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^ 118. Wiesbaden. Dienstag 20. Mai 1131
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Preußen als Initiativ staat.
X Der Fürstenkongreß in Olmütz schrumpft bereits nach den neuesten Nachrichten in eine große Erercitien- probe zusammen, der die beiden Kaiser, nicht jedoch ter König von Preußen beiwohnen wird. Letzterer soll sich mit der Enthüllung der Friedrichsstatue entschuldigt haben. Der Czar wird seinen Schwager nur bis Berlin begleiten, doch dann sofort nach Olmütz gehen, nach andern Nachrichten aber das preußische Gebiet gar nicht berühren. Gar sonderbar allerdings würde es sich auch ausnehmen, wenn Preußens Demü- thiger in Person dem Feste beiwohnen wollten, das dem Manne gilt, welcher mit Oesterreich und Rußland eine andere Sprache führte, als es jetzt officiell in Sanssouci beliebt ist, und welcher die glorreiche Ketzerei aussprach: „In meinen Staaten kann jeder nach seiner Fayon selig werden!"
'Front gegen die habsburgische Hauspolitik zu machen, selbst auf die Gefahr hin, mit dem halben Erdtheil es aufnehmen zu müssen; nicht zu demobilisiren, bis die Gegner im Staube lagen; die Zeitideen zu leite», nachdem ihre Schwungkraft entfesselt worden; Verfolgte zu reaktivsten, Fremde ins Land zu ziehen und durch sie neue Erwerbsquellen zu eröffnen; zu arbeite» Tag und Nacht ohne Rast und Ruh — daS waren die Lichtseiten der Regierung jenes Monarchen, der das Preußen d e r I n i t i a t i v e schuf, welches allein eine Berechtigung und eine glorreiche Stellung in der europäischen Staatenfamilie haben konnte und gehabt hat. Der alte Fritz betrachtete den Staat als ein Schiff, sich als den Kapitän: so hart und so despotisch, wie ein Befehlshaber zur See, doch zugleich so trotzig und verwegen, so unverdrossen und so rastlos war sein Be- Wühen. Er war kein Aristokrat und wollte keinen Aristokratenstaat; der Absolutismus des Genies war seine Staatsraisom Er achtete die Menschen wenig, doch er respektirte den Mensche» als Staatsglied, weil >r wußte, daß man nicht mit Sklaven etwas Großes vollbringen könne, sondern nur mit Männern. Aber diese Männer in sein Interesse zu ziehen, sie für seine» Staat dadurch zu gewinnen, daß er diesen absoluten Staat zum Staat der Initiative, des Fortschritts, zum Musterstaate machte, das war das Ziel se i n c ö Absolutismus. Hierin lag etwas Altrömisches: es fehlte dabei nicht die altrömische Härte, doch auch nicht die altrömische Ehre.
Wie sehr er auch von seinem Later an Geist und Gaben verschieden war und' wie spöttisch er über die steifleinene Orthodoxie des Protestantismus dachte, dennoch war er der echte Sohn seines Vaters, dennoch befolgte er streng die Politik, welche allein Preußen zur Großmacht erheben konnte.
Wie der Protestantismus in seiner historischen Stellung, die er im 16. Jahrhundert erhielt, eine Einseitigkeit geworden, der Gegensatz gegen den römischen Katholicismus
und wie er nur stark ist, solange er diese Position behauptet, so beruht das Geheimniß des preußischen StaalcS zunächst auf dem Gegensatze gegen die habsburgische Haus- po litik. So oft Preußen dieser Stellung ungetreu wurde, so oft es mit Oesterreich ging, kam es unter Oesterreich; sobald es aufhörte, proteiiautischcr Juitiatio- staat zu sein, wurde cs Trabant.
Im 18. Jahrhundert gab es drei katholische Staaten (katholisch im politischen Sinne), drei Autori- tätsstaaten: Frankreich, Oesterreich und Rußland, und eine protestantische Großmacht, England. Nachdem Schweden und Holland aufg^ yört hatten, in der großen Politik mitentscheidend zu reden, war eine Lücke entstanden: Preußen drängte sich als kecker Emporköuun- ling hmein und die Zeit war günstig wie feine Lage. Preußen wurde der Staat des Fortschritts, indem es auflöste, was aufgelöst werden mußte: das Heilige römische Reich. Im Westen lag seine Kraft, in den Ideen des Westens und mit England zusammen focht cs den 7jährigen Krieg aus, der eine Rebellion war, wenn wir die Sache vom Standpunkte des sogenannte» historischen Rechtes betrachte». Preußen wurde zwar noch nicht der erste moderne Staat des Kontinentes, doch dessen Vorläufer. Es hatte Alles erobert und angebahnt, was dazu gehört, um den Fortschritt zum Verfassungsstaate mache» zu könye» ohne Revolution. Doch als Friedrich II. starb, ward der Gedanke des preußische» Jnitiativstaates begraben.
