„Freiherr und Hersis!“
J£ 1O1» Wiesbaden. Mittwoch 30. April é^^S
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Die russische Hand in Deutschland.
X Wie kann Rußland dem Gesammtcintritt Oesterreichs in den deutschen Bund daS Wort reden, da ja dadurch Oesterreich wiederum in den Stand gesetzt werden würde, seinen Schwerpunkt in Deutschland zu finden und sich von dem russischen Einflüsse nach und nach wieder zu befreien? Dieser Widerspruch ist manchen Politikern so stark erschienen, daß sie lieber den preußischen Zusicherungen glauben wollten, wonach der Czar gegen den Gesammtcintritt Protest eingelegt haben sollte. Wir stimmen in dieser Beziehung jedoch vollkommen denen bei, welche meinen: Kaiser Nikolaus würde wahrlich nicht seine Zustimmung einem Plane geben, der die traditionelle russische Politik irgendwie beeinträchtigen könnte; wir dürfen daher annehmen, daß außer den Gründen, welche offen vor aller Welt liegen, geheime Gründe ihn bewogen haben, den Ge- sammteintritt Oesterreichs zu unterstützen. Zwei Fälle sind hier denkbar: entweder rechnete das russische Ka- binet von vornherein auf das Scheitern des Planes an dem Widerstande Preußens und den Protesten Englands und Frankreichs, und in diesem Falle konnte der Kaiser eine wohlfeile Großmuth entfalten; oder es war dem russischen Kabinete Ernst mit seiner Unterstützung, indem es den im Westen aufsteigenden Ungewittern durch die Bildung eines europäischen Mittelreichs einen Damm entgegen zu setzen suchte, und in diesem Falle hatte es nur zu sorgen, daß ihm das neue Mittelreich durch eine kräftige Organisation nicht über deu Kopf wachse und selbst zu einer bedrohlichen Stellung gelange, statt seinen Zwecken dienstbar zu bleiben. Die etwaigen Gefahren sind für den Czar nicht von Erheblichkeit. Over hat er nicht den beiden deutschen Großmächten in Warschau die Punkte vorgeschrieben, nach denen sie sich einigen sollen? Und ist bis auf die,e Stunde das Geringste zur Wiederherstellung des Bundes geschehen ohne russische Einwirkung? Da Rußland die Bedingungen stellt, unter denen die deutschen Bunbesverhältnisse überhaupt und speziell der Gesammt- eintritt Oesterreichs zu Stande kommen soll, so müßte cs eben nicht Rußland sein, wenn es Unheil für sich daraus fürchten könnte? Rußland verfahrt mit Deutschland im 19ten Jahrhundert genau, wie es im 18. mit Polen verfuhr: wenn es sich verrechnet, so sind weder die jetzt herrschenden Parteien in Preußen, noch die in den übrigen Bundesländern daran schuld. Ein bedeutendes Gewicht legt der Czar bei seinen Plänen darauf, daß in Deutschland nicht blos die Revolution, sondern zugleich die Reformation vernichtet werde. „Das Petersburger Kabinct", bemerkt sehr richtig ein Mitarbeiter der „Weser-Zeitung", „muß
Leben in Californien.
