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M I2U. Wiesbaden Dienstag, 27. Mai 1851

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Industrie und Ackerbau.

U Vom Main, 21. Mai. Die große Mehrzahl der Bewohner Deutschlands wohnt auf dem Lande; in Dörfern und kleinen Städten wird besonders Ackerbau getrieben und mehr als % ker deutschen Bevölkerung lebt von Landwirthschaft. Der Wohlstand stießt vom Lande in die Städte. Wenn der Himmel den Land­wirth mit fetten Jahren und reichen Ernten segnet, wenn seine Produkte gut bezahlt werden, dann geht er in die Stadt und kauft ein, er füllt nicht allein Küche und Keller mit den nothwendigsten Bedürfnissen, son­dern er schafft sich unD seiner Familie auch neue Klei­der, bessere Haus- und Ackergcräthe rc. an. Er fügt zu dem Unentbehrlichen auch den Comfort hinzu. Der Kleinhandel in den Städten, welcher besonders von den Landbewohnern lebt, fühlt und weiß sofort, ob der Bauer ein fettes oder mageres Jahr gehabt hat. Betrachten wir nun ein wenig näher, wie der Staat den Ackerbau, diese nährende Mutterbrust des Volkes, im Vergleich zur Industrie behandelt.

Auf dem Grundbesitz lastet die bedeutendste Abgabe, die Grundsteuer liefert den höchsten Beitrag zur Staats­kasse. Vom Lande holt der Staat die kräftigsten Män­ner zum Kriegsdienst, während die Rekruten der Fabrik- Städte und Gegenden meist schwach oder verkrüppelt und unfähig zum Militärdienst sind. Bricht der Sturm los, dann werden dem Ackermann Felder unD Fluren ver­heert, seinePferde nimmt derStaat zu Schlachtrossen, sein Eigenthum muß er als Knegslieferuug an den Staat geben, und er muß Kriegsfuhren thun. Wenn der Staat Wege, Chausseen und Eisenbahnen baut, dann entscheidet er sich regelmäßig für die Linie, welche durch Fabrikgegenden läuft, als ob die gewichtvollen und um­fangreichen Produkte des Ackerbaues nicht auch der schnellen und wohlfeilen Commnnication bedürften. Die Schlacht- und Mahlstener, welche in manchen Gegen­den Deutschlands (Preußen) noch besteht und beson­ders auf den ärmeren Consumenten schwerer lastet, drückt auch die Preise des Getraides und des Viehes herab. Das Salz, welches so nothwendig zur Vieh­zucht und zum Ackerbau ist, ist in vielen deutschen Staaten Regie und darum übermäßig theuer. Das Eisen, welches der Bauer zu Wagen, Pflug, Egge, Spaten, Hufeisen braucht, wild durch die Schutzzölle zu Gunsten unserer Fabrikanten um das Doppelte ver- theuert.

Wie mancher Acker, wie manches Feld liegt öd und wüst, weil die Eisenpreise in Dentschland zu hoch sind. Die Bebauung des steinigen und höher gelegenen Bo­dens nimmt besonders starke eiserne Werkzeuge in An­

Friedrichs des Großen Reiterstatue von Rauch.

Aus derNat.-Ztg."

Längst ist der Geist des großen Königs aus der Lenkung seines Staates bis auf die letzte Spur ^ver­schwunden; kein Fünkchen seines Wesens, seines Stre­bens glimmt in den Köpfen unserer Diplomaten und Staatskünstler. Aber in den Liedern und Erzählun­gen des Volkes athmet noch sein Genius, und per Seele eines der größten Künstler Har die Verehrung eines der größten Herrscher ein Wunderwerk emsprin- qen lassen, das sich den ersten auf der Welt anreiht. Das Meisterstück des Altmeisters Rauch ist unbedingt rine der bedeutsamsten Schöpfungen der gesammte» Bildhauerkunst der Jetztzeit. Gemahnt es uns doch, als ob die ganze Nachwirkung Friedrichs, die in sei« nein Staate so gründlich beseitigt ist, sich mit kon- zenirirter Kraft in diesem einem Werke der Kunst nur noch offenbare.

Die Grundlage des Ganzen bildet ein mächtiger garniter Sockel, der sich in kräftig schöner Profilirnug etwas pyramidal verjüngt. Ueber demselben erheben sich in zwei Etagen, die durch einen kraftvol­len Sims von einander getrennt werden, die Felder per bildlichen Darstellungen. Diese erhalten auf den vier Ecken eine lebendige Einfassung und Begrenzung durch die Reiterstatnen Herzogs Ferdinands von Braunschweig, Prinz Heinrichs von Preußen und der Generäle Seidlitz und Ziethen. Ein glücklicher Gedanke, die vier Hauptstützen und Pala­dine des großen Königs gleichsam zu »nächtigen Eck­

spruch. Die Baumwollenzenge dienen besonders zur > Kleidung der Landbewohner und des unbemittelten Vol­kes, unsere Fabrikanten und Baumwollenfpinner ver­langen aber Schutz für ihre Industrie, der Staat be­willigt sie, und die Bamywollenzeuge werden in Deutsch­land darum doppelt so theuer bezahlt, als in England.

