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Die Radikale»» und die Heckenputzer.
^Ja die Art liegt den Bäumen schon an der Wurzel. Jeder Baum, der nicht gute Früchte trägt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen." (Matth. 3, 10.) )/ Alle Partheien stimmen darin über ein, daß unser gesellschaftliches Leben, daß der Staat sich in krankhaf- tem Zustande befinde; aber darin gehen sie auseinander, wie die Krankheit zu heilen sei. Die Absolutisten meinen, weil durch einen gelinden Absolutismus die Krankheit entstanden, so müsse durch einen starren, fürchterlichen Absolutismus geholfen werden; sie sprechen mit den Räthen Rehabcains: „Früher wurdet ihr mit Peitschen geschlagen, jetzt wollen wir euch mit Skorpionen geiseln!" Ihre Ansicht wird gewöhnlich so begründet: „Die Menschen sinv^zu schlecht, zu verdorben für die Freiheit; daher müssen sie durch strenge monarchische Zucht erst für die Freiheit erzogen werden." Nun lehrt aber die Erfahrung, daß die Verderbnis; der Menschen in demselben Maße zuniinmt, in welchem der Despotismus steigt. Ein Blick auf die Karte West- und Mitteleuropas überzeugt uns, daß in den schönsten und fruchtbarsten Ländern Armuth und Entartung des Volkes herrscht, während in den rauheren Zonen, auf den Gebirgslücken, Wohlstand bet freien und kräftigen Völkern wohnt, daß überhaupt Wohlstand, Bildung und Sittlichkeit im umgekehrten Verhältnisse zu der Milde und Fruchtbarkeit des Landes stehen. Allem in den fruchtbaren Gefilden des Südens hat der Despotismus seinen Thron aufgeschlagen; dort schwelgen vorgezogene Kasten von dem Schweiße des Volkes; der geistliche Despotismus hat die Kraft des Volkes erstickt und seinen sittlichen Trieb zerstört; die schöne Stirne der Neapolitaner wird von keinem schönen Gedanken erhellt! Der Sklave hat überhaupt weder Lust noch Trieb zur Arbeit, weil ihm das Selbstbewußtsein fehlt und weil er nicht die Früchte seines Fleißes genießen darf. Anders ist es auf dem Rücken der Alpen und der Kiöleu. Die Ueppigkeit scheute das rauhe Klima, das Bölk^MM^zwE mit einer kargen namr zu tu« Ilsen aber was es ihr abrang, war sein Eigenthum; daher kräftigte sich das Volk im Kampfe mit der Na- rar und zwang diese zur Fruchtbarkeit, während im Süden der Despotismus den Menschen erdrückte und der Mensch die Natur selbst stiefmütterlich in der Verwilderung machte. Die bevorzugten Kasten, die Zehi- würmer der Arbeiter, mehren sich mck der Milde des Klimas; daher ernährt Italien und Spanien weniger Menschen auf gleichem Raume, als Deutschland, das zwischen Freiheit und Despotismus schwebte, denn jene Länder haben mehr Puestee, mehr Adel, als Deut,ch- land. ..
Blicken wir gegen Osten, so sehen wir vom Salden, von den Gestaden des schwarz n Meeres bis zum Eismeere, dieselbe Entartung, denselben Sklavensinn, dasselbe Elend! Aber es herrscht auch durch alle Zonen derselbe Despotismus. Vergleichen wir den Su
den mit dem Osten, so ist das Volk des Südens noch freier, aber auch sittlicher als das des Ostens.
Ein Blick auf die Karte zeigt also, daß das Volk ganz nach der Größe des Despotismus verkommen und elend ist.
Daher liegt der Gedanke sehr nahe; nur in der Freiheit kann sich der Mensch wahrhaft entwickeln. Obwohl nun Viele diesen Gedanken als richtig erkennen, so meinen doch Einige, man dürfe indeß die volle Freiheit nicht anstreben, sondern die allzuengen Fesseln zu lösen suchen, dann die etwas weiteren im Laufe der Jahrhunderte; Andere hingegen sind wie Johannes der Täufer der Ansicht, man müsse die Art dem Uebel an die Wurzel legn, und es mit der Wurzel ausrotten. Diese nennt man die Radikalen von dem lateinischen Worte radix, die Wurzel.