Nach unsäglichen bitteren Erfahrungen ergriff Preußen noch einmal die Initiative: als der undankbare Sohn der französische» Revolution Europa knechtete, erhob sich das preußische Volk zur Rettung. Der äußere F(ind ward besiegt, doch im Bunde mit den östlichen Mächten. Sich von dieser schlimmen Freundschaft zu befreien, galt es nu». Preußen stand am Scheidewege. Es schn ankte^ doch „Halo zog es ihn, halb sank er hin", der Genius Preußeiw. Dir Heilige Alltanz ward geschlossen, Preußens Fürstenhaus wandte sich nach Osten, während der Geist des Volkes nach Westen gerichtet blieb.
Fortan wird Preußens Politik eine fortlaufende Reihe verpaßter Momente. Als Polen sich erhob, nachdem in Frankreich die Bourbonen wieder vertrieben waren, da lag in Preußens Hand Europas Geschick zum zweiten Male; doch wie nach den „Freiheitskriegen", so entschied auch jetzt wiederum daS dynastische Interesse für Rußland und Oesterreich. Poleu fiel und Frankreichs „ Vurgerkönig^ folgte Preußens Richtung.
So kam das Jahr 1840, wo Preußens König zum dritten Male Europas Schicksal in Händen hatte. Acht Jahre lang dauerte die Krisis, bis das Jahr 1848 kam und gegen Preußens Hauspolitik protestirtr. Das „Zu spat!" erdrückte jeden Aufschwung Preußen schwankte zwischen Vorwärts und Rückwärts, es liebäugelte mit der Revolution, die ihm Großes bot, und mit der Reaktion, die ihm Schweres drohte. Was würde Friedrich II., wenn er Sohn des neunzehnten Jahrhun
derts gewesen, gethan haben? — Friedrich Wilhelm IV. schwankte und schwankte. Radowitz agctirte als katholisch e r Staatsmann auf protestantischem Terrain: daher-ie Zweideutigkeit seiner Stellung. Manteuffel wurde leitender Minister. Was ist der Charakter seiner Politik? Manteuffel operirt nicht, er läßt mit sich operi- re»; er ergreift nie die Initiative, sonder» ist ein abgesagter Feiilv derselben: Initiative und Revolution gelten ihm gleichbedeutend. Nie gab es einen frappanteren Gegensatz, als die Politik dieses Mannes und die des großen Friedrich.
Wenn die neuesten Anoeuttlngen, welche uns über die Warschauer Konferenz zugehen, richtig sind, so handelt es sich um „eine vollständige Annäherung und Vereinigung der Regiernngen von Rußland, Oesterreich und Preußen." — „„Heute bin ich noch der Revo- Illtion gewachsen, ich kann sie allenthalben niederwtr- fen — in zwei Jahren vielleicht nicht mehr!"" soll Kaiser Nikolaus gesagt haben.
Der Czar hat, von seinem Standpunkte auS, ein wahres Wort gesprochen: er kau» die „Revolution" heute noch niederwersen; doch ist die Revolution blos ein greifbares Ding? Wenn Preußen heute als Revolution sftaat aufträte, gewiß, es wäre verloren. In den Jahren 1817, 1830 und 1848 stand eS allerdings anders. — Aber warum nicht zuwarten? Es ist zu spät! Das braucht uns Herr von Manteuffel nicht mehr zu deduciren; aber warum ist es zu spät? Weil die preußischen Staatsinänner Initiative und Revolution veiwechseln, rveil sie das Kind mit dem Bade ausgeschüttet haben.
Die Welcgejchichte geht ihren ehernen Gang. Zwei Jahre, was bedeuten sie für das Leben der Völker? Wenn wir den Kaiser von Rußland recht verstehen, so ist sei» Ausspruch derselbe, den Kaiser Franz einst gethan haben soll: „Mich und den Metternich hält's noch aus"! — Es ist kje Größe des Kaisers Nikolaus , daß er als Selbstherrscher aller Reußen so yandett, wie er handelt; es ist auch ein Beweis seines Scharchlicks, daß er den Ernst der Situation so klar erkennt; Friedrich IL als Kaiser von Rußland würde ähnlich geredet haben; doch als König von Preußen k Als solcher würde er es gewagt haben, der Revolution auf Jahrhunderte vorzubengen dadurch, daß er sich mit der Revolution indentificirte, daß er Die Mission^ Preußens als Jniüatrvstaat vollendete — allerdings ein kübnes Unternehme», doch ein Wagestück, dessen dieses Genie fähig gewesen wäre. Dabei wäre» allerdings Oesterreich liud Preußen darauf gegangen, doch aus dem Chaos würde ein europäisches Mitlclreich von größerer Lebensfähigkeit und Kraft entstanden sein, das die deutschen Dynastieen zwar verschlungen hätte, doch durch daS die Monarchie in Deutschland vielleicht auf Jahrhunderte noch gerettet worden wäre.
Industrie-Ausstellung aller Völker.
Nach der „Köln Ztg."
