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Wiesbadeu Donnerstag, 22. Mai

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DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montagü, ,â »ich in einem Äogen ^ Der AbomremenrsvreiS beträgt vierteijâhrltch hier in Wiesbaden i st 45 Fr., auswärts durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamrm er­folge Die JnscrationSgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 fr.

Tie Wölfe als Schafmcister.

X Woher und wozu die vielen Brand- und Mord- manifeste, welche regelmäßig auftauchen, so oft die euro­päische Contrerevolution einen Streich vor hat? Die neuesten zu plumpen Manöver haben zu belehrenden Enthüllungen geführt. DasJournal des Debats" brachte vor einigen Tagen ein neues Manifest von Mazzini und dieTimes" ließen sich durch den frühe­ren Ruf jenes Blattes, als eines wohlunterrichteten, zur Aufnahme verleiten. Mazzini hat sofort in einem Briefe an dieTimes", wie in einem anderen, welchen die Pariser Blätter bringen, erklärt, das Manifest sei falsch, viele der darin aufgestellten Grundsätze liefen den seinigen schnurstracks entgegen, auch sei es eine Lüge, wenn behauptet werde, er sei im April in Pa­ris gewesen. Ein anderes Aktenstück erschien in die­sen Tagen in französischen und belgischen Blättern: eine päpstliche Note an den österreichischen Minister, die von großer Wichtigkeit ist. Ein Pariser Corre- spondent derKöln. Zlg.", also keines demokrati­schen Blattes, schreibt, er wisse bestimmt, daß eine solche Note an Schwarzenberg gerichtet sei, und er beeile sich, dies zu melden, da dasUnivers" jetzt Miene mache, das Vorhandensein in Abrede zu stellen. Warum leugnet das Jesuitenblatt? Der Corr. derK. Z." schreibt: Ohne mich für die Echtheit des von den Journalen mitgetheilten Textes zu verbürgen, darf ich versichern, daß man an Oesterreich wirklich das Verlangen gestellt habe, die Franzosen abzulösen, und daß die in der Er­wähnten Note enthaltene Motivirnng gleichfalls, we­nigstens dem Wesen nach, echt sei. Der Ursprung dieser Note aber ist nicht in Rom, sondern in Wien zu suchen, und die so urplötzlich, anscheinend aus ganz geringfügige» Gründen erstandenen Conflicte zwi­schen römischen und französischen Soldaten stehen mit den Projecten des wiener Sabi­ne ts und feiner Partei in Italien in eiNi­ger Verbindung.Das wiener Cabinet eben so gut, als das Petersburger, wissen sehr wohl, daß bei einer neuen Bewegung die revolutionäre Initiative im Kontinente nach Frankreich von Italien ausgehen dürfte, und darum werden sie auch Alles thun , sich nach jener Seite hin zu befestigen, und alles zu entfernen, was ihnen unter gewissen, jeden Tag möglichen Ver­hältnissen gefährlich werden könnte." So sagte mir ein Diplomat, der während der letzten Jahre in der Lage gewesen, die Bestrebungen der europäischen Di­plomatie in der Nähe zu betrachten. Nicht minder wichtig ist es, die Thätigkeit der österreichischen Ge- sammt Eintritts-Propaganda nach einer anderen Rich­tung hin zu beobachten. Das angebliche Mazzini'iche Manifest wurde auch von dieser Seite her in die Welt geschleudert und erhielt es dasJournal des Debats" nicht aus London, sondern von einer hiesigen Ge­sandtschaft, welche es als in Deutschland aufgefangen

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Der Zollverein auf der Londoner Industrie­ausstellung.

(Wes.-Ztg.)

Nächst England und Frankreich ninynt der deutsche Zollverein den größten Raum in der Ausstellung ein. Hier ist die reiche Beisteuer an Kunstwerken, besonders die der plastischen Kunst überraschend. Berlin, Mün­chen und Stuttgart haben sich gegenseitig überboten, um ihren Rang in der Weltausstellung zu behaupten. In erster Reihe steht die Amazone von Kiß in Zink gegossen und bronzirt von Geiß in Berlin. Diese Gruppe ist der Liebling der Besucher, und obgleich der Tatalkindruck durch ein dahinter stehendes roth beschla­genes Haus mit einem gemalten Fenster aus Mailand, etwas geschwächt wird, so überrascht doch die kühne Stellung dieser Gruppe. Der bayerische Löwe aus der Münchener Quadriga, von Müller in München gegossen, imponirt durch das Kolossale. Aber trotz seiner ungeheuern Größe ist der Löwe keine bestienartige Erscheinung, sondern eine edle, fast könnte man sagen, heroische Darstellung des Königs der Thiere. DaS Bildwerk von Hofer aus Stuttgart zeigt zwei arabische Pferde, die auf den Hinterfüßen stehen und von zwei Männern im Laufe gehemmt werden. Die Thiere sind wegen der in Gips nicht haltbaren Stell

