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M LA« Wiesbaden Lam^tag 17 Mai 1^41
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D ie Unverbesserlichen.
X Der Schlußmoral aus dem alten Hebkl'schen Schatzkästleinshistörchen von den beiden Postillions ist zwar sehr trivial, aber sie veranschaulicht sehr drastisch den gewöhnlichen Gang nicht blos postalischer Dinge. „Schlägst Du meinen Juden, schlag ich Deinen Juden!" pflegt es auch in der Politik zu heißen. Der Druck führt zum Gegendruck, der Satz zum Gegensatz! Man muß Ainboß oder Hammer sein oder kann darauf rechnen, daß man zermalmt wird. Das haben alle Mlttelparteien in der europäischen Bewegung der letzten Jahre erfahren; doch der Zerreibungoprozeß ist bei Weitem noch nicht zu Ende.
An den Männern des Justemilien, an den konstitutionellen Mitteltinten hat sich dies Gesetz zuerst geltend gemacht. Die Bewegung greift aber bereits weiter: nach und nach werden alle'Zwischenglieder zerrieben werden, welche zwischen dem alten und neuen Staat, zwischen Absolutismus und Demokratie vereinbaren und eine gemischte Ehe zwischen der Fürsten- und Volkssouveränität vermitteln wollen. Die Junker fühlen dies sowohl in Oesterreich wie Preußen und überall: sie werfen sich deshalb der absoluten Staatsraison unbedingt in die Arme und treten gegen jede Reform auf. Denn es ist ganz richtig: sie inüffen bleiben, was sie sind oder aufhören zu sein, gerade wie die Jesuiten. Darin besteht ihre UnverbesserliHkeit, welche ihnen eine Nothwendigkeit ist. . Die BomPons und alle, welche die bonrbonische Legitimitätspokitik wollen, können nichts lernen, weil sie nicht dürfen; sobald sie Konzessionen machen, sobald sie A sagen, müssen sie auch B sagen.
Die ganze Reaktion muß das: „Unverbesserlich!" auf ihre Fahne schreiben: jede Besserung ist für sie eine Verschlimmerung, jeder Fortschritt für sie ein Rückschritt, jede Reform ein Haar, das sie der Revolution geben.
Das ist ras Fatalistische der Reaction, daß sie sich zu Allem negativ verhalten und den alten Say bestätigen muß, daß man nicht Feigen von den Disteln, noch Trauben von den Dornen lesen kann. Diejenigen Politiker, welche meinten, die Reaktion könne auch Aktion werden, sie könne etwas Neues schassen, verlangten etwas, was man nicht verlangen darf; diejenigen, welche glaubten, der alte Bundestag könne sich wirklich verjüngen, waren grade so psisig, wie die Gasser auf dem alten Bilde, welches die Mühle varstellt, „alte Weiber jung zu machen." .
Es haben sich in dieser Beziehung Männer getan,cht, denen man es kaum hätte zutrauen mögen. Als Fürst Schwarzenberg die Zügel der österreichnchen Regierung ergriff, dachte er wohl nicht, daß seine Politik in dem- selben Momente, wo er etwas thun, wo er den alten Kaiserstaat modernisiren wolle, zwischen die Maschinenräder gerathen würde. Und dennoch wird er
Glosse.
Nicht in kalten Mannorsteinen Nicht in Tempeln dumpf und todt,
In den frischen Eichenhainen Webt und rauscht der deutsche Gott!
U h l a ii 6.
Willst Du Deinen ®<iü erheben,
Zum Gefühl, dem wahren, reuen ,
Mußt es suchen in dem Leben,
Nicht in kalten Marm0rsteiuen!
Willst Du im Gebete schwärmen,
Schau der Sonne Abendroth —
Da wird sich Dein Geist erwärmen — Nicht in Tein Vein d uni p f und todt!
Denn Dein Herz wird freier schlag-n,
Schöner Dir die Erde scheinen, — Stolzer wirst Dein Haupt Du tragen, In den frischen Eichenhainen!
Dich durchzieht ein HiminelSabnen —
Machtlos stiebt Sopbisten - Spott
In den alten grünen Fahnen
Weht "iid rauscht der deutsche Gott!
E. S.....
diesem Schicksale so wenm'g entgehen, als Schmerling, den bereits die Nemesis ereilt hat.
Die centralistische Politik Schwarzenbergs wü te, wenn sie Wurzeln faßte, der Aristokratie gerade so verderblich werden, wie eine konstitutionelle. In einem Verfassungsstaate ließe sich für die Aristokratie eine Zukunft denken, ähnlich wie in England; doch in einem Staate, wie Schwarzenberg ihn anstrebt, kann es im glücklichsten Falle zu einem Zeitalter Ludwigs XIV. kommen, in welchem der Adel zum puren Hofadel herabgedrückt und degenerirt werden würde. Daß ein Zeitalter Louis XIV. aber bei unserer raschen Entwickelung bald genug zu einer Revolutionsepoche führen würde, wo der Throi aller Stützen entbehrte, das kann ein Kind einsehen.
