Es gibt keinen Wucherer vom Nord- bis zum Südpol, der jemals seinem geschundenen \ Schuldner solche Zinsen abgefordert hätte, wie dieses Land für seine unverzinsliche und dreiprozentige Schuldenlast hat zahlen müssen." Au solchen Aeußerungen werden bereits unsere schwarzgelben Blätter von der öffentlichen Meinung hingerissen ; ermessen Sie darnach, wie schwer Handel und Gewerbe gedrückt sein müssen. Lange hat man es versucht, das Elend als einen vorübergehenden Mißstand darzustetle»; der CvurszcUel durch drei Jahre hat den Leuten die singen geöffnet. Schon aus den officiellen Nachweisen, welche zeitweise erscheinen, kann jeder Einsichtige den ; wahren Stand erkennen. Aus dem letzten Ausweise ' z. B. ergibt sich, daß im Monat März an Zwangs- cyurö habendem Papiergeld 359,795,031 Gulden cir- culirte. W-e läßt sich da ein gesunder Finanzzu stand denken? Die Abhülfe wird vom Volke erwartet, das Ministerium hat sie versprochen; noch aber ist nichts dafür gethan. Fürst Metternich's Ankunft wird uns angekündigt, soll der die Hülfe von 1806 und 1811 bringen? Fast fürchtet man's.
Wien, 25. April. Man liest im „Neuigkeitsbüreau: „Der königl. englische Gesandte am Hofe von Hannover, Mr. Bligh, hat eine Rundreise bei den kleineren deutschen Höfen gemacht, um daselbst für einen Protest gegen den Gesammteintritt Oesterreichs in den deutschen Bund zu wirken. Ueber das Resultat dieser Reise verlautet bis jetzt noch nichts zu Verbürgendes."
Das „C. Bl. a. B." meldet Folgendes: „Wien, 25. April. Vor einigen Wochen schrieb ich Ihnen, daß die österreichischen Truppen in den nordalbiugischm Herzogthümern nicht eher abziehen werden, bis die Reorganisation dieser Länder vollendet. Zu dieser längst gegebenen Versicherung kann ich noch hinzufügen, daß das k. k. Cabinet auf die erwähnte Reorganisation mit allen Kräften dringt, und daß sämmtliche Instructionen für Hrn. v. Vrints dahin zielen, die Versammlung der Notabeln und die Krone einträchtig zu stimmen. Glauben Sie nicht, daß unter diesen Umständen die Frage der Centralisation der dänischen Monarchie im Sinne der völligen Einverleibung der beiden Herzog- thümer gemeint ist" — Verlässigen Nachrichten aus Brüssel zufolge wird der ehemalige Minister, Fürst von Metternich, seinen bisherigen Aufenthalt noch in diesem Monate verlassen, um sich auf sein Gut Johannisberg zu begeben.
Wien, 27. April. Die Wiener Blätter können sich nicht mehr der Thatsache verschließen, daß auch in Oesterreich auf den Umsturz der oktroyirten Verfassung hingearbeitet wird. Die „Ostdeutsche Post" beginnt heute eine Reihe von Artikeln „über die Parteien in Oesterreich". „Nachdem wir volle zwei Jahre", schreibt sie, „im Besitze einer Verfassungsurkunde sind, welche die Negierung in voller Macht, aus eigenem Entschlusse oktroyirte, sind wir jetzt auf dem Punkte, dis- kutircn zu müssen, welche Verfassung für Oesterreich am zweckmäßigsten sei. Heilkünstler aller Sorten drängen sich herbei, um die Panaceen, die jeder von ihnen im Sacke trägt, als das einzige Heilmittel anzuempfehlen, und man müßte blind sein, wollte man es übersehen, daß Personen in bedeutenden socialen Stellungen in letzterer Zeit eifriger als je in Wort und Schrift die Verfassung vom 4. März zu untergraben suchen." Vier Faktoren gibt es, die zurechnungsfähig sind und die aus den ‘ Reihen der Utopisten und der völlig Gedankenlosen concret heraustreten. Die älteste der Parteien sind die zahlreichen Anhänger des ancien régime , die zu ihren Hauptträgeru einen großen Theil der älteren Bureaukratie zählen. Diese Partei wird verstärkt durch die Gewohnheits- menschen, die durch die Revolution Beschädigten, die Erschreckten, welche im Jahre 1848 den Kopf ver- loreun, und endlich durch Solche, welche sich in der bevorzugten Stellung, die sie bisher einnahmen, durch das Emporkommen von „neuen Menschen", wie dies in konstitutionellen Staaten der Fall ist, empfindlich gekränkt fühlen. Moralisch gestärkt wird diese Partei durch die kleine Gruppe von Prinzipielle», welche das ererbte Recht mit einer Art von religiösem Gefühl betrachten und vertheidigen. Die „Ostd. Post" vergleicht diese Partei mit den Kreuzrittern in Preußen, denen sie den Vortheil zugesteht, ausgezeichnete Persönlichkeiten zu besitzen, während den Anhängern des ancien régime in Oesterreich eine gewichtige Utilitätsfrage, die der Nationalitäten, zur Seite steht — Das wäre also der erste der vier Faktoren, welche die Verfassung untergraben, noch bevor sie ins Leben tritt; die „Ostd. Post" wird auch die übrigen Parteien schildern.
