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Freiherr und Netht?"

M 111.

WleyH«-V» Lohntag, 11. Mai

DieFreie Zeitu ng" erscheint, mit Ausnahme deS Montags, täglich in einem Ätzers. Der Adonliemeii.'opre,S beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden I ff 45 fr.. ayswaris ourch die Post bezogen mit verhältnißmäßtgem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Berbreitung der »Freien Zeitung" stets von wtrksaiÄm Ki- folge Die JnserationSgebühren betragen für die pierspaltige Petitzeile 3 kr.

Recht und damit denn auch, wohl des Volkes heiligste Pflicht sei. Natürlich, in majorem dei gloriam ist Alles erlaubt, und der Zweck heiligt ja die Mittel!!,!

Wir überlassen es Jedem, das, was aus diesem Grundsatz logisch gefolgert werden darf, zwischen den Zeilen zu lesen, und begnügen uns damit, die Frage anszuwerfe», was denn nun hiernach das gottlose re- publikaiitsche Frankreich mit seinem, wenn auch nach der Königskrone lüsternen Präsidenten anfangen soll? uns was den katholischen Unterthanen obliegt, wenn sie einen protestantischen, und den protestantischen, wenn sie einen katholischen Monarchen haben? Oder findet nach der Erclusivität der römischen Kirche bas Wort hier nicht »eine Anwendung:Wer nicht für mich ist, der ist wider mich?" Haben also, wenn man nun denn einmal vor dergleichen Erzeugnissen der Presse ; von Oben her eine kindische und gespenstische Angst hat, j die Regenten von einer Schrift, wie die oueti ange­zeigte, mehr zu hoffen oder mehr zu fürchten? Weres genauer unterfingen null, ob auf lutherischer oder auf der von dem anderen Machiavell vertretenen Seite der Revolution das Wort geredet wird, den verweisen wir auf Luthers politisches Glaubensbenntniß in No. 216 derFreien Ztg " und No. 221 derNass. AUg.Ztg." vom Jahre 1649. Behiü^ aber der Himmel jeoe Staatsform vor een feilen Seelen, die, wie Cpowmtz, heute mit der Ri publik und morgen mit der Monarchie liebäugeln, die nur das Hub, was die Aussicht auf Gunst oder Ungunst, aus Vorlpeil oder Nachtheil aus ihnen macht, und darum ehrlich und im Grund ihres Herzens Nichts find! Wissen nur, nub zwar von authentischer Seite wissen mochten wir, ob der, wohl schwerlich ohne höhere Approbation ausgestellte Grund­satz von der kathÄlschen Kirche avoptirt und sanktionirt ist: vaß nur eine Revolution zu Gunsten der Monarchie und dsr katholischen Kirche zu Recht bestehe, und appelliren darum schließlich a male infortnato ad melius informantem.

Ein Beispiel von Censnrtoleranz.

** Aus der Proviaz. Während die frommen «wnLNhtscheu Regierungen von Preußen und Sachsen, in denen bisher der Protestantismus seine Stützen zu finden vermeinte, zu Jedermanns Erstaunen den Aus­zug aus Luthers Werken, welcher des Resormators Aiifichten über Fürsten, Pfaffen rc. wortgetreu wieder­gibt, polizeilich verbieten und confisciren lassen, läßt man dagegen Schriften, die von katholischer Seite her auftauchen und in ihren Grundsätzen und Consegmuzen der Censur ebenso gefährlich erscheinen sollten, freien Lauf. Das gilt vou der 1850 in Aachen bei Hensen und Cowp. erschienenen, in ihrer Art interessanten Schrift:Der Machiavell für unsere Zeit. Enthaltend: die Lehre vom christlichen (katholischen) und monarchisch-konstitutiollellen Staate, als einzige ; Garantie für Gegenwart und Zukunft." Als Ler- I fafser nennt sich der durch seinen Antheil an der unga- rischen Revolution bekannt gewordene Jul. Chownitz, der in diesem machiavellistischen Produkte Buße^ thut für seine durch die Berufung auf die gleiche Theil­nahme so vieler Amtsgenossen und selbst Bischöfe sehr schwach entschuldigten l evolutionären Sünden und sich wieder tu guten Credit bei geistlichem und weltlichem Regimente zu bringen sucht.

