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Wiesbaden Mit^wscb, 28. Mai

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DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme deS Montags, läßlich tu eurem Hogen. Der AbonnrmcnlSpreiS beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden t fl. 45 ft., auSwärr« durch dir Post bezogen mit Verhältniß mäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem 6t* folge Die JnscrationSgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 kr.

Nochmals das Sterblichkeits - Verhältniß in Nassau seit 1818 und die nass. Medi- einal- Organisation von 1818.

F. Herr Redakteur! Von einer auswärtigen Reise zurückgekehrt, finde ich zu meiner Ueberraschung schon eine schöne Sammlung von Entgegnungen und Bestätigungen meiner in No. 107 Ihres Blattes ab­gedruckten Arbeit, nämlich:

Freie Zeitung No. 111 Wiesbaden.

No. 115 Vom Taunus.

Nass. Allgem. No. 113 Vom Lande.

No. 114 Wiesb. von Hrn.vr. Müller.

Viel Hunde sind des Hasen Tod" sagt zwar das Syrüchwort, aber für mich hat es noch keine Gefabr, denn weder haben jene Correspondenten die Richtigkeit meiner Rechnungsstellung noch die Rechnung selbst an­gegriffen. Zu beiden Beziehungen haben meine Herrn Gegner gefehlt. Herr Dr. Müller und der Corre- sponvent vom Taunus weisen die Unrichtigkeit der Rechnung des Corresponden von Wiesbaden na^, jiui# chen aber dann noch viel stärkere FeZer in der Sta­tistik und im Rechnen. Ich werde hierauf unten zurück­kommen, fühle mich aber im Interesse des Lesepublikums beider Blatter verpflichtet, die künftigen Gegner aufzu­fordern, daß sie sich nicht durch Allotria von dem Ge­genstand entfernen, daß sie in ihren Rechnungsstellun- gen genau nach den Regeln der Statistik verfahren, und besonders möchte ich sie bitten, daß sie erst richtig rechnen lernten, damit nicht durch unendliche Confusion der klare Blick des Lesers getrübt und der einfache Gegenstand unverständlich wird.

"Damit sich nun der Leser schnell wieder in dem «msbhiger Weise verwirrten Gegenstand vrientire, will ul) ihm mein früheres Rechnungsergebniß nochmals klar vor Augen stellen. Nach demselben sterben in Deutschland, Schweden, Britannien und Dänemark jährlich auf 1000 Einw. 20 24, in Nassau aber kommen auf 1000 Einw. jährlich 26 Torte; ich setze nun nach la France Statist. dapr. les docum. offic. les plus recents. Paris 1843 hinzu, daß in Frank­reich nach einer Durchschnittsrechnung von 26 Jahren jährlich auf 40 Einw. 1 Todter, in England auf 45,8 Einw. 1, in Nassau aber schon auf 38 Einw. 1 Todter kommt. Ich habe nun das Sterblichkeitsverhältniß mit demjenigen der genannten mitteleuropäischen Staaten verglichen und es als bas ungünstigste derselben gefun­den, bleibe man daher einfach bei dem einfachn Gegen­stand und stelle man genau die Rechnung so, wie sie den angeführten statitistischeu Resultaten der genannten Staaten unterliegen,^ ann wirb man bei richtigem Rechnen dasselbe Resultat, wie ich es erhielt, erhalten.

Die Fehler des Wiesbadener Correfponbenten in No. 111 derFreien Ztg." sind von den zwei andern Correspondenten gezeigt und sie haben mich daher der Mühe enthoben, sie nochmals nachzuweisen. Es ist ba«

Friedrichs des Großen Reiterstatue von Ranch.

(Schluß.)

Auf der einen oberen Schmalseite ist der bekannte Mo­ment dargestellt, wie Friedrich nach der Kolliner Nie, beringe voll düstrer Gedanken der Verzweiflung in Niemburg auf einer Brunnenröhre sitzt und mit der Spitze des Krückstockes Figuren in den Sand schreibt. Aber während der geschlagene Feldherr dem dumpfen Schmerze sich hingibt, steigt hinter ihm, in schwachem Relief angedeutet, sein Bild hoch zu Noß himmel­wärts, von einem Genius mit Lorbeer bekränzt. Hier wirkt die Symbolik wohlthuend, weil sie bescheiden sich hu Hintergründe hält und eigentlich nichts Anderes ist, als die zarte Verkörperung der Vorstellungen und Re- flerionen des Beschauers. Auf der entgegengesetzten Seite fliegt Friedrich, das Haupt strahlenbekränzt, lor- beerumlaubt, in der Hand den Palmzweig, auf mäch­tigem Adler himmelan. Diese Apotheose des Helden ist von wunderbarer Schönheit und kühnstem Schwünge.