I Für die Industrie und den Handel sind hier und kort Banken und Ereditanstalten errichtet, für den Acker aber wenig »oder gar keine. In den größern Städten

1 haben die Höfe, die Verwaltungs- und Justizbehörden ihren Sitz, in den Städten gibt es allerlei Bilkungs- . anstalten, Universitäten, Gymnasien, Kunstschulen, Real- : schulen, Theater. Diese Institute werden meist alle 1 vom Staate unterhalten auf dem Lande geschieht ; wenig oder gar nichts zur Ausbildung des Volkes.

Unsere Fabrikanten verlangen, daß alle Rohpro­produkte frei eingeführt werden, aber keins von den j Fabrikaten, welches sie selbst anfertigen, sie verlangen sogar, daß die Rohprodukte, welche sie verarbeiten, nicht ausgeführt werden dürfen und in der That besteht auf Wolle und Felle ein Ausfuhrzoll. Wenn die Arbei­ter, welche gesund und kräftig aus dem Dorfe in die Fabrik kommen, alt und erschöpft nach Hause znriick- kehren, dann muß sie die Gemeinde ernähren.

Mit welchem Rechte schützt der Staat nun die Fabrikarbeit auf Kosten aller und jeder sonstigen Thä­tigkeit, mit welchem Rechte vertheuert der Staat so mache nothwendige Bedürfnisse zu Gunsten weniger reichen Fabrikanten und zum Nachtheil so vieler armen Consumenten? Bestehen die Staaten denn nur zum Besten der Fabrikanten und sonstigen Privilegirten? Mit dem Schildedes Schutzes der nationalen Allzeit" werden nur einige Egoisten geschützt. Hinter der Maske: Schutz der nationalen Arbeit" stecken wohlhabende Bettler, welche ihre müßigen Hände ausstrecken, um auf Staatskosten zu schwelgen. Wir kennen den Preis dieser Vaterlandsliebe, wir wissen, wie hoch er den deutschen und namentlich den ärmeren Consumenten durch die Schutzzölle zu stehen kommt.

Luther und die Fürsten. 111.

^ Luthers Lehre von der christlichen Freiheit war von dem gemeinen Mann mißverstanden oder vielleicht nur besser und praktischer verstanden wor­den, als es den Reformatoren lieb war. Dies führte im Gefolge des entsetzlichen materiellen Drucks, der auf der niederen Volksklasse lastete, zu den Unruhen des Jahres 1525, die unter dem Namen des Bauern­kriegs bekannt sind. Sie wurden im Blute des Volkes erstickt. Luther, um nicht als geistiger Urheber oder

pfeilern des Monuments zu machen! Die Art, wie diese Statuen, oder vielmehr Halbstatuen, aus der Grundfläche herangewachsen, ist von überraschender Wirkung: indem die prächtigen Schlachtroge, in leben­sprühender Bewegung nach vorn gerichtet, sich aus dem Grunde zu lösen scheinen, setzen sie in ihren Umriffen die pyramidale Verjüngung des untern Sockels fort; zn- gleich heischen sie als Untersatz für die Vorderfüße der Pferde Konsolen, die ihrerseits wiederum der Detail- lirung des Sockels zu Gute kommen. Die vier gro­ßen Helden kes siebenjährigen Krieges sind meisteroaft behandelt: von höchstem Leben und ausdrucksvollster Individualität sind die Köpfe, wie die ganzen Gestal­ten; die minder geeignete Militärtracht wird knrch einen einfachen Mantel , der Anlaß zu günstigen Dra- pirungsmotiven bietet, in etwas verdeckt; wo aber die Tracht an und für sich kleidsam ist, wie die Husaren- uniform Ziethen's, da kommt kiese ausschließlich zur Geltung. Kriegerische Trophäen, österreichische, rus­sische, französische Waffen, Fahnen und Kanonen lie­gen unter den Pferden, welche die Helden tragen.

Die vier von den Reiterstatuen eingeuchloffenen Fel­der bestehen, der Grundform des Monumentes ent­sprechend, ans zwei schmaleren und zwei breiteren. Sie sind sämmtlich durch Reliefdarstellungen geschmückt: drei der Felder sind den Gestalten der ausgezeichnetsten Generale Friedrichs gewidmet; das eine schmalere zeigt die Künstler und Gelehrten, deren reformatorische Thä­tigkeit in die Zeit des großen Königs fiel, und durch die Begeifterting, mit der seine Thaten die Welt erfüll­ten, einen mächtigen Impuls bekam. Auf dem einen breiteren Felde erblicken wir in stark vortretendem Haut­relief fünf Generale in ganzer Figur: in der Mitte

