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Freiherr und Recht!"

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Wiesbaden. Mittwoch, 11. Juni

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DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme deS Montags, täglich in einem Bogen. Der AdonnementSpreiS beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden 1 fl. 45 fr., auswärts durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bet der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem 4t» folge. Die Jnscrationsgcbühren betragen für die vierspaltige Petiizeilc 3 ft.

Die russischen Allianzen.

* Da die Reaktion so oft von historischer Ueber­lieferung und Folgerichtigkeit spricht, um ihren Plänen ein Mäntelchen umzuhängen, so ist es nicht unwichtig, ihr auf die Finger zu sehen und dem Messer der Kri­tik sein Recht zu wahren. Die Geschichte Friedrichs des Großen ist in Preußen besser gekannt, als die irgend eines Monarchen. Nichts desto weniger glaubte diePreuß. Ztg." es ungestraft kurz vor Enthüllung des Friedrichsdenkmals wagen zu dürfen,das Wieder­einlenken der Politik der Bündnisse zwischen Fürsten und Völkern in die Bahn der natürlichen Traditionen als ein erfreuliches Zeichen der wiederhergestellten Ord­nung und als eine sichere Bürgschaft für die gesunde Entwickelung der Gegenwart" darznstellen und dabei eine Geschichte der preußisch-russischen Allianzen nach ihrer Weise vorzulegen.Nur persönliche Mo­tive," sagt sie,machten die Kaiserin Elisabeth zur Geg­nerin des großen Friedrich. Doch ihre Nachfolger wandten sich von dieser falschen Politik ab und trugen (Peter 111. durch seinen thätigen Beistand, Katharine II. durch ihre Neutralität) wesentlich dazu bei, die Lor­beeren des fürstlichen Helden für Preußen fruchtbar 'zu machen. Die Sympathien für die Freundschaft mit Rußlands Herrschern, welchen Friedrich der Große bis zu seinem Tode treu blieb, sind seitdem in unserm- nigshause niemals erloschen. Sie erhoben sich zu er­neuter Stärke, als Kaiser Alexander die ihm so drin­gend angebotene Freundschaft Napoleons ausschlug und sich mit den deutschen Großmächten verband, um Eu­ropa von dem Joche des französischen Eroberers zu befreien. Die erhebende Erinnerung an die Befreiungs­kämpfe der Jahre 181315 muß gleichzeitig alle Va- terlandsfreunde an diese Mitwirkung unserer nordischen Bundesgenossen mahnen." Die BerlinerNatio­nal-Zeitung" sieht sich veranlaßt, folgenden Kommen­tar zu dieserMishandlung der Historie" zu geben: Das, was Peter 111. zum Bundesgenossen Friedrichs des Großen machte, waren ebenso persönliche Motive, wie Elisabeth durch persönliche Motive veranlaßt wurde, sich dem Drei-Damenbuude anzuschließen, um die Staa­ten Friedrichs des Großen mit Plünderung, Koittri- butionen, Sengen und Brennen heimsuchen zu lassen. Peter III. bewunderte Friedrich den Großen und war ihm deshalb persönlich geneigt; Elisabeth, durch einen allzu treffenden Witz des philosophischen Königs belei­digt, wari hm deshalb abgeneigt. Die Russen hatten aber andere Sympathien und Antipathien als Peter 111. Seine Maßregeln gegen Klerus und Adel hatten so wenig ihren Beifall, als seine sonstige Vorliebe für Friedrich den Großen. Die Russen wollten von einer Einheit der reformatorischen Interessen nichts wissen; Peter IIL verlor Thron und Leben, eeiue Nachfolge­rin Katharina 11., die, wenn die St. Simoniften Recht hatten, für den größten Menschen denjenigen zu er­klären, der am meisten Liebe verarbeiten könne, nicht allein den Beinamen der Großen, sondern der Größ­ten hätte erhalten müssen, nahm den Krieg gegen Preußen nicht wieder auf. Die hörte aber auch auf, Friedrich den Großen im Kampfe gegen Oesterreich zu unterstützen, und blieb neutral. Friedrich der Große, dem es allerdings ganz recht sein konnte, einen Feind weniger zu haben, war darum seiner Landsmännin Katharina keinen Dank schuldig, noch weniger ist der preußische Staat deswegen für alle Zeiten verpflichtet, sich unter das Joch des russischen Bündnisses zu schmie­gen. Die russischen Großen sind niemals dafür ge­wesen, daß die Czaren oder Czarinnen, am wenigsten die aus deutschen Häusern stammenden, sich tu poli­tische Angelegenheiten des Westens so viel entlassen und einmischen sollten. Obwahl Rußland keine Kon­stitution, nicht einmal eine Pairskammer hat, haben die russischen Großen sich mehr als einmal in der Lage befunden, die Czaren zu bestimmen, diejenige Richtung tu Betreff der auswärtigen Angelegenheiten einzuhal­ten, welche das specifische Russenthnm eingehalten wis­sen wollte. Es hat fortwährend eine Politik des rus- sischeii Adels gegeben, welche der dynastischen Politik der Czaren aus deutscher Familie häufig gegegüber- stand. Im Ganzen haben die Czaren mehr als an­dere Regenten des europäitschen Festlandes, deren Fa- militn bekanntlich fast alle nicht den Ländern entstam- men, die von ihnen regirt werde», das russische In­teresse für ihre Politik maßgebend sein lassen. Es ist überhaupt Kannegießeret', die Politik von persönlichen Sympathien und Antipathien abhängig zu machen,

