Zcilung.
„Freiherr und NeehL!"
M 128
Wiesbaden Sonntag, 1. Juni
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Die „Freie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem ^ogen — Der LbonnementspreiS betragt vierteljährUch hier in AteSdaden I fl. 45 ft., auswärts »urch die Post bezogen mit verdältnißmäßigem Aufschläge. — Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Berbreitung der „Freien Zeitung" stets von wirksamem <Ge- folge — Die ZnscrationSgebubreii betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 ft.
Das Krügersche Attentat.
4= Wiesbaden, 25. Mai. Wir haben geschwie- gkn, als seiner Zeit der bekannte Criminalist triumphi- rend in den Spalten der „Nassauischen Allgemeinen" umheräezogen wurde, weil wir es liiert für nöthig erachteten , in diesem Punkt auf die Öffentliche Meinung zu wirken. Das Urtheil der öffentlichen Meinung über den seiner Zeit mit 200 fl. Besolvungsznlagr begnadigten Inquirenten steht fest. Wenn auch der Cri- minal-Senat in seinem Urteil mit Hin übnehi stimmte (was indeß nicht so ganz der Fall ist),^so fällt doch der Unterschied in die Augen, daß ter Senat sein Urtheil nach der Untersuchung, jener aber vor derselben gesprochen hat. Also genug hiervon! —
Die Triumphgelänge der „Nass. Allg." haben indeß vielfaä) die Meinung erregt, als sei der Oberlieu- tenant v. Krüger ganz freigesprochen, oder als habe derCriminal-Senat wenigstens mit Bestimmtheit dahin entschieden, daß der Jnculpat nur die Absicht der Körperverletzung gehabt habe. Diese Meinung ist irrig. Der Criminal-Sknat hat dahin entschieden, daß für die direkte Absicht der Tödtung nicht genug Be- weis^'vörhauden sei, dagegen hat er gegen genannten Krüger Anklage verfügt, weil er Herrn Wimpf den fraglichen Stich beigebracht habe, einwilligend auf jeden Erfolg, sei es der der Körperverletzung, sei es der der Tödtung. Wad; der Ansicht des Criinmalsenats ging die Absicht Krügers dahin, Herrn Wimpf entweder zu tobten oder zu verwunden, und eS ist nur einem höchst seltenen Zufall zuzuschreiben, daß er die Absicht der Tödtung nicht erreicht hat. Er hat aber die Absicht der Körperverletzung so gründlich erreicht, daß Herr Wimpf Wochen lange Bett u»v Zimmer Hüten mußte und dermalen noch in Folge der erhaltenen Wunde hinkt und nur beschwerlich zu Pferd sitzen kann. —
Seiner Zeit hat denn auch, wenn wir nicht irren, die „Nass. Allgemeine" versichert, es sei eine „demokia- tischc Lüge", wenn die „Freie Zeitung" behaupte, Herr Wimpf sei in Folge seiner oppositionellen Abstimmungen in der Kammer angesallen worden. Der Erfolg hat indeß diese Behauptung bestätigt, wie dies schon bei so vielen s. g. „demokra- tischen Lügen" der „Freien Zeitung" eingetreten. Der Criminalsenat hat gegen den Obertieutenant von Hatz c l n Anklage verfügt, weil er bei dem fraglich e n Attentat Herrn Wimpf wegen seiner Ab- stlminilnq in der Kammer gegen Anschaffung von Helmen für das Militär injurnrt ha .
Um unsern Lesern vollständige klare Emficht in den Stand der Sache zu geben, theilen wir nachstehend das Urtheil mit, welches wir, in Erwartung deS endlichen Eikenntniffes zuiückgehalten hatten, degen Ver- öffentlichuNg aber dermalen geboten ist.
Kulturgeschichtliches.
I.
(Fortsetzung.)