Das Ganze nun bekrönt die kolossale Reiterstatue Friedrich's. Das herrlich gebildete Pferd schreitet ruhig ; Friedrich, in seiner bekannten einfachen Tracht, die ein Hermelinmantel umhüllt, hält mit der Linken die Zügel gefaßt, während die Rechte, an der der Krück­stock herabhängt, in die Seite gestemmt ist. Diese

her nur nöthig, auf die Rechnungen des Herrn Dr. Müller, welcher die statistischen Geburts- und Sterbe­tabellen Nassaus von 18181843 im 6ten Band der Med. Jahrb. veröffentlicht hat, einzugehen. Herr Dr. Müller berechnet das Sterblichkeits -Verhältniß von Ganz-Europa auf 25, ebenso nach einem nnznlängli- chen Material dasjenige von Frankreich auf 25. Diese Zahl ist ihm nun die Stichzahl, um bie es sich bei ihm dreht und nun sucht er auch für Nassau diese Zahl so gut es geht herauszubringen. Meine Stichzahl ist aber nicht 25, sondern 2024, wie in den übrigen mitteleuropäischen Staaten das Mortalitâtsverhältuiß sich herausstellt, Herr Dr. Müller müßte daher für Nassau ein Sterblichkeitsverhältniß von 20 24 er­halten, um mich zu widerlegen; er erhält aber nur ein Sterblichkeitsverhältniß von 25,1907. Herr Dr. Müller sagt nämlich, daß er das Sterblichkeitsverhältniß in Nassau nach den einzelnen Jahrgängen von 18181843 berechnet und alsMittel der 26 Jahrgänge in runder Zahl jährlich 25 Tode auf 1000 Einw. gefunden habe. Ich würde vielleicht kein Bedenken getragen haben, seine Rechnung für richtig anzuerkennen, hätte er nicht selbst in der statistischen Arbeit der Medicinischen Jahr­bücher erhebliche Rechuungsfehler gemacht; zum zwei­ten hat er nicht angegeben, welche Einwohner-Zahlen er für die einzelnen Jahrgänge angenommen hat und macht daher eine Controls über die Riwtigksit seiner Rechnungen für mich und andere schlechterdings unmöglich. So bin ich unverhofft in die schlimme Lage gesetzt, die Rechnung des Herrn Vr. Müller wieder­holen zu müssen und werde sie genau nach der Weise ausführen, wie sie den Sterblichkests - Rechnungen der andern mitteleuropäischen Staaten zu Grunde liegen und namentlich von den französischen und englifchen Statistiker« in ihren Rcchärmgs« angewandt worden sind; denn will man das Sterblichkeitsverhaltniß in Nassau mit demjenigen der oftgenannten mitteleuropäi­schen Staaten vergleichen, so muß man auch die Rech­nung für Nassau so aufstellen, wie es in den übrigen Staaten geschehen ist. Ich halte diese wiederholte Bemerkung für nöthig, damit nicht wieder der seitherige Wirrwarr des Gegenstandes wiederholt und Nechnun- gen aufgestellt werden, die hier nichts entscheiden können.

Die Einwohnerzahl von Nassau war nun i in Jahr 1818=293,936 (ich hatte in meiner früheren Rechnung in runder Zahl 290,000 angenommen), es wurden aber im Jahr 1818 (Müllers Tafel 1 , pos. 6., be­nutze ich hierbei) 10,019 geboren, es starben 1818 7857, es ging daher auf das Jahr 1819 ein Bevöl­kerungszuwachs von 2162 über, b. h. die Einwohner­zahl von 1819 betrug 293,936 -j- 2162 = 296,098.

So habe ich nach Müllers Tabelle I. die Einwohner­zahl der einzelnen Jahrgange bis 1843 berechnet, und war z. B. im Anfänge des Jahres 1842 nach der fortgeführten Rechnung 395,463, nach der direkten im Laufe des Jahres 1842 gemachten Volkszählung 397,032

Nach bieirr den französischen und englischen Stati-

Haltung ist anspruchslos und zeugt doch von der stillen Hoheit ruhigen Selbstbewußtseins. Der geistreiche Kopf, voll sprühenden gewaltigen Lebens, ist vom Künstler trefflich wieder gegeben. Den Hermelinmantel hat man wohl tadeln wollen; allein er war nothwendig, wenn die Gestalt, zumal in der bedeutenden Höhe, nicht winzig erscheinen sollte; übrigens mag man einem sol­chen Manne kühn den Königsmantel um die Schultern geben, sollte er ihn auch nie getragen haben.

Wie in Friedrichs Staat Alles in ihn als den eigentlichen Mittelpunkt zufamwenstrebte, so bildet auch hier seine Gestalt den Gipfel, die «spitze des ganzen Werks. Die pyramidale Verjüngung des Postamentes, die in markigen, schön geschwungenen Linien sich and' spricht, findet in dem Reiterbilde ihre Fortsetzung und endlich in Friedrichs Kopfe den Schluß. Das Ver­hältniß der Theile unter einander bekundet die höchste Harmonie. Der Gesammteinbruck ist von überwältigen­der Majestät.

