Einzelbild herunterladen
 

Freiheit nnb Neeht!"

â 98» Wiesbaden Samstag 2« April L8ZL

DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Boge«. De/ AbonnementSpreiü betragt vierteljährlich hier in Wiesbaden I fl. 45 fr., auswärts durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bet der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Sr. folge. Die JnserationSgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 fr.

Die Restauration und die Bourgeoisie.

$ Nur durch den Abfall der Bourgeoisie ist die Re­stauration der vormärzlichen Politik in Europa wieder eine Zeit lang obenaufgekommen ; wie lange wird die Aufklärung des wohlhabendes Mittelstandes noch zögern? Wir glauben darauf keine schlagendere Ant­wort und keine, welche unsere wiederholt ausgesproche­nen Kombinationen so vollständig bestätigt, geben ^u kön­nen , als folgende, welche! wir im neuesten Blatte der K. Z." erhalten, derselben Zeitung, welche als das Haupt­organ der Bourgeoisie in Preußen betrachtet werden darf.

Binnen wenigen Tagen", heißt es in einer Ber­liner Correspondenz derKöln. Ztg.",soll der Bun­destag am Main aus seinem Grabe erstehen. Oester­reich ist soweit einverstanden, soll aber seine besonde­ren Vorbehalte nicht verhehlen. Namentlich verlangt es, wie versichert wird, daß Artikel 59 der Wiener Congreßakte, welcher die Abstimmung im Plenum und im engeren Rathe betrifft, jedenfalls eine Veränderung erfahre. Es will absolute Stimmenmehrheit. Mit­tels dieser gedenkt es sodann seine weiteren Reform­vorschläge durchzusetzen, unter welchen obenan der steht, mit dem GesammtstaatZn den deutschen Bund einzutreten und die Zollfrage zur Bundes­sache zu machen!!! Diev.Manteuffel'scheFurcht vor derDemokratie" ist hierbei des Fürsten Schwarzen­berg bester Hoffnungsanker. Es soll dabei in Wien besonders auf demokratische Bewegungen tu Frankreich gerechnet werd ew! Wie Napoleons Rückkehr von Elba die erste Bundesakte zu Stande bringen half, so soll eine demokratische Erhebung jetzt Oesterreichs Planen zur Geburt verhelfen, nin sie un­ter dem Waffengeräusche einer neuen Coalition unbe­merkt ins Leben zu führen. Es scheint übersehen zu werden, daß in der gesummten deutschen Nation die Stimmung jetzt eine durchaus andere ist, als sie im Jahre 1814 war. Der Haß, der damals gegen den blutigen Corsen" in den Gemüthern lebte, lebt dort jetzt gegen die Wortbrüchigen und Treu­losen von 1848 und 1849, und insbesondere gegen des Fürsten Schwarzenberg kühnen Uebermuth und des Herrn von Manteuffel verhäugnißvolle Unfähigkeit und Muthlosigkeit. Was hat uns all das für die Besiegung Napoleons geopferte Blut einge­bracht, und was hätte es uns einbringen können! Es hätte uns den dauernden Frieden, das Reich des Bür­gerthums und der Reformen bringen können; eS hat uns dafür nur kurze Waffenstillstände und periodische Revolutionen, es hat uns nur ohnmächtige Restaura- tions«Versuche, nur schmerzliche Nicherfüllung des jun­gen Bürgerthums mit all dem wieder aufgegrabenen ekelhaften Moder des durch Napoleon schon bestatteten Feudalwesens eingetragen. Und was haben diese un­seligen Staats-Nestaurationen seitdem herzustelleu ver­mocht? Das junge Leben hat in wiederholten Aus­

Leuchtgas aus Holz.

