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Das Sterbttchkeitsverhältniß tu Nassau seit dem Jahre 181S und die nassauische
Medieinal-Organisation von 1618.
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F. Die öffentliche Gesundheitspflege in Nassau wird nach der Medicinalverfassung von 1818 ausgeübt. Der letzteren rühmt man nach, daß sie für das Publikum die günstigste unter allen europäischen Mcdicinaleinrich- tungen, für die Aerzte jedoch die ungünstigste sei. Wäre jenes der Fall, so müßte das Sterblichkeitsverhältniß in Nassau die günstigsten Resultate liefern; ist aber jenes Verhältniß das ungünstigste — wie es denn wirklich der Fall ist — so muß wohl die nassauische Medicinal-Organisation den nachtheiligsten Einfluß auf die öffentliche Gesundheitspflege unserer Bevölkerung üben.
Indem ich versuche, diese im Verhältnisse zu andern Ländern überraschend große Verschiedenheit in der Sterblichkeit nachzuweisen, kann ich mein Erstaunen nicht unterdrücken, daß von Seite der Medicinalverwaltung diesem Gegenstand nicht schon längst die verdiente Aufmerksamkeit geschenkt, die Ursachen erforscht und durch zweckmäßige Aenderungen der Medicinalverfassung thun- lichst beseitigt worden sind; ja, daS Erstaunen hierüber ist um so größer, als unserer obersten Mekicinal- behörde gewiß doch bessere und mehr Materialien dieses ungünstigsten SterblichkeitSznstandcs zu Gebote stehen, als Laien, daher mit allen Mitteln diesen traurigen Zustand schon im Interesse der National-Oeconomie und der öffentlichen Moral durch Reorgnnisation des Mkdicinaledictes von 1818 zu beseitigen hätte. _ Zu welchem Zwecke haben wir kenn ein Medicinal-CoUeg von drei Aerzten V Gewiß nicht allein für fremde Badgäste, sondern zur Hebung des allgemeinen Ge.sundheitszu- stankes unserer Mitbürgers!
Um nun jenes grelle Mißverhältniß zwischen der Sterblichkeit in Nassau und jener anderer Staaten zu zeigen, werde ich Hilfsmittel benutzen, gegen deren Be- weiskraft die Nassauer Aerzte nicht wohl etwas ein- wcnden können, nämlich Oesterlens Handbuch der Hygieine (Gesundheitslehre) für den Einzelnen, wie für eine Bevölkerung, und die im 6ten Band der nass, medicinischen Jahrbücher von Dr. Müller in Wiesbaden veröffentlichten Geburts- und Sterbclisten von 1818 bis 1842.
Nach Müller (Tafel V) betrug die Zahl der von 1818— 1843, in 26 Jahren, in Nassau Geborenen
die Zahl der in diesem Zeitraum Gestorbenen (Tafel X).......- 234,849 ' die Bevölkerung hatte daher ^genommen um 107,858 ; sie betrug im Jahr 1843 (im Jahr 1842 — 397,032) circa........ 400,000 im Jahr 1818 (400,000 —107,849) ungefähr 290,000
690,000
2
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7 Mai
im Durchschnitt also von 18!8 bis 1843 . 345,000 die Durchschnittzahl der in dieser Zeit Gestorbenen 234,849 beträgt daher im Jahr 9,033 26
Es kommen daher iw Nassau auf 1000Einwohner im Jahr 2 6 Sterb fälle (345,000 :
9033 =3 1000 : 26).
