„Freiheit und Uecht!"
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Wiesbaden. Dienstag, 6. Mai
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Paris u 11 b London.
X Seit dem Zeitalter Ludwigs XIV war man auf dem europäischen Kontinente gewöhnt, Frankreichs Zustände als normgebend zu betrachten. Die europäischen Fürsten spielten so gut oder so schlecht, als es eben gehen wollte, „König von Frankreich"; jede Residenz hatte ihr Versailles, ihre Maintenons und Pompadours, ihren Hirschpark und ihre Gewiffensärzte. Dann kam eine Zeit, wo die Völker eben so die Affen der Pariser wurden; doch nur, wie sie sich räusperten uild spuckten, das hatte man ihnen glücklich abgeguckt. Sechzig Jahre lang war es eine historische Regel, daß jeder Schlag oder Rückschlag in Frankreich einen Rück-oder Fortschritt in Deutschland zur Folge hatte. Regierungen und Völker waren so daran gewöhnt, Paris als den Chronometer zu betrachten, wornach sie ihre Uhren stellten, daß es kein Wunder ist, wenn sie noch eine Weile fortfahren, nachdem dies Verhältniß sich bereits vollständig geändert hat.
Aber ist denn diese Veränderung wirklich eingetreten, ist Paris nicht mehr das Zifferblatt Europa's? Es gibt so viele Politiker, die noch immer fort im alten Gleise denken, baß es ihnen lächerlich vvrkvmmt, wenn man sie auf ihren Jrthum ausmerksam macht.
„Hat nicht Cie Februarrevolution erst wieder schlagend gezeigt, daß in Paris die Geschicke der Welt geschmiedet werden?« wird man uns .rinwendcn. Unsere Antwort lautet: Allerdings ist etwas Wahres daran; doch ist diese Februarrevolution dennoch grade das schlagendste Argument für unsere Ansfassung. Die Regierungen, welche nichts aus der Geschichte lernten, bildeten sich im März 1848 ein, Paris fei noch norm« g bknd : Daher ihr Damaliger panischer Schrecken ! Und sie bildeten sich nach Der Junischlacht und Den so dummen wie frechen Manipulationen Der Ordnungspartei in Frankreich wiederum ein, Diese Zustände seien normgebenö für Deutschland: Daher ihre wahnsinnige Reaction! Auch iwBccktSKstiv^es'ckleUle, ou nilUiu y....... ., -----?—*___ und Struve z. B., welche meinten, in Deutschland läge st h Geschichte f o machen, wie i» F > a n k r e i ch und grabe zu Derselben Zeit. Daß äyre Bërechnlingen fehlschlugen, konnte Den nicht verwundern, Der den Fehler im Rechen- cxempel kannte. Doch grabe Der Umstand, daß Die Staatsmänner sich grade in demselben Jnchum befanden, wie Die badischen „Demagogen" , erklärt unv Die meifwiir« Dige Erscheinung, daß Die Reaction statt jene Fehler chrer Gegner richtig ausznbeuten, grade das that, was dieselben für s Volk, im Großen betrachtet, unschädlich machte. , ,....
Die französische Art, Revolutionen zu machen, hatte schon deshalb bei umsichtigen Politikern Mißtrauen erregen müssen, weil wir keine Hauptstadt wie Paris mit allen ihren Revolutionsmaschinerien haben. Noch mehr aber fehlt uns dazu das Flackerfeuer der romanischen Völker. Aber was unsere „Demagogen" ein
Das Jubiläum der Arbeit.
Zur Eröffnung der Gewerbeausstellung aller Völker.
(Nat.-Ztg.)
Bei dem Thurmbau zu Babel zerstoben die Menschen über die Erde hin; so erzählt uns die Sage, au der Glaube und Zweifel sich müde gedeutet haben.
Der Kunst verdanken wir endlich die Erklärung.
Dc' Thurm' war nicht ein Treppenhaus, um von der Erde hinweg in den Himmel zu steigen, sondern eine ^ilorpiu^ der Idee des Despotismus. Der unaeheu c Serraffenbar, den die Wohnung des Alleinherrschers krönen sollte, schwindet, aus dem Abstand von Jahrtausenden betrachtet, zu einer Stufe des ans- steigeuden Weges zusammen, den die Menschheit zurück- qelègt hat. Er sollte ein Ausdruck der herrsch enden Staatsidee werden; aber die Bauleute wurden mit der Idee schneller fertig, als mit der Ausführung des Symbols- Ihre Sprachen verwirrten sich; sie gingen von dannen, Glück und Arbeit anderswo und anders- ^^ immer, je fremder wurden sich ihre Enkel; sie verloren die Erinnerung, daß ihre Väter Arbeitsgenosten gewesen. Ausländer und Feind war CinS m der Sprache der Römer, und heute noch spuckt der Ge-
Unglück nannten, wir halten es für ein Glück. Wären unsere Zustände geschnitzt wie die französischen, fürwahr wir würden trüber in die Zukunft blicken, als wir es nach unserm Bewußtsein vom deutschen Leben und Weben können.