Seit dem 19. März d. J. ist die Beleuchtung des Eisenbahnhofes in München mit Holzleuchtgas in ununter­brochenem Gang Die Darstellung eines stark leuchtenden Gases aus der Pflanzenfaser überhaupt, zunächst aber aus Holz, ist Gedanke von Professor Petlenkvfer in München, welchem sowohl die chemische Wissenschaft als Technik bereits auch andere wesentliche und bleibende Bereicherungen verdankt; wir erinnern nur an seine meisterhaften Arbeiten über Asfinirung des Goldes und Verbreitung des Platins , und über das Hâmatinon der Alten. Die hier in Rede stehende Sache ist von so großer Wichtigkeit, von so bedeutender Tragweite fürs Allgemeine, daß wir nähere Angaben darüber der ,Augsb. Allg. Ztg." sehr Dank wissen. Die gegenwärtig etwas über zwei Jahr alte Erfindung dieses Holzleuchtgascs hat sich in verhâltnißmäßig sehr kurzer Zeit den Weg ins praktische Leben gebahnt, was wohl vorzüglich daher rührt, daß sich Pettenkofer mit noch vier ausgezeichneten Männern verbunden hat, welche so viel Vertrauen in die Idee setzten, daß sie, trotz alles Abmahnens und aller Vorurthcile von ander t Seite ihre Kräfte ver­einten. um die Beleuchtnng des Müchener Eisenbahnhofes mit Holzgas auf eigene Kosten zu unternehmen. Wenn sich bei den ersten Versuchen, eine neue Sache im großen

brüchen ihre widerwärtigen Bauten aus einander ge­schleudert - und je mehr eS seitdem erstarkt ist, desto rascher muffen diese periodischen Ausbrüche sich folgen. In der That, eine schöne Aussicht! Croaten, Lom­barden und Magyaren sollen wir Deutschen zu Mit­bürgern erhalten, um desto besser und öfter in den kommenden Bürgerkriegen dieses scheußlichen Mischrei­ches Einer gegen den Anderen Aufgeboten zu werden, um Einer den Anderen festzuhalten unter dem Joche eines abgestandenen Junkerthums und eines theuren militärischen Absolutismus. Und einen solchen Zustand hält man für haltbar? seine Gründung für die Auf­gabe derSolidarität der konservativen Interessen?" Fürwahr, allekonservativen Interessen" des Bürger- thums empören sich in ihrem Innersten gegen solchen heillosen Unsinn, und nicht lange mehr, so werden sie zu dem Resultate gekommen sein, man müsse eben die ätzenden ,/ destruktiven Elemente" in Gottes Namen eine Zeit lang wüthen las­sen, bis dieselben mit der völligen Zerstörung jenes immer wieder obenauf koinmenden Moders gründlich zu Ende gekommen seien; dann »vvrven sie sich von selber be­ruhigen und wohl zu einer gewissen Neutralisation kom­men, ohne welche an den Dauernoeii Frieden nun einmal nicht mehr zu denken sei. D a s B ü r g e r t h u in h e g t g a r keine Schwärmerei für dieForm der Monar­chie; es liebt und vertheidigt dieselbe nur, weil und sofern es in ihr ein Element des Friedens,. der Stätigkeit in der bürgerlichen Gesellschaft erkennt; f a n n oder will sie dieses nicht sein, so mag sie allein sehen, wie sie sich halte! Die Staats- Restauratoren thun, als ob sie dieInstitution des Eigenthums" schützen wollten. Das aber ist eitel Prahlerei. DasEigenthum" ist keine positive.In­stitution", es ist eifach die materielle Seite der iiidi- viduellen Freiheit sei bei, und wird deßhalb aus jeder Krise von selber siegreich hervorgehen. Allerdings, sechs Monate socialistischer Erperiinente könnten viel zerstö­ren; aber die contre-revolutionären Erperiinente kosten auch genug, nnd das Schlimme ist, diese gewähren keine Aussicht auf ein Ende, während jene vielleicht bald zu wahrhaft befriedigenden Zuständen führen möchten. Das ist die Ansicht des Bürgerthums über die jetztige Restaurations- Politik, und die Pläne Schwarzenbergs und v. Man­teuffels werden sicher an dieser festen Ueberzeugung des Bürgerthums zu Grunde gehen. Die denbewaffneten Frieden" bezahlen müssen, dieselben werden es zuletzt auch zu entscheiden haben, wie lange sie fortfahren wol­len, auf seinen theuren und zweifelhaften Schutz sich zu abonniren! Man rüstet sich hier lebhaft, das Krystallschloß" in London zu besuchen Weil sie sich unseren obigen Betrachtungen zustimmend auschließen, mögen hier einige Zeilen aus einer Londoner Corre­spondenz derWeser -Ztg." Platz finden:Draußen auf grünem Plan" schreibt der Earrespondent funkelt das Krystallschloß, in welches endlich ein ga­