Die Repräsentanten der alten österreichischen Aristo-, fraise vertrugen sich so vortrefflich mit Metternich, weil er dies 3,11 würdigen wußte; und sie werden, wenn auch nicht agf Metternichs Person, so doch auf Metternichs System, zurücksteuern und folglich Schwarzenbergs Centralismus stürtzen müssen. Wer einen tieferen Blick in das Getriebe der Reaktion hat, der wird wissen, daß vom ersten Tage des Schwar- zenbergschen oder vielmehr Stadionschen Systems an eine dumpfe Opposition sich geltend machte. Winkisch- grätz ward gestürtzt, aber nicht seine Partei. Die Erzherzogin Sophie ist eine persönliche Feindin Metternichs ; aber sollte sie nicht im Momente der Krisis doch lieber Schwarzenberg^vpfern, als den Thron ihres Sohnes gefährden wollen?
Wenn nicht alle Zeichen der Zeit trügen, so rech, net die gesaminte europäische alte Aristokratie ans eine Restauration, die über Schwarzenberg hinausgehen wird. Die Wiederherstellung des alten Bundestags ist der erste Schritt dazu. Soll das Jahr 1852 die Revolution abschließen, so muß es Metternich wieder in Oesterreich, wie Heinrich V. in Frankreich restauriren, oder ein Interim folgt dem andern, bis das Dkfimtlvum Vuir tni .5?ö I f e r 11 ^usâvi oMen w»vd.
Deutschland
© Vom Mühlberg am Höchst, Mitte Mai. Je alter man wird, je mehr man lernen kann! - Dieses Jahr regiert der Planet Merkur, darum ist es so kalt und rauh, so trüb und regnerisch. Wo steht das geschrieben? Im hundertjährigen Kalender. Das ist ein Orakelspruch für manchen alten erfahrenen Landmanu; wie auf die Bibel verläßt er sich ans diesen alten Hausfreund. Er sagt ihm genau die Witterungs-Verhältnisse, das Gedeihen oder Mißrathen jeder Fruchtgattung und was man in jedem Monat das Jahr hindurch thun soll, voraus; er ist demgemäß ein Rathgeber, der nicht zu verachten wäre, wenn das Alles richtig erfolgte; aber es trifft k und dann zu, darum wird er heilig gehalten. Schade, daß
Die Jndttsirieausstcllung.
(Nat.-Ztg.)
Es ist mit der Ausstellung wie mit der Revolution. Nach den neuesten diplomatischen For- schnngen besteht die Revolution nicht blos in Barrikaden, Verschwörungen und untern Ereignissen, die so körperlicher Natur sind, daß ein Gensdarm sie greifen kann, sondern hat wie ein allgegenwärtiges Fluidum die ganze menschliche Gesellschaft, sogar die leblose Körperwelt durchdrungen. Es giebt nicht blos revolu tionäre Menschen und Bücher, sondern auch revolutionäre Farben und Töne, revolutionäre Schnurr- und Backenbärte, Halstücher, Armbänder und Broschen und, was das Allerschlimmste ist, sogar revolutionäre Gedanken. Trägt die Rose nicht die Farbe der rothen Republik, ist nicht die Blutnclke das Symbol der Guillotine? Das Morgenroth ist eine offenbare Verhöhnung des Belagerungszustandes, und Hekla, Vesuv und Stromboli sollten längst hinter Schloß und Riegel sein. Wäre ich ein Sicherheitsbeamter, ich traute selbst dem Laach er See nicht; er behauptet zwar, daß er ein ausgebrannter Krater sei und thut so, als ob er mit Wasser gefüllt- wäre, aber wer kann wissen, welche teuflische demokratische List dahinter steckt? Durch tiefsinnige Stukieii, auf die ich mir viel zu Gute thue, habe ich ermittelt, daß es sich mit der Ausstellung ganz ähnlich.verhält. Sie hat „ihren Sitz und ihre
jener Kalender so wenig verbreitet, so wenig bekannt ist; was könnte er für ein großen Nuyen stiften, wenn er in jedermanns Hand und das wahr wäre, was eö prophezeit — Man muß dem Manne, der einen solchen besitzt, gute Worte geben, wenn er ihn zeigen soll; man könnte daraus etwas lernen. Neulich fiel mir ein solches hundertjähriges Orakel in die Hände und da einmal von Kalender in diesen Blättern die Rede war: so kann es vielleicht Interesse haber, darüber Etwas zu hören.