Ohne Zweifel hat ihm auch dieses, im Interesse des Illtramöntanhsmus und besten Zwllliiigsbruders, des Ab­solutismus, geschriebene Büchlein volle Absolution ver- shafft! Dènu auf die.Frage lpag. 5);Woher kommen btt Revolutionen Englands und Frankreichs uib der Welt in den letzten Jahrhunderten?" verfehlt , der bußfertige Verfasser nicht, die alte, abgedroschene und gehässige Antwort zu wiederholen:Sie kämen aus den Lehren Wiklefs, Hussens, Luthers und ihrer Vorgänger und Nachfolger!" Billig fragt man bierber, ob denn die ungarische Revolution und die Be­theiligung des Verfassers, wie auch vieler Bgchöfe und Geistlichen an derselben, ebenfalls in der Hiuueiaung zu der Lehre Luthers ihren Grund gehabt? Der Ver­fasser wird das freilich bestreiten, ka er sich (S. IX. der Vorrede) gerade sein und seiner Vtandcsgenossen treues Festhalten an der Kirche als Verdienst anrech- uct; aber dann mag er auch die Behauptung nicht mehrlächerlich" nennen, daß Revolutionen in katho- liiche» Ländern, gerade weil sie katholisch sind, vorzugs- w ist häufig Vorkommen.

Merkwürdig aber und für Regenten und Regierun- gei: besonders beherssgenswerth ist nun daneben Vie S. 17 ausgestellte Behauptung, daß das Volk einen Für­sten stürzen dürfe, wenn er ein Feind der Reli­gion oder der von Gott eingesetzten monar­chischen Staatsform, also auch wenn er einTy- rann sei; noch bedenklicher die Behauptung, daß das Verjagen eines solchen Fürsten des Volkes heiligstes

Deutschland.

)-J^ Wiesbaden, 9. Mai. (Das nassauische Medicinalebict die Ursache großer Sterb­lichkeit in unserm Lande ) Es ist eine alte Erfahrung, daß ein nicht übermäßig begabter Mensch in einer Minute mehr fragen kann, als zehn I gescheute Leute in einer Woche zu beantworten vermö­gen. Mindestens in einer Woche! Dies zu be­wahrheiten fragt in Nro. 107 derFreien Zeitung" ein Weltverbesserer, zu welchem Zwecke wir ein Me- dicinal-CoUeg von drei Aerzten hätten, wenn dasselbe ruhig zusehe, daß schon seit dem Jahre 1818, also seit dem Bestehen unserer Mevicinalverfassung, in Nassau nach seinen auf Müllers Zusainmenstelluiigeii gegrün­dete Berechnung von 1000 Einwohnern durchschnittlich

jedes Jahr 26 sterben, während nach Oesterle» in Deutschland, England, Schweden, Dänemark nur etwa 20 24 der Natur den Zoll bezahlen; warum diesem traurigen Zustande nicht schon längst durch Reorgani­sation unserer Mevicinalverfaffung abgeholfen werde, die offenbar den nachtheiligsten Einfluß aus die öffent­liche Gesundheitspflege unserer Bevölkerung übe?

