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Freiheit und Necht!"

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JK 103 Wiesbaden. Freitag, 2. Mai IS31

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Tod und Leben.

X Die Leiche, über welche im Lenz" 1848 die Todtenbeschauer des Vorparlamentes ihren Befund als todt aus Inkompetenz und Mangel an Bewegung" zu Protokoll gegeben haben, ist wieder ausgescharrt und nur wenige Wochen, ja vielleicht nur noch wenige Tage werden vergehen, bis der galvanisirte Kadaver von Neuem die Arme und Beine rühren wird. Die alte germanische Mythe vom Freund Heim soll also Wirk­lichkeit werden; unseremaufgeklärten" Jahrhundert zum Hohn wird der Knochenmann die Centtalgewalt der deutschen Nation werden und seine Hippe als Scep- ter schwingen, um alles Leben nieder zu mähen. Es ist dies keine bloße Redensart, kein bloßes poetisches Bild: es ist die gemeinste, trockenste Prosa. Over hat nicht das ganze Volk, haben nicht Fürsten und Diplo­maten, Aristokraten und Demokraten, haben nicht Ka­tholiken und Protestanten, haben nicht Bürger und Bauern, Gelehrte und Ungelehrte dazumal zu dem Leichenbefunde Ja und Amen gesagt? Und nun? Werden sie behaupten, sie hätten sich geirrt? Nein, wie wunderbar und unnatürlich diese Auferstehung des Todten, so natürlich und so ganz in der Ordnung muß sie Derjenige finden, der mit den Gesetzen der Geschichte und mit dem Entwicklungsgänge der Völker vertraut ist. Es besteht eine Regel, die sich so oft wie­derholt, daß, wer sie erkennen will, hundert Belege dafür finden kann: jede Institution, welche in der Ge­schichte eine tiefgreifende Rolle gespielt hat, erfährt im Sterben noch einmal ein helleres Afflackern alter Herr­lichkeit, einen Kraftzufluß, der, weil er ein krampfhaf­ter ist, ein ungewöhnlicher zu sein pflegt, eine Abend- röthe, die von denen, welche nicht wissen, welche Zeit es ist, leicht für ein neues Morgenroth gehalten wird. So geschieht es jetzt auch mit dem alten Staate und mit der alten Kirche. Ein volles Jahrtausend hindurch haben beide einst so gewaltige Institutionen mit einander gerungen um die Vorherrschaft; die Kai­ser haben die Päpste und diese jene bedrängt und be­engt, bis eine Zeit kam, wo der Kaiser des heiligen römischen Reiches und der Statthalter Christi in Ohn­macht dalagen und sich die ersten Keime einer neuen großen Weltortnung zu entwickeln begannen. Aber was noch nicht in Saft und Blut des Volkes übergegangen, was noch nicht Lebensbedürfniß für Jedermann gewor­den, das hat wieder und wieder erst noch zu bewäh­ren, ob es überhaupt solcher Natur ist, daß es einen bleibenden Umschwung der Dinge bewirken kann.

Die Resultate des Jahrhunderts der Aufklärung waren noch zu sehr blos Eigenthum der Ge­bildeten geblieben und sie waren ohnehin nur ein­seitige Ergebnisse. Das Volk, das 1815 noch für Schiller, 1825 für Göthe und 18,15 noch immer für Schiller und Göthe schwärmte, mußte erst lernen, über beide Hinauszuschreiten, ja noch mehr, es mußte Lessing

Englische Charakteristiken.

Nach Macaulay'S Essa|ys.

John Hampden. (Fortsetzung.)

^ Die Stellung der Häupter der Puritaneropposition war fortan äußerst schwierig und gefährlich. Wie leicht konnte die schwache Majorität, die sie hatten, in eine Minorität umschlagen! Auch außerhalb des Unterhau­ses fingen ihre bisherigen Stützen in den höheren und mittleren Massen mehr und mehr zu wanken und zu weichen an. Weiter und weiter griff die Meinung um sich, es sei dem Könige denn doch zu viel geschehen. Die Engländer und hierin verräth sich noch das germanische Blut neigten sich von jeher lieber auf die -seile einer schwachen Partei, die im Unrechte, als auf die Seite einer starken Partei, die im Rechte ist. Dul­den doch selbst die Pflastertreter auf der Gaffe nicht, daß ein Mann geschlagen wird, der am Boden liegt. Und wie bei Borerkäinpfen, so bei politischen Kämpfen. So kam es, daß gegen die Whigs im Jahre 1681 eine heftige Reaktion zu Gunsten Karls II. Platz griff; so kam es, daß eine eben so heftige Reaktion gegen die Koalition im Jahre 1784 zu Gunsten Georgs III ein- leat. Eine solche Reaktion war es denn auch, die während des zweiten Jahres des langen Parlaments losbrach. Einige Mitglieder der Opposition, schreibt

überflügeln, ihn, unter dem es 1845 sogar noch so tief stand. Ich bezeichne diese Namen nur als Fahmen, und setze hinzu, daß eine Generation, die noch nicht einmal den Börne begriff, wenig geeignet sein konnte, sich seine Warnungen 1848 zu Nutze zu machen. In der Literatnr waren die Welcker und Genossen seit mehr als einem Jahrzehnt, die Raumer u. s. w. sogar schon seit mehr denn zwanzig Jahren durch Börne und Heine überwunden; im Leben aber wurden sie erst darum recht die Tonaugeber. Todte Männer, wie die durch die moderne Kritik längst beseitigten Altliberalen, todte Männer, wie Menzel und Raumer, todte Männer, wie die Romantiker, sie waren es, auf welche das deutsche Volk baute, sie waren es, welche den Bundestag für todt erklärten, doch ihn unbegraben ließen.

