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Jtë 113. Wiesbaden. Mittwoch 1&. Mai 1K31
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Unruh's „Erfahrungen aus den letzten drei Jahren."
« Die deutschen Mittelklassen und die Mittelparteien sind nahe daran, in Verzweiflung zu gerathen. Unsere Leser erinnern sich noch des krampfhaften Auf- schrei's, den die Verzweiflung vor Kurzem der „Köln. Ztg." auspreßte. Gewiß ist es also an der Zeit, ein Wort an die Mittelparteien zu richten. Wollen die, welche noch keine Ansicht haben, denen aber darum zu thun, eine zu bekommen, die nicht wissen, was sie beginnen sollen, und die ihre bisherigen Führer rachloser sehen, als sich selbst, die vergebens alle schönen Reden durchgelesen haben, welche von Vincke undBodelschwingh, you Simson und Riedel, von Beckerath und Auerswald, von Hansemann und Camphausen, von Baumstark uudBeseler u. s. w. gehalten sind — wollen diese sich Raths erholen: so ist ihnen nicht Besseres zu rathen, als es einmal mit Unruh's „Erfahrungen" zu versuchen.
Schon die überaus schnelle Verbreitung, welche in wenig Tagen diese „Erfahrungen" gefunden haben, die Anerkennung, die ihnen von verschiedenen Seiten her gezollt wird, der Anklang, den sie finden, sowohl bei Solchen, denen die „Erfahrungen" zu weit links sind, als bei denen, welche sie nicht links genug finden, ergibt, daß der Verfasser auf den rechten Punkt zu rechter Zeit losgeht. Er wendet sich an die Mittelparteien von ihrem eigenen Standpunkte ans. — Und diese finden in Unruh emen Mann, einen ganzen Mann. Möchten sie ihn hören!
„Gerade heraus zu sagen, was wir sehen", schreibt er, „ist sicher kein schlechter Dienst für alle Parteien. Niemand kann wünschen, daß sein eigner Weg ihm im Dunkel bleibe, auch die Regierung nicht; und die wahre Demokratie hat keine Geheimnisse.
„Oder soll deshalb die Summe nicht unter die Rechnung geschrieben werden, weil die Schwankenden dadurch abgeschreckt werden könnten ? Die Demokratie strebt nicht nach Proselyten, denen die Augen verbunden sind. Wir werben keine Vcrschwornen. Wir schleichen nicht im Dunkeln. Wir forschen nur nach der Wahrheit."
Nachdem Unruh dann „die Zersetzung der politischen Mittelparteien" als das Vorstadium des gttchicht- lichen Prozesses bezeichnet, den unsere Zeitgenossen bewußt oder unbewußt durchmachen, wobei die Reaktion die Rolle des Chemikers übernimmt, „welchem die Klärung und Krystallisation noch immer nicht schnell genug von Statten geht und der immer schärfere Säuren in die gährende Masse gießt" — ruft er diesen Chemikern:
„Ihr verfolgt nicht nur Eure Feinde — auch alle die Euch am nächsten stehen; Ihr treibt sie,gewaltsam in die Reihen der Gegner; Ihr duldet keine Mittel part eien! Ihr wollt die demokratischen Grundsätze zum Verbrechen stempeln; Ihr verfolgt die Gesinnungen, wie die Juden Christus an das Kreuz schlu
Der politifirende Dorfschulmeister.
(Aus den „Fliegenden Blättern".)
Dorfschulmeister (mit aufgehobenem Daumen.) „Wir haben also heute gehört, wie gut daß es ist, daß mer eine Obrigkeit haben. Denn 1) suust ging' All's du —*
Kinder (mitlautem Geschrei.) „Drunter und drüber!"
Dorfsch- „Recht so, wie zum Exempel dahinten in Hessen, wo man nicht wissen thut, wer Koch oder Kellner ist; — 2) sorgt sie für Sol-"
Kinder. „Thaten."
Dorfsch. „Und 3) überhaupt für Beamte undStaats- männer, sowie endlich auch für's Volkswohl. — Du, Hannele, ist cs denn nothwendig, daß mir Soldaten haben T
Handle. „Joh!"
Dorfsch. „Und warum? Was Hätt'n mer suust gleich im Lande f-
Alle Kinder. „Die Russen."
Dorfsch. „Recht so, und die Russen sein kaue guten. Die haua die Leut' barbarisch. Do haben sie zum Exempel so ein Ding, wie 'n Stecken, sein aber Strick dran, a Stucker verzig bis fufzig, und an jeD’u Strick a bleierna Kug'l. Und do flecht'us damit auf, daß die Strahl« nur so aufspriugen. Herr, das mag verflucht w-h tho! Sein ihre schon dran gestorben, jaja!
gen und die römische Hierarchie die Ketzer verbrannte
— und die Demokraten wachsen unter Euren Händen aus der Erde! Ihr hindert die Könige, ihr gegebenes Wort zu halten, selbst wenn sie es möchten, — und ihr zerstört jede Anhäkglichkeit an das Königthum; Ihr zerrt die Majestätsb leivigungen aus Winkelkneipen vor den öffentlichen. Schwurgerichtshof, und Ihr zieht die Majestät in den Schmutz; Ihr achtet kein zugestandenes, konstitutionelles Recht, und Ihr zerbrecht die letzte Form, in der die Monarchie noch möglich ist; Ihr schwatzt von Eintracht der Regierungen, und Ihr säet unauslöschliche Zwietracht."