Dagegen sterben nach Oesterle» (pag. 801 u. 805) in Südenropa auf 1000 Einwohner jährlich . 30 im südlichen Frankreich . ...... 26—28 im nördlichen Frankreich ......22—23 z. B. im Departement de UAin . . . 28 - 30 in den ebenen Departements Mittel-Frankreichs etwa..........25
in den gebirgigen blos gegen.....23
im Departement der Hochvyrenäen sogar nur 18 in Deutschland, Britanien, Schweden,
Dänemark etwa........20—24 in Nassau nach obiger Berechnung ... 26
Nassau mit seinem Reichthum an Nahrungsstoffen, Mineral- und Heilquellen, und Holz, mit seinen im Ganzen guten und geräumigen Wohnungen, bei Mangel eines eigentlichen Proletariats, bei Verschonung von gefährlichen Volkskrankheften (Cholera), bei einer ver- hältmßmäßig gegen midhre Länder größten Zahl von Aerzten, gedrängt in kleinen Bezirken und g wiß an Nachbildung den ausländischen Aerzten nicht nachstehend, Nassau unter beungünstigsten klimatischen und socialen Außenverhältnissen aller mitte l e u r o p â i s ch e n S t a a t e n bietet dennoch nach der obigen Vergleichung die ungünstigsten SterblichkeitSverhältnisse! Wenn dst oben bezeichneten äußeren Lebensverhältnisse in Nassau gewiß nur günstig auf die allgemeine Gesundheit der Population wirken, so kann nur die seitherige Mevicinalor- ganisation als Ursache d- ses beklagenswertheu Zustandes angenommen werden. Nach meinen eignen Erfahrungen ist jedoch das Sterblichkeits- Verhältniß in den Städten Naffau's ein viel günstigeres, nämlich 20—23 auf 1000 Seelen; es muß daher auf dem flachen Land das ungünstigste unter allen Staaten Europas sein. Wie man nun unter solchen Umständen unsere Medicinal-Organisation von 1818 mit solch traurigen Erfolgen die beste unter allen nennen und immer noch beibehalten kann, begreife wer da will, ich kann es nicht begreifen! Es hat daher auf alle, denen das Wohl unserer Nebenmenschen am Herzen liegt, einen überaus guten Eindruck gemacht, daß das, was bis jetzt von Oben herab versäumt und unterblieben ist, demnächst von Unten herauf erstrebt werden soll. Man ersieht doch mit Freuden, daß unsere jüngere ärztliche Generation durch Bildung eines Vereins, und Erforschung der Ursachen unseres tief darnieder liegenden Sanitätswesens als Zweck des Vereines, mehr erstrebt, als das Medicinal-CoUeg mit dem Ministerium zu erstreben scheint. Ich sage scheint, denn wem die ganze
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Revision der Medicinal-Verfassung keine andere Mängel derselben ergeben hat, als nur solche, welche durch Erhöhung des Gehaltes und der ärztlichen Gebühren verbessert werden können, so ist mit Grund zu fürchten, daß in einigen Jahren das Sterblichkeits-Berhâlt- niß auf dem Land auch ein viel schreckenvolleres Resultat ergeben mag.
Mit Freuden muß man daher die Bildung eines ärztlichen Vereines zur Reform unsers Sanitätswesens begrüßen und ihm jedmögliche Unterstützung wünschen.
Deutschland.
0 Vom Mühlberg am Höchst, 1. Mai. Ve» ständigung führt zur Einigung, Herr Unzicker. Sie haben die Hand zum Frieden geboten, wir sind auS- gesöhnt; ich schlage freudig in ihre Rechte ein! Solcher Menschen Charaktere liebt und achtet man, die im heiligen Eifer, für eine gute Sache kämpfend und streitend, ein kleines Mißverstehen öffentlich bekennend widerrufen und unbekümmert um Lob oder Tadel fortfahren, das allgemeine, öffentliche Wohl nach Kräften zu fördern streben.
Erfreulich ist es zu vernehmen, daß einige Schiedsoker Friedens-Gerichte in dortiger Gegend schon ins Leben getreten sind und zwar privatim durch freiwillige Einigung; doch solchen freiwilligen, von Einzelnen abhängigen Einigungs-Verbänden kann man das Wort kaum reden. Man hat gar nicht nöthig, ein Propbe. zu sein und doch kann man voraus sagen: solche aus Sano gebaute Schöpfungen bestehen nicht lange; es geht ihnen, wie einem Schifflein, das ohne Steuer und Stuber hinaus aufs offene Meer fährt; das wird bald ein Spiel der Winde sein und der Sturm wird es an einem Felsen zerschellen. Schiedsgerichte sollen durch freiwillige UedercmlNnft der Gemeinde» Hervorgerufeu werden — das heißt: sie begraben, ehe sie geboren, ins Leben getreten sind! — Wo ist da ein Stütz- ein Haltpunkt? — Wenn die Schieds- oder Friedensge- richte nicht auf kein Weg der allgemeinen Gesetzgebung bewerkstelliget werden: so dauern sie nicht lange.
Wer kann denn ohne Gesetz den hartnäckigen Schuldner zwingen, beim Schiedsgericht zu erscheinen , wenn der Schiedsrichter keine allgemeine gesetzliche Strafbefugnis hat? Schiedsgerichte ohne Gesctzbestimmiing ist ein Monstrosum, eine Fehlgeburt ohne Kopf und Fuß. Sind die Schiedsgerichteanträgc auf diesem Punkte der freiwilligen Uebereinkunft ange- langt, dann laßt sie uns stillschweigend ohne Kiang und Gesang begraben, in das Meer der Vergessenheit versenken! — Doch das sollen und dürfen sie nicht, soll es anders und besser in der Welt in Klag- und Proceßsachen werden. Viel Gänge, Zeit und Geld wurde erspart, wenn SchiekS- oder Friedensgerichte,
Die Eröffnung der Industrieausstellung.