Die Märztage waren keine demokratische Be­wegung, sondern eine konstitutionelle im Sinne der Altliberalen, welche, nachdem sie längst in Literatur und Wiffenschaft widerlegt, abgethan und vernichtet waren, sich restaurirten, grade wie sich der Bundes­tag jetzt restaurirt, nachdem die Konstitutionellen, die ihn für todt erklärt, nun auch im Leben vernichtet sind.

Die Jahre 1848 bis 1851 waren so betrachtet wirklich nur ein Zwischenspiel , ein Interregnum! Darm stimmen wir cen Absolutisten vollkommen bei; nur über einen Punkt sind wie anderer "Ansicht und auch darüber kaum. Die Sache ist nämlich die, daß in dieser Zwischen­zeit die ganze Nation ihr Eric nur um absolvirt und sich eingetaucht hat in die Ideen, welche früher nur das Privilegium der Eingewe hten, der Gelehrten, der Stu- dirten, der Professoren und Doktoren waren. Diese jetzt Gemeingut gewordenen Ideen sind die Errungen­schaften der jahrhunber? langen Forschungen deutscher Genien, und diese sind de wahren Märzèrrungcn- sch asten und die unent eißbaren, weil sie eben ewige Gedanken sind. ES fur wenige einfache Grundsätze, welche ins Volk gedrungen sind; aber sie reichen voll- kommen hin, um den Kampf zwischen dem modernen und alten Bewußtsein, zwischen Neuzeit und Mittelalter gründlich auszukämpfin; sie reichen aus, um den Doktrinarismus in Staat und Kirche, in Wissenschaft und Gesellschaft nicht wieder aufkommen zu lassen; sie reichen hin, um den graben W g nicht wieder zu ver­lieren. Diese wenigen Ideen, die Ideen der Selbst- emanzipation, der Selbsterlösung, der Sebstentwick- lung; dieser Ekel gegen die krankhafte Sentimentalität in Gefühlen, Worten und Werken; diese Kälte gegen das Hölleuheißmacheu der Alten; diese Furchtlosigkeit vor der Furcht; diese Ruhe in der Unruhe politischer Bedrängniß; dieser ^>tolz in dem momentanen Erlie­gen seiner Sache; diese feste Zuversicht,daß es so nicht bleiben könne"; dieses felsenfeste Vertrauen, daß ihm die Zukunft gehört das ist es, was tu das Volk eingedrungen, waö ihm in Saft und Blut über­gegangen ist und was ihm Schutz verleiht in den Be- drängnifsen, denen es unter der Hippe des Frankfurter

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-Clarendon,kamen wieder auf ihren alten Entschluß, das Königreich zu verlassen, zurück", und Oliver Crom­well erklärte ganz entschieden, daß er und mancher An­dere ausgewandert wäre, wenn sie bei der Remoustra­tionsfrage in die Minorität gerathen wären.

Noch einmal und zum letzten Male bot sich dem Könige eine überaus glückliche Gelegenheit, wieder die Liebe und das Vertrauen seines Volkes zu gewinnen. Hätte er sich entschließen können, sein ganzes festes Vertrauen auf die Leiter der gemäßigten Partei im Unterhause zu setzen und seine ferneren Schritte ihrem Rathe gemäß zu regeln, so wäre er zwar nicht ein Despot geblieben, was er bisher gewesen, aber er würde ein immerhin noch an Macht und Ehren reicher Fürst eines freien Volkes geworden sein. Die Nation hätte sich der Freiheit und Ruhe zugleich wohl unter einer Regierung mit Falkland an der Spitze und ihm gegenüber mit einer Opposition unter Hampden's Lei­tung erfreuen mögen. Um zu diesem glücklichen Ziele zu gelangen, war es durchaus nicht unumgänglich nöthig, daß der König einen Theil seiner gesetzmäßigen Prärogative zum Opfer brachte oder sich Bedingungen unterwarf, die nach monarchisch-konstitutioneller Theorie mit der Würde des Thrones unvereinbar sind. Nur das war unumgängliche Nothwendigkeit, daß er der Treulosigkeit, Der Gewaltthat wie den groben Rechts­verletzungen ein- für allemal jetzt entzöge. War dies nicht in der That wenig genug? D.es war Alles,

