„Freiherr und liecht!^
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Die „Frrie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme deS Montags, tätlich in einem Bogen - Der AbonnemeniüpreiS beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden I fl 45 ft., auswärts durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. — Inserate werden bereitwillig aufgrmtmtn und find bei der großen Verbreitung der ,-,Freien Zeitung" stets von wirksamem Er» folge — Die Jnserationsgebühren betragen für die vierspaltige Petüzeile â fr. .
Zur handelspolitischer» Aufklärung
g Frankfurt a. M, 14. Mai. Kast täglich erhalten wir hier Berichte von unsern Gewerbtreibenven, welche nach London zur großen „Weltmesse" geeilt sind, seit ein paar Tagen ist ein Frankfurter zu- rückgekehrt und erzählt, was er dort gesehen und bewundert hat. Es ist Alles Lüge, was die Allarckiste« und GestÄtenseher verbreitet haben — es ist Lüge, daß die Fremden dort geprellt werden, Lüge, daß die Wohnung, Nahrung und Bedienung dort so übermäßig Muer seien; es ist Lüge, daß der Fremde dort Jedermanns Beute sei. Die Wohnungen sind im Gegentheil nicht theurer, als sonst, die Nahrung und Bedienung auch nicht und die Fremden werden dort mit besonderer Zuvorkommenheit behandelt. Die Ausstellung ist von Privatmännern unternommen, der Bau des Glaspalastes ist ein Privatunttrnëomen , kein Parlamentsbeschluß, keine Staatsunterstützung ist ihm zu Hülfe gekommen. Die Idee war erdacht, sie wurde ausgeführt, Subskriptionen wurden zur Deckung der hauptsächlichsten Kosten eröffnet und nun steht das Wunderwerk vor den Augen des entzückten Publikums der beiden Welten da.
Alle Berichte stimmen nun darin überein, daß die Ausstellungsgegenstände der Staaten, wo der freie Verkehr durch keine Schutz- und Prohibitivzölle, durch keinen Gewerbzwang gehemmt ist, den Preis davon tragen. Vor den Messern und Klingen der großen englischen Fabriken Sheffield's rufen die erstaunten Feau- zosen aus: „Wenn unsere Fabrikanten Stahl und Eisen zollfrei bessrhen sönnen, dann werden sie es eben so gut machen." Bei dem Anblick der leichten und eleganten englischem Equipagen gestehen die französischen Wagenbauer zu: „Sobald diesen geschmackvollen Equipagen der Eingang in Frankieich erlaubt wird, machen wir sie eben so schön und wohlfeiler als die Engländer, setzt aber dürfen wir nicht einmal Modelle davon ein- führen". — Viel Aufsehen erregen die Banker, die brodirten Mousselinö, die TaffetaS und Sammtzeuge aus der Schweiz, einem Lande, welches das Rohmaterial erst auf Umwegen erhält, dessen Lage jede Com- munication erschwert und also auch vertheuert. Dennoch zeichnen sich ihre Artikel durch Wohlfeilheit und gute Qualität aus. In der Schweiz aber ist auch der Verkehr und das Gewerbe von jeder drückenden Fessel befreit. Länder dagegen, wo hohe Schutz- und Prohibitivzölle Handel und Fabrik drücken, haben entweder gar keine Gegenstände nach London gesandt, oder solche, welche die Concurrenz nicht bestehen können. Catalo- nitn ist die gewerbthätigste Provinz Spaniens, die Fabrikanten, welche dort aber der Mehrzahl nach für die Prohibitivzölle schwärmen, haben keins ihrer Fabrikate nach London gesandt: Beweis genug, daß sie das Tageslicht in dem Wettkampf der Concurrenz schönen.
Als unlängst das englische Ministerium interpeUirt
wurde, ob ein Gesetz bestehe, vrnach den Fremden in England Pässe abverlangt worin dürften — da antwortete Lord Ruffel: „$em'."uiD Cobden trat auf und sagte: „Ich erkläre also la. und offen und rufe es den lieben Gästen, welche ar aller Welt zu uns kommen, zu: Ihr braucht keiuePässe! Kommt her- ohne Pässe!" Was mögen die vcischen Polizisten und Spione bei solchen Worten für vsichter geschnitten habeni ^
Zu derselben Zeit, als die JndusseauSstellung für alle Nationen eröffnet wurst, erschienhier ein Büchlein von A. Christ mit dem Titel: Ueber den ge- geüwärtigen Stand der Frage der Hutzzölle." In diesem Büchlein sind unter Andcrm fgrnde wunderliche Dinge zu lesen: „Zahlen wir ki Güter höher, so werden sie uns auch höher bezahlt."
