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Die Jesuit en Missionen

XDie Jesuiten sind ein politischer Orden!' Dieses französische Urtheil bestätigt sich auch in Deutschland mehr und mehr.Die Jesuiten- Missionen sind die Seiten (biete zu den Volksversamm­lungen des Märzjahres!" Dieser Vergleich liegt so nahe, daß er täglich gemacht und vom Volke besprochen wird. Die Regierungen verboten die Volksversamutlniigen als Auswüchse der Revolution; jetzt befördern sie die Missionen als schweres Geschütz für die Contrerevojution; die Kla­gen über denUnfug" derDemökratenwühlereien" werden daher jetzt verstummen müssen. Die oft übel gewähl­ten Ausdrücke sogenannterroher Demagogie", welche im Jahr 1848 allerdings nur zu oft zum Nachtheil der politischen Entwicklung des Volkes mit unterliefen, die Kraftausdrücke derSchreier", sie werden jetzt über­boten, und auch darin hat die Reaktion der Revolution, nichts mehr vorzuwerfen. Der einzige Unterjc^ieb und der schlagendste, ist und bleibt jedoch der, daß jene Ueberstürzungen in eine wild bewegte Zeit fielen und auf dem politischen Gebiete blieben, während die Je- suiten-Missionäre jetzt die Politik auf die Kanzel bringen, das Band zwischen Pfarrer und Gemeinden sprengen, religiösen Zwiespalt in die Familien werfen und so ejne Zukunft vor.bereiten, die abzuw enden eine kluge Reaktion Alles hätte aufbieten müssen. Die nächste Volksbewegung und daß es' fl üher oder später zu einer solchen kommt, ist allgemeine Ansicht und grade ein Grund mehr, weshalb man jetzt die Jesuiten aufs Volk losläßt wird einen politisch-rel lgiösen Charakter annehmen und somit den schlimmsten, den absolute Regierungen zu fürchten haben. Die englische Revolution unter Karl L wurde dadurch so blutig und langwierig, daß der Hof ihr einen religiösen Charakter aufgezwängt hatte durch die Begünstigung der verkapp­ten' Jesuiten -Missionäre und durch die Verfolgungen der Puritaner; die erste französische Revolution war so verfolgungssüchtig, weil ihr ein Zeitalter der^allmäch- tigen Jesuitenhegemonie vorhergegangen war. Wir haben es im Jahre 1848 empfunden, daß die Volksbewegung im Ganzen trotz aller großen Worte so mild und unblutig sich erwies, weil kein Glaubensfanatismus die Gemüther erbittert hatte. Und nun? Wenn wir dem Pessimismus huldigten, fürwahr, wir würden Ur­sache haben, uns über die Sturmsaat zu freuen, die der Absolutismus jetzt ruhig aus säen und unter der Wärme seiner Huld aufgehen läßt; doch da wir keine Pessimisten sind, so entsetzt uns diese Verblendung. Es ist nicht das kirchliche Interesse, welches uns d>e,e Klagen einflößt; denn die religiöse Aufklärung ist un Jahre 1851 nicht mehr zu vernichten: sie hat unter schwierigeren Verhältnissen seit 350 Jahren bewiesen, daß die deutsche Ration in diesem Punkte eine Unverwüstlichkeit und Zähigkeit besitzt, an der alle Mam-

Wiesbaden Sonntag, 27. April

pulationen zu Schanden werden. Es ist das politische Interesse, welches uns bestimmt! Was wir 1848 so oft zu klagen hatten:Herr bewahre uns vor falschen Freun­den !" das mögen jetzt unsere Gegner bedenken und nicht vergessen, daß es nichts Gefährlicheres gibt, als wenn politische Kämpfe durch Einmischung fremder Elemente vergiftet werden. Das Cuümpfen des religiösen Fa­natismus, das die Jesuiten in Deutschland jetzt betrei­ben, wie dasHepp hepp!" der Hochkirchler in Preus­sen gegen die freieren protestantischen Elemente, es wird -- .wenn es so fortgeht einen Weltbrand entzün­dn, den diejenigen zu verantworten haben, welche Ruhe und Ordnung" auf ihr Panier schrieben und diese theuersten Güter der Staaten in einer Weise ge­fährden lassen, welche wahrhaft unbegreiflich wäre, wenn sie nicht mit so vielen andern Verblendetheiten der letzten Jahre zusammenfiele.Aber", antwortet man uns,Religionsfreiheit!" Religionsfreiheit, großes Wort! Ja, wenn du einmal ganz That und Wahrheit geworden, dann mögen sie kommen, die Geister der Zeiten, wo Philipp II. Tausende auf dem Scheiterhaufen lodern ließ um ihres Glaubens willen, wo Tausende der besten Bürger Frankreichs in einer blutigen Nacht erwürgt wurden. Doch ist denn diese Religionsfreiheit wie in Nordamerika schon in deutschen Landen vorhanden? Wird denn niemand mehr verfolgt, seiner freieren Neligiousaiisichte» wegen? Hat denn niemand mehr Grund zu der Furcht, er möge für einen verdächtigen Staatsdicner gelten, wenn er sich gegen die alten Konfessionen erklärt? Ja, erst pro- klamirt von Neuem den Grundsatz und führt ihn ins Le­ben ein:In meinen Staaten kann jeder nach sei­ner Fayon selig werden!" Dann mögt ihr gleich Friedrich II. auch die Jesuiten gehen lassen; dann, aber auch nur dann'! Denn alsdann werden sie macht­los sein und verschwinden, wie der Nebel vor ber Mm ue , verschwinden, wie sie verschwanden im Zeit- aller Voltaires ünv I. J. Rousse^is, Herders und Lessings, Friedrichs II. und Josephs II., der großen Genien des 18. Jahrhunderts.