gar aus schönen Redensarten, welche die Regenten in ihren Konversationen , bei denen die aufs Schwatzen angewiesenen Hofstaaten Zeugen sind, oder, welche die Kabinete in ihren zu gegenseitiger Mittheilung bestimm­ten Korrespondenzen austauschen, politische Motive, den Kitt für Bündnisse zwischen Fürsten und Völkern zu entnehmen. Das Petersburger Kabinet hat, ein­gedenk des von einer wachsamen unkonstitionellen und unerbittlichen Macht unverrückt im Auge gehaltenen russischen Interesses, den Sympathien, den Verwandt­schaften und Schwägerschaften eben so wenig Rechnung getragen als der Tendenzpolitik, der Legitimität und anderen solchen somnambulen Ideologien.Meßbuch oder Bibel, mir gilts gleich" sagt Wallenstein. So sagt das russ. Kabinet:Legitimität oder Revolution; konservativ oder destruktiv; Monarchie oder Republik; mir gilts gleich!"" Das russische Kabinet weiß per­sönliche Sympathien, Verwandtschaften und Schwä­gerschaften, Legitimitätsträumereien, Solidarität der konservativen Interessen u. dgl. m. geschickt für sich zu benutzen; aber es hütet sich weislich, sich durch solche diplomatische Popanze bestimmen zu lassen. Was Deutschland betrifft, so hat die russische Politik, seitdem das deutsche Haus der Oldenburger oder die Familie Holstein-Gottorff in Rußland regiert, keine andere Tendenz gehabt, als Deutschland möglichst schwach und unselbständig, -also möglichst zersplittert und uneinig zu erhalten; die Rivalität des Hauses Habsburg und des Hauses Hohenzolleru (oder, wie Friedrich der Große, der nicht so viel auf Genealogie gab, sagte, des Hauses Brandenburg) stets rege zu halten; den preußischen Staat so groß werden zu lassen, daß er brauchbar sei, um unter Umständen Oesterreich damit Schach bieten zu könne»; aber nimmermehr zu gestat­ten, daß Preußen in Deutschland aufgehe, daß Deutsch­land .eine Großmacht werde! Katharina II. blieb neu­tral. Es lag ihr nicht ^aran, den Roi de Prüsse zum Marquis de Brandebour» machen zu lassen; aber sie war dem österreichischen Projekt, Baiern für den verlornen Posten der^Habsburger Niederlande Um­tauschen zu lassen, nicht abgeneigt, und wirkte in Ge­meinschaft mit dem österreichischen Kabinet, mit dem sie seit 1782 verbündet war, dem Fürstenbunde entge- gegen, so weit es diplomatisch thunlich war. Die Sympathien Friedrichs des Großenfür die Freund- schaft mit Rußlands Herrschern", denen er nach der Behauptung derPreußischen Zeitung" biö zu seinem Tode treu blieb, waren so stark, daß er den Wider­stand und die Abneigung Rußlands und Oesterreichs gegen seinen deutschen Fürstenbund, die der damaligen durch und durch kabinetspolitischen Zeit entsprechende Einheit-form, nicht nur nicht Grund werden ließ, über Hals und Kopf seinen Plan aufzugeben, sondern daß er vielmehr die russisch-österreichische Abneigung als untrügliches Anzeichen betrachtete, daß der Fürstenbund einem wahrhaften preußischen und deutschen Jntersse entspreche. Und doch soll die russische Allianz, um der Solidarität der konservativen Interessen willen, ein Vermâchtniß Friedrichs des Großen, doch soll nach der geschtchtskundigenPreußischen Zeitung" die Geschichte beweisen, daß die preußische Monarchie die Interesse» ihres russischen Nachbarn eigentlich niemals im Wider­spruch mit den ihrigen gefunden: daß sie dem Bei­stände desselben zu wiederholten Malen die Erhaltung ihrer Selbstständigkeit und die Vergrößerung ihrer Macht zu danken hatte! Mit der Selbstständigkeit eines Landes, welche auf der Freundlichkeit oder Un­freundlichkeit eines übermächtigen Nachbarn beruht, steht es ebenso bedenklich als mit der Macht des Lan­des, welche ihre Vergrößerung als Brosamen zu be­trachten hat, die der reiche Nachbar von seinem Tischt fallen läßt. Die Römer, deren Politik das russische Kabinet sich zum Vorbild genommen hat, schützten auch ab und zu die Selbstständigkeit von Königreichen und vergrößerten deren Macht bann war es allemal schon um deren Macht und Selbstständigkeit geschehen. Sie gaben diesen selbstständige» Kömgiciwen ein und d.w andere Stück Land in Verwahrung. weil die Stunde noch nicht gekommen war, wo sic das Depositum mit« sammt dem Depositar au sich nehmen wollten; aber weil sie wußten, daß sie de» Eintritt dieser Stunde nur zu erwarten hatten, da er nicht mehr fern war unb sie ihn herbeiführen und beliebig beschleunigen konnten. Napoleon befolgte ganz dieselbe Maxime. In der Napoleonischen Periode ist es auch offenbar geworden, wie die Interessen der preußischen Monarchie zi! denen ibred russischen Nach­barn stehen. Alexander von Rußland hat nicht daran gedacht', Napoleons Freundschaft änSznschlagen, soweit