Das zweite, in größerem Maßstabe ausgeführte Modell zeigt die Hütte eines Waldindianers, der schon reicher eingerichtet ist. Anstatt der Netze ein ziemlich vollständiges Jagdgeräth , Bogen mit 4 Fuß langen Weilen, das gefürchtete achtfüßige Blasrohr nebst einem roh erarbeiteten Köcher vergifteter Pfeile andren ^pee>. Pfeil und Speer haben eine wivrrhakige Witze von Knochen oder von Eisen, die eiserne Spitze ist aber ganz nach dem Muster der älteren knöchernen geaibei- tet und, wie der Cicerone uns belehrt, mit Steinen ' zurechtgeoämmert. Dann treten aber schon zwei neue wichtige Momente hinzu, die Brodbereitung und die Töpferei Die Familie lebt zwar hauptsächlich vom Ertrage der Jagd, aber neben der Hütte ist doch schon ein Stilck Wald niedergebrännt und der durch die Asche reich gedüngte Boden mit Maniok bepflanzt, einem der nahrhaften Wurzelgewächse, von deren Verpflanzung nach Europa seit der Kartosselkrankheit hier viel die Rede ist. Wie die Kartoffel dem verdächtigen Geschlecht der Nachtschatten angehört, so enthält der rohe Maniok ein entschitdiies, sogar sehr heftig wirkendes Gift. Wir finden in der Hütte den Apparat, durch den er von dem Gifte befreit und in Brodstoff verwandelt wird, eine ganz eigenthümliche Presse, Matapi, Sebu-
„Urtheil. In der Untersuchuirgsiache gegen den Herzogl. Oberlientenant von K-rüger zu Wiesbaden wegen versuchter Tödtung und Körper-verletzung des Fabrikanten und -Landtagsabgeordnete» Friedrich August Wimpf von Weilburg, sodann gcgeiMenselben, den Herzogl. Oberlientenant Wilhelm von Hadeln in Biebrich, Lieutenant Emil Winter van Wiesbaden und den Friedr. Aug. Wimpf von Weilburg wegen Ehrenkränkung
hat der Criminalsenat des Herzogl. Hof- und Appel- lationsgenchts zu Wiesbaden in seiner Sitzung vom heutigen, wobei zugegen waren der Herzogl. Hof- und AppellationsgerichtSrath v v n B i e r br a u e r, Vorsitzender, die Herzog!. Hof- und Appellationsgerichtsrâthe von Löw, Ebhardt, Forst und von Preuschen, nach Anhörung des von dem bestellten Referenten alks den Acten erstatteten Vortrags, nach von Seiten des Herzogl. Staatsprocurators Reichmann geschehener Entwicklung seiner Ansichten und nach Uebergabe seines Antrags zu den Acten, sowie nach hierauf in Abwesenheit des Staatsprocurators stattgefundener Berathung, in Erwägung,
I. daß nach der Voruntersuchung beschuldigt ist, 1) der Herzogs. Oberlieutenant BogiSlaus von Krüger dahier, a dem Fabrikbesitzer und LandtagSabgeord- neten Friedrich August Wimpf aus Weilburg, in der Absicht, denselben zu tobten, mit einem Säbel einen Stich am Unterleib beigebracht, b. den genannten Friederich August Wimpf, in der Absicht, denselben zu mißhandeln, durch einen Wurf mit einem messingenen Leuchter am Kopse verwundet, c. dem Friedrich August Wimpf durch verschiedene Reden Verachtung bezeigt zu haben, sowie 2) Per Herzog!. Oderlieutenant Wilhelm von Habeln zu Biebrich und 3) der Herzog!. Uukiticutcnant Emil Wimper dahier, dem genannten Friedrich August "lETtln p^lmrc^ virr^?^ sowie 4) der Fabrikbesitzer unb Landtagsabgeorvnete Friedrich August Wimpf von Weilburg, dem Herzog!. Oberlievtenant BogiSlaus von Krüger durch verschiedene Reden und Thätlichkeiten Verachtung bezeigt zu haben;