s!- Obgleich wir bereits eine kurze Schilderung dieser Feier brachten, so ist dieselbe doch von so großer weltgeschichtlicher Bedeutung, inlb so reich an Verglci- chungspunkten, daß wir noch einen ausführlicheren Bericht nach der „K, Z? folgen lassen: „Die hiesigen Abendblätter brachten zwar um fünf Uhr schon den Fest-Bericht auf einer ganzen Folio-Seite, allein, wie es bei solchen Uebercilungen zu gehen pflegt, mit verschiedenen Unrichtigkeiten und Auslassungen. Wie wunderbar schnell auch die englische Presse vermittels der Thcilung der kleinsten Verrichtungen arbeitet, so geschieht es eben auch wie bei uns, daß bei derartigen Anlässen der Artikel zum guten Theil voraus geschrieben ist. Es war dies hier um so leichter, als das Programm der Feier schon den Tag zuvor bekannt gegeben wurde, und dann überhaupt den hiesigen Redactionen Mittel und Einflüsse zu Gebot stehen, wovon wir noch sehr weit entfernt sind. Der schlimmste Tory würde eine Vernachlässigung oder Zurücksetzung der Presse nicht verzeihen, daher denn auch gestern wieder die besten Plätze zur Uebersicht den Berichterstattern der Zeitungen überlassen waren. Mancher Lord und Herzog saß hinter denselben, aber ich bin überzeugt, euy keinem einzigen derselben der Gedanke kommen mochte, sich davon verletzt zu sehen. Mit großer Be- sorgn iß hatte man das schlechte Wetter verfolgt, wel
ches seit mehr als acht Tagen mit Regen, Schnee und Sturm die Hauptstadt heuusuehtc. Noch am Mittwoch Abend war wenig Aussicht auf eine Bessern ig. Nur die Hoffnung auf einen so genannten „Oueensday" hieft die Zagenden aufrecht. So heißen nämlich die Tage festlicher Aufzüge, wo die Königin erscheint und die seither, trotz drohender Wolken am Vorabend, fast ohne Ausnahme durch den besonders plötzlichen Eintritt guten Wetters begünstigt waren. Die Hoffnung ließ auch dieses Mal nicht zu Schanden werden. Der Himmel heiterte sich am Morgen ziemlich auf, man sah, so weit cs hier möglich ist, einzelne blaue Felder aus dem Dunstkreise schimmern, und gegen tilf Uhr, nachdem noch ein kurzer Regenschauer gefallen, brach die Sonne mit ihren Strahlen durch. ^Der erste Mai ist in England ein halber Festtag. Sonst, in dem fröhlichen Olo England, als die Spindel und der Webstuhl noch weniger sich bewegten, war es ein ganzer. Man feierte den Tag als Frühlingsfest, Alles zog in das Grüne und schmückte die Thüren der Häuser mit frischen Reisern. Wie in Deutschland fuhren in der Walpurgisnacht die Heren auf den Blocksberg, und in Bezug darauf mag oer noch bis auf den heutigen Tag erhaltene Umzug der Kaminfeger stehen. Jetzt hat du Arbeit das Vergnügen zuruckgedrängt, doch ist es dabei geblieben, daß Comptoire und Läden einige Stuiikcu früher schließen.
Gestern natürlich nahm man die alte Sitte ivieder
auf, d. h., man feierte den ganzen Tag. Wie grau und düster auch London in den Quartieren des Ge- schüfts und der Arbeit ist, sein Westend mit den vier großen, nunmehr ganz in den Stabtraum eingeschlosse- nen Parks gewahrt nicht nur einen erfrischenden Anblick, sondern führt uns auch eine Landschaft vor Augen, über deren natürlichen Eindruck wir die kunstvollen Anlagen beinahe ganz vergessen. Es ist Her nicht der Ort, darauf näher einzugehen und die man- nigfachen Einreden, die sich gegen die Usurpation „Londoner Natur-Schönheiten" erheben werden, zu widerlegen; ich wollte damit nur sagen, daß die Ausstellung, gerade weil sie in das Frühjahr fällt und ihren Palast auf einen Rasenteppich und inmitten eines grünenden Waldes der herrlichsten Bäume anfgeschlagcn hat, einen Charakter trägt, Vr mit dem Staub und Rauch der Weltstadt nichts zu thun hat und ihr auch äußerlich einen gewissen poetischen Schein verleiht, den man am wenigsten hier suchen würde. Wenn man inmitten der frischen Natur sich den Krystallpalast erheben sieht, worauf die Sonne sich in bunten Lichtern bricht, so kann es auch einer mäßigen Einbildungskrast widerfahren, daß sie glaubt, Oberon mit seinen Elfen habe den Zauberbau aufgeführt und mit allen Schätzen der Erd- und Wassergeister gefüllt. Die landschaftliche Wirkung kcö Gebäudes wird durch den Serpentin , der in malerischer Kiümmung sich hart vorüber, schlingt, außerordentlich vermehrt. Denkt man zugleich