es auf ihn ankam; er war sehr geneigt, mit dem von ihm persönlich bewunderten französischen Eroberer sich in die Herrschaft Europa's zu theilen, und erst als ihm daS Messer an der Kehle stand, wie man sagt, verband er sich mit den deutschen Großmächten,um Europa vom Joch des europäischen Eroberers zu befreien." Alexander von Rußland, der Alliirte Preußens, war so voll von preußischen Sympathien, daß er im Tilsiter Frieden nicht blos die Staaten des Königs von Preußen nack Napo­leons Belieben zerstückeln ließ, sondern sogar es nicht verschmähte, selbst Ostpreußen als Antheil an der Beute zuchekommen, die Napoleon seinem Allnrteu abgenommen!! Zwischen Brüdern einer und derselben Familie, sagt ein französischer Schriftsteller, wäre dies als eine schimpfliche Handlung betrachtet worden während Alexander wegen seines ritterlichen Charakters Nock gerühmt wird'. B^i der Zusammenkunft in Ersutt, Ende S-ptcnibcr 1808, war die Freundschaft Alexanders und Napoleons so groß, war Alexander, dadurch geschmeichelt, daß Napoleon ihn einen schönen Mann hieß, auf die Freundschaft dieses kaiserlichen Schmeichlers so stolz, daß er bei einer Vor­stellung des OedipUs im Theater, wo Philoktet vom Herkules sprechend, sagt:Die Freundschaft eines große» Maunes ist eine Wohlthat der Götter" Napoleon zärtlich die Hand drückte und begeistert ausrief: ,Das er- fabre ih alle Tage." Will man sagen, das sei eine Redens­art gewesen, so möchten wir dock wissen, weshalb andere schöne Werte bei anderen Gelegenheiten für mehr als Redensarten gelten sollen. Als in Kaiser Paul sich Sym­pathien für Bonaparte, der damals erster Konsul war, regten, und er mit ih n in Korrespondenz getreten war, starb er plötzlich auf nickt recht natürliche W ise. Auck die Hinneigung seines Nachfolgers Alexander zu Dem Kaiser Napoleon mißfiel den russischen Großen. Sie zwangen Alexander im Jahre 1812, dem spezifischen Russin Kutusoff den Oberbefehl über die russische Armee zu übertragen, unb sie w ißteu den Abschluß eines Frieden- mit Napoleon von Moskau aus, wozu Alexander per­sönlich schou geneigt gewesen wäre, zu verhindern. Peter ML scküyle die persönliche B Wanderung und Zuneigung, welche er Friedrich dem Großen widmete nicht davor, beseitigt zu werden, als er dem Adel im Wege war. Die per­sönlichen Sympathien der russischen Regenten sind so unbeständig, wie es jolche Sympathien überhaupt sind; sie sind hierhin und dahin gegangen, und sie sind gar nicht die entscheidenden Motive der russischen Politik."