Wir wollen dem Frager, der die liebenswürdigsten Seitenblicke aus das Mediciiial-Colleg schießen läßt, nicht Die alberne Einwendung machen, daß diese Be­hörde, die erst seit 1850 besteht, nicht wohl für die Mortalität seit 1818 verantwortlich sein kaun ; auw nicht, daß zurReorganisation unseres Medicinaledikts" (sic!) mehr Leute gehören, als das Medicinal-Colleg zählt; daß dieses zwar verpflichtet ist, dem Ministerium guten Rath zu. ertheilen, den aber weder das M niste- Hum noch die Lankstailde zu befolgen brauchen nur daß gerade die letzteren, sowohl an der rechten als linken Seite, sowohl die Brnern als die Advokaten und Staatsdiener fast durchgängig der Müuung sind, gerade dieses Edict vertrage eS am wenigsten, mit der Scheere der März rrnngenschaiten beschnitten, anders aufgestutzt, oder zu Deutsch, reorg inisirt zu werden.

Vielleicht können wir aber die Frage des Fragers durch eine Gegenfrage beautworteLr Sein G wahrs- mann, Dr. Müller, aus dessen Aufsatz im 6ten He sie der medicinischen Jahrbücher für das Herzogthum Nas­sau, Tabelle 5 und 10, er den klaren Beweis zieht, daß an dem Medicinal^dicte m Rassip weit mehr Men­schen sterben, als im übrigen Deutschlandt, theilt tu tzemselhen Aufsatze, wenn man sich näher darin um? sieht, das Herzogthum in 4 Regionen verschiedener Mor­talität. In der ersten, die Aeimer Höchst, Hochheim, Königstein, Wiesbaden, Eltville, Rüvesheim, St. Goaro- HHO Braubach umfassend, starben binnen 26 Jahren von 1000 Einwohnern beinahe 670. Ja der vierten, aus den Aemtern Nassau, Limburg, Die^ Runkel und Weilburg bestehend, staroe» von 1000 beinahe 604, in den beiden mittleren 608 und 610. Ist es das Me- dicinaledict, was in diesen Lemsern so günstig w rkt? Wo nicht, warum verlangt der Weltverbesserer, der übrigens kein Hereomeister unter den Rechenmeistern zu sein scheint, da nach Kiner Berechnung (23 X 26, in 26 Jahre» von 1000 Bewohnern 670 starben, wäh­rend Müller nur in der ersten Region ein Marimum von beinahe 670 herausbriilgt, nicht f«v t bir Absetzung sämmtlicher Aerzte der ersten Reg ou, die nach seiner Logik dann si.cher diese traurige Sterblich­keit verschulden?

Wir wollen zur Ehre des ärztlich.'» Standes dein Frager glauben, daß er ein Laie ist, aber dann muß er doch wemgstens ein Philosoph feut, und doch hat er offenbar bis jetzt weder in fernen Hailvbüchern noch in der Paulskirche die Distinktion zwischen weil u rd ob­gleich erlernt. Er fra zt «ich: sterben in Naffm so

Englische Charakteristiken.

Nach Macaulay's Essays.

John Hampden.

(Schluß.)

X' Das Unterhaus wollte die Gewalt des Schwertes selbst in die Hand nehmen, der König sich diese Ge­walt weder entwinden, noch schmälern lassen; was blieb also weiter übrig, als die Entscheidung dieser, für den einen wie für den andern Theil zur Lebens­frage gewordenen Streitfrage durch das Schwert selbst? An's Recht deS Stärkern, an den Krieg mußte ap- pellirt werden, damit sich's zeige, ob die Majorität der Nation die Volkssouveranetät verstehe, wie die Ma­jorität des Parlamentes.

Das Wagniß für die Opposition war übrigens kein kleines. Karl hatte noch eine sehr mächtige Par­tei im Lande. Der erhabene Rang, der würdige Le- benswanrel Karl's als Privatmann, dazu die heilig­sten, feierlichsten Versprechungen, wie er von nun an die Freiheiten seiner Unterthanen sorglich fronen und scheuen wolle, ferner das Mitleid mit gefallener Größe, nicht minder die Furcht vor zu heftigen Neuerungen, daS Alles führte ihm Gutmüthige und Schwache, Ehr­geizige und Ouerköpfe so wie alle blinden Anhänger der königlichen und der Hochkirch! icheu Autorität zu. Kail halte dieChurch" wie die Universitäten und die Ma­jorität des hohen Adels lind der alten Landritterschaft für sich. Dazu kam, daß die rauhe Sittenstrenge der Puritaner eine Masse lebenslustiger oder verluderter

