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M 112 Wiesbaden Dienstag, 13 Mai 1^31

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Ein Diplomatenstück.

p Es wurde bisher in den politischen Blättern viel von den Diplomaten und ihrer Kunst, zu dupiren, d. h. zu hintergehen, berichtet, ohne daß einzelne dip­lomatische Kunststücke gezeigt wurden.Mit allgemei­nen Behauptungen ist aber nichts erwiesen!" sagen selbst die Diplomaten; auch möchte es manchen Zei- tungsleser geben, der gerne einmal so ein einzelnes Diplomatenstück säheh wie jene Dame, welche äußerte, sie möchte einmal ein rechtes Geniestück vom Rinaldino sehen, und es sogleich mit Verlust ihres Schmuckes zu sehen bekam. Wir theilen daher hier aus Zimmer- mann's Fortsetzung der Geschichte der deutschen Staa­ten von Wirthj, 3ter Band, Seite 307 folgende Stelle mit:

--Ganz Europasn ddurch das Benehmen des französischen Botschaftessein. yt. Im gebieterischen Tone verlangte derselbe t)Ä.<<Wrorte die Ausweisung eines gewissen Conseil, welcher auf den Namen Napo­leon Chelu in Paris einen Paß zu erschleichen gewußt, unter der vagen Behauptung, dieser Conseil sei bei dem Fieschi'schen Attentat kompromittirt und höchst ge­fährlich durch seine revolutionären Grundsätze. Der französische Gesandte gebrauchte in seinem schreiben Ausdrücke, als wenn ein Gebieter zu seinem Knechte, ein höherer Beamte zu seinem Untergebenen spräche. Wie groß aber war das Erstaunen, als wenige Tage später durch die ganze Schweiz sich die Kunde verbrei­tete, dieser Conseil sei in dem Canton Bern verhaftet und es ergebe sich aus seinen Aussagen und Papieren, daß er von französischen Behörden selbst absichtlich in die Schweiz gesendet worden sei, um die Flüchtlinge als Spion und Provokateur (Verhetzer) zu versuchen; jenes so gebieterische Begehren seiner Ausweisung sei nur darauf berechnet gewesen, dem Verdacht seiner Eigenschaft als Spion zu begegnen und ihm das Zu­trauen der Flüchtlinge zn erwerben, weil man voraus- setzte, der Vorort würde auf seine Verhaftung nicht eingeheu; ja Conseil habe vor seiner Verhaftung in Bern mit dem dortigen französischen Gesandten meh­rere Zusammenkünfte gehabt, einen Paß und Geld empfangen. Die Regierung von Bern leitete eine Un­tersuchung ein und sandte die Acten durch den Vorort an die Tagsatzuug.

Conseil gestand, daß er sich seit einiger Zeit tm Dienste der französischen Polizei befinde, und zwar un­mittelbar nach dem Mordversuche Alibeau's. Er ge­stand ferner, daß ihm zu Paris ein Sekretär auf dem Bureau des Ministeriums des Inneren eröffnet pabe, er müsse nach dèr Schweiz verreisen; dieselbe lasse die politischen Flüchtlinge aufgreifen und durch Frankreich nach England schaffen; man werde an die französische Gesandtschaft in Bern schreiben und ihn als Theilneh- mer an den Attentaten Ficschi's und Alibeau's zur Festnahme und Wegschaffung fignalisiren lassen; das

werde ihm zu den auszuweisenden Deutschen, Franzo­sen rc. Zugang verschaffen-, ersolle trachten ihre Freundschaft u. ihr Zutrauen zu gewinnen, sodann auszuforschen, ob ein Anschlag gegen die Königliche Familie in Frankreich von ihnen beabsichtigt werde, er solche sich nöthigen- falls verhaften und nach England führen lassen, da­selbst seine Mission forrsetzen und über alles in Erfah­rung gebrachte genaue Berichte erstatten. Hierauf ward ihm ein Paß auf den .amen Chelu, Napoleon, zuge- stellt, ferner eine Summe von 450 Franken. Er hatte als Polizeiagent in Paris einen fixen Gehalt von 300 Franken Monatlich und im Falle von Reisen noch 150 Franken.

Wir bemerken nur noch, daß mehrere große und kleinere Staaten solch.n besoldetenFlüchtlinge" in jener Zeit (1835) in der Schweiz hatten. Diese mußten die wildeste Sprache führen utw sollten zu Aufstände verhetzen, hc ten dabei Alles genau zu be­richten. Sie brachtest einmal eine kleine Schlägerei und wildes Mordgeschrei fertig, übertrieben in ihren Berichten unk der Notenkrieg, die Klage über die Schweiz und die Ausw ^ung der Flüchtlinge begannen. Eben so hatten verschie ene Staaten in Paris, London und anderen bedeutenden Städten nebst geheimen Spio­nen auch ihre besoldeten Flüchtlinge. Ob es auch jetzt der Fall darüber wie der Leser, was es will. So viel ist gewiß, seit s 848 haben wir überalldemo- kratische Schreier", Mit welchen es ähnlich wie mit Conseil steht, wenigsten' sind uns demokratische Denun­cianten bekannt. Man traue den unbändigen wilden Schreiern nicht!