revenant entgegengeht. Die Hippe kann Aeuße­rungen todten , Meinungen abschneiden, doch diese Richtung, diese neue Weltanschauung des Volkes zu tobten vermag sie nicht. Auch glaubt sie nicht einmal daran, daß sie dies vermöchte: daher ihre ewige Unruhe über die Ruhe der Völker; da­her ihr Bestreben, Steine des Anstoßes und Aerger­nisses in den glatten Meeresspiegel der öffentlichen Meinung zu werfen!Das Schweigen der Völker ist die Lehre der Fürsten!" Die Ruhe der Völker ist die Unruhe ihrer Feinde. Die Feinde der Volkseutwick- lung sagen, die Freiheit sei tobt, und sie haben nicht einen, nein tausende von Steinen auf das Grab der Revolution gewälzt und eine halbe Million von KriegS- knechten steht Wache. Europa hält Rüsttag! Im Frühlingsglanze prangt der Tempel der alten Weltorbnung, die Priester und Leviten rüsten zu fro­hen Festen; doch sie vergessen, daß die frohen Ostei it, welche sie erwarten, nicht ihnen gehören, sondern de­nen, die sie vernichten wollten, doch nur bestätigt ha­ben. Leichen kann man galvanisiern, doch neubeleben nicht; aber Ideen, welche die Feuerproben der Passionszeit bestanden haben, sind nicht zu vernichten.

Deutschland.

)0( GrieSheim, Ende April. Am zweiten Oster­feiertage ereignete sich in der Kirche zu Nied ein Vor­fall, welcher der Oeffentlichkeit übergeben zu werden verdient. Der Geistliche Der evangelischen Gemeinde hatte unmittelbar nach Beendigung deS Gottesdienstes zwei Trauungen zu vollziehen, es wurde diese Stunde gerade deshalb dazu bestimmt, weil nach vorhergegan- gener Erkundigung ihm der Bescheid wurde, daß den­selben Vormittag kein katholischer Gottesdienst abge­halten würde. Die Kopulation des ersten Paares ging ohne Störung vorüber. Herr Pfarrer F au st von Sos­senheim hatte sich bereits eingefunden, um Gottesdienst abzuhalten. Als das zweite Paar zum Altar treu, wurden schon durch den Kirchendiener der katholischen Gemeinde Störungen verursacht, und als die Hand­lung beinahe vorüber war, betrat Herr Pfarrer Faust, von einem Kirchendiener begleitet, mit, großem Geräusch die Kirche, wandte sich mit schnellem Schritt zum Al­tar und bedeute dem evangelischen Geistlichen mit da - scheu Worten uno aufgehobener Rechte, daß die Jett seines Gottesdienstes vorüber si, und daß er wegen seiner bereits % Stunde vor der Thüre Ha re. Der evangelische Geistliche erwiederte, es sei allerdings etwas über die Zeit, allein er habe es bei Hrn. Pfarrer Faust neulich nicht so streng genommen, als derselbe eine halbe Stunde langer Gottesdienst hielt, und jetzt mache es doch kaum eine Viertelstunde aus, worauf Herr Pfar­rer Faust entgegnete: damals hat man den Gocue- dienst nicht unterbrechen können, allein diese Eopula- tion kann man aufschieben, meine Christen warten und ich muß Sie bitten, die Trauung schnell zu beendigen!"

was die Nation jetzt von ihm verlangte; aber so wenig auch es war zu viel verlangt!

Eine Zeit lang hatte es den Anschein, als sei der Köulg geneigt, klugen Nath vernehmen und den Weg der Mäßigung und Rechtlichkeit euischlagen zu wollen. Er äußerte den Vorsatz, Falklano zum Staatssekretär uuD Culpeper zum Kanzler des Schatzes zu machen; zugleich gab er seine Absicht kuuo, hi Kurzem Hme ein Amt von Bedeutung übertragen zu wollen. F euer versprach er den genannten drei einflußreichen Männern, daß er in Betreff des HausèS der Gemeinen nichts ohne ihren vereinten Rath tpiin nnb ihnen alle wine Pläne in der uunmwundensten Weise mittheilen werde. Wäre der König dieser Richtung unwandetbar treu geblieben, so hätte er sich und dem Lande manch schweres Kriegs- und Blutjahr erspart.Aber", klagt Claren­don,schon nach gar wenigen Tagen irrte er unglück­licher Weise wieder davon ab."

Am 3. Januar 1612 sandte Karl I., ohae j neu Männern, deueii er sein königliches ^Wort verpfändet, daß er sie zu Rath ziehen werde, auch nur eine Sylbe zu verrathen, den Generalsiskal aus, um Lord Kimbol- ton, Hampden, Py n, Hollis und zwei andere Unterhaus- mitglieder an der Barre der Lords Hochverraths hal­ber in Anklagezustand zu versetzen. Es ist schwer, in der ganzen englischen Geschichte ein Seitenstück von solcher 'Tyrannei, Treulosigkeit und Verrücktheit zugleich äufzufinden! Die uraltesten und theuersten Rechte deS