In der Junischlacht hat Cavaignac das alte Barri- kadenkampfsystem der Revolution veuichtet. Entscheidende Slraßenkämpfe nach früherer Weise sind nicht mehr möglich, wenn das Militär seine Schuldigkeit für das bestehende Regime nur einigermaßen thut. Diese Ansicht der Reaktion, die wir vollkommen unterschreiben, ist der Fels, auf dem die Contrerevolutionärs seit dem Juni 1848 bauen. Nie hat sich dies aber frappanter gezeigt, als in der jüngsten Zeit. Die Herren wünschen einen neuen Kampf in Paris, weil sie auf eine blutige Niederlage des Volkes mit Gewißheit rechnen. Sie spekuliren hierin ganz recht. Doch fragt es sich, ob das französische Volk nicht eben so klug, wie seine Feinde ist. Möglich, obwohl nicht wahrscheinlich, daß es den Ränken der absolutistischen Propaganda gelingt, die Heißsporne in Paris bald einmal wieder auf die Straße zu locken und einen Hanostreich auszuführen; doch was dann? Wenn in Paris aufgeräumt worden, ist die Contrerevolution dann am Ziele, ihr Sieg dann vollständig? Die neunmal weisen Herren Diplomaten glauben dies allerdings; doch sie werden sich bald überzeugen, wie garstig sie sich verrechnet haben. Schon ist Frankreich mitten in der Decentralisauon begriffen; noch eine Schlappe für Paris und es hat aufgehört, Frankreich zu sein! Man vernichte die Repnblik in Paris und man wird über ganz Frankreich den Feuerbrand ausstreuen, der seit 1787 in der Hauptstadt bald hell aufloderte, bald unter der Achse fortglühte.
Aber noch weniger als Paris zur Zeil noch Frankreich, ist Frankreich 1851 noch Europa. Die Februarrevolution wurde — eben weil nur noch der Wahn
der Normgebung bestand, doch die Verhältnisse bereits darüber hinaus waren — für Deutschland eine Cala-
mität; denn sie brachte unsere Entwicklung, bevor sie wendet! Die Febmarwann-. si untfr 6fn Gefrier- jwPIuHcmWrnytofifit!^^ Md-^ W^g.Ay â- '.^'unsiermdlich, rege,weiter.
deutsche Volksbewegung, Dank der Fehler der Reaktiv»,
süchtiger die Feinde der Demokratie nach Frankreich blicken und aus den dortigen Wirren Hoffnungen schöpfen, in demselben Grade vollbringt sich im Volke selbst die folgenschwere Emanzipation der deutschen Entwicklung von der französischen, welche bereits so weit gediehen ist, daß nur noch die Papageien und Gimpel der Politik das Lied singen: „Eher es in Frankreich nicht wieder losgeht, wird's nichts!" Es ist nur noch das Wahre daran, daß die Regierungen sich nach wie vor nach Frankreich richten und die Reaktion diesseil des Rheines desto toller wirthschaftet, je sicherer sie ihres jenseitigen Triumpfe zu sein glaubt; aber wenn jemand, so hat nicht das Volk, sondern die Contrerevolution zu klagen:
danke in unseren Gesetzen, wenn sie zur Wiebervergel- hum den schiffbrüchigen Schweden zu plündern gebieten.
Die Menschen haben sich nie wieder zusammen- gkthan, um dem Despotismus einen Tempel aufzurichten. Aber andere Ideen und Interessen durchbrachen die Grenzen der Länder und beugten den starren Sondersinn der Stämme.
Die Kunst war es,
Die auf ÄorintM LandeSenge
Zum Kampf der Wagen und Gesänge
Der Griechen Stämme froh vereint!
Das Verlangen nach dem, was auf der Erde wohl, aber nicht in jedem Lande zU finden, der Tausch ist cs, der in Flotten und Karavanen die Abgeordneten der Volker versammelt und, seit die Quartiere der Hansestädte nicht mehr von allen Mundarten widerhaUen, alljährlich eine unermeßliche Zeltstadt in die Einöde von Nischnei-Nowgorod zaubert. , '
Die Sehnsucht nach dem, was ihnen die Erde nicht bot, und die Verzweiflung, es durch eigene Krack zu gewinnen, führte die tausend Banner der Kreuzfahrer auf den Oelberg, führt heute mul) die vielnamigen Stamme der Indier zu deu Wassern des Ganges und unter die Räder des Juggernaut.