erklärte. Sein Ursprung verräth sich am Inhalte. Man stellt Sardinien und Preußen als un­willkürliche Verbündete der Revolutions- Partei dar, um indirekt zu dem Schlüsse zu führen, daß die Feinde des Gesa mmt-Elntritts Oester­reichs Freunde der revolutionären Propa­ganda seien. Es bedurfte nicht erst der Desavoui- rung Mazzini's, um die Kabinette der beiden erwähnten Staaten vor diesem originellen Vorwarfe zu verwahren, diese diplomatische Flinte war ein wenig zu plump!" Was lernen wir daraus? Daß der alte Jesuiten­satz:der Zweck heiligt die Mittel!" der leitende Gedanke der Contrerevvlntivnspropaganda ist; daß jetzt diese Propaganda die Völker und Regierungen durch die Furcht vor halsabschneibcrischen Plänen der Revolutionsmänuer, die sie fabrizirt hat. t rrorifirr, daß die jetzige europäische Diplomatie also ganz und gar operirt, wie es in dem Brnchstück des Kardinal Retz, das wir gestern mütheilten, so treffend charakterisirt ist. Wenn also gleiche Ursachen dereinst zu gleichen Wirkungen führen, so fragen wir: Wer hat die Throne gefährdet, wer die Revolution von Neuem heraufbeschivorcn / Der Jesuitismus und niemand anders als der Jesuitismus, der von jeher der gefährlichste Feind nicht blos des Völkerfriedens, sondern mehr noch der Throne war. In England folgte den Umtrieben der Jesuiten unter den Stuarts der Sturz der Stuarts; Spanien schwand in Folge der Jesuitenherrschaft aus der Reiche der Großstaaten; Frankreich ward durch den Jesuitlsmus in die furcht­barste» Revolutionskrisen gestürzt, und Deutschland, Pas schon einmal im 17. Jahrhundert zu einer Wüste wurde, steht zum zweiten Male am Rande des Ver­derbens. Die europäischen Fürstenhäuser opfern Alles, um sich vor der Revolution zu retten, und die eigent­lichen Urheber aller Revolutionen, die Europa erst seit dem Bestehen des Jesuitenordens Stoß auf Stoß erschüttern, wirthschaften nach Belieben! Hat es jemals eine unseligere Verbleidung gegeben? Und wen täuscht man noch? Die Völker sind nicht mehr zu ^mi^^m, .fett es? Md europäische öffentliche Meinung giebt. Mag man die Presse noch so streng überwachen, die Volksvertretung noch so sehr beengen seit der Dampf die Nationen mit Windeseile zu­sammen führt und die Gedanken schneller als der Blitz die Welt durchstiegen, haben Präventiv- und Nepres- sivmaßregeln ihre Wirkung für das große Ganze verloren. . Eine Wahrheit fällt nicht mehr mit dem Sturze einer Zeitung, eine Partei nicht mehr mit der Verbannung eines Parteiführers: nicht Mazzini, nicht Ledru-Rollin, nicht Kinkel noch sonst ein Mann ist die italienische, die französische oder deutsche Revolu­tion ! Die Wölfe die man jetzt zu Schafmeisteru ge­macht hat, sind es, welche die ruhige Entwickelung Europas unmöglich machen.

i lung durch Baumstämme gestützt, wodurch die beiden Gruppen an Naturwahrheit leider verlieren. L i bu ssa und Podiebrad von Schwanthaler, in Bronze ; gegossen von M üllcr in München, sind für Prag bestimmt, doch sollen sie vorher den Namen des deut- j schen Künstlers in der Weltstadt verewigen. Schön, 1 edel und der wildromantischen Zeit angemessen, der die Dargestellten angehören, fordern diese beiten Statuen ebenso viel Anerkennung für den Bildhauer als für den Kunstgießer. Der saubere Guß und die meister­hafte Ciselirung sind als vollendet zu betrachten. Rietzschel aus Dresden hat einige Marmorar­beiten gesandt, dieselben nehmen in der Centralhalle des deutschen Zollvereins eine würdige Stelle ein. In Bronzeguß hat Fischer aus Berlin den Adler von Rauch, eine Danaide und ein betendes Mädchen gesandt. Die Arbeiten dieses Meisters sind bekannt und genügt seine Erwähnung. Uuübci troffen bleiben aber die Zinkgußarbeiten der Kuustgegeastânde , welche Berlin geliefert. Der Knabe mit dem Schwan von Kalide, gegossen von Geiß, ist in zwei Exemplaren ausgestellt. Die beiden Hirsche von Rauch, einige Statuen in rohem unbrpnzirten Zmkguß und mehrere Sâulenkapitâler aus der Geißschen Gießerei, denen sich ein Löwe, ein Panther, eine Venus (nach Canova) und Knabe mit dem Eichkätzchen, aus der Fabrik von Deva ranne und Sohu in Berlin anreihen, zeigen der Welt, welche, bis jetzt noch u mb rtroffene, Fort-

Luther und die Fürsten. I.

