„Freiherr und Recht!"
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â 1 ZI Wiesbaden ^outtersèag, 3. Juni 1851.
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Friedrich II. und das Junkerthum.
* Die „Köln. Ztg." brachte zur Enthüllungsseier einen energischen Artikel, der bemerkenswerth ist, weil sich der ganze Grimm der rheinischen Bourgeoisie darin ausspricht. Der Schluß dieses Absagebriefes an daS specifische und märkisch-provinzielle Prenßen- thum lautet: „Friedrich 11. war in seinen Bestrebungen, waS auch Einseitiges ihnen noch ankleben mochte, ein Held der gesummten Menschheit, ein Heros der Weltgeschichte und eben als solcher war er zugleich der — Wiedererwecker der deutschen Nationalität. Die Siege seines Ahnen, des großen Kurfürsten, über die Schweden, die Siege Eugens über Franzosen und Türken mochten hier und dort einem wackern Deutschen mit patriotischem Troste das Herz schwellen; aber erst in den Siegen des siebenjährigen Krieges spürte der Kern der Nation die Morgenluft einer neuen deutschen Freiheit. Die deutsche Nation trauerte nicht, sie jauchzte über die Siege des vom zerfallenden „Reiche" Geächteten und über die Flucht der eigenen Reichs- Armeen; sie fühlte bei solchen Eleignissen nicht die Schauer des nahenden Tores, sondern Wonnegefühle der Wiedergeburt und begeisterten Werdenlust. Friedrich, indem er für den wahren nationalen Inhalt des deutschen Strebens, für Geistesfreiheit und Gemeinwohl, kämpfte gegen weltliche und geistliche Vorrechtler und Volksunterdrücker aller Art, war selber schon, so zu sagen, der geistige „ Kaiser" eines neuen himmlischen römischen Reiches deutscher Nation, und sein Ruhm, der um die Erde flog, war Deutschlands Ruhm, gab dem deutschen Volke einen Beginn politischen Selbstgefühls und seinen Dichtern einen plötzlichen Aufschwung nationalen Stolzes, edler Auflehnung gegen die ausländische Geschmacks-Despotie. , Welchen neuen frischen Ton haben nicht schon die „Kriegslieder" des alten „preußischen Grenadiers" (Gleim jl Aber vollends die empfängliche Jugend, — wie kühn und selbstbewußt schwang sich in Lessing der deutsche Genius empor aus den französischen Fesseln, und wie freudig nannte er dabei „Roßbach" die deutsche Hippo- kiene! Und nicht minder auch vom Süden des deutschen Vaterlandes her wandten sich die überall entzündeten jugendfrischen Geister „dem Norden zu"; denn „es leuchtete uns" — wie Göthe sagt — „ von dort Friedrich, der Polarstern, her, um den sich Deutschland, Europa, ja die Welt zu drehen schien!" Uno dies,» hellen „Polarstern" der deutschen Nation meint man mittels verfälschender Festarrangements, engherziger Farbenverbote und dergleichen Kleinkrämerei zu einem ipecifischen Sternlein des Junkerthums der Zauche machen zu können!! — D'eses specifische Iun- kerthum — was bat es jemals anders in Preußen gekommt, als den Ruhmeskranz des großen Königs vergeblich benagen? Als an jenem ewig denkwürdigen 4 August des Jahres 1789‘ eine ganze große Nation l^w^— ——— ^—
Der Prozeß Bocarm^.
(Fortsetzung.)
Ueber sein Studium der giftigen Pflanzen befragt, erklärt der Angeklagte, er habe darauf gerechnet da- Mit ein beträchtliches Geschäft mit den Indianern Nordamerikas zu machen, mit denen sein Vater und er shon in einem Verkehr dieser Art gestanden hätten. Er habe den Plan gehabt Schloß Bitremont seiner Frau zu überlassen und nach Amerika zu gehen. Die Gräfin erklärt, ihr Mann habe ihr nie von diesem Plane gesprochen. Der Angeklagte sagt weiter, er habe in früheren Jahren in Köln Chemie studirt, aber bis zum Mai 1850 habe er sich nicht weiter damit beschäftigt. Um diese Zeit habe er von dem neuen in Frairkreich entdeckten Verfahren gehört aus Taback Nicotin zu bereiten, und da man die Qualität des Tabacks nach seinem Nicotingehalte beurtheilen könne, so habe er gesucht dies neue Verfahren kennen zu lernen. Sein Vater habe in Amerika den Tabackshanbel betrieben, aber auS Unkenntniß der Waare bedeutende Verluste erlitten; deshalb habe ihn idie Sache interes- sirt. Das Verhör dreht sich hieiauf um die chemischen Instrumente die der Angeklagte unter dem Namen Bi- rant bestellte und um seinen Verkehr mit dem Genter Professor Loppens.
