?r
n n
8
n d
I« s h e n r
ie le d ;-
T ‘8
t« s r t-
11 le
lt n
lt
11 n le le ; s
„âeihk^ und ÜeehL!"
12». Wiesbaden Dienstag, 3. Juni 1851
Die „Freie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Logen — D-r - Ldonnemeinopreis beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden 1 fl. 45 kr., auswaris tur$ bir Post bezogen mit vrrhältnißinäßigem Aufschläge. — Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung der „Freien Zeitung" stets von wirksamem 6r. folge — Die JnserationSgeduhren betragen für Vic vierspaltigr Petitzeile 3 fr.
Schwarzenberg und Druck
İ Die Journalstimmen über den Rücktritt des öfter» reichischen Handelsministers von Bruck lauten noch immer sehr verschieden. Soviel ist jetzt gewiß, daß die Tariffrage nicht der wahre Grund ist. Als Herr von Bruck von seinem Beamtenpersonale Abschied nahm, nannte er „äußere Umstände", als zwingende. Der „Lloyd" äußert: „Wir suchen die Gründe für jenen Rücktritt in dem Übergewichte, welche der Reichsrath kürzlich und zwar bei einer der Finanz- fragen über das Ministerium gewann. Daß sich die Lage des Kabinets überhaupt eine wesentlich veränderte geworden, läßt sich nicht länger verkennen, aber diese Aenderung hat es ja selbst zuweggebracht. Es konnte unmöglich als einzige konstitutionelle Institution sich selbst und nichts als sich selbst aufrecht erhalten. Seine Macht basirte auf einer bestimmten Voraussetzung, und als die Voraussetzung siel, fiel auch die Macht. Wir betrachten das November-Ministerium jetzt als- dahingegangen. Es thut Nichts zur Sache, daß einzelne Mitglieder desselben noch ihre Portefeuilles innehaben, und vielleicht Jahre laug noch inne haben werden. Die Idee des November-Ministeriums ist dahin. Eine neue Politik ist im Anzuge. Die Eruucuung des Reichsraths — trotzdem, daß sie in der Märzverfas- sung vorgesehen war — bezeichnete die neue Aera. Herrn von Bruck's Resignation ist nur eines der Symptome, welches ihr Dasein bekundet." (S.'Wien.)
Die „Nat.-Ztg." bringt aus Prag folgende sehr bemerkenswerthe Darstellung der jetzigen Situation: „Auffallender noch als die Entlassung, ist die Art und Weise, in der sie erfolgt ist. Was auch die letzte Veranlassung derselben gewesen sein mag, dis Verzögerung des neuen Tarifes oder eine Geldverweigerung zu zu Essen bahn bauten: gewiß ist, daß der Hantelsmim- ster auf die Aeußerung: „dann muß tch meine Entlassung fordern" vom Kürsten Schwarzenberg eine überraschend gleichgültige Antwort des Inhaltes erhielt: „Thun Sie das nur!" Und so ward der Man», den das Land für unentbehrlich hielt und der selbst schwerlich an seine Entbehrlichkeit geglaubt hat, plötzlich außer Funktion gefetzt, wobei es anfangs noch zweifelhaft blieb, ob ihn die betreffende Kabinetsordre „in Gnaden" oder ohne diesen Zusatz seines Amtes entheben werde. Hin tiefen Vorgang zu würdigen, muß man die vollkommen ercep- tionette Stellung in Betracht ziehen, welche Schwarzenberg dem Hofe, der Armee und seinen Entlegen gegenüber eimümmt, eine Stellung, die keineswegs auf besonderen geistigen Gaben beruht, denn von seiner diplomatischen Vergangenheit ist wenig mehr bekannt, als in der Regel die Biographie der Bonvivants aufzuweisen hat. Als er mit dem Grafen Stadion an die Spitze der militärischen Kontrerevolution gestellt wurde, war er dem Laude so gut wie unbekannt. Aber als General,
Kulturgeschichtliches.