„Erkennt Ihr ewig Blinden", heißt es an einer andern Stelle, „denn noch nicht, um was die Geister kämpfen, was die Zeit gebären will? Die Bevormund u n g w i l l d i e m ü n d i g g e w o r d e n e M e n s ch- heit ab sch üttel n; um die Selbstbestimmung und die Selbstregierung wird gekämpft; auf dem Boden der politischen Freiheit sollen friedlich die sozialen Leiden heilen. Was Jpr auch thut, gut oder schlecht gemeint — es fruchtet Nichts, weil Ihr es thut! Das Volk will ferne Geschenke, keine oktroyirte Wohlthaten — das Volk will sein Recht! Die Kinder sind groß geworden, laßt sie gewähren, und sie werden Euch gern Euer Ältentherl gönnen. Aber Ihr habt 33 Jahre hindurch die versprochene politische Freiheit versagt, und dadurch die politische Revolution hervorgerufen. Ihr werdet die Schäden der Gesellschaft mit Gesetzen bepflastern und die soziale Revolution erzeugen." —
Als charakteristssch für den Standpunkt und die Anschauungsweise des Verfassers führen wir noch eine Stelle an. Unruh setzt auseinander, daß die Macht jedes Parlaments in Wahrheit auf der Unfähigkeit der Krone beruht, ohne die Zustimmung des Parlaments über die Kräfte des States zu verfügen; daß ein Parlament, um zur Macht zu gelangen, die materiellen Hülfsmittel des Staats, d. h. die Wepr- und Steuer-kraft thatsächlich von sich abhängig machen muß; daß nur damit und dadurch ein fimftitutwneUer Staar möglich ist; daß die konstitutionelle Staatssorm Vernunft- und erfahrungsmäßig als das geschichtliche Produkt, als der Ausgang einer Revolution erscheint, der sich niemals willkürlich vorher bestimmen läßt. Die „Constitutionellen", sagt er, wurden danach einwenden, daß, wer den konstitutionellen Staat in haltbarer Form wolle, auch in gewissem Sinne die Revolution wollen und auf die Repudlick gefaßt sein müsse. „Diese Folgerung ist ohne Zweifel richtig; man muß aber hmzu- fetzen: wer im absoluten Staat irgend eine andere Staatsform will, der will ebenfalls die Revolution, denn nur dieser gegenüber giebt der absolute Staat seine Existenz auf. Auch ist die Revolution nicht nothwendig der Bürgerkrieg. Die Umwälzungen in einzelnen Staaten sind oft, ohne einen Tropfen Blut zu vergießen, durchgesetzt worden. Der Wille an sich ist übervem noch keine Handlung, und die Kriminalgesetze
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— Du, Sepper, war'« ihrer schon einmol Herin im Lande, Russen?"
Kind. „Ei jo!"
Dorfsch. „Ru, und was Ham sie selbigesmal herin gemacht?"
Alle Kinder. „G'fresseu und g'suffen."
Dorfsch. „Gut. — Die hatten Die Leul' ah noch aufgefteffen. Es war aber doch was gut daiür — —"
Kind. „Unnera Saldoten Ham sa nauskihm (Hiuaus- gehauen."
Dorfsch. „Und wie! — ES war eine heiße Schlacht. Sein Viele g'fall'n und Ham 's AM»h'n vergessen. Wenn mer nu keine Soldaten nicht gehatten hätten, gelt, do wären die Rnssen wohl nimmer do?"
Ki nder. „Jojoh!"
Dorfsch. „Düs will ich meinen. Nun, und wer hat d'n die Soldaten gemacht, oder vielm hr ang'stellt? Nicht wahr, Die O--?"
Kinder. -O — ffazier."
Dorfsch. „Nicht so eigentlich, nrehr die Obrig—* Kinder, „keil."
Dorfsch- „Seht 'rsch, (sich verbessernd) seht Ihrs! Und doch gibts dumme ungezogene Leute, die sogen, mer brauch'n keine Soldaten nicht. Dieses wâr' eine schöne Werfhschaft! 's Dünner und's Wetter sollt «ei schlag'« — 4- Gott verzeih mer meine Sünde — Herrgott, Vo ging jo Alles Dr —"
Alle 0»u lautem Geschrei.) „Drunter und drüber!"
bestrafen glücklicher Weise zur Zeit noch nicht den Willen und die Wünsche, sondern die That. Wer nach der Wahrheit forscht und sie erkennt, darf ihr nicht den Rücken wenden, wenn er mehr findet, als er erwartete.