Mit Hülfe solcher Pgrasen sollen dichohen Schnch- zvile vertheidigt werden, welche die Gifr v «heuern. Der gute Mann denkt dabei natürlich nick an die große Mehrzahl der deutschen ©iwfuinenteii, webe wenig oder gar nichts besitzen und also auch nicht ir Stanke sind ihre Bedürfnisse theuer zu bezahlen. Bin Absatz der Waaren, sagt der Herr Christ, sei der mere Verkehr entscheidend, weil er ums 14—15fache ke auswärtigen Absatz auSmache. Für wen. werden beim go die Waaren vertheuert durch die hohen Zölle? — Dch mir für die Inländer! Herr Christ berührt natürlich die-Frage von Lohn der Arbeiter wenig ofer gar mch— sonst hätte er gestehen muffen, daß, wie hoch ane die Schutzzölle für die Herren Fabrikanten sich steigern sie doch Carum ihren Arbeitern nicht mehr Lohn geben.
Er verlangt natürlich wie alle Schutzzllner: freie Ein- fichr der Rohstoffe, also auch der Proncte des Acker- baues. Da nun % bis % der Bawhner Deutsch- iakds vom Ackerbau leben so mußk^ooch auch auf sie Rücksicht genommen, auch für sissSchntz gefordert werden, das geschieht aber nicht Im Gegentheil wird die Ausfuhr deutscher Wolle mb Felle durch einen AusgangszoU erschwert; auch as Getraide darf nicht ausgeführt werden, wenn eineTheurrung eintritt.
Am ausführlichsten hebt H. Christ hervor, daß die Industrie einen Staatszwei erfülle und barmn auch vom Staate beschützt werden nüsse. Den ScaatSzweck schützt nun Jeder vor, Der knie bessern Gründe weiß. Als uns die Minister tu aller deutschen Staaten was octroyirten, da gaben sie imaer höhere Staaisgrünve vov; als Hr. Hassenpflug die Verfassung bei Seite warst und die Baiern und Österreicher in's Land rief und den Belagerungszustand über friedliche Städte und Gegenden verhängen ließ, bi schützte er höhere Staats- gründe vor. Wer schützt Mn den Ackerbau, wer schützt denn jede andere Arbeit, sie doch auch national ist § Denn jedes Produkt deutsche Thätigkeit ist dvch deutsche vaterländische Arbeit. Werbeschützt denn Die deutschen Schriftsteller in ihrer Arbei , wer die Buchdrucker und Buchhändler, etwa der Start mit seinen Prcßgesetzen, mit der Concessionseutziehmg und was all noch er
funden sein, mag um den Buchhandel zu lähmen, mit die Druckereien zu schließen und die Schriftsteller einzusperren!
Der Verfasser deutschthümelt denn auch ans allen Tonarten und frißt in jeder Phrase ein paar Dutzend Franzosen auf. Er beklagt es, „daß man gegenwärtig ganze Straßen mit französischen Ueberschriften und alle neueren Waaren mit den barbarischsten ausländischen Namen besudelt sinket." Wie albern! Wenn französische und englische Ueberschriften an den Buden sind, so ist es nur deshalb, weil sich französische und englische Käufer einfinden; in London gibts französische und deutsche Ueberschriften, in Paris englische und deutsche. — Hr. Christ will aber auch deutsche Moden schaffen, gerade wie unser kindisch grworvener Turn, Vater Jahn. Er weiß aber nicht, daß die elegantesten Schneider in Paris und London Deutsche sind, daß sich heute noch die bekanntesten Modeschneider in London Lehrlinge von Stütz nennen, welcher, ans Deutschland stammend, in London ein Millionär geworden ist; er weiß nicht, daß die eisten und größten Mvbelin cher in Paris Deutsche sind, und daß, wenn sie in Frankreich keine G werbefreiheit gefunden, sie dort auch feine Arbeit und sein Unterkommen gefunden hätten. Wenn heute Amerika Gewerbezi>>ang einführte, und deutsche Arbeiter und deutsche Arbeit zurückwiese, wie stünde es dann um so viele arme deutsche Auswanderer ? Geht hin in alle Welt, überall findet ihr Deutsche und fast überall befinden sie sich wohler als daheim, und hier gibt es nun noch Menschen, welche das Volk bethören, ihm den blindesten albernsten Haß gegen das Fremde und die Fremden el stoßen wollen! Wir wollen diese Männer und ihre Tendenz noch näher beleuchten.
Deutschland.
Q Vom TaunuS. (Der Streit über das S t e r b l i ch k e i t s v e r h ä k t u i ß i n Nassau und die M ediöl n al ö rga n ifatioii.) Das in No. 107 der „Freien Ztg." mitgethrilte Mortalitätöverhältniß war vielen Nassauer AerPen eine unangenehme Ueberra- schung und mir selbst Dünste es auf den ersten Blick fehlerhaft zu sein. Doch eine genaue Nachrechnung überzâigte mich zubald, daß sie richtig ist unb beraubte mich dèr angenehmen Freude, sie widerlegen zu könne i. Zwischenzeillich unternahm aber in No. 111 dieser Zeitung ein Correspondeut aus Wiesbaden, die unglücks- per heißende Rechn una in No. 107, welche das schlimme Mortalitätsverhältniß in Nassau öffentlich verkündigte, zu widerlegen. Allein bei näherer Ansicht und Vergleichung dieser Widerlegung mit den benutzten Materialien drängte sich mir wieder die Ueberzeugung auf, daß sie, schreckensvoll genug! gerade das unglückliche Resultat bestätigt. Es ist unaugenehm, dieses sagen zu müssen; aber ist einmal diese Angelegenheit an das Licht der Oeffentlichkeit gezogen, so geziemt es auch der
S a i s o »» s k i z z e n.
