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^ Die nassauische Kreuzzeitungspartei

Motto:

Dat zijn ze niet, die Wilheimus blazen.

Altes holländisches Sprüchwort.

Die nassauische Kreuzzeitungspartei macht sich in neuerer Zeit wieder sehr breit. Sie ist aber sehr un­glücklich in der Wahl der Zeit und der Veran­lass u n g.

Als Veranlassung wählt sie das Attentat des Oberlieutenants von Krüger und die in Folge davon abschreckende Untersuchung. Eine böse Wahl! Kein anderer Fall, wie dieser, hat so klar nachgewiesen, daß in den Kreisen, welche bei uns die stock konservative Aristokratie spielen wollen, von den guten Eigenschaf­ten der Aristokratie nur noch ein nicht mehr erkenn­barer Bodensatz, dagegen von den schlechten Alles übrig geblieben ist. So überraschende Blicke in das Ge­triebe unserer Staatsmaschine, so rätselhafte und doch wieder unzweideutige Andeutungen hat noch kein Fall gegeben, als dieser. Nur etwas Tröstliches hat er gezeigt, eine im Ganzen ehrenhafte Haltung des Richterstandes. Und was geschieht nun? Nicht, ob­gleich, sondern well der Richterstand sich ehrenhaft gehalten hat, beginnt unsere Kreuzzeitungspartei eine Hetzjagd gegen ihn.

Frisch auf, zum fröhlichen Jagen, Ihr nachge­machten Krautjunker, Ihr Wouldbegentlemen! Die­ser Richter ist ein Dcmokrot! Jener ist ein Demokrat! Unsere Untergerichte sind mit Demokraten besetzt, unsere Mittelgerichte sind mit Demokraten besetzt; sie müssen gesäubert, purgirt werden. Kein Lavendelöl, kein Rosenwaffer mehr, nein zum Feuer, zum Schwert ge­griffen! Abaesetzl! Abgesetzt!"

Das ist das Hallali, welches das Organ unserer Kreuzzeitungspartei in jeder Nummer anstimmt! Fürwahr, die Veranlassung ist schiech: gewählt.

Und wie ist die Zeit gewählt? - Jhr.Stockkonserva- tiven, Ihr Ultraroyalisten, Ihr Treuesten aller Treu- bündler, wo wart Ihr denn im Jahre acktundvierzig? Habt Ihr alle erst Anno fünfzig und eiuuudfünfzig das Licht der Welt erblickt? Gewiß nicht, Ihr seid so zu sagenMänner", Leute bei Jahren. Nun und warum, die Ihr jetzt so nltraroyalistisch, so absolutistisch seid, da das keine Gefahr hat, es zu sein, warum wä­ret Ihr cs nicht auch im Jahre achtundvierzig, da in der That einige Gefahren hatte?

O glaubet nur, das Volk hat ein gutes Gedächt­niß, es lernt nicht nur, es vergißt auch nicht. Es er­innert sich noch sehr gut, daß Ihr Alle, Alle, nach den stürmischen Tagen des März um seine Gunst buhl­tet und Euch für Demokraten ausgabt.

Was ist z. B. aus jenem Rcgierungsrath gewor­den, welcher in den Märztagen für allgemeines birek-

Engliscye Charakteristiken.

Nach Macaulay'S Essays.

John Hampden. (Fortsetzung.)

X Die entscheidende Krisis fand parlamentarische Kräfte, wie England nie zuvor gesehen hatte. Im Unterhause saßen Männer, wie Falkland, Hyde, Digby, Young, Harry Baue, Oliver St. John, Denzil, Hollis, Na­thaniel Fiennes. Den überwiegendsten Einfluß auf Legislatur und Land aber übten zwei Männer, Pym und Hampden, unter denen, nach einstimmigem Urtheil von Freund und Feind, wiederum Hampden den ersten Platz einnahm.

Bei »Gelegenheiten, die große Parteireden erforder­ten, war Pym in der Regel Leiter. Hampden trat selten zuletzt in der Debatte auf. Seine Beredsamkeit war von der Art, die zu allen Zeiten in Englands Parlamenten in höchster Achtung gestanden: schlagfer- t g, vollwichtig, klar, kurz und bündig. Sein Bewußt- f in über die Stimmung und Richtung des Hauses war fast untrüglich, seine Gemüths, nhe und Geistesgegen­wart unzerstörbar, sein ganzes Wesen fein und gewandt, üch nie etwas vergebend, noch herausnehmend oder über den Kern die edle Form vergessend.Selbst bei denen," bemerkt Clarendon,welche im Stande waren, sich

tes Wahlrecht schwärmte, Artikel dafür in die jetzt so verpönteFreie Zeitung" schrieb, sich dieser Artikel in Volksversammlungen, an welchen sich das Proletariat betheiligte, berühmte, Volksreden hielt, das Gemeinde- gesetz vertheidigte, weil es ein demokratisches sei, nach einem Sitz in der Kammer strebte, in denVier Jah­reszeiten" ein Wahlprogramm aufstellt'-, das radikale Abschaffung der Grundlasten verhieß?

