„Freiherr und lischt!“
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Welche Chancen hat die Reaktion in Frankreich?
# Lassen wir heute einmal einen Reaktionär vom reinsten Wasser darauf Antwort geben! Die Man- teuffelsche „Preuß. Ztg.", geborne „Deutsche Reform" dringt neuerdings eine Reihe von Brüstn eines französischen Staatsmannes über Frankreichs Gegenwart und Zukunft, welche vorzugsweise „die künftige Herstellung einer definitiven Regierung in Paris und ihre Beziehung zur Aufrechthaltung oder Unterbrechung des allgemeinen Friedens" im Auge halten. Natürlich stellt der Staatsmann die Wiederherstellung der legitimen Ordnung durch die Thronbesteigung des Grafen von Chambord als die einzige konservative Lösung dieser Frage hin. Doch welche Aussichten bieten sich dieser Restauration? Der korrespondirende Staatsmann ist einsichtig genug, zu bekennen:
„Die Liebe und die Ehrfurcht vor dem Prinzip, dessen Träger der Graf von Chambord ist, die Zuneigung zu dem Stamm, dem er entsprossen, lebt heute noch in der großen Majorität des alten Adels, in dem eifrigsten Theile des Klerus, in dem Bauernstande der Bretagne, in dem von Poitou, Anjou und Maine, in dimm Theil der Bürgerschaft von der Provence und von Haut-Languedoc — das aber ist auch Alles. In dem übrigen Frankreich ziehen die Bolksmassen, die Kapitalisten, die Kaufleute und Fabrikanten, bei denen der Speklilationsgeist die Neigungen des Herzens überwindet, die Geistlichen, die sich ihres plebejischen Ursprungs erinnern, — sie Alle ziehen der Rückkehr des legitimen Königthums jede andere Kombination vor, bei welcher sic glauben auf irgend eine Befriedigung ihres Revolulions-Jnstinktes, auf irgend einen Gewinn für ihre revolutionären Interessen hoffen zu dürfen. Die Schwierigkeiten, welche sich einer auf den VÄkswillen gegründeten Wiederherstellung des legi- tinlcn Thrones in 'Frankreich entgegmMech tretest besonders deutlich in Paris hervor. Seine zahlreiche Bourgeoisie, die so reich, so unterrichtet ist, die io fest an ihren Vorrechten und an der Gewohnheit, zu herrschen hängt, sie bleibt aus patrizischcm Kastengeist gegen den Adel, unversöhnlich mit drr älteren Linie des französischen Königshauses; denn tiefe ist eng verbunden mit der alten Ritterschaft durch die Gemeinsamkeit ihres Ursprunges und durch eine lange Verbrüderung. Diese Bvnrgevisie kann sich dem legitimen Königthum wohl ikirterwerfeil, sie kann es als ein Schutzmittel gegen politisches und soziales Unheil, von dem sie bedroht wird, hinnehmen; aber sie wird es nicht herbeiwünschen und niemals an seiner Rückkehr arbeiten. Was die unteren Klaffen von Paris betrifft, so sind dieselben gegenwärtig von demokratischen Leidenschaften so erfüllt und beherrscht, Wie dieselben Klassen in dem Zeitraum von 1562 bis
1610, und vielleicht noch später, es von dem Geist der Ligue waren. Man erinnert sich, welcher Noth und Plage es bedurfte, um diesen liguistischen Geist aus der Brust des Polkes auszurotten. Vielleicht wird der demagogische Geist nur durch noch schwereren Jammer und härteres Trübsal zu zerstören sein!"