Dieselbe Sehnsucht hat seit fünf Jahrhunderten Die europäischen Völker nach tot. Peters D un gerufen.
Bvmfazmö Vlll. schrieb das erste Jubuänm auS, »weil in alten Männern aus dem Volke die Ueberlieferung
„Ach, vielleicht indem wir hoffen,
Hat uns Unheil schon betroffen!"
und dieses Unheil ist wirklich schon da: die neue Jjeit, wo der europäische Mittelstand sich für die Freiheit aus Interesse erklärt, der Auqeu- mick, wo eine nach modernen Regeln geordnete Staatswirthschaft als eine Brotfrage der Völ- ker anerkannt wird, ist gekommen! Richt nach Paris, obwohl dort jeden Augenblick ein Kampf ausbrechen kann, sind die Blicke der Völker gerichtet, sondern nach London, wo die Arbeit, die Basis des modernen Staates, ihreTriumpfe feiert! Nicht die bohle Form, nicht der Schein der Freiheit ist das Ideal der Neuzeit,' der Inhalt ist es und die Wahrheit.
Der Tyrann von Neapel hat ganz recht, daß er die Pässe zur Industrieausstellung verweigert: im Glas- palast hat eine Verschwörung der Völker des Erdkreises gegen Wahn und Finsterniß, gegen Privilegien und Erb Weisheit begonnen, welche schicksalsschwangerer ist als alle Verschwörungen der geheimen Gesellschaften in ganz Europa. Frankreichs Rolle als politischer Vorkämpfer und Verführer ist beendet, das Zeitalter der politischen Romantik geschlossen — die Aera der reellen Freiheit wurde am 1. Mai 1851 inaugurirt
O Vom Mühlberg am Höchst, Anfangs Mai. Endlich wills Frühling werden! Der Kalender frei- lich hält nach wie vor seinen Frühkingseinzug am 21. März; allein feit vielen Jahren will es Vein alten Naturpropheten so recht nicht nach seinem Kopfe gehen. Im Februar d. J. glaubte man: Hay! dieses Jahr wirds einmal frühe Früjahr werden, die Sonne glüht ja je#* !$on so mild und warm, daß es eine Lust ist; wenn
w An>'l. 'Gon.r^
wendisch; die Kraniche kehrten zwar in der Mitte des
selben zurück, aber sie zogen hoch durch die Luftregion; tue Schnepfen machten kurze Strichmanöver, die Menschen suchten Wohlbehagen hinter den warmen Oefen auf, o bas waren wohl Alles Zeichen, daß die Frühlingsluft des Märzes den Menschen und den Spieren nicht sehr angenehm war, daß noch unfreundliche Tage kommen und man den Spaten und den Pflug noch nicht zur Hand nehmen könne. Heute haben wir den 1. Mai und kaum wills trocken und Frühling werden. Jeder sagt, es wird wieder spät, jedes Jahr kommt der Frühling später, die Herbstjahreszeiten werden immer länger und schöner, was mag davon die Ursache sein.
Daß der Kalender voreilt, das eigentliche Sonnen- oder tropische Jahr nachgerückt kommt, das lehrt der
lebe, daß ein allgemeines Jubel- und Vcrsöhnungsfest kommen werde.« Zwei Millionen Pilger kamen, schwer beladen mit Sünden und Schätzen, und gingen, an beiden erleichtert. Fürsten und Könige führten den Reihen und thaten Bedlentendienst an der Tafel des Papstes. »Das Fest zeigte — schreibt Johannes Rubens — daß das ganze Menschengeschlecht Eine ganze Familie ist und der Papst ihr Vater." Clemens VI. befahl den Engeln, Die Seelen der Pilger ohne Aufenthalt in das Paradies zu befördern, und aus vielen Besessenen fuhren die Teufel.
Rom wußte es den Völkern immer bequemer zu machen, gab das Fest alle fünfzig, dann alle vreiund- dreißig, endlich alle fünfundzwanzig Jahr; Alexander Borgia gar schickte ihnen den Ablaß ins Haus, wenn sie — dèn Betrag der Reisekosten erlegten!
Aber immer noch kamen Schaaren aus allen Ländern, größer oder kleiner, reicher ober ärmer, lustiger oder bußfertiger, je nach den Zeiten. Sie wallfahrteten in Gc- sellschaft und zogen ein in Die ewige Stadt mit brennenden
Kerzen.
Die Genueser und jeder Römer Leute verdienten; Übungen herging,
und Venezianer hatten gute Frachten wurde ein Gastwirth. Auch andere denn wie cs zwischen den Audachts- würde unsere ungläubige Zeit nicht Schilderung nicht von Mariana, dem
glauben, wäre Die
«Jesuiten. „Es war. sagt er, als ob während der Jubiläen Cie Sittenlosigkeit auf dem Thron säße."