„Wir sind als einzelne Menschen nicht im Stande, unsere Handlungen so abzumessen, daß sie zu einer bestimmten Staatsform führen, aber von unserem Willen hängt es ab und über unsern sittlichen Wertb entscheidet es, ob wir für oder gegen das Princip streiten, das wir als wahr und recht erkannt ha b e n; ob wir bereit sind, indiesem Kampfe Opfer zu bringen oder dem persönlichen Vortheil nachzujagen? Die Zeiten werden kommen, wo die Gewalt der Umstände jeden Einzelnen zwingen wird, die Rolle des passiven Zuschauers anfzugebeu, und zu wählen zwischen der Unterordnung unter die Autorität oder der Anerkennung der Majorität."
„Beide Theile, Demokratie und Absolutismus", heißt es zum Schluß, „haben einsehen gelernt, daß der Streit durch einzelne Konzessionen nicht zu erledigen ist, daß es nicht aufdie Staatsform allein aukommt, sondern darauf, wessen Principien in dieser Form herrschen, welchen Inhalt dieselbe erlangt. Dadurch ist der Boden für alle principienlose Mittelparteien verloren gegangen. Dieselben werden gezwungen, sich Di -tuen oder der anderen Seite anzuschließen, und je mehr jeder friedliche Ausweg versperrt wird, desto vollständiger muß das Feld geräumt werden, das sich zwischen den feindlichen Lagern befindet."
Jeder, der sich den Standpunkt Unruh's vom Frühjahr 1848 beim Zusammentritt der Nationalversammlung und während ihrer Bedachungen vergegenwärtigt, und damit die jetzige Schrift vergleicht, wie sie sich über das Mißlingen der preußischen wie der deutsche» Bewegung von 1848 wie sie sich über den Begriff der konstiluiioneüen Monarchie und der Bolkssouverä- netät, über das allgemeine Wahlrecht, über Einkammersystem, über das Verhältniß von Parlament und Krone, über Steuerbewilligung und Steuerverweigerung ausspricht, kann daran ermessen, welchen Fortschritt die politische Entwickelung in drei Jahren gemacht hat.
D e u t f cd 1 a n d
4- Usingen. Nachdem die blauen und die rothen Husaren am Ende des verflossenen Jahres ihren Durchzug durch unsere Stabt genommen hatten, wurde unsere stille Gegend einen ganzen Monat lang durch die Einquartierung des 28. preuß. Infanterieregiments belebt. — Es hieß sogleich: „Das ist das „freisinnigste Regiment im ganzen preußischen Heere, das sind die famosen Wer." Ein Monat war hinreichend viel zu hören, zu sehen und zu prüfen. — Es war das Regi- giment, welches in Mannheim das Standgericht an Adolph von Trützschler, Höfer, Streuber re. völligen hatte, und weil vi.le einzelne Soldaten dies ungern
Dorfsch. „Dös glaub ich sechsten. — Drum soll» mer aber auch gern Soldaten wer'n, und wenn's heißen thut : Fort in Krieg, do sollet Jeder gleich do sein und mitgeh' und nicht lang erseht frogen: „Wos ist für ein Grund vorhanden, und warum sollt ich denn nicht, und denn 3) woso?" — Kinder, sagt selber, ist's net schön, wenn Einer sogen kann: Ich bin in R uh m g'storben?"
Alle. „Jojoh!"
Dorfsch. „Freilich!—Uud tch muß schon sagen: dieses thut mir von euch gefallen, daß ihr gleich „Jojoh" gesagt habt. Ihr ivrrDet einmal gute Landeskmder, obgleich eö eigentlich nicht „Jojoh" haaßl sondern „Jaja!" — — Da wir mit Den Soldaten fertig geworden sind, so wollen wir nun zu den Landständen übergehen. Wann ihr gehörig auf’m Zeug seid, so wird man mit diesen auch bald fertig sein, und daun — ist Èie Schule aus! Du, Paukraz, sag mir doch, was tas ist, eine S tä ii de versa m mt ung?"
P a n k r a z (nach einer Pause — schnell.) „A Kürr- wah! (Kirch, veih!)
D o r fsch. „ W---oovvoos?!"
Pankraz. „A Kürrwah. Do wer'n die Stând' z'sainma aufg'schlag'n und a llerlei Zeug verhandelt: Pfeffernüßla und Maultn»mmei und Mundharmonie — —"
Dorfsch. „Wart, verfluchter Range, du (prüg-lt ihn), ich will dir b'aufschlag'n, ich will dir b'Pstffer- nüßla. Da (indem er ihm OlnBgen gibt) da, do Host eine Mttnbharmvme — do host eine Maultrummel. Und sei nur