II.
(Fortsetzung.)
Unmittelbar neben den Wilden des Waldes finden wir die Wilde» des Meeres, neben den Jägern von Südamerika die Fischer von Van Diemensland und Neu-Seeland. Verglichen mit Jenen befinden diese sich in der beneidenswerthe» ^age, vor allen Parteien größere Gnade zu finde». Mit Rührung wird der christlich-germanische Gliedermann die Schnur kleiner, grün und blau schillernder Schnecken betrachten. Sie ist der Schmuck eines — Häuptlings. Ja! die Neu-Holländer haben eine Obrigkeit, was mehr ist, eine auf Grundbesitz basirte, und waS noch mehr ist, eine mit dem ausschließlichen Privilegium der hohen Jagd ausgerüstete Obrigkeit! Der Häuptling ist oberster Grundherr, und die in den hohlen Bäumen vorkom- menden dicken weißen Maden, von denen der Leser in dem Schmetterlingskasten ein paar Eremplare findet, find bei Vermeidung der in den ältern Jagdgesetzen von verschiedenen Staaten und ähnlichen heilsamen Verordnungen angedrohten Strafen ausschließlich in seine Küche abzulitfern Ich nenne meinen Gewährsmann: Perou. Aber das ist nicht Alles. Sie haben nicht nur einen Häuptling, der in einsamer Majestät „etwa wie ein Fabrikschonistein" — um dies schöne Bild zu entfremden — über die monotonen Dächer hervor
als Diplomat, als Fürst, vereinigte er, ohne mit der Administration der Monarchie vertraut zu sein, schnell alle Zügel der Gewalt in seiner Hand und trat der kaiserlichen Familie als ein Ebenbürtiger entgegen, der sich weder von dem Regenten, noch von der Erzherzogin Sophie in sein Thun und Lasse» hineinreden läßt. Von einer tiefen Mraehtnng gegen Oesterreichs Politik seit 1815 erfüllt, stellte er, wenn man hier anders von System reden kann, das System auf, Preußen in Deutschland zu rui- niren und das Volk im eigenen Lande nicht aufkommen zu lassen. Reichstag und Landtag sind ihm ein Greuel, Civil- Gouvernement eigentlich schon eine Schwächung der einheitliche» starke» Militärgewalt; der General übt Standrecht, wenn er muß, und ob er muß, ist seine Sache zu prüfen; er Darf allenfalls einen Chef über sich, aber keinen Civilbcarnten neben sich haben. Diese Anschauungen traten besonders schroff hervor, seitdem der Fürst den kenntnisreichen Grafen SttÄnon, der nicht Militär war, nicht mehr zur Seite hatte. Sem« jetzig. n Kollegen behandelt er als Rcssor,beamt«, die gar nicht mit ihm auf gleicher Linie steh»; von seinen Schritten in der deutschen Angelegenheit setzt er sic kaum hinterher in Kenntniß, ja es ist zweifelhaft, ob er in wichtigen Fälle» auch nur den Hof zu Rathe zieht. Der einzige Mann, der ihm gegenüber gehört wird und einen Einfluß übt, ist der Marschall Rädetzki, der selbst h der Lomvaidei unumschränkt regiert mit eine Armee hinter sich hat. Als der Marschall im November vorigen Jahres darauf hm- wies, daß trotz der günstigen militärischen Stellung Oesterreichs eine verlorene Schlacht über das Schicksal der Monarchie entscheide, siegte er mir diesem Votum über die Kriegslust des Fürsten, der in größerer Verlegenheit nach Olmütz reiste, als es sich Herr von Manteuffel hat träumen lassen. Die reformirende Thätigkeit, welche in den einzelnen Ressorts herrscht, hat in den Augen Schwarzenbergs nur einen sekundären Werth; sie beruht auf dem in der Geschichte Oesterreichs seltenen Umstände, Mf eine Anzahl fähiger Fach- minister an