Er lebt, glaub' ich, noch, aber er macht nicht mehr in Demokratie.

Wir haben viele derartige Portraits aus den ver­schollenen Märztagen in unserer Mappe. Wenn es die Kreuzzeitungspartei so will, wenn sie uns dazu zwingt, dann werden wir eins nach dem andern an das Schanfensterchen der Oeffentlichkeit stellen.

Ihr seid die wahren Kreuzritter nicht! Nehmt Euch ein Muster an den Preußische». Hat Gerlach Ar­tikel in dieZeitungshalle" oder in dieUrwählerzei­tung" geschrieben? Hat er bei Mielentz radicale Re­den gehalten? Hat Stahl für allgemeines Wahlrecht geschwärmt und geschrieben? Nein! Deshalb steht ihnen auch ihr Kreuzritterthum wohl zu Gesicht.

Euch nicht! Zu Euch kann jeder Demokrat mit den Worten treten:Wer von Euch sich frei weiß von demokratischen Antecedeutien, der werfe den ersten Stein auf mich!"

Ihr liumt Euch Eurer Treue gegen den Fürsten, Ihr pocht darauf, Ihr wollt um deßwillen beschützt, begünstig werden. Lernt von den Holländern!

Die Holländer haben ein altes National-Lied auf ihre Fürsten-Statthatter, welches mit den Worten be­ginntWilhelinus van Nassawe; Jeder, der sich bei Hof empfehlen wollte, brüllte möglichst laut dies Lied. Die klugen, dicken, kaltblütigen Holländer aber erfanden das Sprüchwort:Dat zijn ze niet, die Wilhelinus blazen, aus Deutsch:Das sind Die wahren Helden nicht, die immer den Wilhelinus im Maul führen."

Wäre ich Fürst, ich glaubte mehr als Euch, dem holländischen Sprüchwort!

Deutschland.

«° Wiesbaden, 23. April. DasDresdener Jour­nal" enthält einen augenscheinlich aus österreichischer Quelle stammenden Artikel, worin entschieden in Ab­rede gestellt wird, daß die letzten Verhandlungen zwi. schen Wien und Berlin auf Die Frage der Anerkennung der Beschlüsse der Bundesversammlung durch die cin-- tretenden Regierungen Bezug gehabt hätten, wie man­che Blätter wissen wollten. Dann heißt es weiter: Sollte etwa darüber unterhandelt werden, ob die üb­rigen seither abweieuten deutschen Negierungen, wie es die Geschäftsordnung der Bundesversammlung festietzt, die Protokolle nachträglich unterzeichnen werden? Dar­

vor seinen Einflüssen zu bewahren, und welche die in ihm befestigten Ansichten, mit denen sie nicht übercmstlm- men konnten, erkannten, galt er als eine geniale und gewissenhafte Person." Seine Talente in den Geschäf­ten standen denen in der Debatte keineswegs nach. Er war so thätig und wachsam, daß er vom Fleißig­sten nicht übertroffen noch ermüdet und in manchen Stücken vom Feinsten und Scharfsinnigsten nicht hm- ters Licht geführt werden konnte." Aber ungleich mehr noch beruhte der ungeheure Einfluß, den er besaß, auf seinem Rufe als charakterfester Ehrenmann, denn auf seinen seltenen Geistcögaben.Als dies Parla­ment begann", bemerkt Clarendon ferner,waren Aller Augen auf ihn gerichtet, wie auf ihren pater patriae und auf den Steuermann, der das Schiff durch die Stürme und Klippen, die es umdrohten, führen müsse. UnD ich bin überzeugt, daß seine Macht, Gutes ober Böses zu thun , zu jener Zeit größer als Die irgend eines Mannes im Königreiche war, oder als irgendein Mann von seinem Stande jemals gehabt hat; denn sein Sins als Ehrenmann war allgemein und seine Leidenschaften schienen so öffentlich dazuliegen, daß keine Verführung noch ein Privatvortheil ihn von seiner Bahn ablenken konnten. Er war in der That ein kluger Mann und von großen Gaben und besaß dabei das größte Talent zur Popularität und unter Allen, die ich je gekannt, die glänzendsten Fähigkeiten, das Volk zu leufen."