Deutschland.

F.x. Wiesbaden, 12. Mai. In aller Eile noch eine kurze Notiz in die '-eutige Nummer Ihrer Zeitung!

Von glaubwürdiger Seite wird uns versichert:

1) Der GafimÄ^ Baumann von hier habe bei dem H. Staatsministerium eine Rechnung eingereicht für besondere Nepräsentationskosten des Kammerpräsi­denten Wirth; namentlich für ein eignes Empfangzimmer im Winter 1 fl. 12 fr. per Tag, im Sommer ist. 30 kr. per Tag, für Beleuchtung derselben 12 kr. per Tag; für Heizung im Winter 24 fr. per Tag; ferner für außerordentliche Bedienung 36 kr. per Tag macht für die Zeit der Sitzungen von 1848 au 1384 fL,

2) der benannte Präsident Wirth habe die Rich­tigkeit dieser Rechnung attestirt,

3) das H. Staatöministerium habe deren Auszah­lung verfügt; und endlich

4) die H. Staatskasse habe vor einigen Tagen die 1384 fl. an Herrn Baumann ausbezahlt.

Dies sind aktenmäßige Thatsachen ; sie werden hier­öffentlich erzählt. Herrn Wirth und den sonst bethei- ligten Personen wird es gewiß sehr angenehm sein, aus dieser öffentlichen Mittheilung Veranlassung zur Aufklä­rung der Sache nehmen zu können. Denn Leute, die mit den

Verhältnissen bekannt sind, haben allerlei Zweifel Bei Berathung der Geschäftsordnung für die Kammer wur­den alle besonderen Repräsentationskosten für den Prä­sidenten ausdrücklich abgeschafft. Jeder weiß, daß Hr. Wirth nie ein besonderes Empiangszimmer gehabt, sondern, ebenso wie die meisten andern Abgeordneten, die etwas arbeiteten, seine Geschäfte in seinem Wohn- und Arbeitszimmer besorgte. Am meisten staunt man über die außerordentliche Bedienung, die zur Rechnung gebracht wird. Hr. Wirth bediente sich in allen Dienst, angelegenheitea des für die Kammer bestellten Pedellen. Welcherlei Art qeheimnißvoller Bedienung hier zur Rechnung gebracht wird, begreift man nicht. Auffal­lend ist es endlich, daß eine solche Rechnung von 1818 an bis jetzt, nach dem Schluß des Landtages hinge­schleppt wird, ganz gegen den bisherigen Gebrauch. Herr Wirth wird's erläutern. Nächstens mehr!

/X Vom $annu<. (Nekrolog.) Am 5. d. M. wurden die irdischen Ueberresie des Pfarrers Hild in Steinfischbach von einer großen Menge seiner Freun­den zur Erde bestattet. Die Freunde desselben, die ihm den letzten Liebesdienst erwiesen, fühlten es wohl, wie viel durch das frühe Hr'nscheidcn eines solchen Mannes für sie verloren gegangen sei: denn mit des­sen Tod beklagen wir den Verlust eines warmen Käm­pfers für Wahrheit und Volkswohl,

Wer ihn kannte und das konnte leicht Jeder, der nur einigermaßen seines Umgangs sich steuere, denn er trug das edle Herz auf der Zunge fein Wort ging ihm über die Lippen, das bas Her; nicht meinte. Wer ihn also kannte, der wußte, wie warm sein Herz schlug für alles Erhabene, für alles Große. Wer seinen tiefen Schmerz sah, bei Allem was einem Menscheii, wer dieser auch war, wehe that der war überyugt , wie dieser Mann nicht um seinetwillen an das Leben gefesselt war: denn er war nicht nur körperlich leidend, sondern hatte, wie alle wahrhaft gute Men chen, das Unglück, oft er­kannt, und nicht selten gekränkt zu werden; wie r aber nur um des Glückes seiner "gesiebten Familie willen gerne lebte, wie er das Leben in so fern schätzte, als er hoffte, dec Menschheit G'ück zu sehen und daran sich laben zu können. Ja, man sah es deutlich, wie der Menschheit Wohl oder Wehe das Barometer seiner Lebensfreuden ausmachte. ^jEdel und groß wie sein Herz, so klar und stark war sein Geist. Ein zu gro­ßes Her; in einer zu engen Brust ein ;u starker Geist in einem zu schwachen Körper, der noch durch mannigfache Prüfungen und Ungemach geschwächt ward, wurde er einer geliebten Familie, deren treuer Ver- forger er war, einem Wirkungskreis, in welchem er das Licht der Wahrheit zu verbreiten bemühet war, und der Menschheit, der er seine besten Kräfte wid­mete, leider! nur ;u früh entrissen. Wohl ihm! er hat ein Leben, das ihm der Leiden viele bereitet, ;u- räckgelegt. Vielleicht war es rm Buche der ewigen

Das Album des nassauischen Kunst- vereius.