Deutschland.

* Wiesbaden, 26. April. Berliner und Frank­furter Blätter haben allerlei Wunder über die Heim­kehr Metternichs nach Wien erzählt. Wir haben die­ses Geredes bisher kaum erwähnt, weil wir die öster­reichischen Zustände vor und nach Metternichs Sturze so weit kennen, daß uns ein Zusammenwirken Metter­nichs mit Schwarzenberg einigermaßen fabelhaft vor­kommen müßte. Diese unsere Zweifel finden wir in derWeser-Ztg ", die über Oesterreich sehr gut orien- tirt ist, vollkommen bestätigt. Jedenfalls müßte Met­ternich sein ganzes früheres System über Bord ge­worfen haben, wenn er die Schwarzenberg'sche Politik billigte. Dse Wefr. Ztg." bemerkt in dieser Beziehung

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Wir entsinnen uns noch sehr genau einer Unterredung in welcher der greise Staatskanzler die Einfachheit der russischen Regierungsform im Gegensatz zu dein co tu - plicirten Formen des österreichischen Staatswesens pries aber hinzufügte, daß eine russische Centraliiation in Oesterreich bei den gegebenen Verhältnissen unmögliw sei; jeder gewaltsame Versuch zur Herstellung einer solchen Centralisation würde mehr neue Uebel herauf- beschwören als alte Uebel beseitigen. So weit man bis jetzt im Stande ist, nach dem Erfolge zu urtheilt», dienen die Bestrebungen des neuen Camnets mehr da­zu, die Worte des alten Staatsmannes zu bestätig n, als zu entkräften. Bekannt (wenn auch nicht allge­mein).ist ferner, daß Graf istavion, der eigentliche Urheber des Planes der jetzigen Neugestaltu ig Oester­reichs, diesen Plan schon lange ^r den Märzstür men des Jahres 1848 ausgearbeitet hgtte und daß die ent­schiedene Weigerung des Staatskanzlers, darauf einzu­gehen, eine Hauptsache der, trotz naher verwandtschaft­licher Beziehungen, zwischen Stadion und Metternich herrschenden Spannung war. Ebenso zeigte sichBaio i v. S'übeif als ein eifriger Fürsprecher der Centralisation, wenn auch nicht in dem Sinne und Umfange, wie Schwarzenberg, dem alle Specialkenntniffe fehlen, mit seiner derben Rücksichtslosigkeit sie durchzuführen be­gonnen hat. Die einflußreichste Anhängerin der Ce.i- tralisationsidee und hauptsächlich deswegen die ent­schiedenste Gegnerin Metternich's war endlich die Erz­herzogin Sophie, welche jedenfalls zu der Flucht des Staatskanzlers im März 1848 mehr beigetragen, als die übermüthigen Studenten die unter seinem Hotel Fort mit Metternich!" riefen. "

Diese leicht zu vermehrende» Beispiele mögen ge­nügen tun darznthun, daß es für Eingeweihte jeden­falls eine seltsame Erschemung wäre, den Fürsten Met­ternich urplötzlich als Freund des neuen Kabr- nctS und der neuen Regiernngspraris ani- treten'und Hanveli: zar sehen. Möglich, daß man ln-Wreu auf dem Punkte steht, von Schwarzen­bergs Politik theilweise abzugehen; aber Metternich ist kein G ii iz o t, wenigstens ist es uns nicht wohl glaub­lich, daß er seine ganze Vergangenheit mit Füßen treten könnte, ihn das Ende seiner Tage mit Schwar- zenbergschen Erperimenteu zu beschließen, deren Schei­tern jeder Einsichtige längst einsieht, und also auch der greise Staatsmann", der, wie man sonst auch über ihn denken mag, jedenfalls zu viel Routine und Selbst, gefühl hat, um sich als Paradepferd vor. Schwarzen­bergs Wagen zu spannen, es müßte denn fern, daß seine Finanzen wirklich so schlecht ständen, wie Ber­liner Blätter behaupten, und er, um dein finanziellen Bankerotte zu entgehen, den staätSmünnischen Bankerott acreptirte. Sollte die Reaktion wirklich so cynisch fein, daß sie die Verlegenheiten eines alten Mannes io miß brauchen könnte? Das wäre allerdings sehr stark, ob­wohl nach manchem, was wir die letzten Jahre erlebt haben , nicht grade unmöglich.