Bleiben wir bet dem bildlichen Ausdrucke Wurzel stehen, so erscheinen alle Hindernisse der Entwickelung als wildes Gestrüpp, als Dorngcstreuch, Distel und Hauhechel, amd die menschliche Gesellschaft erscheint als der Acker, welcher mit solchem Gestrüpp bewachsen ist. —
Die Radikalen wollen dieses Land urbar machen, um Weizen und andere edle Früchte darauf zu erziehen; die Äcchtconservativeu von reinem Wasser sagen aber, es müsse Alles stehen bleiben, denn die Dornhecken lieferten Laub und Spitzen für ihre Ziege»' und Böcke, die Distel Futter für ihre Ochsen und Kühe, während die Weizenspreu schlechtes Futter gäbe und die Körner vom Volke, den wilden Vögeln, gefressen würden. Zwischen beiden Partheien treten nun Leute mit langen Heckenscheeren und behaupten, eS sei eben Schade, die Dornhecken ganz auszurotten, weil ein solches Gestrüpp einen romantisch schönen Anblick gewähre, hingegen müsse man die Sträuche beschneiden, damit man ourchwauveln könne. Diese Leute wollen stets ausputzen, die Zweige nur nicht zu groß werden lassen und schreien und schimpfen über die Radikalen, welche die ganze schöne Poesie der Wildniß zerstören wMitpn . Wun erheben sich aber die Aechtconservaüven gegen diese Heae«^^. •aä. m..... — — Hecken beschneide, so könne man keine Ziege mehr darauf halten, dann seien die dürren Stöcke werthlos; man müsse ihnen die ganze Entfaltung aller Gesträuche lassen, sonst sei ihnen wenig Wient; die HeckenPutzer seien so gefährlich, wie die Radikalen. Die Radikalen aber geben hierin den Anhängern des Alten recht und sagen selbst, man muß entweder das Gestrüpp sich ausbreiten lassen oder es ausrotten. Uno, jeder Bauer und jeder Vernünftige muß sagen, daß Hecken- putzcr die schlechteste Parthei bilden, daß nur die Wahl zwischen den Radikalen und den Absolutisten bleibt.
D e »» t f eh l a u d
* Wiesbaden, 14. Mai. Morgen also wird noch einmal der Versuch gemacht werden, „es zu etwas zu
bringen." Es handelt sich dabei um nichts Geringeres als durch ein scheinbar kleines Mittel die MediatyDiina der Kleinstaaten zu beginnen und die Preußen den Gnadenstoß zu geben. Dieses Mittel heißt: Esetzung der Einstimmigkeit- durch Majoritätsbeschlüsse. Der bekannte „hannoversche" Korrespondent d?r„Dtsch. Allg. Z." schreibt darüber Folgendes: „E- wird zur Genüge ersichtlich, daß Oesterreich abermals entschiedene Absichten hat, die jetzige Bundesverfassung mit ihrer Geschäftsordnung, den einstiiNlnig-'N Votei zu allen definitiven Neuerungen und der Selbstständigkeit der einzelnen Staaten zu Gu isten abzuändern, namentlich Majoritätsbeschlüsse an Stelle der Einstimmigkeit zu setzen. Dieß soll unter dem plausibel» Vorwände qe- fchehen, das Resultat der Dresdener Coafereuze» nicht ganz nichtig vorübergeben zu lassen, sondern aus dem vielversprechenden Zusammentritt und den rechei, ausgedehnten Material doch noch einen T^eil nütz ich und angemessen zu verwende,. Nützlich, d. b. für Oesterreich und seine staatlich dvnastischen Interessen auf Koste» der Klein- und Mittelstaaten und selbst auf Kosten Preußens. Ganz besonders find eS freilich die Kleinstaaten, auf die es nun einmal abgesehen zu sein scheint, denn die Mittelstaate», mit Ausnahme Hannovers, sind den österreichischen Planen nur zu sehr geneigt, und sehen bei einer Suprematie Oesterreichs ihre Eristens befestigt. Ganz anders dagegen die Kleinstaaten, die in allen Punkten dadurch gefährdet würden und ihrer Bundesstimmen verlustig gingen, Es fragt sich nun, was w»d Preußen thun? Eine wesentliche Ausgleichung in den früher streitigen Prinzipien zwischen den beiden Großmächten ist bereits erfolgt, erfolgt durch die beiderseitige Anerkennung der rechtlichen und faktischen Er»t »z des Bundestags und der Buudesverfapung ; allein foer Neuerungen innerhalb derselben ist man nicht im entferntesten einverstanden und herrscht bis zu dieser Zeit bei aller Anerkennung der Solidarität der konservativen Interesse», vo i Seiten der preußischen Rechten, aus der ja doch die Bundksvertretung für Preußen ausschließlich ^hm^^ stanr^emtsch ebene Op-
von Seiten Oesterreichs, und steht man dort vorerst noch auf der frühern alten Buudesverfapung fest. Dies kann aber seiner ganzen Natur nach auch nicht anders seyn, denn gelingt es Oesterreich, die bundesverfassungsmäßige Einstimmigkeit in Majori- tätsvoten zu verändern, so muß unter allen Umstanden Preußen sich jedem Anträge, der österreichischer Scits oder durch seine Verbündeten gestellt wird, unterwerfen, und mit dem Aufhören der Selbstständigkeit der Kleinstaaten durch den Majoritätszwang muß gleichzeitig ,die Selbst- st ä u d i g k e i t P r e u ß e n s durch d i e s e l b e M a j o r i - tät aufhören. Es liegt demnach klar zu Tage, daß die Interessen für innere Unabhängigkeit in allen Fragen, und die materiellen nicht ausgeschlossen
Thurn» und Fluth.