(AuS den Gold-Regionen.) Nevada City, 24. Jan. (Rewyork Journ. of Commrrce.) Ein Engländer mit Namen Divine mordete seine Frau unter Umständen von ungewöhnlicher Grausamkeit. Während ihres ganzen Aufenthalts in Georgetown hatte sie ihn und ihre Kinder durch ihren Fleiß unterhalten. Eines Morgens fragte er sie um Geld zum Spielen, sie aber sagte ihm, er sollte warten bis er nüchtern wäre. Da stürzte er durch das Zimmer nach einer Pistole, doch sie kam ihm zuvor und warf dieselbe in einen Eimer Mit Wasser. Hierauf sprang er auf die Straße hinaus, griff schnell einem Vorbeikommenden seine Büchse von der Schulter, kehrte dann zurück und schoß seine Frau durchs Herz. Es war Sonntag und die öffentlichen Versammluiigsörter wie gewöhnlich, waren voll von Minengräbern, welche unabänderlich den Feiertag im Städtchen zubringen. Der Knall von einer Büchse auf der Straße war nichts Ungewöhnliches, doch die Schreckensgcschichte flog wie nur allein das Gerücht fliegen kann, und in 5 Minuten war das Haus voller Menschen. In einem solchen Lande wie unseres und unter solchen Umständen wie diese pflegen die Menschen lieber zu handeln als zu sprechen. Ein benachbartes „Rund-Zelt" (unsere Spielhäuser werden oft wegen ihrer Größe in Gerichtsstuben umgewandelt) ward zum Schauplatz des Verhörs ausgewählt. Der Gefangene ward hineingeführt, und darauf brachten einige andere, ehe noch ein Wort gesprochen war, die Leiche der Frau herein, grade so wie sie gefallen, mit dem dunkeln Blut, daS ihr aus der Brust noch floß. Sie ward lacht auf einen großen Tisch gelegt nahe bei ihrem
von seinem Standpunkte aus lebhaft wünschen, haß das katholische Oesterreich ein möglichst großes, die protestantischen Bestrebungen im politischen wie kirchlichen Sinne lähmendes Ueber- gewicht in Deutschland erlange und behaupte. Deßhalb wird es alle dahin abzielenden Maßregeln kräftig unterstützen und besonders da fördernd Mitwirken, wo es sich um die Schwächung Preußens, des .Herdes des Protestantismus" handelt. Die sichersten Aus mpfnngSpnnkte dazu finden sich in Preußen selbst bei En augenblicklich mächtigen Partei, welche offen die Herff lang der Una ecclesia catholica predigt. Diese Partei möchte her Erinnerung an die Politik Friedrichs des Großen gründlich ausrotten, der ihr als Neuerer in politischen und als Freidenker in kirchlichen Dingen aufs Tiefste verhaßt .st. Und sie zweifelt nicht, daß es ihr gelingen werde, ihre Aufgabe zu lösen, denn so übermüthig und hoch- strebend sind die von den Bajonetten getragenen Pläne der Reaction , und so thätig sind ihre Anhänger in der Verwirklichung der vvrgezeichneten Pläne, daß es ihr allerdings gelingen wird, sich eine starke Veste zu bauen, aber es wird eine Veste sein auf — unterm in irrem Boden. Und dies ist es was die Rückschrittemänner übersehen im T mmel ihrer bisherigen Erfolge. „„So schwer unsere Aufgabe ist"" — sagt die neueste Rundschau der Kreiszeitung — „„derBoden ist für die restaurirendc Reorganisation des preußischen Staats geebnet und zubereitet wie noch nie zuvor, so geebnet und zu- bereitct, wie wir es noch vor vier Jahren nicht zu hoffen wagten, als die Staatsmänner und Cie Ideen in der Blüthe standen, die 1848 alö faule Früchte uns in den Schooß fielen. Hüten wir uns, die März- Errungenschaften zu gering anzuschlagen und versetzen wir uns, um diese Undankbarkeit zu t rmeiden, in die Zeit unmittelbar vor dem 18 Mär. 'umck. Gesetzt es hätte an diesem Tage keine Barrikaden gegeben, — war nicht schon am Vormittage der französische Coustitutionalismus im Gefolge des Pseudo- Deutschthums siegreich eingezogen in das alte Schloß zu Köln an der Spree, und würde nicht der Bereinigte Landtag in seiner an Einstimmigkeit grenzenden Mehrheit gewetteifert haben, alle lebendigen Verfas- sungs- und Freiheits-Elemente des Vaterlands abzn- schlachten auf dem Altare der Revolution und dem armen Preußen auf legal-friedlichem Wege die abgelegte Livree des Juli-Frankreichs anzuziehen? Wohl uns, daß wir eine Revolution gehabt, — wir wollen sie gern nicht bloß als „denkwürdige Thatsache" „anerkennen"—, denn nur. dadurch ist die Reaktion möglich geworden, die nun weit, weit über die Märztage hinaus reagireu muß, — nur dadurch eine Landesvertretung, die ihres Ursprungs aus der Charte Waldeck ungeachtet dem Staatsmanne ein viel güisti-