Das wären die Aussichten der Legimität in Frankreich, auch nach dem Urtheil des staatsmännischen Korrespondenten der „Prenß.Ztg." Dagegen hat nach seinem Urtheil der Fall, daß die republikanische Regierung in Frankreich aufrecht erhalten wird, mehr Wahrscheinlichkeit für sich, als man außerhalb Frankreichs gewöhnlich anzunehmen scheine. Wir wollen unseren Lesern nicht vorenthalten, wie der staatsmännische Korrespondent sich darüber ausläßt. „Die replubikanische Orga. sation — sagt er — stört zwar die Gewohnheiten der Franzosen und beleidigt (?) chre Vorurtheile, aber sie entspricht einem ihrer nativ, nalen Laster, dem Neide, dem Haffe gegen jede Obergewalt, zumal gegen die dauernde und speziell gegen die aus der Geburt entspringende Obergewalt. Sie gewährt mehr als Einer revolutionären Neigung hinlängliche Befriedigung. Sie giebt dem weitgrcifcnden Ehrgeiz „an indefinite scope“, und ist vermöge ihrer Elastizität geeignet, allen Schattirungeu, allen Veränderungen der Volksneigung genug zu thun. Sie gestattet' periodische Umgestaltungen in der Administration; sie mildert die Opposition gegen die Obergewalt, weil man nachsichtig ist gegen einen Gegner, dessen Tage gezählt sind und dessen Rücktritt man Voraussicht. Hierzu kommt endlich noch, daß es, wie Paul Gondy schon vor zwei Jahrhunderten sagte, ein unverwüstlicher Zug des französischen Charakters ist, „immer etwas Anderes zu wollen." Was könnte wohl einem solchen Charakter mehr zusagen, als dies fortwährend „Andere", was ihm der siète Wechsel der Staatsbeamten, selbst der höchsten Leiter der Geschäfte, ja sogar nach jeder neuen Wahl die Erneuerung des Präsidenten National-Versammlung darbietet?" Die römiiche» lmd die fränkischen âeme^c des ßranzösischeu Valks- geistes, heißt es weiter,' schienen jetzt verwischt durch die destruktive Gewalt der Revolutionen; was in Franke reich übrig bleibe, das seien die Gallier; aber jene schrecklichen Gallier, die unaufhaltsam dahin brausend Europa überschwemmten und Asien verwüsteten; jene geborenen Soldaten, aus denen Cäsar, nachdem er in blutigen Schlachten ihren Kern erwürgt, Werkzeuge der Usurpation machte. Wäre die republikanische Organisation Frankreichs nicht von der Umgestaltung im Wege der Militärdiktatur bedroht, so würde, meint der staatsmännische Korrespondent, diese F»»m der politischen Eristen; in Frankreich Aussicht auf Dauer haben. Aber sollte es dem staatsmännischen Korrespondenten in der That entgangen sein, daß Frankreich diese neu- gallische Militärperiode, die Aera der Casaren, bereits hinter sich hat; daß also, wenn der republikanischen Organisation nur von der Leite her eine mög
liche Umgestaltung soll drohen können, dieselbe keine Umgestaltung zu fürchten hat! Der korrespondiern, e Staatsmann selbst bemerkt an einer anderen Stellt: die Sucht nach territorialen Eroberungen sei aus k:n erleuchteten Köpfen Frankreichs gänzlich verschwunden und selbst bei der Menge sehr gemildert; die französischen Intelligenzen hätten sich jetzt^ vornehmlich den ökonomischen und finanziellen Verbesserungen zngewen- det, die nur durch den Frieden zu erreichen sind. Natürlich kann der Staatsmann nicht läugnen, daß LouiS Napoleon ein wahrer Präsident nicht sei und auch nicht werden könne, aber er geht weiter, er sagt gerade;, : „Ein wahrer Präsident würde, wie gesagt, möglicher Weise die republikanische Konstitution in ein regelmäßiges Geleise leiten und sie befestigen können. Darin aber würde für die monarchischen Staaten deS Kontinents eine unmittelbare, dauernde und gewaltige Gefahr liegen; vor allen für Italien, dann für Deutschland, endlich für die Niederlande und vielleicht asw für Spanien. Die europäischen Kronen würden dann in einer beständigen Defensive leben müssen. Die französische Demokratie würde die starke Versuchung fühlen, sie in einem erklärten Krige zu bekämpfen, und wenn sie auch diesem Gelüste widerstände und im Frieden verharrte, so wäre schon ihr Beispiel allein geeignet, den Boden, auf welchem die Throne stehen, wenn nicht zu untergraben, so doch zu erschüttern, denn ihre ruhige und blühende Eristen; (wenn eine solche überhaupt denkbar ist) könnte leicht ein stummer aber beredter Aufruf zu einer allgemeinen Erhebung gegen das Königthum werde." Der staatsmännische Korrespondent fühlt sich also gedrungen, dasselbe zu sagen, was wir schon so oft an deutet haben. Die Zeiten, wo die Monarchie ein ausschließliches Monopol hatte in Europa, sind vorüber; sie muß mit der Republik in Konkurrenz treten. Es genügt nicht, daß die Monarchie auf eine göttliche Einsetzung pocht, deren sie nicht bedurfte, so lange mau ihre Eristenz hinnahm, ohne nach ihrem Ursprung zu
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bald es auf einen Nachweis ankommt, sob^ o.e Zeit der Prüfung begonnen hat. Die Monarchie muß, wenn sie sich neben der Republik behaupten will, deren gesichertes Fortbestehen, das in Frankreich selbst der legi- timitätsfreundliche Korrespondent für möglich erklärt, in den weiten Gebieten jenseits des atlantischen Oceans, welche in immer näherer Verbindung mit dem Kontinent treten, unzweifelhaft ist, — die Monarchie muß durch Thaten beweisen, daß sie mindenstens dem Volke dasselbe Maaß von Freiheit, daffAbe Maaß von Bildung und Wohlstand zu gewähren und zu bieten vermag, als die Republik. Oder was will der korrespondirende Staatsmann, daß von Seiten der europäischen Monarchien geschehen soll, um die „regelmäßige Fortsetzung einer republikanischen Obrigkeit, die, wenn auch nur scheinbare und augenblickliche Befestigung der Form und des Prinzips der Republik in einem Lande,
Das Gesetz.