Bilder ans Paris.

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ir- ke- int uit 80. en. er. litt fl.

Paris ist die Stadt, in der man auf die be-' quemste Art Kenntnisse sammeln, wo man spielend lernen kann. Ist schon jeos große Stadt ein of­fenes Lesebuch für Alle, die das sinnliche und gei­stige Auge zu vereinigen wissen, wie vielmehr Paris, woncbkn der regsten Jndustri e der Gegenwart zugleich die inhaltreichste Vergangenheit an allen Orten uns begegnet. Machen uns die riesigen Anzeigen mit den neuesten Ersindungen, mit den jüngsten Kindern^ der gewerblichen Th. igkeit bekannt, so sprechen die ^tia- ßen, die öffentlichen Plätze, die Häuser in einem La­pidarstyl zu uns, der unsere Nerven aufs Tiefste er­schüttert und gegen das gesprochene oder geschriebene Wort seine Ohnmacht offenbart. Der herrlich gelegene Place de la Concorde allein enthält die ganze Ge­schichte Frankreichs seit der ersten Revolution. Hier stand einst die Statue Ludwigs XV.; als Ludwig X V. beim Ausbruch der Revolution in effigi vernichtet war, mußte an eben der Stelle sein Nachfolger sein Haupt auf den Block legen. Der Kaiser Napoleon war be­müht diese historischen Erinnerungen zu verwischen, und errichtete in der Perspektive des Nevolutionspla- tzeö den imposanten Triumpfbogen zum Andenken an leine Siege und zum Ruhme der großen Armee. Die Restauration gab demRevolutionsplatz" den jetzt gc-

bräuchlichen Namen desPlatzes der Eintracht." Am 10. April 1814 war diese Stätte der Eintracht von den Russen, Ocsterreicher» und Preußen bedeckt, die hier einen feierlichen Gottesdienst zum Dank für den errungenen Sieg abhielten. Louis Philippe wußte nicht recht, was e mit dem Platze beginnen sollte, der ein Tummelplatz aller Parteien geworden war. Seine Kunst bestand darin, das Feuer der Parteien abzudämpfen, und das Balanciren im juste milieu war so lange die Aufgabe seines Lebens, bis er end­lich , zu sicher geworden, plötzlich selbst die Balance verlor. Dennoch aber wollte auch er diesem histo­rischen Boden das Siegel seiner Macht aufdrücken. Wo er sich hinwandte, überall waren die gefährlich­sten Fußangeln. Sollte er mit dem großen Soldaten liebäugeln, mit den Bourbons oder gar mit der Guil­lotine, unter der sein Vater Egalite verblutete? Es gab nur Ein Mittel, und dies war mit der ganzen Vergangenheit des Place de la Revolution, mit der historischen Revolution zu brechen. Wo früher Blut in Strömen floß, da, befahl der Bürgerkönig, sollte jetzt, um das Pflaster für immer rein zu waschen, indifferentes Wasser fließen. Tritonen , Nereiden und Delphine offenbaren hier in fortdauernder Thätigkeit eine mächtige Wasserkraft und werfen ihre kalten Strahlen auf die kalte Asche der Opfer der Revolution. Louis Philippe, noch nicht zufrieden, großartige Eriu- nerungcn, den Schauplatz eines geschichtlichen Drama's

durch eine künstliche Sündfluth bedeckt zu haben, be­mühte sich endlich, auch den unfreiwilligen Gedanken der Pariser, zu denen diese historisch so fruchtbare Stätte eine so reiche Veranlassung bietet, ein künstliche Richtung zu geben. Aus dem Lande der Räthsel, wie ein berühmter Philosoph Aegypten nennt, ließ der Kö­nig der Franzosen den berühmten Obelisken von Luror kommen, der einst eine Zierde deS Huntertthorigen Thebens war, und wo sonst Ludwig XV. stand und Ludwig XVI. das Schaffst bestieg, da sehen die Pa­riser jetzt weiter nichts als ein Riesenwerk des gro­ßen Königs Sesoftris, das unter großen Anstrengpuge» vom Nil bis an die Ufer der Seine gebracht wurde. Von oben bis unten mit unverständlichen ver­witterten Hieroglyphen bedeckt, läßt der Obeliski bem Auge des Beschauers keinen andern Ruhe punkt als den der Inschrift, in der es heißt : daßLudwig Philipp I. König der Franzosen" een Obelisken unter dem rauschenden Beifall des versammelten Volkes habe aufrichten lassen. Scsostris und Ludwig Philippe diese Jocen-Assoziation ist eine so filmte, daß selbst ein Revolutionsplatz mit seinen zahlreichen Opfern darüber vergessen werden kann. Der Bürgerkönig griff hier­zu demselben Mittel, zu dem angestammte Stegen teil in Deutschland und Rußland stets shre^l »flücht genommen haben. Ma» läßt die Kinder in den Säulen ro mische, ägyptische chinesische Geschichte lernen, damit die ihres eigenen Landes