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Leerheit und Neehl!^

â IrSS. Wiesbaden. Dienstag, 10. Juni ISO*

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DieFreie Z et tung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der AdonnemenispreiS beträgt vierteljährlich htet in Wiesbaden I jl. 45 fr., auswärts durch die Post bezogen mit verhältnismäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bet der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem $r* folge. Die JnserationSgcbühren betragen für die vierspaltige Petitzeilr 3 kr.

Handel und Industrie.

£3 Vom Main, 31. Mai. Vor Allem muß der Deutsche eineu Titel haben, um zu Ehren und Wür­den zu gelangen, er muß Doctor, Professor, Hof-, Re- gierungs-, Legations-, Geheime-Rath, oder was noch höher gilt, er muß adlig sein. Ob er auch fähig sei zu dem Amte, wornach er strebt, das ist Nebensache. Man lese die Namen und Titel der Ausstellungscom- missäre aus den verschiedenen Ländern. Frankreich, Holland, Belgien und all die Völker, deren Industrie in aller Welt anerkannt ist, haben erfahrene Geschäfts­und Kaufleute, Fabrikanten und Handwerker alsCom- missäre nach London geschickt, lauter Männer, die zu­gleich ein Interesse haben, den großen friedlichen Wett­kampf mit Ehre zu bestehen. Aus den verschiedenen Staaten Deutschlands sind aber viele Bureaukraten, Professoren, Räthe und Adelige, und nur wenig Ge­schäftsleute als Vertreter unserer Industrie als Com- mlssionsmitglieder nach London gesandt. Wir wundern uns darum auch nicht mehr über die stets wiederhol­ten Klagen unserer Industriellen in London über die unglückliche Wahl der deutschen Commissäre, die fast alle keine Sachverständigen sind. Die deutschen Aus­steller beschweren sich besonders über die geschmacklose und unvortheilhaste Ausstellung ihrer Gegenstände, und doch kommt sehr viel darauf an, daß die Fabrikate und Natur- und Kunstprodukte am rechten Platze und im gehörigen Lichte zur Schau gestellt werden. Die Re­gierungen haben also auch da wieder, wie so oft, wo sie die materiellen Interessen in ihre schützenden Hände nehmen, mehr geschadet, als genützt. Hätte man cs den dabei Betheiligten überlassen, die Commissäre aus ihrer Mitte zu wählen, sie würden gewiß die fähigen Männer dazu gefunden haben. Welches Land ist im Auslande mehr durch Konsuln und Gesandte ver­treten als Deutschland? Welches Volk findet aber weniger Schutz und Beistand bei seinen Gesandteen und Consuln im Auslande als das deutsche? Der Deutsche wird entweder schnöde abgewiesen und nicht zugelassen, wenn er sich an seine Vertreter in der Fremde wendet, oder er wird so kurz abgefertigt, daß ihm die Lust vergeht, ein zweites Mal wiederzukommen. Ost haben Deutsche den Schutz, um welchen sie ver­gebens bei den deutschen Diplomaten und Consuln im Auslande gefleht, bei den Vertretern Englands und Rußlands gefunden! Ueberall, wo unsere materiellen Interessen in den Händen des Staates und der Staats­beamten liegen, werden sie nicht gehörig geschützt und dennoch will man dem deutschen Volke immer wieder zuinuthen, es solle um die Protection des Staates bit­ten und betteln. Bei jeder Gelegenheit erklären die Regierungen, daß sie Handel und Gewerbe schützen wollen; wenn Wahlen ausgeschrieben, Kammern cinbe- rufeii oder aufgelöst werden, so heißt es immer wie­

der, es geschehe im Interesse des Landes, das Ministes rium sei bestrebet, Handel und Gewerbe wieder in Schwung zu bringen. Man ruft die Kammern zu­sammen, um die Wünsche und Bedürfnisse des Landes, die materielle Lage der Bewohner kennen zu lernen, wenn die Kammern aber Beschlüsse fassen, die der Re­gierung nicht gefallen, dann werden sie heimgesandt. Man giebt vor, Handel und Gewerbe zu schützen, und erklärt den Kriegs- und Belagerungszstaud selbst da, wo eS nicht gerade nothwendig ist, um Handel und Gewerbe zu verscheuchen. Man macht mobil, ruft die ganze wehr­fähige Mannschsft des Landes unter Waffen, man verwen­det Millionen zu großen militärischen Paraben, man läßt Gestalten sehen, wittert Conspirationen und Revolu­tionen, man beunruhigt das ganze Land mit der Ge­spensterfurcht und doch sagt man dem Volke, man schütze Handel und Gewerbe, während man grade die Mittel anwendet, um jede Thätigkeit im Lande zu lähmen, um jeden EiwerböqueU zu verstopfen. Die Millionen, welche zu solchen unnützen Rüstungen verschwendet wer­den, werden aber den nützlichen Arbeiten, dem Wege- und Eisenbahnenbau, der Verbesserung und Schiffbar­machung der Ströme und Canäle u. s. w., entzogen. Handel und Gewerbe können aber da nur blühen, wo die schnelle und wohlfeile Verbindung zwischen Städten und Landern hergestellt ist und wo diese Verbindung nicht gehemmt und gestört wird durch Barriere», Schlagbäume, Zoll- und Polizeiplackereien.