4= Es ist vor Kurzem mit vieler Sensation ein Ver­bot des preußischen Ministeriums gegen einen Auszug ausLuthers" Schriften ausgenommen worden und die Presse hat mit Ausnahme einiger frohlockenden Jesuiten­blätter aller Orten ihre Entrüstung über eine solche Maßregel ausgesprochen. Da hierdurch auf Luthers An­sichten über Fürsten und weltliche Obrigkeit überhaupt vo» Neuem eine allgemeinere Aufmerksamkeit hingelenkt wor­den ist, so wollen wir über diesen Gegenstand ein paar Proben aus seinen Schrisben unsern Lesern mitthcilen, wie sie uns eine Beschäftigung damit vor längerer Zei< schon zufällig in die Hände geführt haf.

Bei jeder Gelegenheit erhebt sich Luther mit der ganze» Schärfe seines Geistes, m t der ganzen plumpen Kraft seines Wortes gegen die schon in den ersten Jah­ren der Reformation von seinen Gegnern hin und wie­der versuchten Beschränkungen der Rede- und Drnck- freiheit. Diesem Gegenstand widmet er eine besondere Schriftvon weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei", mit einer Zuschrift an Herzog Johann von Sachsen. Diese Schrift, welche 1523, also in einer sehr bedenklichen Zeit, erschien, wo ine Baue nn iruhen schon an allen Enden drohten, wurde von der Gegenpartei furchtbar angegriffen und der Ver­fasser ganz laut des Verbrechens der beleidigten Maje­stät angeklagt. Gleichwohl wurde sie in Wittenberg, wo sie zuerst erschienen war, im folgenden Jahre von Neuem ohne Hinderniß aufgelegt, zum Beweise, in welchem Maße dort, wo j-tzt preußische Minister ge­bieten, Dâmal# die Druckcreigeit geübt wurde und durch welch eine großartige Unbefangenheit der Kurfü st und das Zeitalter sich selbst ehrten.

Nach einer Einleitung!, die heut zu Tage einen Schriftsteller in ein ganzes Wespennest von Criminal- untersnchangen verwickeln würde, und worin der Un­sinn und die Unchristlichkeit der ergangenen Bücherver­bote gerügt wird, heißt eS:

Ich habe vorhin ein Büchlein an den deut'chen Adel geschrieben und angezeigt, was sein christliches Amt und Werk sei; aber wie sie darnach gethan habe», ist genligsa n vor Augen. Darum muß ich meinen Fleiß wenden und nun schreiben, was sie auch lassen und nicht thun sollen. Und hoffe, siewerden sich eoen darnach richten, wie sie sich nach jenem gerichtet haben, daß sie ja Fürste» bleiben, und nimmer Christen werden. Denn Gott der Allmächtige unsere Fürste» toll gemacht hat, daß sie nicht anders meinen, sie mögen thun und gebieten ihren Untertha­nen, was sie nur wollen, und die Unterthanen auch irren, und glauben sie seien schuldi g dem allen zu folgen, so gar und ganz, daß sie nun angefangen haben, den Leuten zu gebieten, Bücher von sich zu thun, zu glauben und halten, was sie fürgeben; damit sich vermessen, auch in GotteS Stuhl

schritte der Zinkguß in Berlin gemacht hat. Die beiden Bestien, der Löwe und der Panther stehen alsWächter" am Eingänge der vom Baurath Stein "errichtete» Cenrra «-Halle dcs deutschen Zollvereins." Eine achteckige Rotunde mit von der Decke ein fallen dem Lichte birgt hier das Kostbarste, was der Zollverein zur W lkäusstellung geliefert hat. Die Meißner, Ber­liner und Münchener köiiigliche Porzellan-Manufak­turen, die Hanauer und Pforzheimer Jâwclie«, die BkH11 eben er und Augs bürger Möbeln, Mar­morarbeiten von Professor Rietzschuell aus Dresden und Drake aus Berlin, zwei kleine bronzene Statuetten von Franz aus Berlin, das St ein papen -Tableau von Gropius herrliche Gemälde. Die theils auf Bech und Porzellan ausgeführt sind, in Elfenbein kunstvoll geschnitzte Arbeiten und endlich eine Fontaine, Die das feinste Kölnische Wasser von Farina sprudeln läßt, und den Raum mit Wohlgeruch ermdt, dies Alles sieht hier zusammen und ivird durch das von oben eiudringcnde in itte Licht beleuchtet. Es macht dies auf den Bestich t einen ernsten Eindruck, Den man draußen in Den frei n luftigen Räumen des Glaspalastes nicht erhält. Bevor wir aber hineingelangen in Den Raum, der uns wie ein magischer Zauberkreis erscheint, von Dem man sich nicht wieder frei machen kann, fesselt uns ein heiteres lustiges Volksfest. Mehrere deutsche Spiel,vaarenfabri- fanten aus Dem Koburgseben haben das Schloß Rpfenau, Geburtsort des Prinzen Albert; mit einer Darstellung