Zum ersten Mal in der Weltgeschichte haben sich die Völker aus dem Beweggründe rühmlichen Wetteifers vereinigt und die ausgewäh len Früchte ihrer Civilisation zniammengebracht, um sie dem Urtheil einer internationalen Jmy zu unterlegen. Die Bildung bei einer solchen internationalen Jury ist die zweite folgenreiche Thatsache, ivclche sich in der neuen vom 1. Mai 1851 zu batikenden Pya e menschlicher Cultur darbietet. Die Jury hat sich nunmehr vollständig eonstituirt und hält täglich von cilf bis ein Uhr ihre Sitzungen.
Bis jetzt hatte sich nur die ephemere Tages-Literatur der Aufstellung bemächtigt; allein kaum sind vierzehn Tage vorbei, so regnet es bereits Ankündigungen von Broschüren, Encyklopäbieen, wie einzelner Monvgraphiccn und Illustrationen in allen möglichen Formen. Auf den Straßen werden Schnupftücher verkauft, bedruckt mit der Ansicht des Krystall-Palastes und einem Plane seines Inner»; derselben Abbildung begegnet man auf Dosen, Gebbörsen, Kästen und Schachteln der verschiedensten Gattung, Brief-Vignetten u. s. w.; selbst die Kochklinst bringt bereits einen Exhibition pudding. Abgesehen von diesen Spielereien, dürfte auch manches Praktische und dauernd Nützliche erscheinen. Zunächst eine neue mit, vollständige Ausgabe des Katalogs, welcher alsdann
ein wahres Adreßbuch der Welt-Industrie wrden könnte. Nicht minder wäre für den unmittelbaren Zweck, „wie man die Ausstellung besetzen soll", durch wohlfeile und verständig abgefaßte .Führer" und .Anleitungen" zumal Fremden und Leuten aus den niederen Gewerbsständen eine wesentliche Erleichterung zu bieten. Zur Orientirung über den Zeitbedarf bemerke ich, daß der ganze Krystall- Palast in etwa 2000 Räume von 24 Fuß Länge und Breite (immer je zwischen vier Säulen) eingetheilt gedacht werden kann. Will man jedem solchen Raume nur eine einzige Minute widmen, jo wären dazu nicht weniger als als 34 Stunden oder vier volle Ausstellungstage (von zehn bis sechs Uhr) erfordeilich. Mancher dieser Räume wird freilich für den in der Zeit Gedrängten auch schneller zu beschauen sein, mancher andere dagegen ihn weit länger fesseln. Dazu bedarf es eben zu wissen, wo und wie, und gewiß werden solche „Führer", wie man sic vorbereitet: „die Ausstellung in einem, in zwei, in drei Tagen zu seheir", „die Ausstellung für einen Mechaniker, für einen Landwirth, für einen Bergmann, für einen Chemiker" u. s. w., ein sich täglich mehr fühlbarmachendes Bedürfniß befriedigen. — Allmählich macht sich der Fremdenzug vom Conti- nend bemerkbarer, während der Besuch von den englischen Inseln mäßiger wird. Zwar nehmen die Blätter knrchschnittluy eine Zahl von 40,000 Personen an, welche dermalen täglich hier ein treffen und abreisen, und wenn man die langen, fast stündlich sich wieder
holenden Bahnzüge, dabei noch die Dampfboote sieht, so wird man die Zahl nicht übertrieben finden. Der einstimmige Beifall, den das Unternehmen sinket, sein seither glücklicher und gefahrloser Verlauf bestimmt manche unschlüssige Leute, welche erst zuwarten und hören wollten. Wenn einmal die „ShillingStage" anfangen, so dürften auS den nördlichen Departements von Frankreich und aus Belgien starke Zuzüge von Arbeitern zu erwarte» fein. Die dortige» Regierungen und Gesellschaften wollen denselben freie Fahrt auf der Eisenbahn zugestehen.
Daß der Krystall-Palast nicht nur die Kosten seines Baues und seiner derzeitigen Unterhaltung ein« bringen, sondern auch einen bedeutenden Ueberschuß abwerfen wird, ergibt sich bereits aus dem Ertrag der verflossenen vierzehn Tage. Derselbe beläuft sich auf nicht weniger als 95,500 Pfund, wovon 8400 allein für Saison - Billets sind, deren Verkauf noch ntfmn fortgeht. Seit dem 5. Mai, wo die 5 Spillinge begonnen, hat die Einnahme an der Casse durchschnittlich 1600 Pfund betragen. Bei solchen Aussichten denkt man bereits an außerordentliche Projecte. Alle wünschen, den Glas-Palast dauernd zu erhalten, Viele auch, die ausgestellten Gegenstände mit Wahl an sich zu bringen und zu einem großen Museum der Welt- Industrie zu vereinigen. Die Amerikaner, welche sich zum Ankauf des Gebäudes erboten hatten, um im nächsten Jahre ihre Ausstellung darin zu halten, wer-