Wiesbaden. Samstag, 24. Mai
Die „Freie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, tä stich in einem Bogen. — Der AdonnememöpeciS beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden 1 fl 45 fr., auswärts rhältnißmäßigem Aufschläge. — Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung der „Freien Zeitung" stets von wirksamem Sr. * ■ e Petitzetle 3 fr.
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zwar letzteres „auf das dringende Ansuchen des litten Staatssecretärs." Eine Uebereinkunft, ähnlich der toskanischen, sei zu diesem Zwecke zwischen dem H. Stuhle und Oesterreich abgeschlossen. Zugleich sprach die „Prager Ztg." davon, daß möglicher Weise auch neapolitanische Truppen in den Kirchenstaat verlegt werden könnten. Die päpstliche Note, von der der
Pariser Korrespondent der „Köln. Ztg." versichert, daß sie in Wien redigirt worden, gibt ein klares Licht über diese Pläne. Das Aktenstück beginnt mit einer Auseinandersetzung des prekären Zustandes der französischen Republik, die mit jedem Tage, namentlich aber im Jahr 1852 die Beute neuer Erschütterungen werden könne. An eine frieoliche Lösung der dort sich vorbereitenden Conflikte sei, nach allen dèm h. Stuhle zugehenden Informationen, gar nicht zu denken. Es liege auf der Hand, wie gefahrvoll beim Eintritte einer solchen Eventualität eine französische Besatzung in Rom werden müsse. „Wenn", sagt die Note, „die gebieterischen Nothwendigkeiten der Politik S. H. gezwungen haben, ein französisches Corps als Besatzung seiner Hauptstadt anzunehmen, so weiß die Negierung Sr. kais. Maj., welche Besorgnisse und Vorahnungen in dieser Beziehung von Anfang an die Negierung sr. H. erfüllten. Es ist in der That Ew. Erc. bekannt, daß trotz der ehrerbietigen Fügsamkeit der militärischen und politischen Chefs die Anwesenheit der französischen Truppen zu Rom und die Art von Einfluß, welche die französische Negierung mehrmals auf die Schritte Sr. H. sich beizulegen gesucht hat, häufig ernsthafte Verwicklungen herbergeführt haben würden, wenn die Festigkeit dès Heil. Vaters solchen Versuchen nicht Einhalt gethan und dadurch die Würde und Unabhängigkeit seiner Autorität vertheidigt hätte. Nun kann man
Ungarische Volkslieder *).
1.
Schau' ich in's blaue Aug' von mduyp Lieb, Hang treuer ich an ihr mit heißrm Trieb. Denn ihr grüß Augenpaar ifi blau so sehr, Wie meiner Heimath blaueS HimincISmeer.
Man sagt: ein blaues Flämmchen rundum fliegt Am Ort, wvselbst ein Schatz begraben liegt: Drum, flammt empar Dein Aug' so blau und hell, Schau' ich den Schatz in Deinem Herzen schnell.
2.
Von Rosenblâttlei» hat fie Wangen,
Van Seidenfâden Haaresspangen ;
(LinS nur das macht mir vieles Weh:
Sie hat kein Herz in ihres Busens Schnee!
» ) Der Dollmetsch dieser Lieder, Herr Kertbeny, ist selbst ein Unqar und die ihm deshalb mangelnde Meisterschaft in der Be- bandlung der deutschen Sprache, ist der einzige Mangel, der sich dem aanzeii Buche vorwerfen läßt. Trotzdem wird Niemand das in Darmstadt bei Leske erschienene Buch, dem diese Proben ent- Icluit sind ohne inniges Behagen, ohne wahre Erquickung aus der aâand legen. Nur selten tritt uns eine gewisse llubeholfenheit des Ausdrucks störend entgegen, wofür die große Treue der Ueber- senuna binlänaliche Entschädigung bietet. Wie das Roß der Pußta mit eiuem fremden Reiter, so geht die Schönheit dieser Lieder in den meisten Fällen mit dem llebersetzer durch.