Sämmtliche Darstellungen athmen einen Adel und eine Größe des Styls, wie sie unter den Jetztlebenden von Keinem übertroffen wird. Die eigentliche Bedeu­tung Rauchs liegt aber in der gesunden Realität, der historischen Auffassung und Behandlungsweise seiner Gegenstände. Was der Malerei lange Zeit hindurch die christlichen Stoffe, das wurden der Skulptur die antiken Motive; die ausschließlichen herkömmlichen Ge­biete, innerhalb deren die Phantasie der Künstler sich

sticken entnommenen Rechnungsstellung habe ich daS Stcrblichkeitsverhältniß der einzelnen Jahrgänge dem Herrn Dr. Müller nachgerechnet und theile sie hur zur Einsicht und Controle mit:

Vevbit.- Zuwachs aus dem vorher­gehenden Jahre.

Einw.- ahl.

Zabl der Ge­storbenen.

Sterblichkeit»,

Verhältnis aus 1000 Sinw,

1818

einbegriffen

293,936

7857

26,7

1819

2162

296,098

7835

26,5

1820

4277

300,375

7494

24,9

1821

4420

304,795

6810

22,3

1822

5606

310,401

7986

25,7

1823

4368

314,769

7926

25,2

1824

4673

319,442

7963

25,0

1825

4241

3*23,683

7826

24,2

1826

4772

328,455

8339

25,4

1827

3756

332,211

8138

24,5

1828

4434

336,645

8485

25,2

1829

3634

340,279

9286

27,3

1830

3321

343,600

8542

24,9

1831

4343

347 943

9106

26,2

1832

3403

351,346

9063

25,8

1833

3879

355,225

9397

26,5

1834

4707

359,932

10685

29,7

1835

3389

363,321

10137

27,9

1836

4702

368,023

9956

27,1

1837

4722

372 745

12606

32,2

1838

2080

374,825

9368

25,0

1839

5605

380,430

9904

26,0

1840

5044

385,474

9756

25,3

1841

5181

390,655

10039

25,7

1842

4808

395,463

10496

26,6

1843

5123

400,586

10454

26,1

Mittel ....

315,795

9033

26,1

Mittel der 1t« Periode von 1818 1830 25,2 2ten von 18311843 26,9

Das Sterblichkeitsverhältniß nach den einzelnen Jahrgängen berechnet, ist daher im Durchschnitt von 26 Jahren jährlich auf 1000 Einw. 26 Todte; nach den merkten Volkszählungen von 1818 (293,936) uno 1842 (397,032) ist es ebenfalls jährlich aus 1000 Einw. 26 Gestorbene, b. h.

(293,936 -1-397,032): 234,85410,454 _ 1000; ^ 2 25

ober 345,484 : 8976 1000 Einw. : 26 Gestorv.

Würde man auch annehmen, daß in der Periode von 18181843 an 10,000 Nassauer ausgewandert wären, so verteilen sich diese so auf die einzelnen Jahr­gänge und auf das Mittel der Einwohnerzahl, daß noch immer das Sterbluhkeitsverhältniß 26 pro mille ist. Herr Dr. Müller wird daher die Güte haben, ebenfalls seine Rechnungen nach Jahrgängen ber öffent­lichen Controls undim Interesse ber Menschveit" zu veröffentlichen. Wäre aber sogar die Durchschnitts­rechnung von Herrn. Dr. Müller, was ich zu be­zweifeln Ursache habe, richtig, b. h. wäre das Morta-

beschränken mußte. Die Malerei der neuesten 6podie hat endlich den wichtigen Schritt ins^große geschichr- liche Leben hinein gethan. Nicht ist sie dadurch irre­ligiös geworben, wie ihr oftmals von sklavischen An­betern vergangener Kulturstufen vorgeworfen wird. - Sie ist nur der Wissenschaft auf ber von dieser kühn betretenen Bahn gefolgt: wie diese das Göttliche, Ewige, den geistigen Urfern der menschheitlichen Entwickelung überall nachweist, so stellt die Malerei ihn mit der Pracht ihrer Farben, mit der ergreifenden Gewalt ihrer Kom­positionen dein Auge dar. In diesem Sinne sind Lessing'sHuß vor dem Conzil", so wie der kürzlich leider" nach Amerika ausgewanderteHuß vor dem Scheiterhaufen" Bilder, bte an Erhabenheit und wahr­haft göttlicher Würde sich mit jeder streng religiösen Darstellung zum Mindesten messen können. Aeynlich die Skulptur. Doch traten dieser größere Hindernisse in den Weg. Wollte die religiöse Malerei in den bib­lischen, kirchlichen Stoffen ausschließlich die ewige Wahr­heit für die Kunst erblicken, so vindizirte die Bildnerri nur dem klassischen Griechcnthume das Vorrecht plasti­scher Darstellungen. Lange suchte man daher blos den Alten nachzuahmen, und die höchste Treue im Koplren galt beinah für die höchste Schönheit im Concipire», Diese Einseitigkeit ist gleichwohl segensreich geworden. Unter ihrem strengen Scepter lernten unsre Künstler die Formen verstehen und bilden; nur aus solcher Palästra trugen sie die Möglichkeit vavon, mit siegen-