II. daß in der nute L la) bezeichneten Handlung das in Artikel 245 und dl des Strafgesetzbuches vorgesehene Verbrechen der versuchten Tödtung, in I. 1b) das in Artikel 255 vorgesehene Verbrechen der Körperverletzung und in I. lc) und 2), 3) und 4) daS in Artikel 301 des Strafgesetzbuches vorgesehene Verbrechen der Ehrenkränkung enthalten ist;
III. daß für die Anschuldigung, daß BogiSlaus v o n Krüger die unter 1. la) bezeichnete Verwundung in der bestimmten Absicht, den Friedrich Aug. Wimpf zu tödten, verübt habe, genügende Anzeichen und Beweise, um daraufhin den Angeklagten vor ein Strafgericht, welches nach §. 1 pos. 11 des Competenzge- sktzes die Asfisen fein würden, zu stellen, nicht ermittelt worden sind;
can oder Goulebra, in den verschiedenen Dialekten. Sie besteht auS einem mehrere Fuß langen, etwa einen Fuß weiten Schlauche, der auS elastischen Pflanzen- fibern geflochten, an dem einen Ende offen ist, an dem andern in eine Spitze zulgutt, an der eine starke Oese sitzt. Der Schlauch, gefüllt mit zerqu tschten Maniokwurzeln, wird an einem Querbalken der Hütte aufge- häugt, die Spitze nach unten. Dann wird durch die Oese ein Hebel gesteckt und mit Gewalt niedergedrückt. Der elastische Schlauch zieht sich in die Lange, wird verhältnißmäßig dünner und unter dem Drucke läuft der Saft in ein untergestellreö Gefäß, bis nur noch eine Art von feuchter Stärke zurüâeiot. Diese wird an der Sonne getrocknet, durch ein sehr zierliches Sieb gerieben und das Niehl ist fertig, aus dem die Hausfrau auf heißen Steinen breite dünne Kuchen, an Gestalt, aber nicht an Farbe und Geschmack dem >chwe- dischen Knäckebrö oder dem schottipm-n Haferknchrn gleichend, bereitet. Der auSgedrückte Saft ist roh ein strenges Gift, wird aber durch Kochen in eine Art von Soja verwandelt, in der die Indianer, denen das Salz fehlt, ihr Fleisch konserviren und von deren kräftigem Aroma sich der Beschauer an einer vorhandenen Probe übei zeugen kann. Die T öpferei, bei bei die Sonne die Stelle deS Brennofens und ein Harzanstrich oie Glasur vertritt, liefert Gefäße von der Größe eines Taffenkopfes bis zu der eines Neibnapfes,^alle von derselben Form, die kleineren mit lebhaften &a"r»
IV» daß sich aus den gepflogene« Bechandlungen ergeben hat, daß Friedrich August Äi'inpf die gegen BogiSlaus v. Krüger verübten BrleiNl'grmgen sammt» lich unmittelbar, nachdem er von diesem beleidigt worden war, begangen hat und daher nach Art. 307 deS Strafgesetzbuches nicht strafbar erscheint;
V. da» dagegen hinreichende Anzeichen dafür oor- handen sind, daß BogislauS von Krüger a den Friedrich August Wimps in der Mbprbt ibn zu mißhandeln, durch einen Wurf mit einem meipngfuen Leullw-r am Kopf verletzt habe, b. denselben, nicht in der Adsichi, auf einen bestimmten, sondern jede« möglichen Erfolg bureb einen Stich mit einem Säbel am Unterleib verwundet habe, wvbei ihm nach Artikel 57 deS Strafge- scybiiches nur der eingetretene Erfolg zum Vorsatz zuzu- redmen ist, c. dem Friedrich August Wimpf durch verschiedene Neven Verachtung bezeigt habe;
VL vaß gleichfalls genügende Beweise dafür vorli-gen, daß Wilhelm von Hadelu unb Emil Winter durch verschtev-iw Neven dem Friedrich August Wimpf Verachtung bezeigt haben; —