Wenn morgen die deutschen Künstler verlangten, es solle von nun an kein Bild der italienischen, fran­zösischen und niederländischen Schule in Deutschland mehr eingeführt werden, damit die deutschen Gemälde und Künstler in ihrer Kunst geschützt würben? Unsere Maler würden gewiß einstimmig von allen Deutschen ausgelacht werden. Wenn die Bildhauer dasselbe Ver­langen stellten und keine antiken und modernen Sta­tuen des Auslandes mehr im Jnlanve dulden wollten im Interesse der deutschen Bildhauerkunst man würde sie für wahnsinnig erklären. Wenn unsere Schriftsteller verlangten, alle fremden Werke zu verbieten, die alten Griechen und Römer und die englischen und französi­schen Autoren beseitigt wissen wollten wenn sie selbst die Uebersetzungen fremder Werke verhindern wollten man würde den Kopf über die Narren schütteln. Und doch haben die deutschen Maler, Bild­hauer und Schriftsteller dasselbe Recht, den Schutz des Staates anzuflehen, als unsere reichen Fabrikanten. Gewiß würden sich unsre Gelehrten und Künstler bei dem Schutz- und Prohibitivsystem gegen fremde Er­zeugnisse der Kunst und Literatur sehr gut stehen aber der deutsche Geist, die deutsche Bildung würden sich dennoch dagegen empören!

Deutschland.

Wiesbaden, 6. Juni. (N. Allg. Z ) JI. HH. der Herzog und die Herzogin sind gestern in Beglei«

tung des Ministerpräsidenten von Wintzingeroda von Biebrich abgereist, um eine Reise durch das Land zu machen und u. A. auch die Stadt Weilburg mit dem gnädigst zugesicherten Besuch zu erfreuen. Diese Reise dürfte 810 Tage in Anspruch nehmen.

Frankfurt, 8. Juni. DieO.P.A.-Ztg " bringt in ihrem amtlichen Theil folgende Nachricht:Ju der heutigen 9ten Sitzung zeigte der kaiserlich öster­reichische Präsidial-Gesandte, Herr Graf von Thun- Hohenstein der hohen Bundesversammlung an, daß Herr von Tallenay und Lord Cowley ihm die Kreditive übergeben haben, wodurch Ersterer als au­ßerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister der französischen Republik, Letzterer als außerordent­licher Gesandter und bevollmächtigter Minister Ihrer Majestät der, Königin von Großbritannien und Irland bei dem durchlauchtigsten deutschen Bunde beglaubigt wird. Nachdem diese Beglaubigungsschreiben eröffnet, verlesen und richtig befunden worden waren, beschloß die hohe Bundesversammlung , die beiden genannten Ge-andten in obgedachter Eigenschaft anzuerkennen und ermächtigte den kaiserlichen Präsidial-Gesandten ihnen hiervon die entsprechende Mittheilung zu machen.

Rastatt, 4. Juni. (B. L.) Heute wurde eine größere Anzahl Leute aus dem Amte Bühl wegen auf« rühnscher Reden als Kriegsgefangene cingebrachr.

<<= Solu, 6. Juni. DieKöln. Ztg." bringt einen neuen Protest gegen die Reaktiv irung der stän­dischen Vertretung in Preußen. Nachdem sie noch einmal gezeigt und ausgesprochen, daß die Äei'. fügung des Ministersunbefugt und gesetzwi­drig" sei, kommt sie auf die praktische Seite deS neuen Systems, worüber sie zu bedenken giebt:Von den großen organischen Gesetzen des 11. März 1850, betreffend die Gemeinde-, Bezirks- und Provinzial« Ordnung für den preußischen Staat, wird nur das Wenigste in's Leben treten. Die Gemeinde-Ordnun­gen der Städte werden gleichmäßig im ganzen Staate -- beziehungsweise an Stelle der Städte-Ordnung von 1808 sich gestalten; daneben wird in den öst­lichen Provinzen Alles beim Alten bleiben. Hinsicht­lich der Landgemeinden hat man durch eine Tonleiter von Ministerial- Reskripten endlich die rechte Höhe er­stiegen; man hat die Dominial« Polizei hergestellt, die Ernennung der Gemeinde-Vorstände durch die Regie­rung, die Trennung der Rittergüter vom Gemeiudr- Vervande als Regel hingesteUt, endlich die Wahl der Gemeindevertretung überall vorläufig suspendirt. Hin­sichtlich der Kreis-, Bezirks- und Provinzial-Ordnung steht in gewissester Aussichr, daß das Gesetz von dem wieder aufschießenden Stänce-Wesen allmählig überwu­chert und erstickt werden wird; nur soll den ständischen Cor- porationen, wie es scheint, die theilweise erweiterte Compe- tenz nach Vorschrift der neuen Gesetzgebung zu Gute kom­men. Das Iunkerthum wird damit seine liebsten Zwecke er-

Der Ungarn - Flüchtling.