auszuführen, Hindernisse und Mängel zeigen, so wird das einen erfahrenen Techniker wundern; denn wie viele nicht vorherzusehende Schwierigkeiten sind bei der Ein­führung eines neuen Systems in irgend einem Fabrikations­zweige zu besiegen, um einen ungestörten ökonomischen Betrieb zu sichern! So erging es auch dem Holzgase, welches contractmäßig bereits im December v. I. ins Leben treten sollte. ES zeigte sich bei den ersten Ver­suchen im großen, daß mit den bestehenden Vorrichtungen den Prinzipien der Methode nur unvollständig Genüge geleistet wird, und die aus den gemachten Erfahrungen sich als nothwendig ergebenden Aenderungen ' nahmen so viel Zeit in Anspruch, daß die Beleuchtung deS Bahn­hofs erst am erwähnten Tage ins Leben treten konnte. Wir haben vor einigen Tagen diese erste kleine Holzgas­anstalt besucht, und nach gewonnener Einsicht ins Detail der Production, sie mit der festen Ueberzeugung verlassen, daß die Entdeckung sich bereits auf der Höhe befindet, daß ihrer allgemeinen Verbreitung und Benützung in nicht zu holzarn.en Gegenden vernunftgemäß nichts mehr entgegen stehen kann.

In der Holzgasanstalt deS Bahnhofs in München, wird gegenwärtig mit einer einzigen Retorte gearbeitet, welche aber solche Dimensionen hat, wie sie für das größte Gas-Etablissement passen, und allein schon den gegenwärtigen Gasbedarf des Bahnhofs vierfach liefern könnte; es lassen sich daher aus ihren Leistungen unmittel­bar Berechnungen für einen großen Betrieb entwickeln.

lanter Prinz das lange mißkannte und mißhandelte Aschenbrödel, den Gewerbfleiß, feierlich als Herrin eiu- geführt und zu Ehren installirt hat. Wer sieht noch ihre bösen Schwestern, Reaction und Revolution, an deren Pantoffeln Blut klebt, und ihre harte Stiefmut­ter, die Politik, an? Mögen sie vor Neid in die Erde versinken! Das Aschenbrödel aber steigt in ihrem Wun­derschloß aufs Noß, und hoch, als Kiß'sche Amazone, diesem Prachtstück der Kunst, wie in ihrem Zinkabgnß, des industriellen Muthes, mit dem Deutschland schon jetzt anerkannter Maßen den ersten Preis in diesem Kampfe errungen hat, hoch schwingt sie und mit fester Hand den Speer, durch den der Tiger sterben muß, der Blutdurst, der den armen Adam zu seines irdischeil Paradieses Genuß nicht kommen lassen wollte." Und viele Millionen in Europa, wenn sie von den öster­reichischen Truppen-Anhäufungen in Italien, und den russischen in Polen und längs Galizien hören, beten, daß es recht bald so geschehe, daß recht bald der Tiger" seinen letzten Biß gethan haben möge!" So dieKöln." und dieWsr. Ztg."!

