Für die geheime Stimmgebung sei flein Präcedenz vorhanden. Gleich» wohl hänge von ihr der Erfolg der Reform ab« Wen« Lord John Russell sich begeisterte Mitwirkung für seine« Plan unter den gegenwärtig berechtigten Wählern sichern zu wolle, so dürfe er Vas Ballot nicht vergessen. In den ländlichen Wahlbezirken trage man sehr Ver­langen nach Ausdehnung des Wahlrechts, begehre aber dringend den Schutz der geheimen Abstimmung. Sei es nicht klar von den Vorgängen in Falkirk, Harwich und St. Albans, daß die Wähler des Ballots bedürf­ten, als eines Schutzes gegen Einschüchterung und Korruption? Er betrachte dasselbe als eul-u Schutz für die Vielen gegen ow reichen und bevorrechteten Wenigen. Wenn das Wahlrecht erweitert werden solle, so müsse es auch unter solchen Bedingungen ge­schehen, daß der Wähler von diesem Rechte eben freien, selbstständigen Gebrauch machen könne. Was endlich den passiven Census beträfe, so glaube er, mm könne es dem Volke getrost überlassen, wem es fein Vertrauen zttwenden wMe. Das waren die Punkte, die fein verehrter Freund anfsielle hho eine solche Wahlrefor» sei gerade nöthig, um heut zu Tage der Regierung eine Basis im Unterhause zu geben. Früher sei die Verwaltung durch besondere Interessen bestimmt «vor» den, Zucker, Kaffee, Korn u. f. w.; jetzt müsse sie durch das allgemeine Interesse des ganzen Volkes bestimmt werden."

Deutschland

S Wiesbaden, 14. Juni. Die Gerüchte übet' Fortsetzung des Monarchenkongreffes in Olmütz wer- out, um mit derOberpostamtS-Ztg." zu reden, immer lebendiger". Laut demSonst. Bl. a. Böhmen^ werden bereits tu Schönbrunn und in der Wiener Hof­burg für diesen Zweck Vorkehrungen getroffen. Auch bestätigt dieses Blatteine schön ältere Nachricht voll

Der Prozeß Bocarm«.

(Fortsetzung.)

Mons, 8. Juni. Der Pfingstsonntag bildet einen Zwi,cheuakt in dem spannenden und erschütternden Gerichtsdrama, welchem wir beiwohnen; die Sitzungen beginnen jebod) morgen schon wieder. Aus den gestri­gen Verhandlungen haben wir noch Einiges nachzu­tragen. Die erste auftretende Zeugin war die Braut des Ermordeten , Fräul. v. Dudzeele, eine junge Dame von 26 Jahren. Ihr Erscheinen machte den tiefsten Eindruck auf das Publikum, welches es grau­sam fand, diese Da,ne vorzuladen, deren Aussage nur bereits ermittelte Thatsachen bestätigen konnte. Gestützt onf den Arm eines Vetters, wanfte das Fräulein in den Saal; sie schleppte sich bis zu dem Armsessel, den man ihr hingestellt hatte, und fiel fast ohnmächtig in denselben nieder. Man brachte sie mit Salzen und Essenzen wieder zu sich, aber während ihrer ganzen Vernehmung hörte sie nicht auf, an allen Gliedern zu zittern. Der Anblick ergriff Jeden; nur die Angeklag­ten schien er nicht im mindesten zu rühren. Fräulein v. Dutzeele sollte sich schon am 25. September mit Herrn Fougnies verheirathen; der Termin ward aus­gesetzt, weil gewisse Verleumdungen, die ausgesprengt tovdben waren, zuvor aufgeklärt werden mußten. Die Brant erhielt anonyme Briefe, in welchen Herr F.

als ein lüderliches Subjekt geschildert ward; der Bräu­tigam bekam zwei anonyme Schreiben, welche von noch schwärzerem Inhalt gegen das Fräulein waren 'h'ad;- dkin eine Erklärung zwischen den beiden Verlobten stättgefunden hatte, ward der Hochzeitstermin bis zum November verschoben. Herr F. hat seiner Braut ge­sagt, daß man im Schlösse Bitremont aus eigennützi­gen Beweggründen gegen die Heirath sei, und er ver­muthete auch, daß die anonymen Briefe aus dein Schlosse stammten. Er sprach ihr auch von seinen Befürchtungen, in Schloß Bitremont vergiftet zrk wer­den, und behauptete, sein Schwager habe ihm einmal vergiftetes Gemüse geschickt, so daß alle seine Haus­genossen nach Tische ein Gegengift nehmen mußte». Am 19. November sagte Herr F. seiner Braut, er wolle am solgenden Morgen nach Tournai gehen und der Schwester des Fräuleins den Tag seiner Berhelrathung anzeizen. Güuhal erzählte er ihr, daß sein Vater ihm auf dem Tootenbette gesagt ^abc:Gustav, ich sterbe vergiftet, das Opfer des Schlosses Bitremont; hüte dich, daß dir nicht ein Gleiches widerfährt!" Die Angeklagten leugneten, die anonymen Briefe geschrieben zu haben, und die Gräfin betheuerte, daß, was sie un­ter ihrem Namen Nachtheiligech über Fräulein v. Duo« jede an ihren Bruder geschrieben hat, ein allgemeines Gerücht gewesen sei. In der That hat eine der ver« nominellen Mägde zugestanden, daß sie ihrer Herrin jene Gerüchte über das Fräulein erzählt habe.

In derselben Sitzung ward Armand Wildaus Privatflurhüter des Grafen, vernommen. Er scheint eine Art von Leporello gewesen zu sein, der dem Gra­fen bei vielen seiner Streiche willig half und der auch bei der Vernichtung der Spuren des Verorechens sehr diensteifrig war, so daß er im Anfänge sogar als Com­plice verhaftet^ward. AuS solchen Anteeedentien er­klärt sich die Familiarität mit welcher die Gräfin am 21. Nov. diesem Diener den Auftrag gaboen beiden alten Spitzbübinnen," d- h. der Frau und dem Fräu­lein V. Dudzeele, Gustavs Ableben anzuztigen und zu» gleich zu wachen, daß von den Möbeln und Silber« gerathen des Verstorbenen nichts verschleppt werde. Der Präsident «sandte sich nach der Aüâsäge dieses Zeugen an dce Gräfin:Angeklagte, Sie haben die Erklärung des Zeugen gehört; wie konnten Sie sich unmittelbar nach dem Tode Ihres Bruders zolcheö Ausdrücke bedienen?" Die Gräfin antwortete leich * hin:Ich entsinne mich durchaus nicht diesen AltS- druck gebraucht zu haben." Der Präsident versetzte t Ich muß Ihnen beinerken, daß Sie jedesmal, wenn ich Sie über gravirende Umstände dieser Art befrage, sich nichts erinnern wollen. Inzwischen ist es von großer Wichtigkeit für Sie sich über diese Worte ju erklären. Der Zeuge sagt unter seinem Eide and Wie haben diese Worte Ihnen aus dem Gedächtnisse schwinden können?" Die Gräfin senkte die Augen und schwieg.Das ist ein ungemein gravirendes