Wer schleichet dort, gestützt am Wanderstabe,

So arm und bleich, so einsam still dahin; Ein Greis?! nur wenige Schritte noch vom Grabe, Wo wankt so spät am Abend er noch hin?

Mhlt denn der Alte, der so leicht bedecket, Wohl nicht des Winters eisigscharftn Nord; Den Regenschauer, der die Jugend schrecket, Daß er so rastlos wandert fort und fort?

Kein Wille scheinet seinen Fuß zu lenken, Sein trübes Auge starret vor sich hin, Er irret weiter, gehet ohne Denken, Denn möchte wohl ein Kluger also zieh'u?

Und als vom Himmel längst schon Lu»a strahlet, Da streckt Ermattung ihn auf schnee'ges Moor: Sein halb geschlossneS, mattes Auge malet Ihm träumend noch einmal sein Leben vor.

Der holden Jugend frohe Tage winken Ihm noch einmal mit liebevollem Blick; Er steht betrübt den LebenS-Morge» sinken. Fühlt noch einmal der ersten Liebe Glück.

Als noch einmal die hoffnungsvollen Knaben

Auf seinem Vaterschoose swelend knieen Als noch, ihm treu, des Glückes reiche Gabe» In seines Hauses weite Speicher zieh»;

Als munter baun die beiden Söhne stürmten. Hinaus ins Feld, in der Tyrannen Reihn, Die höhnend Schmach auf» Vaterland hinthürmten, Als brave Honved: Ungarn zu befrein.

Da lächeln mild des Alten bleiche Wangen, Der Stirne Furchen, die der Gram ihm zog, Sie ebnen sich und glühendes Verlangen Beeilt des AthemS Gang, sein Herz schlägt hoch.

Als er noch einmal feine beiden Söhne, Sieht fallen, unb die Mutter tobt von Gram, Sein Hab zerstört durch Oestreichs KriegSgedrühn« Da weint' er laut, der arme alte Mann.

Und wenn er sieht das Vaterland verrathen, Und untergehen der Freiheit Heiligtbuni, Und ach umsonst die vielen Heldenthaten, Geschlachtet Ungarns Stolz, vernichtet Ungarns Ruhm,

Und Ungarn schmachten in der Knechtschaft Kette», Verjagt so manches treue biedre Herz, Dem Vaterlaiide immer kein Erretter, Da bricht des armen müden Flüchtlings Herz.

Die Nacht entrinnt; und als der Ost sich hellte Und rings die Felder taucht ins Morgenroth, Noch eine Thrân' int Aug, geetét von Kälte Fand man den greifen irren Wandrer tobt.

Wiesbaden , 7. Juni 1851.

A. R . . . . r.

Kulturgeschichtliches.

(Fortsetzung.)

III

Ein ScbrittJührt uns von Neu-Sceland zu den Kanadiern,

Die noch Gurvpa's übertünchte Höstichk.it nicht kannten, als Seume schrieb. Es gab eine Zeit, wo der gebildete, d. h, der romanlesende Deutsche mit den politischen und sozialen Zuständen und den großen Männern der Mohikans viel genauer bekannt war, als mit den Dingen, die in seinem Vaterlande vorgingen. Die Minister konferirte» und spannen Netz auf Netz, den bösen Zeitgeist einzu- fangen; was ging daS uns an? Wir mußten erfahren, ob la longue carabine denn wirklich auch diesmal wieder ins Schwarze schießt und ob der arme Duncan noch einmal mit dem Leben davon kommt. Aus dem Cooper, den wir, in eine Sophaecke gedrückt oder auf den Rasen ausgestreckt, verschlangen, erinnern wir uns, daß die nordamerikanischen Jägervölker in der geistigen Ent­wickelung viel weiter fortgeschritten sind als die Nationen, denen wir dis jetzt unsern Besuch gemacht haben. Die Rohprodukte ihrer Heimath, deren sinnige und geschmack­volle Aufstellung wir ohne Ermüdung durchwandern, lehrt uns, warum das so sein muß. Die Schneeschuhe der Huronen, die eleganten Schlitten der Kolonisten, die prael-i- volltn Pelze, auf denen man gleich zum Bärenhäuter werden möchte, wenn der fatale Glockenschlag uidn wäre,