Bon G. Kinkel.
Auf scharfem Klippenrande Raget ein starker Thurm Weilschauend über die Laude, Und trotzt so stolz dem Sturm.
Unten so dumpf und schwer . Wälzt sich das ew'ge Meer — Die Wogen, sie kennen nicht Rast, noch Ruh', Sie wühlen und svülen immerzu.
WaS frommt, o Fluth, Dein Tolle», Dein tausendjährig' Droh'«?
($6 spricht ja Deinem Rollen Der feste Zwinger Hohn! Früh bis zum Abendroth
Rollst Du in Deinen Tod — Die Wogen, sie kennen nicht Rast, noch Ruh', Sie wühlen und spulen immerzu.
Todmuthig Well' an Welle Zerschellt ihr krauses Haupts Und hat doch von der Stelle üin Sandkorn nur geraubt.
Stolz noch das Schloß sich bläht.
Well' an Lüelle vergeht — Die Wogen, sie kennen nicht Rast, noch Ruh', Sie mühten und spülen immerzu.
Da kommt die Nacht. Es stürmen
Bon West die Geister her;
Da hebt sich empor zu Thürme» DaS stille, das ewige Meer.
Tief in die Luken zischt Weiß und wüthig der Glicht — Die Wogen, sie kennen nicht Rast, noch Ruh', Sie wühlen und spülen immerzu.
Ihr habt vertraut deu Riffen: Bebt, die Ihr r«beii haust!
Die Flutb hat Euch ergriffe» Mit taüsendfingriger Faust!
3itst um die Mitternacht Berstend der Thurm erkrucht — Die Wogen, sie kennen nicht, Nast noch Ruh', Sie wühlen und spülen immerzu.
Lenau'S Stellung zur Neuzeit.
* Auerbach hat neulich in Prutz' deutscher Monatsschrift ausgesprochen, daß es fast als ein Glück zu betrachten sein dürfte, daß Lenau den Ausbruch des ungarischen Unabhängigkeitskampfes nicht mehr erlebt habe. Auerbach hat also nicht übel Lust, die Möglichkeit an- zudcvtrn, daß Lenau sich wohl hatte im „Juten,,c der deutschen Bildung" gegen daS „EinheitS- und Macht- gelüste" Ungarns erklären, vielleicht gar die Wagen dagegen ergreifen können. Ist da« zu glauben von einem Dichter, der wie Lenau die Fülle der Kraft und Gesundheit und die Berechtigung beider auf ein freies Dasein seines gelicl'tcn UngarlandeS kannte? Dies giebt Adolph Stahr in der „Nat -Ztg." in einer Recension über Lenan's dichterischen Nachlaß Veranlassung zu folgenden Bemerknugen und Belegen, wodurch wir zugleich auf diesen Nachlaß aufmerksam machen möchten:
„Zwar sind sie ihm zuwider, die „Schufte in der Volkserretter Ruhmgewand", nämlich die, welche unter diesem Gewände wirklich „Schufte" sind, und denen jenes Gewand nur als „Hülle" ihrer Schlechtigkeit dient (S. 117). Aber dennoch trifft er die Frage in daS innerste Herz mit beut Bekenntnisse, in welchem er es ausspricht, daß er selbst noch im besudeltsten Con- terfei stum mit dem alten Götz zu reden) die Majestät