dem Gouvernement Theil nehmen, Die aber bei der ersten Kollision mit dem Fürsten ihre Portefeuilles verlieren, wenn sie sich ihm nicht lügen. Was lügt ihm an Herrn o. Brucks Will er gehn — Glück auf teil Weg! Er ist ohnehin Freiherr, Excellenz und ein Millionär geworden und es giebt noch mehr Handelsminister auf der Welt! Daß Herr v. B.uck zu einer Zeit, als die Säulen des Kaiserreiches wankten, geistreich und schöpferisch genug war, das Projekt einer ZoUeinigung auszudenken, daß er den Fürsten wefent- lich dabei unterstützte, Oesterreich tief in Deutschland hmtmzuschiebkn, daß er die Zollschranken im Innern des Landes anfhob, daß er das korrumpirle Poßweien reformirte und für das Verkehrswesen im Innern und mit dem Auslande eine neue Aera schuf, kommt weiter nicht in Betracht. Hr. Bach wird auch nur geduldet, so lange er sich dem Fürsten beugt, und daß er noch im Amte ist, beweist, wie gut er sich ihm zu beugen und wie enge er sich in die Mauern seines Ministe
ragte, sondern um den Schornstein gruppiren sich verschieeeiie Rauchfänge und chimney pots in harmonischer Abstufung. Die Neu - Hollander haben Stände, al|o natürlich auch eine ständische Gesetzgebung , und zwar mit einem ganz eigenthümlichen Prinzip, von dem bei der Revision des deutschen Kul- turzustaiibes vielleicht mck Nutzen Gebrauch gemacht werden kann. Die beiden Ehegatten müssen stets verschiedenen Ständen aiigehöre» unD die Kinder folgen der Mutter. So wird durch fortwährende Kreuzung der Entartung des Stammes vorgebeugt mit der Aristokratie durch Die Gesetzgebung der Weg gezeigt, durch reiche MessaUiancen den Glanz der Familie aufjm’ frischen. Die Anwendung liegt nicht so fern. Um das durch Luther und Hegel verderbte Deulschthum allmälig aufzulosen und unschädlich zu machen, dürste in dem Reich der Mitte vielleicht das Gesetz anzuuehlneii sein, daß jedes deutsche Mädchen seinen Mausefallen- verfertiger heirathen und der Deutsche seine Frau aus der Militärgreuze holen muß. In der richtigen Erkenntniß, daß die innere» Vorzüge auch ein äußeres Erkeniiuilgszeichen fordern, erhält der erste Stand beim Tättowiren einen besonderen Strich über Dem Bauch. Uebrigens zählen sie schon bis — vier, haben aber in ihrer Sprache noch keinen Artikel. Dagegen versuchen sie sich in den plastischen Kmisten, indem sie Reliefs von Thieren und Waffen in die Felfenwände graben. Ich komme zu der Nachtseite der nkuholländischen Kultur.
riums einzuschließen versteht. Wer unsere Lage kennt, der hat keinen Begriff von dem, was geschehen würdr. wenn der Fürst heute stürbe. ES giebt keinen Zweiten, der seine Attribute vereinigt, der durch seine Herkunft den Hof, durch seinen Militärrang die Armee, durch seinen Bnlder den Clerus und durch überraschende, man mochte sagen, mährchenhafte Erfolge in Deutschland und Europa die auswärtigen Beziehungen der Monarchie so vollständig beherrscht. Nur Emen Faktor hat er in seine Berechnungen nicht ausgenommen: die materiellen Interessen, die er duldet und durch Ändere fördern läßt, weil er sie momentan braucht, befriedigen die Völker Oesterreichs nicht; sie wünschen in Wahrheit mehr, als Backhuhn und Musik, trotz aller Genußsucht und süddeutscher Fröhlichkeit.. Und der Stachel der Nationalitäten sorgt dafür, daß die Frage nach den Volksrechten niemals einschläft."