junger Abenteurer, woran dies Zeilaller ungemein reich war, zur königlichen Standarte trieb. Endlich schloß sich mancher gute, brave, ehrenfeste gemäßigte Mann der Partei des Königs an, nun Jeder Partei ergreifen mußte: er schloß sich Karl an, nicht weil ihm dessen bisherige Regrerungsweise irgend gefiel, noch etwa, weil er nicht hartnäckige Zweifel über deS Königs jetzige Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit hegte, son­dern er schloß sich seufzend und wehklagend und mit allerlei Vorbehalten an, weil er die Tyrannei des Königs sehr, aber die demokratilche Hitze immerhin noch mehr fürchten z»i muffen vermeinte.

Auf die Seite des Parlaments dagegen trat die große Masse des englischen Mittelstandes; der Groß - und der Kleinhandel, die Aeomanry u. s. w. nebst einer sehr bedeutenden, formidabeln Minorität des ho­hen und niedern Adels. Der Graf v. Esser, ein Mann von rühmlichen Talenten und von Erfahrung in der Kriegskunst, wäre zum Oberbefehlshaber des ParlainentSheeres ernannt.

Hampden schonte weder sein Geld, noch feine Per­son in der Sache. Er unterzeichnete 2000 Pfund Sterling (nach damaligem Geldwerthe mit jetzigen 24,000 fl. bei Weitem nicht hoch genug bezeichnet) zum öffentlichen Dienste, nahm im Heere das Amt eiires Obristen an und eilte in die Grafschaft Bucking­ham, um sich dort sein Regiment Infanterie selber zu werben. Seine Nachbarn, Freunde uiib Bekannte strömten herbei , um sich unter sein Koniinando zr» stellen. Seine Leute waren ihrer grünen Uniform uno ihrer stattlichen Fahne wegen bekannt, die auf der

einen Seite den Wahlsprmh des Parlamentes:Gott mit uns!" und auf der anderen Hampden's Deoife trug:Vestigia nulla retrorsum!

Keinen Schritt rückwärts!" Dieses 'Motto bezeichnet Hampden's ganze politische Laufbahn vor­trefflich. Kein Mitglied seiner Partei war gemäßigter und geduldiger gewesen, als er, so lange noch ein Hoffnungsstrahl blinkte, daß das Vaterland au' lega­lem, friedlichem Wege den Krallen der Ty.annei ent- wnupen werden könne; kein Mitglied seiner Parte, entwickelte wiederum so viel Energie, Küonsen uiib Unermüdlichkeit, nun es unerläßlich geworden, den Knoten mit dem Schwerte zu yrfhiueiL Er wurde ein Meister im Kriegswesen undzeigte denselben", um mit Clarendon zu reden,bei allen Gelegenheiten höchst pünktlich." Das Regiment Fußvolk, das er ge­worben und eingeübt hatte, galt elnstimiNig für eins der besten im ganzen Parlamentsseere. Bei jedem Gefechte, wo es galt, ging Hampden mit einer «»hu- heit voran und fegte feine Person der Gefahr so rück­sichtslos aus, daß er auch in dieser Beziehung unter vielen Tausenden tapferen Männer hervorstrahlte.Er war," schreibt Clarendon,an persönlichem Muthe den besten seiner Umgebung gleich, so daß ihn Niemand znin Feinde wünschte, den ei sich zum Freunde geinacht hatte und so, daß er um so mehr zu fürchten war, da er mehr als jeder Andere gefürchtet zu ,verde,< verdiente." Obgleich seine kriegerische Laufoahn leider nur kurz und seine militärische Srellikiig noch eure tut» tergeordiietk war, so hat er oo^ so schon zur Genüge bewiesen, daß er nicht minder Talente für einen aro-