„ Fr. Haben Sie sich nicht für einen Herrn Berant vnsgegeben? — A. Ja, um die Waare nicht zu theuer
sich mit Begeisterung in dieselben Bahnen stützte, die Friedrich für. Deutschland angebrochen hatte, da wendete sich jenes Junkerthum dahin, wohin es in Wahrheit gehört, in die Reihen der Feinde des neuen Rechtes, und als es selber dafür nach Verdienst sein umgewen- detes Roßbach erlitten hatte, da wimmerte daö Junkerthum der Marken und gedachte, mit angestammter gemeiner Pfiffigkeit, auf Kosten der Verbündeten nur sein „specifisches" Patrimonium zu salviren, wofür es nach langem elendem Schwanken neue, verdiente Strafen erlitt. Da endlich sah sich das der Vernichtung nahe gebrachte Erbe der großen Königs nach besseren Männern um, und an die Stelle der märkischen fünfer traten jene Staatsmänner von der Lahn, aus Preußen, aus Westfalen un$ aus Niedersachsen. Diese lenkten wieder ein in die Bahnen Friedrichs, machten den Bauer und den Bürger frei, und legten den Junkern der Zauche Zaum und Zügel an. Und abermals wandte sich der Sieg zu den Fahnen Preußens, und die Volkstage von Leipzig rächten den Junkertag von Jena. Freilich, die Staatsmänner im Geiste Friedrichs haben genug zu kämpfen gehabt mit dem märkischen Junkerthum und hätte es nach dem Sinne der Specifischen gehen können, d. h. wäre das Volk nicht besser gewenm, als diese Privilegirten und Erimirten der Zauche, so regierten jetzt vielleicht die Kinder irgend eines französischen Marschalls an der Stätte, wo sie heute das Denkmal des großen Königs enthüllten! Voll Entrüstung über das Benehmen der märkischen Junker auf dem Nowbeln-Tage von 1811, schrieb der tapfere Frhr. von Stein: „Die Nora- beln sind dünkelvolle, egoistische Halbwisser,- Menschen, die nach Stellen, Vortheilen und Gehalts-Zülagen streben, und ein Haufen böswilliger oder dummer Schreier, welche die durch Nothwendigkeit gebotenen Opfer nicht tragen wollten, sondern jedes Mittel ergriffen, um sich der Lasten zu entziehen und sie auf die Schultern ihrer Mitbürger zu wälzen: was sollte aus solchen Versammlungen hervorgehen?" Und ferner: „Was kann man erwarten von den Einwohnern dieser fandi- gen Steppen, diesen pfiffigen, herzlosen, polzernrn, halbgebildeten Menschen, die doch eigentlich nur zu Corporals und Calculatoren gemacht sind?" Und Gneisenau schrieb: „Ein Unglück für den preußischen Staat ist es, daß die Hauptstadt in der Kurmark liegt. Welchen Eindruck können ihre dürren Ebenen auf das Gemüth der Bewohner machen? Wie vermögen sie es aufzuregen, zu erheben, zu erheitern? Was kündigen sie an? Kümmerliches Auskommen, freudenloses Hinstarltn auf den kraftlosen Boden, Beichiänktheit in den Mitteln, Kleinheit in den Zwecken. Man nenne mir nicht Friedrich den Großen — die Hohenzollern sind Schwaben, sie haben sich fortgepflanzt durch Weiber aus fremden Völkerstämmen, uno was haben die nenstädter Pferderennen gemein mit den dickköpfigen, trübseligen kurmärkischen Landgäulen?" Inzwischen der Geist Friedrichs siegte, wie gesagt, und das kurmär-
zu bezahlen. — F. Aber weshalb gebrauchten Sie den falschen Namen auch bei dem Professor Loppens? — A. Ich machte die Bekanntschaft des Hrn. Loppens bei dem Jnstrumentenhändler. Als ich aber bei ihm war, sagte ich ihm wer ich sei. Da ich einmal den Namen Berant angenommen hatte, konnte ich au Hrn. Loppens nicht unter dem Namen Bocarm« schreiben. — Fr. Aber Sie nannten dem Jnstrumentenhändler jenen Namen erst, nachdem der Handel schon abgeschlossen war. Sie hatten also kein Interne mehr Ihren Namen zu verheimlichen, da von einer Ueber- theuerung nicht mehr die Neve sein konnte. — A. Ich hatte die Absicht noch mehrere Instrumente zu kaufen, und in der That habe ich noch^ Einkäufe gemacht. — Fr. Was für Sachen haben Sie später gekauft? — A. Ich kann es nicht genau sagen; ich habe noch mehrere Stücke bestellt. — Fr. Was für Stücke? (Keine Antwort.) Was für Stücke? (Dasselbe Schweigen.) War nicht eine Pastetenform darunter? — A. (als ob er sich plötzlich besinne.) Ja, ich habe eine Pastetenform bestellt, und Kessel. — Fr. Wozu Kessel? — A. Um Ertrakte zu machen. — Fr. Es ist befremdend, daß Sir um so geringfügiger Dinge willen einen falschen Namen angenommen haben. Es konnte Ihnen nicht unbekannt sein, daß dies ein Vergehen sei, welches eine Eriminaluntersuchung zu Folge haben kann. — A. Ich wollte niemanden betrügen. — Fr. Es geschah, um Ihre verbrecherischen Absichten zu
kische Bürgerthum hat bei Großbeeren und an hundert anderen Stellen genugsam gezeigt, daß von ihm nicht gilt, was Gneisenau und Stein, allzu schnell generalisirend, von den Junkern auf das ganze Lane übertragen hatten. Friedrich's Erbe ist nicht zersplittert, sondern gemehrt worveu; unter seinem Denkmale stehen heute die Deputationen treuer neuerworbener Städte, die nichts, gar nichts gemein haben mit dem specifischen PreußeNtyum, vir aber voll Zuversicht harren des Tages, da ein unter Friedrich den Rest deS angefangenen Werkes vollenven nn» die 1849 kleinmÜthig aüsgcschlaaene Krone mit fester Helden hand sich aufsHanpt setzen wird. Mag Hr. v. Westphalen die Dominial-Polwei und die Kreisstände und die Provincial-Lanvschafren restituiren zu können sich einbilden, — im Angesichte des ehernen Heldenbildes unter den Linden wird jeder Vorübergehenve die Achseln zucken über so kindische- Gethue und im Geiste den Tag vorausseheN, wo daS Volk des großen Königs, so gut wie früher die Schmach von Jena, auch die Schmach von der Eider unv der Fnl va mit treuem Volksblutt von seinen Fahne« waschen wird!"