C Im Herbst v. I. hatte der Herzog das Protec- torat der Gesellschaft von Freunden bildender Kunst im Herzogthum übernommen. Für diese Auszeichnung, die bis dahin noch keinem inländischen Vereine zu Theil geworden war, glaubte die Gesellschaft in irgend einer geeigneten Weise ihre Anerkennung aussprechen zu müssen, und der Vorstand wählte hierzu die Form eines von Mitgliedern der Gesellschaft anzufertigenden Albums, das dem Herzog bei Gelegenheit seiner bevor­stehenden Vermählung überreicht werden sollte. Durch ein Circular vom 3. Dezember v. I. wurden sämmt­liche Mitglieder des Vereins, vorzugsweise die aus­übenden Künstler, eingeladen, Zeichnungen oder sonstige bildliche Darstellungen, unter bestimmter Bezeichnung des Formats der einzelnen Blätter, für den gedachten Zweck entwerfen und bis zum April d. I. als dem muthmaßlichen Termin der Vermahlung, einsenden zu wollen. Dieser Gedanke fand Anklang; balv waren einzelne, bald ziemlich viele Künstler und Dilettanten mit der Anfertigung von Albnmsblätteru beschäftigt; 8 Mitglieder traten dem Verein erst eigens bei, um sich beim Album betheiligen zu dürfen; auch manche schiich- terne Dame bekam nach lind nach Muth und es kam

so eine Sammlitiig von Blättern zusammen, die abge­sehen von dem Kuuslwerth des Einzelnen, in ihrer Art als eine Repräsentation der dermaligen Kunstbildung im Herzogthum und des weitverbreiteten Interesses an Gegenständen der Kunst betrachtet werden darf. Im Ganzen haben 50 Mitglieder des Vereins sich durch künstlerische Beiträge betheiligt; die Zahl der einzelnen Blätter, welche am vorigen Sonntag für die Vereins- Mitglieoer zur Ansicht ausgestellt waren, beträgt 70. Eine ganz besondere Aufmerksamkeit wurde sodann noch auf den Einband und die ganze äußere Umhüllung verwendet. Auf dem Ueberzug von feinstem grüne.:» Sammet prangen auf allen 4 Ecken der Vorder« und Hinterseite schöne erhaben gearbeitete Laubverschlinguu- gen von vergoldetem Bronze, in der Mitte der Vorder­seite, gleichfalls stark erhaben, das herzogliche Wappen; Metallstreiten von schön durchbrochener A.beit umichlie- ßen den Rücken, zwei ähnlich komponitte Krappen schließen den Prachtband. Das Innere, mit weißem Atlas ausgeschlagen, trägt in großen goldenen Lettern die Inschrift: Zum 23. April 1851; die Ecken sind mit ähnlichem Laubwerk, wie die Außenseiten, von gepreßtem Goloe verziert; über dem Boden, der noch eine besondere Ausschmückung erhielt, liegt das weiße Band zum Aufhètzen der Blätter Die Metall­gießarbeit an diesem Prachtstück ist von Herrn Köber­lein dahier, nach eigens dazu fomponirten höchst ge­schmackvollen Zeichnungen und Modelle.i des Herrn

Bildhauer Gerth; die ebenso wohl gelungene, stellen­weise ziemlich komplizirte Buchbinderarbeit chat Herr P etmecky dahier verfertigt. Es waren nämlich um mit dem hintersten zuvorderst anzufangen außer den Blättern noch dreierlei kleine plastische Arbeiten unterzubringen, für die nur im Boden des Albums der geeignete Raum beschafft werden konnte, eine Me­daille aus vergoldetem Bronze (Vorder- und Kehrseite), zwei runde Etfenbeinbildchen und ein Blmuenschnitzwerk aus farbigem Papier. Das letztere, von der Hand eines jungen Mädchens, Luise K. aus B. angefer­tigt und von Fräulein W. M. dahier eingesendet, nimmt, in einem eirunden Etui, 4 Linien hoch und mit Glas bedeckt, die Mitte des Bodens ein und er­regt durch die Feinheit und äußerste Zierlichkeit, wo­mit Zweige und Ranken, Blättchen und Blüthchen von Myrthen und Rosen, von Lilien und Vergißmeinnicht und manchen andern niedlichen Blumen noch zu einem sinnigen Hochzeitssträußchen vereinigt sind, die allge­meinste und freundlichste Aufmerksamkeit. Zur Rechten und Linken dieses Blumenbildes befindet sich eine ver­goldete Medaille, die jüngste derartige Arbeit des talent­vollen hiesigen Graveurs, Christian Zollmann, auf der Vorderseite ein ausdrucksvoller Kopf in Hoch-- relief, auf der Kehrseite ein Eicheukranz mit einfacher Inschrift. Ueber und unter dem Blumenbilde stehen, in vertiefter Rundung, wie die Medaille, zwei kleine Schnitzwerke, Brustbilder von Göthe und Schiller, auS