„Freiheit unb Zieeht!"
^g NA Wiesbaden Mittwoch 23. April 1881.
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Herr von Manteuffel.
* „Der Rückblick in die Vergangenheit hat immer sein Gutes, namentlich'in einer Zeit, wie die Unsrige, die bekanntlich schnell vergißt, wenig lernt, und doch so weise — sein will!"
„In Beherzigung dieser Worte des preußischen Ministerpräsidenten bringt die „Weser-Ztg." eine Charakteristik des Herrn von Manteuffel, welche von dem Momente anhebt, wo sein Ruhm beginnt, vom November 1848. Wir theilen diese Skizze sowohl mit, weil wir uns freuen, einmal mit Herrn von Manteuffel in etwaS einverstanden zu sein, nämlich in der Ansicht, daß Rückblicke immer ihr Gutes haben,wie auch deshalb, weil wir nicht oft genug auf den Fortschritt in der politischen Durchbildung des deutschen Nordens aufmerksam machen zu können glauben. CS ist die konstitutionelle „Weser-Ztg.", die jetzt so unverblümt über die Ereignisse seit 1848 redet.
„Von den rettenden Novemberthaten an bis zu dem sogenannten „Bruch mit der Revolution" läßt sich nachweisen, daß Herr von Manteuffel gerade diejenigen Eigenschaften, welche man am meisten an ihm rühmt: Muth und Offenheit, am wenigsten besitzt, und alle seine retrograden Erfolge auf Schleichwegen imd unter der „Maske der Ehrlichkeit" erreichte. Statt die in Berlin tagende Abgeordnetenveisammlung anfzn- lösen und heimzuschicken und sich der von einem früheren Ministerium concentrirten Truppenmacht zu bedienen, verlegte und vertagte man. Die Motive dieser Verlegung und Vertagung wirkten schlimmer, als die stärkste Maßregel der Gewalt. Statt eine Verfaffnna zu oktroyiern , welche das volle Maß dessen Nithielt, was Krone und Regierung für das Angemessene erachteten, erließ man ein Statut, dessen wesentliche Bestimmungen von 'den Gesetzgebern selbst späterhin für unvereinbar mit Preußens Eristenz erklärt wurden. Abermals suchte man das Heil auf Umwegen, indem man darauf zählte, daß die Kammern es auf sich nehmen würden, die von der Regierung für nothwendig erachtete Reaktion durchzuführen. Offen gestehen wir, daß damals, so viel man auch gegen die Politik der Regierung einznwcndcn fand, es doch nicht schien, als sei die Ursache jener Wendungen in Muthlosig- kei t zu suchen. Die neuesten politischen Ereignisse, durch welche Hr. v. Manteuffel eine so überaus bekannte Persönlichkeit geworden ist, lassen keinen Zweifel übrig, wie jene Schritte und alle folgenden zu deuten sind. Herr v. Manteuffel spricht mit Emphase vom „Brechen mit der Revolution" und gerade das, wozu er am allerletzten tauglich sich erwiesen hat, ist diese Energie des offenen" Bruchs. Hr. v. Manteuffel ist eine Natur der Vermittelung, eine wahre Centrumsnatnr. Hundertmal versucht er es mit dem Biegen, ehe er sich
zur Herbeiführung eines Bruchs entschließt. Und selbst wenn dieser beschlossen ist, dreht und wendet Hr. v. Mantenffel die Handhabe der Thatsachen so, daß ein Anderer diesen Bruch bewirkt. Im November 1848 hatte Herr v. Manteuffel nicht den politischen Muth, die Versammlung aufzulösen. Er erklärte mit Betheuerungen, keine Auflösung und Oktroyirung zu wollen. Er vertagte, verlegte. Die Versammlung sollte sich selbst in sich auflösen. Dies bezeichnete Hr. v, Manteuffel denn auch als Ursache, indem er die Auflösung vollzog. Im December 1848 fehlte Hrn. v.. Manteuffel der Muth, eine Verfassung zur Octroyi- rung vorzuschlagen, wie er sie für nothwendig erachtete. Nicht er wollte, sondern die Kammern sollten das Odium tragen! Im April 1840 fehlte Hrn. von Manteuffel der Muth, die offene Ablehnung der. Kaiserkrone anzuratheu. Hr. d. Manteuffel verwahrte sich feierlichst dagegen — noch in den Apriltagen, — als sähe er die zu Frankfurt beschlossene Reichs- verfassung für einen bloßen Entwurf an, wenn er auch ihre Rechtsgültigkett nicht vor Zustimmung der Regierungen anerkennen könne. Er verantwortet bekanntlich eine Antwort, welche weder annimmt, noch ablehnt, sondern das „Anrecht" wahrt. Bei der Abberufung der in Preußen gewählten deutschen Abgeordneten wurde das muthlose Argument wieder gebraucht, die Versammlung habe sich von ihrem Boden entfernt, sich selbst vernichtet. Vor Eingehung der UnionSpolitik hatte Hr. v. Manteuffel nicht den Muth, Hrn. v. Rado- witz gegenüber zu treten. Er transigirte mit der deutschen Sache, mentaliter reservirend, was wir jetzt erlebt haben. Hr. V. Manteuffel b.folgte