Asfiseuverbandlungen zu Wiesbaden.

Anklage gegen Reinhard Wolf von Norden- stadt, wegen «Schrift fälschung.

W Wiesbaden, 7. Juni. Präsident r Hr. Hofge- richlSdirektoc Flach. Staatsantwalt! Hr. Substitut Moriz. Vertheidiger: Hr. Prok. Dr. Leisler sen.

Der Angeklagte war im Jahr 1850 Schaafmeister der Gemeinde Nordenstadt und hatte als solcher die Kosten vorzulegen, welche überhaupt durch die Schaaf- zucht eutstauven. Am 15. Mai 1850 hatten die Schaafe der erwähnten Gemeinde im Erbenheimer Bach geba­det, wogegen die dortigen Schaafzüchter nach Uebereiu- kunft an die Armenkasse zu Erbenheiin 30 fr. zu zah­len hatten. Wolf zahlte diesen Betrag am 27. Mai v. I an den Bürgermeister zu Krbenveim, der ihm Quittung darüber ertheilte. Nach Neujahr wollte der Angeklagte mit dem Geineliiderechner Nicol zu Nordeustadt abrechnen, wobei er diesem eine Quittung über 60 fr. vorlegte. Nicol fiel dies auf, da es schon an sich gegen alle Regel ist, über einen Gulden mit Sechszig Kreuzer zu quittireu, da er übrigens auch an der Zahl 60 eine Aenderung bemerkt. Nicol ver­weigerte deshalb die Annahme dieser Quittung, worauf sich Wolf bereit erklärte, eine andere zu liefern. Vier Wochen daraus kam er mit einer, über einen Gulden lautenden Quittung wieder zu Nicol, der jedoch die Schrift derselben "nicht als die des Kärger meiste s Ullrich zu Erbenheiin erkannte. Nicol verfügte sich mit Wolf zu dem Bürgermeister Diefenbach, den sie nicht zu Hause trafen. Des andern Tag s machte er die Anzeige von der Lage der Sache und darauf ließ der Bürgermeister Wolf ihn vor sich fom« men und fragte ihn in Gegenwart der drei Feldgerichts- schöffen, ob die Quittung vom Bürgermeister Ullrich in Erbenheim ausgestellt unb unterschriebe» sei, was Wolf fast unbestimmt bejahte. Darauf wurde in Er­benheim Nachricht über die Richtigkeit dieser Behaup­tung cingezogen, die dahi.i ging, daß die fragliche Quittüng falsch sei." Der Angeklagte, bereits im