Die „Wiener Ztg." enthält noch fast täglich zahlreiche Vernrtheilungen der Militärgerichte, bei denen oft die seltsamsten Vergehen vorliegen. Selbst die Musik wird strenge überwacht, und das Aufspielcu „revolutionärer Melodien" mit mehmöchmtlichem Gefängniß bestraft. Auch eine Verurtheilung wegen versuchter Verleitung der Soldaten zum Treubruche ist vorgekommcn. — In Linz haben die Jesuiten ein Privat-Gymnasium errichtet und in Raudnitz in Böhmen ist die Cholera ausgebrochen.
Dänemark.
Kopenhagen, 26. April. (Hamb. Börs.-Halle.) Die „Berling'sche Zeitung" bringt heute einen höchst bemerkenSwerthen Artikel, aus dem hervor zu gehen scheint, daß erstens die schleöwig'sche Frage im gegenwärtigen Augenblicke keineswegs so stehen muß, als
es die eiderdänische Partei, deren Organ die „Berling'sche Zeitung" seit 1848 als halbamtliches und of- ficiöses Regierungs-Organ gewesen, wünscht, und daß zweitens ein Theil des Ministeriums nicht zufrieden und nicht ohne Besorgniß ist über die Haltung des anderen Theiles des Ministeriums zu den gegenwärtigen Verhandlungen über Schleswigs Stellung zu Dänemark und zu Holstein. Die „Berling'sche Zertg." spricht erst von dem bevorstehenden Zusammentritt der Notabeln, über deren Namen die Regierung wohl erst nach der erfolgten Einwilligung aller Ernannten ofsi- cielle Mittheilungen machen wolle, in Flensburg, und von der Ernennung des Grafen Bille-Brahe, eines Mannes, der durch seine persönliche Tüchtigkeit, seine Stellung am wiener Hofe und sein Zusammen-Arbeiten mit dem Grafen Sponneck während dessen neulicher außerordentlicher Mission vortrefflich geeignet sei, den eigentlichen Kern des Streites zu erfassen. Sodann aber setzt sie aus einander, daß die gegenwärtige stille und ruhige Haltung der dänischen Bevölkerung keineswegs zu dem Schluffe berechtige, als ob das Land in Gleichgültigkeit und Schlaf versunken sei, als ob das Volk die Hoffnung aufgegeben habe, Schleswig näher an Dänemark geknüpft zu sehen, als der den Notabeln vorgelegte Antrag beabsichtige. Man glaube nicht im Auslande — und gewiß auch kein irgend mit dem Geiste und der Weise des- Volkes hier nur einiger Maßen vertrauter Mann —, daß es irgend einer Macht in oder außerhalb des Landes möglich sei, eine wirkliche oder Quasi-Wiederherstellung des Status quo ante (welcher der letzte Noth-Anker des Schleswig- Holsteinismus sei, um einen neuen Stützpunkt für neuen Streit und eine neue, klüger angelegte Revolution zu gewinnen) dem Volke zu bieten. Zwar haben die Dänen kein stark hervortretendes Nationalgefühl und lassen sich nicht lange von einer einseitigen Ra- tional-Politik leiten; allein die Erfahrungen der letzten Jahre hatten die ruhige Ueberzeugung in ihnen befestigt, daß, wie das Zeugniß der Geschichte bekräftige, Dänemarks Wehe und Wohl auf einer vollständigen Unabhängigkeit der nicht zum deutschen Bunde gehörenden Staatstheile von Deutschland beruhe. Der Ge- sammtstaat mit einer constitutionellen Spitze sei nur möglich mit dem, was Deutschland zur Zeit und vielleicht lange noch nicht zugeben werde, mit einem Austritt Holsteins u»dLauenburgs ans dem deutschen Bunde, und wenn Holstein in keine nähere Verbindung mit Schleswig komme, als mit Dänemark, und nichts Anderes mit ihm gemeinsam habe. Fremde Bayonuette könnten vielleicht dem dänischen Volke aufzwingen, was so eben als unmöglich bezeichnet Jet, daß es ein dänischer Staatsmann beabsichtigen könne, und jahrelange Unterdrückung durch fremde Gewalt könne vielleicht eine Schlaffheit und Abmattung zuwegebringen ; allein damit sei nicht die dänische Monarchie gerettet, Europa nicht die Aufgabe gesichert, die Dänemark im Gleichgewichts-System En- ropa's entnehme. Dänemark werde zu Grunde gehen und die Geschichte sagen, daß dieser Untergang begründet worden in einer Zeit, wo die Lebenskraft der Nation sich allerherrlichst nach Jahrhunderte langem Schlaf bewährt