genau die Uuivnöpvlitck des Herrn v. Radowch. Beweis dafür ist, daß er in Erfurt als Abgeordneter, b. D. also, indem er i>« sh""»». ^ Uyiucn Äewffsenö Gehör gab, gegen die eigene Verfassung stimmte. Daß das Erfurter Parlament selbst die Union vereitelte, scheiterte an der unabhängigen Gesinnung der Mehrheit i i beiden Häusern. — Aber gleichzeitig verbreiteten die Agenten des Ministers, daß er auf das Entschiedenste gegen die Nadowiyische Politik sei. Hr. v. Manteuffel entbehrte daher jedenfalls des Muches, entweder indem er seine wahre Gesinnung gegen jene Politik an den Tag zu legen sich scheute, oder wenn jene Agenten logen, indem er solche Versuwe machte, p vli ti swe Gegner zu ködern. Dieses doppelte Spiel charaklerisirt die ganze Periode dieses Staatsmannes, während welcher er die llnionspoliiik und das Ansehen ihres Trägers untergrub. Hr. v. Manteuffel hatte, wie wir sahen, nicht den Muth gehabt, Herrn v. Radowiy offen an dessen Politik zu verhindern. Er suchte demselben auf Schleichwegen beizuko nmeu, ihn hinterrücks zu überfallen. Es war dieselbe Politik in Bezug auf die Univnsmche, wie 1848 gegen die Berliner Versammlung. Wie er damals die Austösung auf dsm hum neu Pfacc vor|org= licher Verlegung und Vertagung erreichte, w strebte er diesmal der Austösung der Union zu, in der Ark, daß er zur Unzeit ein Definitiv« m forderte oder zu
fordern schien, und daß er statt offener Opposition, wozu der Muth ihm abging, sein Heil in Jmriguen versuchte. Gegen Radvwitz wurde ein ganzes System von Ver- leumLunge» ins Werk gesetzt und die bezahlten Agenten des Ministeriums drängten sich an seine erklärten und ehrlichen Gegner, ohne daß diese sich ihrer Haut gegen das Gesindel zu wehren vermochten. Er »ürzte die Unionöpvlilik. Aber er hatte nicht den Muth, sich dazu zu bekennen, sondern haschte noch jetzt nach Popularität, inde m er den Schein annahm, sie nur deshalb aufgegeben zu haben, weil sie ohne sein Verschulden und durch stete Mißachtung seines guten Raths wesenlos und unausführbar geworden! Dieselbe Mutblosigkeit ebarab terisirt und erklärt die neuesten ©dritte des Herrn von Manteuffel. Er hatte nicht den Muth , die hessische Verfassungstreue zu billigen; sie beschimpfend widmete er ihr seinen Schlafrock, seine Pantvff In. Aber auch den Much, Haffcnpstug anzuerkennen, wie Herr v. Gerlach gethan, hatte er nicht; er erklärte, noch lange kein ^.Hassenpflüg zu sein, als er eben den Anlauf nahm, ' ihn staatsmännisch zu übertreffen! — Die Unsicherheit, die Muthlvsigkcit des Ministers zeigt sich am deutlichsten in seinem Verhältniß zu Oesterreich. Während er einerseits Oesterreichs Freundschaft um jeden Preis suchte, und zu biefem Zwecke kein Opfer preußischer Ehre und Macht scheute, — hatte er anderseits doch nicht den Muth, ein ehrlicher Freund dem neuen Freunde zu sein.
„Das Schielen nach links, der unselige Anhang von „Liberalkonservativen" und mehr noch der angeborne Mangel an Muth machten es möglich, daß Herr von, Manteuffel in öffentlichen Akten das neue Verhältniß' zu Oesterreich in einer Weise darstellen ließ, als ob eigentlich der Fürst Schwarzenberg übervortdeilt mnr< den, jYcito- ^n^^ " entsprang das ansgechrengte
^Gëruchtslnan suche durch die Unter iianchingen blos Zeit für die Rüstungen zu gewinnen; diese Gerüchte thaten ihre Wirkung; derselben entsprang die Unwahrheit von der verabredeten Konferenz in Oderberg (nur an Lokal len habe es dort gemangelt;) derffelben Muth- losigkeit verdankt Preußen die Mobilisirunq wie die Demobilisirung und ihre traurigen Folgen. Immerhin schien ihm jede neue Organisation Deutschlands em- pfehlenswertper als der alte verhaßte „Bundestag." Denn, wie im Obigen nachzuweisen vernicht ist und noch mit zahlreichen Thatsachen belegt werden kann, Herr v. Manteuffel, der Mann des Centrums, legt bei aller zur Schau getragenen Mißachtung der öffentlichen Meinung dennoch ein ungemeines Gewicht auf den Schein, in welchem seine Maßnahmen stehen. Ueberdies bestimmen ihn in diesem Trachten nach dem Schein die liberal-konservativen Spießbürger, auf welche er sich gern stützt, zu deren Gunsten er bald gegen die Revolution eifert, bald liberal auftritt, bald deutsch, bald preußisch zu scheine» versteht, ferner die Deserteurs aus der radikalen und liberalen Partei, welche sein Brod essen und deren schlechter Leumund mehr und mehr zunimmt, je weniger der Minister
Englische Charakteristiken.