1847.
I.
Steht die kleine Hütte dort am Walde, Auf dem Strohdach lastet fdjimmemb wrt» Dicker Schnee, — darüber hat der kalte Nordwind ausgespannt sein klares Eis!
Durch die Lehnwand ziehen viele Risse, Wie die Runzeln durch ein Angesicht, Das, entstellt von der Verzweiflung B ffe, An dem kalten Arm des Wahnsinns liegt!
An den Scheiben, die im Winde klirren, Hattet noch gefrorner Morgenduft ! Aus dem Schornstein heben sich und irren Dünne Rancheswolke» durch die 8uft !|
Scheint, als ob die Armuth selber habe Diese kleine Hütte sich gewählt.
Wo sie, in dem kalten, stillen Grabe, Ihre Qualen ihre Leiren zählt I —
Und ein Mann sitzt bi innen am Kamine, N„r von Lumpen mangelhaft umhüllt, Die Entbehrung in der Kummermiene, — Ag er nicht deS Elends lebend Bild?
Neben ihm, das Stroh zum halt»» Lager Liegt (ein Weib, in wirrem Fiebertranm. Blaß und schwach, wie ein Gerippe hager, Ruht sie zitternd in dem kalten Raimi!
Traurig ist es, wenn in reichen Hallen, Sich die Krankheit bei dèr Pracht gefällt; Aber schrecklich ist'S, wenn ihr's gefallen, Daß sie grinsend sich znr Noth gesellt!
Schweigend sitzt der Mann auf seinem Brette, Auf die Krank« starrt er ausdruckslos: „Wenn ich Fleisch zu ihrer Nahrung hätte," Spricht «r, — „wâr' ihr Leireii nicht so groß!"
Sieh —ein Blitz durchleuchtet jetzt sein Ange, Hastig spriilgt er von dem Sitze auf: „Will schon holen, was ich für sie brauche!" — Hell am Feuer blinkt der Flintenkauf!
II
Schweigend lag der Wald im Mondeulichte, An den Wipfeln nur da klang es leif — Wenn der Windhauch in der hohen Fichte Schiiltelte die tanfeud Tropfen Eis !
An dem Stamm« dort am Waldessaumes Steht der Wildrer zitternd angelehnt. Wie tum Sduipe über ihm am Baume. Sind die dunklen Reste ausgedehnt!
In dem Schatten dort der finstren Tanne Stäßt er nun die Kugel ius Gewehr, Prüft den Stein, gießt Pulver auf die Pfanne, — Lange lauscht er — GrabeSruh' umher!
Vor ihm liegt der schneebedeckte Acker, Fast so Yeti ist#, wie am lichten laa' Endlich höret er ein leis' Geknacker, — Schneller pochet seines Herzens Schlag!
Und das Wild tritt aus dem dunklen Walde, Von ben Halmen scharret es den Schnee.. . Sieh den Blitzstrahl! Wie es dröhnend knallte! Schwer getroffen stürzt das feist« Reh!
Und der Schütze ist herbeigesprungen, Auf die Schultern wirft «'S voll« Host — Als ein „H a I t" ihm durch das Mark gedrungen I Schnell vom Rücken schleudert er die Last! —
Dort am Walde mit der Büchf' am Backen, Steht der Först«, der den Ruf gethan. Hörst bu nicht, wie feine Hâbne knacken? Armer Wildrer, stehe, halte an!
Eilend rennt er nach dem dunklen Walde: Wage nicht der Kugel zu entflieh»! Wie eS blitzte! Wie die Büchse knallte! — Nud durchbohret sinkt der P>ilddub hin. —
Aufgesprungen von der falten Erde, Rennt er keuchend seiner Hütte zu — Hinter ihm die blutbesprengt« Fährte, Vor ihm -ber etp'ge Grabc-sruh!
Bei ber Kranken sinkt er stöhnend nieder. An- dem Ki"el quitlt et blutig roth! lind er senkt das Haupt - er hebt's nicht wieder: Der.frlche Wildrer ist gesetzlich todt!
E. S ......