und Dänemarks Volk fast allein unter allen Völkern geistige Kraft bewährt habe. Das könne nicht geschehen, oder, wie der König einst so ergreifend gesagt habe, „das werde nicht geschehen". Sa, glaubt die „ Berling'sche", sei ungefähr der Gevankengang das Landes, wenn ntcht ganz zufrieden mit dem den Notabeln vorgelegten Plane, aber auf der anderen Seite auch nicht ganz unzufrieden mit dem, was zur Zeit gewonnen. Man wiege sich nicht in leichtsinni gen Hoffnungen; allein man fühle die Gewißheit, daß die nottwcndige Entwicklung der Begebenheiten nicht gegen Dänemarks Vortheil sein könne, daß, was die Dänen nicht wollen, auch nicht möglich sei, weil es gegen Enropa's eigenes Interesse sei, das möglich zu machen. Die „Berling'sche Zeitung" glaubt nicht, daß das Volk blindes Vertrauen in die Regierung oder ein einzelnes Mitglied derselben setze, auch mache das Zutrauen zur Regierung keine wesentliwe Ursache der obigen mstinctmäßig richtigen Auffassung der politischen Situation aus. Allein die Regierung habe, wie sich das seither auf dem Reichstage gezeigt, genug Vertrauen beim Volke, um im Sinne des Volkes die Zügel der Regierung zu führen. Man habe in der letzten Zeit oft das Gleichniß von einem zwischen Klippen segelnden Schiffe gebraucht, und das Ministerium habe das Mcichniß acceptirt, als es gesagt habe, „es stehe ruhig am Ruder". Jetzt hâbe mqn aber wirklich nach der gegenseitigen Entwaffnung, nachdem der die Kräfte das Landes verzehrende Kriegsfuß aufgehört habe, zum ersten Male glattes Wasser; die Gefahren, die noch übrig seien, waren wenig be- deutend im Vergleich mit den überwundenen Gefahren, selbst wenn man sie ziemlich scharf ins Auge fasse, namentlich die Gefahr einer neuen Revolution in Europa. Es sei in Wirklichkeit nur Eine Gefahr da, vorder man zürückscheuen müsse, wenn man sie überhaupt als möglich betrachten könne, namhdi, daß das Ministerium aus Ermüdung oder Zufriedenoeit mit dem Ueberstandeue» am Staatsruder ei lisch läse. Gehöre das nicht zu den Möglichkeiten, so gehöre viel Unfähigkeit, viel Sorglosigkeit oder viel Unglück (welcher Staatsmann brauche kein Glück?) dazu, das Staatsschiff zum Stranden zu bringen.
„Dannevirke" berichtet, baß die hiesige Nationalbank auf eine Vorfrage deS Finanzmi'nisters erklärt
habe, daß die holsteitnschen Kassenscheine in den königlichen Kasfen nicht angenommen werden können.
(A r oH britanuien.
London, den 25. April. Seitdem es entschieden ist, daß die Königin die Ausstellung feierlich eröffnet und jeder Besitzer von Seasonkarten zugelassen wird, ist der Zudrang zum Kaufe derselben stündlich größer geworden. Seit drei Tagen wurden an 6000 Karten abgesetzt, und die Kommission hat die Preise um Eine Guinee erhöhet. Eine Herrenkârte kostet von gestern an 4, eine Damenkarte 3 Guineen. Na- Olelich fehlt es nicht an Protesten gegen eine Maßregel welche man als eine Spekulation auf die Legalität der Engländer, ihre Königin zu begrüßen, bezeichnet. Die Si'ommi||ton dagegen gibt als Grund der Preiserhöhung die Nothwendigkeit an, die Königin am Eröffnungstage vor allzugroßem Zudrange zu schützen, und stützt sich^auf eine frühere Bekanntmachung, wonach sie sich die Erhöhung der Eintrittspreise vorbehalten hatte. Trotzdem werden von vielen Seiten Proteste entworfen unter,chrieben und eingereicht. Das Innere des Gebäudes felbst schmückt sich wie durch Zauberei. Gestern waren über 8000 Menschen, theils Arbeiter, theils Aussteller, im ungeheuren Raume beschäftigt, ohne daß der zufällige Besucher hätte ahnen können, mit so vielen Menschen unter Einem Dache zu seyn. Der Mittel,gaiig allein wird 5 bis 6000 Menschen fassen, ohne daß Einer den Andern beim Ab- und Zugehen beengt. — Das merkwürdigste Beispiel von Volksvermehrung, welches der stattgefundene Census nachweist, ist Bradford in Yorkshire. Dort ist die Bevölkerung seit 1841 von 66,?18^auf 103,782 Seelen gestiegen.