Nach Macaulay'S Essays.
John Hampden.
(Fortsetzung.)
^ In dem Parlamente von 1640 saß Hampden für Buckinghamshire und widmete sichvon diesem Tage an bis zu seiner Todesstunde mit kaum nennenswerthen Unterbrechungen dem Dienste der Nation. Zu dem Zwecke schlug er seine Behausung in Gray’s Inn Lane, neben dem Hause, wo Pym wohnte, auf, mit dem er fortan in innigster Vertrautheit lebte. Seine Zeit war endlich gekommen: er war der populärste Mann in ganz England. Die Opposition blickte auf ihn als ihren Führer, und die Diener des Königs behandelten ihn mit unverkennbarer Vorsicht und Scheu.
Karl I. stellte an das Parlament das Verlangen, daß es ihn sofort eine Beisteuer votire, wogegen er sein königliches Wort verpfändete, daß er ihm Zeit geben werde, um ihm ihre Beschwerde vorzulegen. Die Beschwerden, unter denen das Volk seufzte, waren so ernster, bringender Gestalt und das königliche Wort wiederholt so schamlos gebrochen worden, daß die Gemeinen unmöglich hoffen durften, auf dem Wege des unbedingten Vertrauens zum Ziele zu gelangen. In der ersten Woche der Session legte Olivier St. John die Akten wegen des Verfahrens gegen John Hampden
auf den Tisch des Hauses und der Ausschuß erklärte in seinem Berichte die Sache für dringend. Da schickte der König eine Botschaft an die Gemeinen, worin er sich anheischig machte, die Prärogative des Schiffsgelkes aufgeben zu wollen, wofern ihm 12 Suv- ftoten bewilligt würden. 12 Jahre zuvor hatte er 5 Subsidien in Anbetracht seiner Zustimmung zur Petition of Right erhalten und sich durch diese Zustimmung zugleich des Rechtes, auch das Schiffsgeld zu erheben, vollständig begeben, ganz abgesehen davon, daß es schon damals streitig war' ob die Krone dasselbe überhaupt jemals rechtmäßig besessen. Wie er dazumal sein Wort gehalten, dessen war ganz England Zeuge. Folglich hieß es den Gemeinen eine sehr starke Zumuthung stellen, wenn sie für ihr altes offenkundiges Recht wieder und wieder mit der Krone markten und das Volk belasten sollten.
Dennoch wurde Karl's Botschaft keineswegs mit der Entrüstung vernommen, die sie verdiente. Die Gemeinen waren ernstlich und aufrichtig gewillrt, dem König eine bedeutende Steuerbewilligung zu machen, nur fühlten sie sich nicht geneigt, dieselbe für eine Prärogative zum Entgelt zu bieten, deren Rechtmäßigkeit sie sammt und sonders in Abrede stellten. Sobald sie auf Karl's Anerbieten eingingen, erkannten sie die Gesetz. Mäßigkeit der königlichen Erlasse zur Erhebung des Schiffsgelbes an. Hampden, in parlamentarischer Taktik der größte Meister seines Zeilalters, merkte sogleich,
daß dies die feste Ueberzeugung Aller sei und machte dieselbe zur Basis seines FeldzngoplaneS. Er stellte die Motion, daß die Frage zur Abstimmung gebracht werde: „Ob das Haus zu dem Vorschläge des Königs, als enthalten in der Botschaft, seine Zustimmung ertheilen wolle?" Hyde stellte den Vermittlungsautrag dagegen, daß die Frage getheilt und die Meinung des HailseS einfach darüber befragt werden solle: „Beisteuer oder keine Beisteuer?" unb daß die Art und Weise, desgleichen der Belang derselben einer späteren Erwägung anheimgestkllt bleibe. Die Majorität des Hauses war, wie gesagt, für Bewilligung einer Beisteuer, doch gegen Bewilligung derselben in der vom König verlangten Weise. War das Haus bei Hamp- bkn's Frage getheilt, so erlitt der Hof eine Niederlage; war es getheilt bei Hyde's Anträge, so errang der Hof einen icheinbaren Sieg. Ein Tpeil der Mitglie- ter sprach für Hampken'S, Andere waren für Hyde's Motion. Da erhob sich in Mitten der Aufregung der Staatssekretär Sir Harry Vane mit der Erklärung, die Beisteuer werde nicht angenommen, falls sie nicht nach dem strengen Wortlaute der königlichen Botschaft votirt sei. Hyde's Motion wurde auf diese Erklärung hin fallen gelassen und die Diskussion über die allgemeine Frage auf die folgende Sitzung verschob«,.
Am folgenden Tage erschien der König im Hause der Lords und löste das Parlament nach einer züruei^- den Strafrede auf. Sein Benehmen bei dieser Gele-