VH. daß bei den unter pos. V a und b bezeichneten Körperverletzungen die Erfordernisse der Artikel 255 pos. 1 und 2 und 256 pos. 1 des Sirafgestybuchrâ nicht vorliegend mllh n für sämmtliche in pos. V und VI b zeichnete V rgehen der Criminalsenat des Herzogl. Hof »uv Appeliativne-GerichtS dahier als correctionellet Grrichtonof nach §. 2 pos. 7 und 8 t.S Competenz- gefeneo das zuitändige Gericht ist, ersannt :
daß BogiSlaus von Krüger, geboren zu Rru- Strelitz, mohaoaft zu 'Wiecbadr», 25 Lahre alt, Herzogl. Oberlicutciiaut. wegen der Anschuldigung, den Friedr. August Wimpf durch einen Stirb in den Unterleib zu todten versucht zu haben, außergernchtlicher V rfolgii ig zu setzen sei,
IL daß gegen Friedrich August W i m ps, 44 Jahre alt, Fabrikbesitzer zu Weilburg, eine. Anks...i^ weaM der
^°» Kruger durch veridHfbeiieWèbcüuub^njat^ Verachtung bezeigt zu haben, nicht statt habe,
M. daß jedoch die Ank age wegen folgender Vergeh n statt habe, welche Varia bestehen, daß 1) BogiSlaus v o n Krüger a. am 3 März L. I. in der Absicht, d u Fritdrich August Wimpf zu mißhandeln, rechtswidrig Denselben dadurch an feinem Körper verletzt hat, daß er ihm durch einen Wurf mit einem Leuchter eine Wunde am Kopfe babrad)tc, b. zu derselben Zeit den Friedrich August Wimpf durch einen Stich mit einem Sâbcl, in der Absicht, ihn entweder zu tödten ober nur z u verwunde n, gleichviel, weicher von diesen Erfolgen eintrat, am Unterleib verlegt hat, c. zu derselben Zeit dem Friedrich August Wimpf durch mehrfache Reben, namentlich durch D.rgleichung mit einem Hund, durch höhnische Bemerkungen über dessen Unkenntniß fremder Sprachen, durch Wufforberimg, sich nicht in die Unterredung zu mischen und Die Gesellschaft zu verlassen, weil er überflüssig sei, durch die in dieser lcyten Beziehung vorgebrachtc Vergleichung mit Trumps Sieben, in
heu bemalt. Die Gestalt und die Malerei wird uns an einer andern Stelle zu interessanten Vergleichungen Anlaß geben. Das dritte Modell — Abtheilung Trinidad — ist die genaue Kopie einer Hütte in dem indischen Dorfe Arima, 16 Meilen von Port of Spain. Während der Jäger sich einsam im Walde aubaut und weiter rückt, wenn das Revier nicht mehr ergiebig «st oder die Wanderlust ihn ergreift, erscheint der Bewohner dieser Hütte bereits an die Stelle gebannt, denn er ist Ackerbauer; das verrathen - die Hacke und der Sparen, die Büschel Wälschkorn, die um das Dach her aufgehängt sind, und die alttestamentliche, mörserartige Mühlè von Stein. „DasWetb, so hinter dem Steine sitzet." Das verrathen die Hausthiere , Hund, Katze und Hahn. Das verräth die größere Behäbig- seit der Wohnung. An dem einen Ende des überdachten Raumes begegnen wir schon einem von Wänden eingeschlossencn Verschlage mit Thür und Fenster; die Hütte wird zum Hause, fast der ganze Inhalt der Modelle ist auch in Natur vorhanden. Allen dreien gemeinschaftlich ist die Hängematte, aus Pflanzenfasern geflochten. Die rohe Spindel, von der Schomburg spricht, ist nicht da, auch unwahrscheinlich, da lürgeuds ein Gewinnst zu sehen ist. Von Weberei ist vollends gar keine Spur. Das vorhandene Eremplar der Hängematte ist augenscheinlich ein Staatsbett. Von jeoem Rande hängen fünf halbrunde Geflechte herab, die mit Kolibri« und Papageienfedern gestickt si id. Die Aus-