D-e im Interne der anglikanischen Kirche von dem Erzbischof von Canterbury der Königin überreichte Adresse stellt die gegenwärtig vorhandene Zahl der Kirchen, Schulen und Geistlichen als unzureichend für die religiösen Be- dürfuisse der in England und Wales lebenden Mitglieder der vereinigten 'Kirche von England jinD Irland dar. Sie dringt daher auf Errichtung von 600 neuen Kirchen, auf die Gründung von ungefähr eben so viel neuen Kirchspielen niid auf die Ernennung von wenigstens 600 neuen Geistlichem Weiter wird auch die Nothwendigkeit der Stiftung von Armen schulen und auch daS Wünschens- werthe einer besseren Verwaltung des Kirchen-Eigcnthums nachgewiesen. Auch die Gründung neuer Bisthinner wird auempfvhlcn. Unterzeichnet ist Die Adresse von 107 Personen, darunter von 2 Erzbischöfen, 8 Bischöfen (zu den fehlenden gehören der Bischof von London und der Bischof von Exeter),Zeiner großen Anzahl Peers, darunter dem Marquis von Londonderry und dem Carl von Roden, ferner von den Lords Ashley, John Manners und Discount Castlereagh. Unter den übrigen Parlamentsmitgliedern, deren Namen wir unter der Adresse finden, nennen wir noch den Sprecher, C. S Lefebre, und die Herren Sidney Herbert, Disracii, M. Milne» und Page Wood. Sir R. Inglis hat das Schriftstück nicht untere zeichnet.
I t a l i e «.
Neapel. Die Regimenter sollen bis auf 3000 Mann jedes gebracht werden. Das erste zählt gegenwärtig 2000, das zweite 1500, das dritte t 900, "das vierte 1645 Mann. Das Jägerbataillon Lombach ist 1200 Mann stark. Freinde wurden in der letzten Zeit keine »lehr angenommen, St. Gallen und Thurgau liefern uns alle unsere Rekruten. (?) In den Forts beslude» sich noch 600 schweizerische Veteranen, die Schweizer Artillerie besitzt in diesem Augenblick 10 Geschütze, sie soll aber noch vermehrt werde». Bis Ende des Jahres werden wahrscheinlich 10,000 Schweizer im Dienste von Neapel sein! —
Me^k^iik ^rtm?reid>
Straßburg, 28. April. Es scheint sich laut der „Köln. Ztg." zu bestätigen, daß ein größeres Militär- Lager bei Luucville im Laufe dieses Sommers abgchaltcn und der Präsident der R publik dasselbe mit seiner Gegenwart beehrii wird. Luucville ist durch die Eisenbahn nach Saarburg, welche demnächst in Betrieb kommt, so nahe von hier, daß man innerhalb 6—7 Stunden dahin g laugen kann.
* Paris, 28. April. Laut der „Assemblee Nationale", dem jetzigen Organe Guizot's, wäre die Gesammteiuverleibuiig Oesterreichs in den deutschen Bund durch Graf Nesselrode's Betrieb außer Frage- Schwarzenberg befolgt Zerin, wie in der Zollvereins- frage jetzt eine zuwartende oder vielmehr vorbereitende Politik. Erst wenn „die Bombe in Frankreich geplatzt ist", wird zur Vtcwirkkichung die Zeit gekommen en fein scheine». — Der „Rational" bringt folgende Warnung: „Man hat uns berichtet, daß eine Proclanatio», mit Name» nuterschrieben, die in der demokratischen Partei bekannt sind, und namentlich mit denen des demo- kratisch-sociaiistischen Comite's verbreitet worden ist oder werden soll, um einen An stand am 4 Mai Hervorzn- rufen. Der Ursprung eines solchen Aktenstückes ist leicht zu errathen; es wäre überflüssig, ihn näher zu bezeichnen. Die Feinde der Republik allein haben Interesse, die Ordnung zu stören und eine Emeute hervorzurnfen. Wir glauben, das Volk auffordern zu müssen, sich vor allen diese» nach-- g ein achte n Aktenstücken in Acht zu. nehmen, welchr man ihm geheimnißvoll als eine Lockspeise hiuwirft, und sich einer jeden Demonstration bei Gelegenheit des Festes