Mann. Dieser Anblick stachelte das Volk bis zum Wahnsinn. Niemand dachte daran Worte^ zu verlieren beim Verhör. Der Gefangene ward ergriffen und nach einer kleinen Anhöhe, die den Flecken überschaut, fort- gerissen, wo ein Strick bedeutsam von einem Baum schwenkte. Grade in diesem Augenblick versuchte ein Mann von großem Einfluß bei den Leuten in jener Gegend, ihr Vorhaben aufzuhalten, bis eine Mordschau bei der Leiche angestellt und ein kurzes Verhör, aber doch ein Verhör abgehalten worden nach ihrem Verbiet. Mit großer Schwierigkeit gelang ihm dies, doch unter der Bedingung, daß beides, Schau und Verhör, an dem Tage geschehen sollten, und da der Leichenschauer zu Koluma war, ward die Zeit spätestens auf 4 Uhr angesetzt. Es ward ein Erpresser nach Koluma geschickt, und, um Zeit zu sparen, ein Geschworneiigericht verzeichnet, um sofort nach seiner Ankunft zu handeln. Die Geschwornen saßen bei einander im Zelt neben dem Gefangenen und der Leiche. Der Bolkshaufe wartete draußen, war aber nicht unbeschäftigt. Ein tiefes Grab ward gegraben inten an dem Baum und alles feierliche Begräbnißgeräth zurecht gemacht. Als es gegen 4 Uhr ging, ward das Stillschweigen des Haufens unterbrochen von starkem Zischen und rauhem Gemurmel. Büchsen, Pistolen und Bowie- Kiiifes ließen sich frei und ungenirt sehen. Dies entging dem Blick der Geschworenen nicht, welche natürlicherweise anfingen für ihre eigene Sicherheit zu fürchten. Endlich als die Sonne schon tief im Westen stand, konnte der Haufe nicht länger warten, er zerriß die Seiten deü Zelts und stürzte hinein, noch Zeit genug, um den Letzten der Geschworenen durch einen Hintergang entwischen zu sehen. Ohne ein Wort zu sagen, gingen sie an ihre Arbeit. An der Spitze der
geres Operationsterrain bietet als der feinem Ursprünge, aber nicht seinem Geiste nach feudale Vereinigte Landtag. Speise geht aus von dem Fresser und Süßigkeit von dem Starken, sagt Simson, — wir meinen den Sohn Manoah's vom Stamme Dan. So folgt Reaktion aus der Revolution, denn auch in der Entwickelung der Staaten sind Gottes Wege wunderbar und wollen Mit Geistes Augen erforscht se n ""—Diese Partei, welche jetzt in Preußen das große Wort führt, geht Hand in Hand mit derjenigen, welche in dem neuerrichteten österreichischen Reichsrathe, (der nichts ist als eine neue Auflage des alten Staatsrath) ihren Ausdruck und ihre Vertretung findet. Beide stehen unter dem Einflüsse, um nichtzu sagen unter der Leitung des Kaisers Nikolaus von Rußland." — . Wir haben dem nichts hinzuzusetzen, als daß es sehr lächerlich ist, noch zu fragen, ob der Bundestag mehr schivarzgelb oder mehr schwarzweiß ausfaUen werde? Wenn die Fahne, welche nach Abnahme der schwarz- roth-goldenen auf dem Bundespalaste weben wird, die echten Farben tragen sollte, so könnten es keine andern sein, als die russischen. Das würde allerdings unsere Jllusionspolitiker sehr schmerzen, doch wir glauben, die Tage des Scheins sind vorüber und es ist besser, wir wißen, wie wir stehen, als daß wir uns immer wieder den alten blauen Dunst vormachen, der uns so oft ins Unheil gebracht hat. Die Prophezeihung Napoleons: „Kosakisch oder republikanisch?" naht ihrer Entscheidung, und das Urtheil erster Instanz lautet: „Kosakisch!" Ob die höhere Instanz dies Urtheil bestätigt, muß die Zukunft lehren: die Reaktion wenigstens behauptet, es gebe über dem Spruch von Gottes Gnaden keine höhere Instanz mehr.