Der hundertjährige Kalender ist, wie auch sein Name anzeigt, ein Büchlein uralten Zuschnitts; er stammt noch aus der Zeit, wo man nur sieben Planeten in unserm Sonnensystem kannte und auf diese sieben Planeten: Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Merkur, Luna oder Mond ist der ganze Kalender dasirt. M r Saturn beginnt und mit dem Monde schließt dw siebenjäo- rigeZeitperiode; man sieht, daß wir demgemäß alle sieben Jahre gleichförmige Jahre haben müßten, was a posteriori, v. h. aus der Erfahrung erkannt, nicht richtig ist. Es kann aber auch a priori, d. h. nach Gründen der Vernunft, nicht gerechtfertigt werden, daß diese sieben Sterne die Welt, die Jahre beherrschen sollten; denn es sind ja noch andere Planeten seit jenen Zeiten entdeckt worden, die nothwendig auch ihre Mü- rrgcntschast äußern müßten, da sie eben so gut zum großen Weltall, als auch jene sieben gehören. Es liegt eine große Willkührlichkeit in der Annahme seyet sieben Regentsterne , die nicht einmal alle Planeten sind, — die Sonne ist ein Fixstern, der Mond cm Trabant, ein Nebenplanet — es liegt darin eine Fa- beley, die nicht größer, als sie hier gemacht wird, sein kann; denn wie soll die Sonne, wie soll der Mond ein Jahr einen größern, einen geringeren Einfluß als im andern auf die Erde haben, da ihre Constellationc» gegen einander dieselben bleiben. Soll zum Beispiel der Mond in einem der sieben Jahre eine einflußreichere Beziehung zur Erde haben und äußern: so müßte . er not^wendi^erweise in ein näheres Verhältniß zu nicht gelten und angenommen werden. Daß der Moüv in seiner Erdnähe mehr ans unseren Planeten, als in der Erdferne wirke, das rst bekannte Sache, ab r tiefe Nähen und Fein n bleiben sich jedes J.chr g'ei*, folglich kann dem Monde keine besondere Jahresrechenschaft zirgeschrieben werten. Daß der Mond, die Sonne und andere Sterne Emfluß auf unsere Erde t aben 11 w äußern, kann vernünftigerweise nicht in Abrede gestellt werden; so schreibt man dem Monde die Ebbe und Flmt> der Meere, der Sonne ja Licht und Wärme zu; das; aber die Sterne der Reihe nach, wechselweise, das eine Jal>r dieser, das andere jener Stern die Erde vorzugsweise beherrschen mW regieren soll, ist eine Ungereimtheit, wozu sich keine Gründe aufsinden unv angebeii lassen. Die in neuerer Zeit entdeckten Puncten , als Uranus. Vesta, Ceres, Pallas, Juno rc., müßten alSd.mn auch eure Rolle in dem Wittenmgsvcrhältmsse auf der Erde spielen
Wurzel" nicht bloß in Hydcpark. Sie ist allgegenwärtig, alldurchdringeiid und wandelbarer als Pi oleus. Draußen thront sie als reizende Fee, aber in her Stadt, ja im ganzen Lande geht sie umher in Knechtsgestalt, zuweilen gar als häßliche Nixe. Was man hört und sieht, ist Exhibition, was man kauft und genießt, Exhibition. Es gab einst einen B;ü- cherkultus, dann einen Sonntag-, Kaiser von Rußland-, Lißt- und Jenny Lind-Kultus. Von allen ist Nichts geblieben, als der Blüchersiiefel, der hente noch in ben Schaufenstern mit dem Wellington stiefel rivalisirt. Heuer ist das Zeitalter des Erhibitionskultus. Es gibt Exhibitions-Hüte, -Cigarren, -Puddings, -Stöcke, -Thees, -Kaffees und -Schwefel Hölzer und vor Allem ©rbibu tions-Preise. Einem wird gekündigt; er fragt wiiy ? Owing to the exhibition! Ich setze mich tu meinem Klub zu Tische und bemerke eine seltsame Aufregung. Einer kant, als hätte er den Kinnbackenkrampf, der Zweite hält den Porter gegen das Licht, der Dritte addirt die Rosine» im Pudding; exhibition! murmelt es rings um die Tafel. In tiefen Gedanken über die Beefsteaks auf der Schüssel und daS Deutsch im „Mo: - mng Chronicle" wandle ich Henn. Ein grüner Regen spricht auf meinen Hut, ich »ehe auf; exhibition! adv segnest der Bursche, der mit dem Farbentopf auf dem Gtfimie' sitzt. Verzweifelnd flüchte ich mich in reu Omnibus, mit dein ich hundertmal gefahren, zahle beim Aussteigen Sirpence und erwarte die Hälfte zurück.