Die Reaktivirung der ständische» Vertretung in Preußen.
tt Peußen hat einen neuen sehr wichtigen Ruck« chritt gethan! Am 28. Mai ist durch den Minist, r des Innern ein Befehl an die Ober-Präsidenten erlassen, ungesäumt die Einleitung zur Berufung der Prvviiiial-Landtage zn treffen. Dieselben sollen ihr Gutachten über die Einführung der klassifi- zirten Einkommensteuer und der Gemeinde -Ordnung abgeben und interimistisch die im Gesetze vom 11. März 1850, Titel III, cer Provinzial - Versammlung übertragenen Befugnisse ausüben. Innerhalb vierzehn Tage sollen Die Vorarbeiten zur Einberufung der Landtage gemacht sein, weßhald eine Nenwahl der Depu- tissteil unterbleibt und nur da ang. ordnet wird, wo durch Todesfall ein Ausscheiden erfolgte. Für die nichterscheineuven Berechtigten werden die Stellvertreter ciuberufeu, überhaupt aber sollen die Abwesenden der Majorität bei der Abstimmung zugezählt werden. Artikel 45 der Provinzial -Ordnung vom 11. März bestimmt unter Anderem: „lieber Einführung, Ab- ânberung oder Aushebung von Provinzialgesetze», so wie über andere Gegenstände gibt die P.ovinzial-Ver- sammiuiig ihr Gutachten ab, wenn es vou der Staar.« regieaung ersordert wird. Die Versammlung vertheill die Abgaben, welche nach Provinzen aufzubringen sind." Diese Funktionen sind nun den Pravinzial - Standen durch die Anordnung des Ministers vorläufig übei* tragen. — Gegen dieses offene Lossteuern auf eie alte Siauoeeinthtllung in Ritter, Bürger und Bauern legt die „Köln. Ztg." bereits folgenden Protest ein: „Dem Ministerium fehlt es an aller und jeder Befug- nlß, die in den §§. 21 und 24 des Eiiikümmensteuer- Gesetzes vom I. Mai d. I. vorgesehenen Kreis- und Bezirtskommlssionen anders als auf dem in dem genannten Gesetze vorgeschriebenen Wege, nämlich durch die kraft der KreiS-, Bezirks- und Provincial-Ordnung
Perou bezeugt, daß sie zum Reden und Denken aufge« legt und über Die Marseillaise in das höwste Entzückn, gerathen wären. Wir sehen, wie eng das Denken mit den Polizeilvwcigsten Neigungen v.r oaRsen »nv eigentlich die Mutter aller Sünde ist, und wenn wir auch zur Ehre der neu-Holländischen Aristokratie annc. men können, va^ jene verwerfliche Demonstration nur von dem plebejisch.» Theile des Volkes ausgegangen und von denen mit dem Extra stich gebührend verabscheut ist, so hat Die Sache doch ein zu großes polizeiliches Interesse, als baß wir nicht hier, wo noch alle auf höher» Kulturstufen so verschlungenen Fäden offen liegen, dem Umstande «achforschen sollten, der die Anregung zum Denken gegeben hat. Die Wurzel des Uebels ist offenbar das Meer. Heine singt:
Thâlattu, Thâlatta, ewiges Meer!
Wie Glimmen der Heimsth tönt dein Rauschen, Wie Träume der Kindheit sah ich eS bliuLn In deinem wogenden Wellengebiet!
Schon der Umstand, daß ein von Hoffmann und Cainpe verlegter und dem durchlauchtigen deutsche» Bunde mißfälliger Dichter dem Meere seine Huloiguiig darbringt, muß gegründeten Verdacht erregen. Uno in der That, was kann verderblicher auf das Gemüth des Unterthanen wirken als der im »ei währende Anblick der Welle», die sich an kein Reglement kehren, sondern kommen und gehen, wenn sie Lust habe», der Wasserfläche, die heute laut- und regungslos Darinßt und morgen im wüthenden Aufruhr lobt, der Flukp,