Deutschland.
4- Wiesbaden, 28. April. Durch die heute stati- gehabte Ziehung wurden zu Geschwornen für die nächsten Assifen bestimmt:
l. Hauptgeschworne: 1) Bürgermeister K rl Roth zu Wehen, 2) Nicol. Ellenberger zu Cronbera, 3) Phil. Jos Weiler zu Hofheim, 4) Feldgerichtssch ve N. Würzinger zn Biebrich, 5) Johann Hildinann 2r zu Oberhöchstadt, 6) Johann Phil. Thun zu Braubach, 7) Joh. Schollenberger 2r zu Obern min, 8) Medü:- nal-Affefsor Jung tu Hochheim, 9) Adam Michel zu Eisenbach, 10) Müller Andreas Minoa zu Beche
11) Wirth Jakob Wenzel zu Heddernheim, 12) Friedrich Schmidt zu Hausen, 13) Kaufmann Georg Bögler zu Wiesbaden, 14) Bäcker Carl Buderus zu Nassau, 15) Kaufmann Ludw. Neuendorf zu Wiesbaden, 16) Phil. Heinrich Schäfer zu Langenseifeu, 17) Wi th
Procession schritt der Mörder nach seinem Galgen zu, und die Leiche seiner Frau ward getragen dicht hinrer ihm. Die Kinder, dem Himmel sei Dank! waren nicht zugegen, doch wurden sie selbst bei dieser schauerlich ernsten Scene nicht vergessen. Eine kleine Büchie, worauf geschrieben war „Für die Wagen", ward an den Baum genagelt und manche Unze Gold hinelnge- worfen aus den Beuteln derer, welche dem Vater das Todesgeleit gaben. Die Leiche der ermordeten Fran ward in die breite Gruft gesenkt, und gerade wayreno der verruchte Mann mit starrem Aug danach sah und auf jene leere, aber bedeutungsvolle Büchse neben ihm, schnürte sich plötzlich der Strick um fernen Hals, und er baumelte in der Luft. Der Volkshaufe saß auf d.r Höhe und beobachtete ihn mit ernstem Blut. Nach einer halben Stunde ward er heluntergeschnitten und in das Grab gelegt an die Seite seiner Frau. In 5 Minuten war Georgetown so still wie jenes einsame Grab auf der Höhe. Kein Mensch war zu sehen in den Straßen und Niemand mehr wußte etwas von jenem gesetzlosen Haufen. Am Abend langte der Mord- schauer an und alö er die Geschichte gehört, lud er seine Jury auf den kommenden Morgen vor. Ma Sonnenaufgang kamen sie auf der Höhe zusammen und standen um das ungefüllte Grab, während das Ende von dem abgeschnittenen Seil über ihren Köpfen schwebte. Nachdem sie einige Worte mit einander gewechselt und ein Zettelchen auf eint jede der beiden Leichen gelegt hatten, schaufelten sie das Grab mit Erve zu. Auf einem der Zettelchen stand geschrieben: „Ermordet von — Divine, ihrem Gemahl", und auf dem andern: „Gestorben dem Willen Gottis und menschlicher Gerechtigkeit gemäß."