Assisettverbattdtnngen zu WieSbadsu.
Anklage gegen Melchior Vatter von Zeils- Heim, wegen Tövtllng.
W^ Wiesbaden, 3 Juni. Präsident: Hr. Hofge« richtövirektor Flach; Staatsanwalt: Herr Staats- prokiirator Re,chman«i; Vertheidiger: Herr Prokurator Lang.
Der Angeklagte ist heschnlvigt, in der Nacht von, 14. auf den 15. März d. J. in Ver im Assekt gefaßten Absicht, den Peter Leinweber von Unterliederbach zu mißhandeln, dtiifclben so verwunvet habe, daß er in Folge dessen gestorben ist; eventuell: daß er die Grenzen der Nothwehr überschritten habe. Da irgend ein Beweis nicht vorliegt, vielmehr die Anklage nur beu wir hier den Hergang, wie er von demselben er< zählt worden ist.
Am 14. März d. J. befand sich der Angeklagte in Geschäftsaiigelegenheiten (er ist Maurer) in Unter« liederbach, woselbst er nach Erledigung derselben bei Wirth Reccius einkehrte. Gegen Abend erschien an diesem Orte auch Peter Leinweber von Unterliederbach, welcher sich an einem von dem des Angektagleu eni = senilen Tische niederließ. Um 11 Uhr verließ dieser, da ihm der Wirth die Verabreichung weiteren Getränkes verweigerte, die Wirthschaft und ging zu dem Dorfe hinaus. Auch Vatter machte sich bald darauf auf den Weg, um nach Hanse zu gehen. Nikolaus Hayn, Knecht bei Reccius, begleitete ihn ^00 Schritte hinler das Dorf und ging alsdann wieder zurück. Als Vatter nach seiner Angabe circa 400 Schritte weiter gekommen
verheimlichen. — A. (lebhaft.) Durchaus nicht! ich zahlte oft doppelt, weil ich Graf de Bocorme heiße. — Fr. Haben Sie sich öfter eines fallen Namens bedient? — A. Nie. Nur das eine Mal! — Fr. Sie stehen also im Widerfpruche mit sich selbst? — A. Noch einmal, ich that es bloß um nichl geprellt zu werden. — Fr. Haben Sie nicht im vorigen October over im November Herrn Loppens gesagt, sie hätten Nicotin hergestellt und fouvroyante Resultate damit erzielt? — A. (mit Nachdruck.) Ja, an Thieren, das ist die Wahrheit. Das habe ich gesagt. (Sensation.) — Um welche Zeil machten Sie den 2kfud> bei Hrn. Loppens. — A. Es war um die Zeit, als ich bei Hrn? Loppens die Aconin-Herstellung versuchte. — Fr. Geben Sie den Tag an. — A. Ich weiß ihn nicht, Hr. Lop. pens wird es sagen. — Fr. Nein, ich will es von Zhncu wissen. Hören Sie mich an! W tm es sich um ein Datum handelt, wollen Sie nichts wisst». Ihrer Reifen, Ihrer Gespräche erinnern Sie sich genau, »ob Sie sollten nicht einmal 6.n Monat wissen, wo S>e diese Reise gemacht haben? — A. Offenbar hab' ich es mir nicht gemerkt. Ich bliebe mich auf die Zeugen; mehr kann ich nicht thun. — Fr. Sind Sie das hpte Mal einst von Bury nach Gent gegangen? ... Antivorteu Sir.— A. Ja, ich glaube, ja. — Fr. Sinv Sie durch Brüssrl gekommen ? —« A. (zögernd) Ja, idi glaube. — Fr. Ich wiederhole, sind Sie einet von Burn nach Gent a<« gâz-n? — A. Ich entsinne m it nicht. (Lebhafte 4k»