Jetzt noch eine Stimmeaus Norddeutsch- land", welche sich in derAugsk. Allg. Ztg." erhebt, also im privilegirten Organe des Konservatismus. Der Artikel lautet, wie folgt:Wenn doch die Männer, welche seit inehr als einem Vierteljahr tu Dresden tagen und in das Danaidenfaß Wasser schöpfen, auch nur einigermaßen wüßten, was in den nichtoffiziellen Schichten der großen Masse des Volks vorgeht! Es wird selbst in diesen Tagen nicht für unpatriotisch gel­ten, darauf hinzuweisen. Verhehle man es sich doch nicht, daß Alles, was in Dresden geschieht und nicht geschieht, in der Nation auch nicht die alle» mindeste Theilnahme findet. Ich spreche hier insbesondere von den gebildeten Klaffen aller Parteischattirungen, die er- tremsten natürlich abgerechnet, von denen übrigens selbst jene nach rechts mit dem Saitg, welchen die Dinge an der Elbe nehmen, keineswegs zufrieden sind. Was wäre denn auch bis heute anders zu Tage gefördert worden, als laua caprina, um welche etliche Dreißig herumstreiten? Man hat uns gesagt, daß die Abge­ordneten zur Paulskirche nicht einsichtsvoll und gewür­felt gewesen seien, um etwas für Deutschland Ersprieß­liches zu Stande zu bringen. Man mag Recht gehabt haben. Aber denen, welche den lautesten Tadel erho­ben und die schärfste Kritik übten, ist nun seit 2 Ja! - den Gelegenheit die Fülle gegeben worden, die Dinge besser zu lenken. Wie ist ihr Gebühren gewesen? Ich weiß nicht, von wem das Wort herrührt, daß die Ebbe sehr tief fallen müsse, ehe gewisse Blöcke und Klötze über das Wasser hervortauchen können, so viel aber weiß ich, daß dieStaatsmänner von perikleischer Ho­heit" dermalen im deutschen Vaterlande sehr dünn ge- säet sind. Unsere Zustände erscheinen wahrlich nicht benei- denSwerth, daß aber das Ausland uns in unserem Unglück ärger als je verspottet und uns mit der Lauge des Hohnes und Spottes so frech überschütten darf, das

Sie faßt einen Gentner gespaltenes Holz und liefert in der Stunde mindestens 350 bis 360 Kubikfuß Gas in den Gasometer. In 1% bis höchstens 2 Stunden ist eine Beschickung (1 Cntr. Holz) abgetrieben, welche 650 bis 700 Kubikfuß Gas, je nach der Qualität des Holzes, liefert. Die Feuerung geschieht lediglich mit Torf, und sie kostet per Stunde, wahrend GaS gemacht wird, 910 fr. für diese einzige Retorte; wenn 2 oder 3 Retorten in demselben Ofen liegen würde», so müßte sich der Feuernngsanfivand für jede einzelne R torte nicht unbedeutend vermindern. Die in der Retorte erzeugte Holzkohle (19 bis 20 Proc. vom Gewichte des ailge- wandten Holzes) wird glühend auSgegrückt, und in Blech- kästen mit genau schließenden Deckeln zum Erkalten an die Luft gestellt. Die Föhrenkohlen, welche gegenwärtig in der Holzgasanstalt gewonnen werden, sind vollständig ausgebrannt unD compacter als die Meilerkohlen , daher von den Gewerbsnttistcra sehr gesucht. Von der Retorte aus geht das Gas durch die Thecrvorlage, de» Cviidcnsator und den Kalkreiniger in den Gasometer. An Theer er­hält Vie Holzgasanstalt 57 Proc. vom Gewicht des angewandten Holzes; derselbe ist von vorzüglicher Qualität; wir haben Holz und Eisen damit angestrichen gesehen, und den Anstrich ebenso compact und glänzend gefunden, wie von den, geschätzten Offenbacher Asphältfiruiß. Die Lichtstärke des erzeugten Holzgases ergab bei einer M f- sung, die in einem Bureau des Bahnamtes amtlich er­hoben wurde, 15^Wachsk.rzeu für einen Flachbrenner,