über ist keine Unterhandlung denkbar. Bei ihren, Ein­tritt unterzeichnen die früher abwesenden Buntcsgtie- der die Protokolle, oder sie unterzeichnen sie nicht. Ob rje es thäten oder unterließen, dadurch gewännen die Beschlüsse ebenso wenig an rechtlicher Bedeutung, als sie an solcher einbüßten. Die Beschlüsse sind von der legalen Mehrheit gefaßt und dahier für alle deutschen Regierungen rechtsgültig. Die aus ihnen dem Bunde erwachsenen Lasten sind gemeinsam von Allen zn tragen." Sagt Herr v. Manteuffel auch dazu Amen ? UebrigenS bietet man in Dresden Alles auf, um Den Rückzug möglichst ehrenhaft erscheinen zu lassen, damit die Scha­denfrohen sichgetäuscht haben sollen." DerLloyd" hält übrigens die Welt noch für zu unmündig, wenn er sich einbildet, daß der Schleier, der ohnehin hundert Enthüllungsriffe hat, nicht durchschaut würde. Es hilft nichts: jedes Kind weiß es, die Dresdener Konferenzen gehen so kläglich aus, wie das Erfurter Parlament.

Frankfurt, 22. April. Die Regierung Oesterreichs hat dem hiesigen Mäkler-Syndicat die unentgeldliche telegraphische Mittheilung der Wiener Börsen-Course bis Oderberg (Preuß. Gränze) zngestauden. Man hofft, die preußische Regierung werde nunmehr ein Gleiches von ihrer Seite hinsichtlich der Berliner Course be­willigen.

Frankfurt, 23. April. Nach einer Notiz des tags- geschichtlichen Berichts in Nr. 96 desJntelligenzblat- tes der freien Stadt Frankfurt", ist eine hundert Köpfe starke Zigeunerbande, aus Ungarn komnicnv und nach Algier sich begebend, an hiesiger Stadt vorübergezogen.

Gieße», 17. April. Unserer Universität steht ein doppelter Verlust bevor. Zwei Der ausgezeichnetsten Lehrer unserer Hochschule sollen mit Der badischen Re­gierung in Unterhandlung stehen, um Vocationen an Die Universität Heidelberg auzunehmen. Der Erste ist Professor L i eb i §. w<,wv ^M Aktpr der Ekemie an Gmelm's Stelle und Der zweite Professor Re uand. Der als Lehrer Der Jurisprudenz an Morstabt's Stelle dorthin kommen soll.

Kassel, 17. April. Wie in Kurhessen noch immer­fort gemaßregelt wird, um daS arme Land in Den Ab­grund zu bringen, lehrt folgende Cor. desSchwb. Mrkurs.":Die beiden Bundeskominissäre für Kurhessen, Graf L e i n i n g e n und v. U h d e n, haben nun gemeinschaftlich einen Gereralbericht über d e der- malige Lage der Dinge und Verhältnisse in unserem Lande abgefaßt. Authentische Abschriften dieses Akten­stücks sind nach Dresden und Frankfurt, nach Wien uaD Berlin von hier abgegangen, und es ist von Sei­ten der gedachten Komuilssarien ihre» resp. Kabinelen anheimgegeben worden, was unter den jetzigen llmstän- oen weiter zu thun seyn möchte. Jener Bericht ist, wie man vernimmt, zugleich mit unmaßgeblichen Vor­schlägen und Anträgen begleitet, die auf an Ort und Stelle gesammelten Thatiachen gegründet sind. So viel man erfahren, hat die Bundcskommission bei ih-

Um die riesige Thätigkeit des langen Parlaments während seiner ersten Session zu charakterisiren, brau­chen wir nur seine hauptsächlichsten Beschlüsse zu nen­nen: Strafford tWeutworth) und Laud wurden in An­klag staub versetzt und verhaftet, Strafford darauf zum Tode verurteilt und .hingerichtet. Der Grojtstegelbe- wahrer Finch entfloh nach Holland, StaatSfecretar Windebank nach Frankreich. Alle diejenigen, welche dem Könige während der letzten zwölf Jahre zu Werk­zeugen der Nttterbrücktmg gedient von den servilen Richtern, welche gegen Hampden zu Gunsten der Krone erkannt, bis hiunuler zu Den SberiffS, welche Schiffs­geld erpreßt, und zu den Zollbeamten, welche Tonnen- unD Pfundgelb erhoben hatten wurde» ihres Ver­fahrens wegen zur Rechenschaft gezogen. Die Stern- kammer, der Hof der hohen Kommiision, wie der kö­nigliche Rath von York wurden aufgehoben. Die un­glücklichen Opfer Laud'scher Grausamkeit, die nach rr- dulveter öffentlicher Ausstellung am Pranger und Ver­stümmelung an Ohren und Nase zum Vermodern in den Kerker geworfen wo: den, wurden in Freiheit ge­fetzt und, im Triumphe von der ganzen Bevölkerung geleitet, durch London geführt. Der König wurde aui- geforvert, den Richtern Anstellung auf Lebenszeit oder während untadeligem Wandel auszustellen. Zugleich ward die Kione der despotischen Machtvollkominenhei- ten, welche als lleberreste der Fendalzeiten noch bestan­den oder wieder hervorgeholt worden, entkleidet. Die