gar Theilnehmer dieser blutigen Bewegungen zu er» scheinen, sah sich veranlaßt, zumal sich die Bauern überall auf ihn beriefen, siw entschieden gegen jede An­wendung von Gewalt zu erklären und dieselbe Waffe des göttlichen Wortes, durch welche er das Papstthum gestürzt hatte, gegen die empörten Bauern zu wenden und also wenigstens scheinbar auf die Seite k^r weltlichen Tyrannei zu treten. Das ist der Fluch her Halbheit geworden, der dem Werke der Reformation anklebt bis auf tiefen Tag und der in dem neulichen Verbot von Luthers Schriften von Seiten eines ! n t h e r i sch e n M i n i ft e r i u in s seinen Höhepunkt, aber noch lange nicht sein Ende erreicht hat. Denn dieser Schritt Luthers, dieses Aufgeben seines eigenen Werks, das nur durch das niedere Volk und die niedere Geist­lichkeit geschaffen worden war und getragen werden konnte, mußte nun ans Seiten der Volkspartei zu der Erkenntniß führen, daß ihr bisheriger Vorkämpfer ein Mann der Fürsten geworden sei. Und der Schein war wirklich so. Luther hatte nicht blos die Partei der Fürsten ergriffen; er mußte, was noch viel trauriger war, fortan sich auf sie oder doch diejenigen von ihnen stützen, die seinen Ansichten geneigt waren, weil kiesen, als der evangelischen Partei unter den Ständen des Reichs, die Leitung und Durchführung der Refor­mation nothwendig auheimsiel. So zerriß das Band des Vertrauens, das die große Dolksmasse bisher an Luther geknüpft hatte und Luther mußte dadurch, daß diese stärkste Stütze seiner Sache sank, in eine grund­falsche Stellung 'gerathen, die der Reformation unge­heuer geschadet hat. Daß aber die Partei der welt­lichen Tyrannen, wenn sie ihn zu kein ihrigen zählen wollte, ebenso stark irrte, daß Mißverstand und Unver­stand auf beiden Seiten gleich groß war, daß Luther seiner innersten Gesinnung nach Volksmann war und blieb, dafür^wolieu wir aus der oben berührten Schrift schließlich nur noch eine Dosis mittheilcn:

In Meißen, Bayern und in der Mark und an andern Orten", schreibt unser Volksmann,haben die Tyrannen ein Gebot- lassen ausgehen, man solle die Neuen Testamente in den Aemter hin und der über- antworten. Hier sollen ihre Unterthanen also thun: nicht ein Blättlein, nicht einen Buchstaben sollen sie überantworden, bei Verlust ihrer Seligkeit. __ Frevel soll man nicht widerstehen, sondern leiden; man soll ihn aber nicht billigen, noch dazu dienen oder folgen oder gehorchen, mit einem Fußtritt oder mit einem Finger. Denn solche Tyrannen han­deln wie weltliche Fürsten sollen, es sind weltliche Fürsten, die Welt aber je Gottes Feind; darum müssen sie auch thun, was Gott wider, der Welt eben ist, daß sie ja nicht ehrlos werden, sondern

sMMnBMnMBgonoMggmMMi iiwninma MMm^m Winterfeldt, der vertraute General-Adjutant des Königs, rein bei seinem Tode der Monarch das schönste Denkmal in den Worten setzte:Gegen die Menge meiner Feinde hoffe ich noch Rettnugsmittel zu finden; aber nie werde ich einen Winterfeldt wieder bekommen." Er hält eine Karte in der Hand und scheint mit den vier ihn Umgebenden Raths zu pflegen. Diese sind: Kleist, der Körner des siebenjährigen Krieges, Dies­kau, Prinz Eugen von Württemberg und der muthige Vertheidiger Breslau's, T a u e n z i e n. Hinter ihnen zeigen sich in sch,vächer anslanfendem Relief zwei Figuren zu Pferde: der junge Prinz von Preußen, nachmals als Friedrich Wilhelm 11. Frierrichs Nach­folger, und General Ebeling.

Die Anordnung der Figuren auf der entsprechenden Breitseite ist dieselbe: vorn fünf stehende Gestalten, int Hintergründe zwei zu Pferde. Hier bisset den Mittel­punkt der Lordergrnppc der tapfere Leopold Max von Dessau, den Feldberrnstab in der Hand. Um ihn reihen sich Wedell, derpreußische Leonidas", den Friedrich später nüt den Befugnissen eines Diktators den Russen entgeqcnsaudte; dann Wartemberg, von der Golz und Geßler, der kühne Anführer' des Dragoner- Regiments von Baireuth, das in Der Schlacht bei Hohen« friedberg allein 20 Bataillone in die Flucht schlug, 2500 Gefangene machte und 66 Fahnen nebst 4 Geschützen erbeutete. Die beiden Reiter sind die berühmt» n Feld« h,rren Leopold von Dessau und Schwerin, der vor Prag ken Heltentod fand. Letzteren, so wie Winter- feldt, Keith und Seidlitz hat Friedrich h lbst norb furch d-e Statuen des Wilhelmsplatzes geehrt; Zirthen 1111V deralte Dessauer" kamen w^cr hinzu.

Die eine Schmalseite zeigt in ähnlicher Gruppirung