nicht ohne Schrecken an den Abgrund von Unglück denken, von welchem die Regierung Sr. H. sich bedroht sehen würde, wenn irgend ein Wechsel, sei es in Folge eines siegreichen Aufstandes, sei es durch den regelmäßigen Gang der Ereignisse, in der französischen Politik einträte. Geschähe es in Folge eines siegreichen Aufstandes und würde das französische Besatzungskorps aus einem Beschützer zum Helfer der Revolution, so würde die päpstliche Regierung mit einem Schlage gestürzt werden, vielleicht selbst mit Gefahren für die geheiligte Person des h. Vaters. Geschähe es dagegen durch den regelmäßigen Gang der Ereignisse und durch die Entwicklung des demokratischen Prinzips, so würden die Folgen, welche sich aus der dem französischen Heere zu Rom bereiteten neuen Situationen ergeben würden, kaum minder gefahrvoll sein. Die römische Bevölkerung ist im Allgemeinen von Grund aus corrumpirt oder urtheilslos und unfähig, der Regierung den Schatten eine Stütze zu gewähren. Und die bisherigen Versuche einen neuen öffentlichen Geist zu erwecken und wenigstens eine einheimische Mliärmacht zu vrganisiren, fähig an einem unruhigen Tage die Sicherheit der Hauptstadt zu gewährleisten , sind völlig fruchUos geblieben. Die Lehren, welche unter dem Einflüsse einer usurpirten Macht vorgewalte.t habe», die W eine Zeitlang ungestraft zum Apostel der Korruption machte, die revolutionäre Propaganda, welche selbst später noch durch die Bemühungen des sog. nationalen Komitee zu London fortgesetzt ward, haben die Ideen und Gesinnungen dieses Volkes dermaßen verderbt, daß die Regierung S. H. in einem äußersten Augenblicke, im Schooße ihrer eignen Hauptstadt, sich dem Hasse der zu ihrem Untergänge vorschwornen Leidenschaften preis gegeben sehen würde." Das einfachste Mittel einer solcher Krisis vorzubeugen, meint die Note, wäre die Entfernung des französ. Cvrpv uno ei« Svff^uiiß vvfpiotti vuny Truppen st, kaiserl. Maj. Eine österreichische Besetzung Roms könne niemandem anfechtbar erscheinen; Oesterreich sei ja eine italiänische Mgcht, und sein Interesse an der
Erhaltung der Ruhe auf der Halbinsel gebe lhm ganz andere Anrechte als die „politischen Nothwendigkeiten" Frankreichs und Englands, die sich am Ende doch nur auf Convenienzen und mehr ober minder gerechte Empfindlichkeiten reduzirten. Die französische Regierung selbst miße dies einsehen und sei verpflichtet eine Armee zurü ziehen, die jeden Augenblick eine furchtbare' GefahHür den H. Stuhl werden könne. Oesterreich habe opa so viele Beweise seiner Uneigennützigkeit und tion vernünftig
Wenn man ab
3.
Ich lieb' alle Schönen: Jene blauen Lichtumfloffenen
Und die Rothgebräunten
Und die blonden Aufgeschossenen.
aßigung gegeben, daß seine Juterven» eise keinen Argwohn erwecken könne, doch der Regierung Sr. Heiligkeit
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4.
WaS ist höher als der Himmel doch?
Was ist größer als die Liebe noch? Den die Liebe einmal hat gefangen, Braucht um andre Ding« nicht zu bangen !
5.
Nicht ist es Lenz, nicht Sommerszeit,
Wenn keine Rose blüht;
Das ist mir keine Perlenmaid, Der nicht das Herz erglüht.
Nicht wahr, nicht wird eS Winter mehr,
Wenn eS nicht Flocken stiebt;
Und das ist Liebe auch nicht sehr, Die nicht schnell Küsse giebt.
Ein Gardecapitätt im Zuchthanse.
Vor einem der Londoner Polizei-Gerichte ist neulich ein Fall verhandelt worden, der Erwähnung verdient. Ein Gardrcapitân , faulet Henry Somerset, war in seinem Phaeton durch eine verbotene Einfahrt in Hyde-
trachtliches Truppenkorps, ohne Belastung des päpstlichen Schatzes, nach Rom zu verlegen, und die kaiserliche Regierung möge Frankreich und England auffordern in dies Arangement einzuwilligen. Sollte aber keine dieser Ideen zur Geltung kommen, dann würde die gefährdete Lage des H. Stuhles erfordern, daß beim Herannahen des verhängnißvollen Tages, und bevor das Commando der französischen Truppen in feindliche Hände übergehe, mehrere im voraus bereit- gehaltene österreichische und neapolitanische Corps von imposanter Stärke entschlossen und unerwartet von beiden Seiten auf Rom vorrückten und, durch die Drohung, den Rückzug nach Civitavecchia adzuschneideu, die französische Armee, überrascht und deroutirt, zwingen, durch Räumung der Hauptstadt für ihre Sicherheit zu sorgen. Diese Maßregel, meint die Note, wolle die päpstliche Regierung Frankreich gegenüber schon rechtfertigen, falls dort die konservative Partei siegreich aus dem Aufstaude hervorgehe; nn umgekehrten Falle werde es der Rechtfertigung ohnehin nicht bedürfen.