I.
X Wiesbaden, 15. Mai. Die friedlichen Invasionen sind an der Tagesordnung. Je mehr die Völker sich kennen, desto mehr werden sie sich verstehen und lieben lernen, desto mehr der großen Idee der Völkerverbrüderung entgegenrelfcU. Auch „ die weltbe- rffhmten Schattengänge von Wiesbaden", wie die Franzosen unsere reizenden Umgebungen zu bezeichnen pflegen, werden nach wie vor als Tempelhalleu dieser Zeitiree dienen. Zwar hat das Frühlingswetter in seiner abnormen Rauhheit die Saison noch sehr gedrückt, aber die schönen Tage werden kommen und reichen Ersatz bringen. Die Deutschen strömen nach London, doch nach der Unruhe wird ihnen ein Ausruhen tn den grünen Oasen der Taunusbäder doppelt erwünscht fein; und die Engländer, sie strömen nach dem Kontinente, sobald sie sich im Kristallpalaste ersättigt haben. Englische und französische Spekulanten haben sich vereinigt, Rcisekaravanen aus Paris und London auf die angenehmste und billigste Weise durch Belgien nach dem Rheine zu befördern. Für 500 Francs werden die Gäste vier Wochen lang von Köln bis Baden-Baden spazieren geführt. Wöchentlich gehen Züge von London und Paris ab, die in Brüssel zu- fammentreffen, Gent, Brügge, Antwerpen, Löwen, Lüttich, Aachen, Köln, KönigSwiiiter, Koblenz, Mainz,
Frankfurt, Mannheim und Heidelberg besuchen und in Baden-Baden und WieSbtden Hauptstatisiien nehmen werden, wofern die Untertzinklungeu für unseren Kurort zu dem Resultate geieihen, wie die mit Baden- Baden, wo die Gäste, laut dortigen Nachrichten, 12 Tage verweilen werten. Wiesbaden würde sich gajlz besonders als Centralpunkt empfehlen, von wo dit bequemsten, billigsten und schönsten Ausflüge zu veranstalten wären. Möge von allen Seiten lebhaft zur raschesten und glänzcndstm Verwirklichung ^dieses Planes mitgewirkt werden. Wiesbaden darf sich rühmen, die Perle westdeutscher Vader zu sein; wenn ihm in den legten Jahren starke Konkurrenz gemacht wurde, und zwar mit Erfolg, so lag der Grund mit daran, daß in Homburg rnd Baden-Baden alle Federn moderner Betrielsamkeit mit großartigen Opfern und richtiger Lerechiumg in Bewegung gesetzt wurden, währmd Wiesbaden nur zu oft auf seinen Lorbeeren ruhte uiid eS versäumte, „die Gelegenheit beim Schopfe zu ergreifen." Stillstand ist Rückschritt, heißt es auch hier. Wiesbaden hat nicht still gestanden, das wollten wir nicht sagen — nein, es wird gehämmert und getüncht allüberall; aber wir möchten daran erinnern, daß Wiesbaden, um den ersten Rang zu behaupten, in allem Schönen, Confor- kahlen und Zeitgemäßen nicht nur mit Homburg und Baden-Baden wetteifern, sondern voraüstreden muß.
Califoruien im Jahre 1850 *).
Vor der Entdeckung der Goldminen war der jetzt amerikanische Staat Kalifornien so zu sagen eine terra incognita, von wenig Weißen besucht und Von Indianern und den mit ihnen vermischten von Spaniern abstammeudeu Mericanern nur spärlich bevölkert. Die ganze damalige Bevölkerung wird famh 9000 Seelen betragen halten. In dem Frieoenskoiitrakte mit den Verein. Staaten wurde dieser ungeheure Landstrich nur leichthin von Merico abgetreten ; Mexico war ja so groß und was war CalssornieU? Ein theilweise nicht der Cultur fähiges und von MerikanerN kaum gekanntes Lank! Einige wenige Punkte wie Monterey, die Mission Dolores, San Diego, San Jose waren bekannt und deren zachste Umgebung auf mericanische Weise cultivirt; San Francisco war damals kaum mehr als eine Station für Wallflschfânger, die alljährlich in die Bay einliefen um Wasser und frische Provisionen einjunehmcn und auch wohl Toran von den in der Außeiibay gefangenen Fischen zu sieden. Sacramento City, Beuitia, Stockton, Newyork eristirten noch gar nicht und nur das Suttersche Fort, etwa eine englische Meile von dem heutigen ©deramento City entfernt,
*) Sin Deutscher, der sich längere Zeit in Culifernleu unter den verschiedeuarti^flen Verhüllniffe: aufhielt, girdt in der Mr. Ztg." oti^e interessante Ächisserung über ein Land. dudle widersprechendfien Beurth.itiiilgen erfuhr. '