Die Note schließt mit der Ermahnung, daß die kaiserliche Regierung ihren ganzen Einfluß aufbieten möge, um das englische Kabiuet zu einem energischen Einschreiten gegen die Flüchtlinge zu vermögen. Nach glaubwürdigen Informationen , sagt sie, umfasse ein weiter Verschwörungsplan bereits den größeren Theil Europa's; die zu Loudon eröffnete Anleihe sei schon großentpeils, vielleicht meyr als man verlauten lassen wolle, gedeckt, und man könne sich leicht denken, welche Macht sich den revolutionären Mitteln anschließe. Man behaupte, daß die Bemühungen des Revolurious- Comite's bei einigen Mitgliedern des britüchen Kabi- nets, wenn nicht Begünstigung, mindestens Toleranz fänden; wenigstens sei die gegen einen Mann wie Mazzini geuote ^angmury eine gvg™ ^~ keinc, ihrer Pflichten sich bewußte Regierung gleichgül- tig sein könne. Warum England nicht so handle wie die Schweiz und Frankreich, die doch Republiken seien? Die päpstliche Regierung stehe nicht im direktem Verkehr mit dem britischen Kabinette, aber sie fei überzeugt, daß die Regierung Seiner kaffertichen Majestät diese Erwägung mit allem Nachdruck bei den Rathen Ihrer großbritanischen Majestät gelteiw machen werde.
Das falsche Manlstst Mazzinis, das laut der„Nat.- Ztg." aus der bekannten Capefigueschen Fabrik stammt, welche auch in deutschen offiziellen Blattern operire, sollte Palmerston entweder jenen Maßregeln geneigt machen oder zu dessen Sturze beitragen.
Asstsenverhandlunge» zu Wiesbaden
Anklage gegen Peter Lenz von Bogel, wegen Schreftfälschung und Betrugs.
=#= Wiesbaden, 22. Mai. Präsident: Hr. Hofge- richtsdwektor Flach. Staatsanwalt: Hr. Staatspro-
Park eingefahren und hatte, wiewohl ihn ein Consiabler zu wiederholten Malm bedeutete, er müsse umkehren und auf einem anderen Wege in den Park zu gelangen suchen, unbekümmert um diese Warnung die einmal enigeschlagcne Richtung weiter verfolgt. Der Consiabler fiel hierauf den Pferden in die Zügel, erhielt aber zum Lohne für dieses Wagnis; von dem aufgebrachten Offizier eine Anzahl Peitschenhiebe über G sicht, Schultern und Hände, so daß er sich genöthigt sah, die Zügel w eder fahren zu lassen, worauf der muthige Eapilän, der sich folchergeslalt seines Verfolgers wenigstens für den Augenblick emledigt hatte, davon jagte, jedoch bald von der Gerechtigk.it in Gesialt eines berittenen Polizeidieners ereilt und vor den Richter gestellt wurde. Als der Thatbestand festgestellt war, cntschuldigic sich der Angeklagte damit, daß die Polizei sich nicht so höflich gegen ihn benommen habe, wie er als Gentlemen tzies habe erwarten dürfen. Der Spruch des Richters rwer lautete folgender Maßen: „Wenn ein Polizeibeamter seine Befugnisse übcrschcitet, so steht dem dadurch Verletzten ohne Schwierigkeit der gesetzliche Weg offen, ihn bei den Commissaren oder bei einem Magistrate zu verklagen. Ich gestehe, es nimmt mich Wunder, daß ein Offizier im Dienste Ihrer Majestät nicht ein besseres Beispiel des Gehorsams, welchen er den Dienern der Obrigkeit schuldet, gegeben hat. Cvn> siabler müssen in ihrem Berufe geschützt sein, und an allen Personen, welche sie in der Ausübung ihrer Pflicht stören oder vrrlcyen , muß ein Beispiel statuirt werden.